„Und? Was nimmst Du Dir für nächstes Jahr vor?“ Kristina und ich wandern im Berner Oberland und plaudern über dies und das. „Sportportraits“, ist meine kurze Antwort und dann „nicht nur als Portrait, da muss noch mehr dahinter.“ Wir diskutieren das sehr lange und langsam wird aus dem schwammigen „da muss noch mehr dahinter“ eine konkrete Idee. In den vergangenen Jahren habe ich meine Pläne für das kommende Jahr immer ein wenig in der Hinterhand gehalten. Um Dich besser motivieren zu können schreibe ich aktuell eine ganze Reihe kleiner Beiträge mit Denkanstössen und sanften Schubsern. Zeit die Zügel anzuziehen und Dir kräftiger vors Schienbein zu treten? Mit der Umsetzung meines 2017er Projektes habe ich bereits vor einiger Zeit begonnen, hier ein paar Einblicke in meinen Planungsprozess. 

Outdoor Portrait Workshop in Emden am Hafen

Outdoor Portrait Workshop in Emden am Hafen

2015 war das Jahr der Portraits und Mitarbeiterfotos

Im Jahr 2015 habe ich sehr viel im Studio gestanden. Bzw. in Sitzungszimmern und Küchen. Volumen generieren. Mein Ziel war: „1000 Portraits voll machen“, denn wenn ich 1000 Gesichter nachbearbeitet habe, 1000 unerfahrene Menschen vor der Kamera hatte, dann habe ich etwas gelernt. Diese Woche z.B. habe ich rund 70 Studenten an der Berner Fachhochschule fotografiert. Das ging sehr routiniert, zügig und dennoch locker. Auch die Nachbearbeitung mache ich sorgfältig, aber zügig. Dadurch kann ich solche Aufträge zeitnah abschliessen und habe Luft für neue Dinge.

Mein mittelfristiges Ziel war es, in 2016 von den Portraits leben zu können und das kann ich inzwischen. Diese Woche z.B. habe ich an 6 Tagen 7 grössere Aufträge gehabt – und sitze aktuell im Zug zum 8ten, einem TfP Fitness Shooting mit der Schweizer Meisterin in der Bikini Klasse. #läuft werden jetzt einige denken, #fastschonzuviel denke ich. Und #zeitDiePreiseAnzuziehen

Sonnenaufgang in den Alpen der Schweiz im Zelt. Kann Natur noch schöner sein?

Sonnenaufgang in den Alpen der Schweiz im Zelt. Kann Natur noch schöner sein?

2016 war das Jahr der Landschaftsfotografie

Mit dem finanziellen Grundgerüst der Bewerbungsfotos konnte ich mich dieses Jahr verstärkt auf die Landschaftsfotografie stürzen und habe dort mein Image aber auch meine Skills massiv ausgebaut. Das ist konsequent, bin ich doch seit 2004 als „Landschaftsfotograf“ in den Bergen unterwegs. Die Portraits habe ich dabei nicht aufgegeben, sondern viele meiner Lieblingsfotos von 2016 haben das Thema „Mensch in Landschaft“. Und immer wieder tauchen Sportler in meinen Fotos auf. Der wichtige Punkt ist: Ich habe 2016 nicht etwas komplett anderes gemacht, sondern mich weiterentwickelt und Dinge kombiniert, die ich vorher gelernt habe. In diesem Jahr habe ich oft gedacht “jetzt kommen die Fäden zusammen” und viel von langfristig aufgebauten Skills profitiert. Meine Schreiberei z.B. habe ich über Jahre aufgebaut. Ohne die Vorarbeit wären die beiden Bücher keine Bestseller geworden. Das Landschaftsfotografie Buch lebt aber nicht nur von meiner “lockeren Schreibe”, wie mein Diplomarbeits-Prof. das genannt hat, sondern auch von den Fotos. Es braucht beides.

Siehe auch Turning your Passion into a ProfessionRückblick 2016,  Jahresrückblick 2015 und hast Du eine Fotowand?

2017 wird das Jahr der Sportler

Für 2017 habe ich mir zum Ziel gesetzt, 12 Spitzensportler zu fotografieren. Aber nicht einfach nur zu fotografieren, sondern es wird ein grösseres und hoffentlich sehr spannendes Projekt. Die Details gibt es dann im Januar, die Vorbereitungen laufen schon seit längerem, erste Termine habe ich auch schon abgemacht. Die 12 müssen nicht zwingend jeweils in einem Monat kommen, das wird sich logistisch nicht genau auf die Kalenderwochen legen lassen. Aber ich sollte im Juli 6 weg haben. Dieser Blogbeitrag macht das Projekt offiziell und gibt mir selbst damit den nötigen Schienbein-Tritt, das wirklich zu starten. Und es wird mich 10 mal in 2017 zwingen, Leute anzuschreiben, womit ich mich überraschend schwer tue. Das Ziel gibt mir Motivation, es macht meine Planung messbar und es wird (wieder) mein Image ändern. Nicht komplett umkrempeln, aber dahin lenken, wo ich hin möchte. Mein grosses 3-Jahres-Ziel möchte ich Ende 2017 erreicht haben.

Für mich wird der schwierige Teil nicht das Fotografieren sein, sondern das Networking, die Planung, das ganze Drumherum bis ich mit der Kamera hinter meinem Blitz stehe. Das ist für mich wie eine Wettkampfsituation. Beim Wettkampf spule ich nur noch mein Programm runter. Die Arbeit habe ich im Vorfeld gemacht.

Langfristige Planung: Strategie vs. Taktik

Meine Planung erfolgt immer auf mehreren Stufen. Ich habe kurzfristige Termine (kommender Monat), mittelfristige Ziele (aktuelles Jahr) und grosse Pläne (innerhalb der nächsten 3-5 Jahre). Und dann eine Träume-Liste (einmal im Leben möchte ich XXX). Um an mehrere Spitzensportler ran zu kommen brauche ich Beziehungen – und/oder Referenzen. Diese habe ich mir die letzten Jahre aufgebaut. 

Als ich ernsthaft mit der Fotografie angefangen habe, war mir klar, dass ich Outdoor Sportler in ihrem Element fotografieren möchte. Das habe ich über die Jahre auch immer wieder gemacht und inzwischen sehe ich mich dort, wo ich hin kommen wollte. Vorgestern war ich mit einem der besten Sportler der Welt in einer interessanten Randsportart ein Bier ziehen und wir haben konkret überlegt, wann wir ein konkretes Projekt umsetzen können. Ich konnte ihm anhand meiner Fotos aufzeigen, wie das aussehen wird und was er dafür können muss. Das gleiche Gespräch hätte ich vor einem Jahr noch nicht so führen, bzw. mein Zielfoto noch nicht machen können. Üben werden wir das dennoch müssen, aber ich bin überzeugt, dass es klappt und es wird ein Foto, das es so noch nicht gibt. Keine abgeschaute Standard-Idee, sondern es passt zu uns beiden.

Think BIG

In unserer Gesellschaft kommt es nicht immer gut an, wenn man nach den Sternen greift. Wenn ein Spitzensportler sagt, dass er Weltmeister werden will, dann nicken alle und rechnen sich die Chancen aus. Wenn ich sage, dass ich “der beste Fotograf der Schweiz” werden will – ernte ich Spott und Hass-Mails. Wahrscheinlich aus Neid. Aber wenn ich aus Angst vor meinem Umfeld mein Ziel nur als “ich möchte besser fotografieren lernen” setze – dann werde ich das zwar erreichen, aber niemals so gut werden, wie wenn ich versuche “der Beste” zu sein. Da ein gutes Ziel messbar und terminiert ist, habe ich natürlich nicht “der beste Fotograf der Schweiz” als Ziel und ich werde mein konkretes Ziel hier nicht nennen. Es ist sehr hoch gesteckt – und nicht innerhalb von zwei, drei Jahren erreichbar.

Nicht jeder möchte “der Beste” werden. Aber dennoch gilt das gleiche Vorgehen: Lerne von Leuten, die das was Du können möchtest bereits sehr gut können. Und verstehe, was sie anders machen als Du.

Der wichtige Anstoss ist: Häng die Messlatte hoch. Und dann noch mal deutlich höher! Du liebst Bowling? Dann such Dir die besten Bowling-Fotos der Welt, verstehe warum die so gut sind, mach die Fotos nach und überleg Dir dann, wie man sie noch besser machen kann. Streb danach, die besten Bowler deiner Region zu fotografieren und überleg Dir, was Du dafür brauchst, diese für Dich zu interessieren. Wer sponsert Bowling-Fotografie? etc. Das Gleiche gilt für Stricken, Fussball, Konzertfotografie oder Haustiere. Der bekannteste Hamster-Fotograf Deutschlands zu werden ist auch ein Ziel!

Gestern habe ich eine längere Autofahrt mit einem Fotografen gehabt und versucht ihn zu coachen. Er interessiert sich für Food-Fotografie, hat erste kommerzielle Shootings gehabt und ist an dem Punkt, wo er sich fragt, ob er sich darauf spezialisieren soll. Wir haben darüber gesprochen, was auf seine Homepage gehört. Wie er an Aufträge kommt, wie er an Spitzenköche kommt und was seine Food-Fotografie anders und interessanter macht. Und immer wieder muss die Frage kommen: Was machen die besten der Branche “besser” als er? Das muss man verstehen – und dann seinen eigenen Weg finden.

Was ist Dein Projekt?

Jetzt bist Du dran. Was ist Dein Fotoprojekt fürs nächste Jahr? Nicht ein Zielfoto und nicht eine spezifische Fähigkeit, die Du lernen möchtest, sondern ein Foto-Projekt. Ein Kalender Deiner Region, Deine drei Kinder in der Rolle ihres Traumberufs, 10 exotische Katzenarten, was auch immer. Such Dir ein Projekt dass Dich fasziniert. Steck Dir Dein Ziel so, dass Du es erreichen kannst – wenn Du Dich streckst! Setzt Du es zu niedrig, dann fehlt die Motivation. Wenn Du nicht daran glaubst, dass es möglich ist, wirst Du es auch wahrscheinlich gar nicht angehen. Und ganz wichtig: Schreib es auf. Du musst es nicht mir sagen (aber öffentlich aufschreiben hilft noch viel mehr). Schreib es auf einen Zettel und leg ihn meinetwegen in den Schuhschrank, aber heb ihn auf. 

Die Einführung hat einen wichtigen Punkt angesprochen: Grosse Ziele muss man mit seiner Familie abstimmen. Idealerweise kombinieren, so wie Kristina meine Landschaftsfotografie mit macht, weil sie gerne wandern geht.

Siehe auch Turning your Passion into a ProfessionRückblick 2016,  Jahresrückblick 2015 und hast Du eine Fotowand?