“Kannst Du mir mal sagen, welche Einstellungen Du nimmst, um bessere Fotos schon in der Kamera zu erhalten?” Solche Mails bekomme ich hin und wieder. Die Antwort ist einfach – erfordert aber ein wenig Übung in der Umsetzung: Den berüchtigten M-Modus endlich verstehen. Hier im Blog erkläre ich warum – und wie. Lange habe ich selbst mich dagegen gewehrt. “Für meine Art der Fotografie brauche ich das nicht” war die Ausrede Argumentation. Heute benutze ich den manuellen Modus bei der Mehrzahl meiner Fotos. Der Artikel ist Teil der Serie die Kamerabedienung verstehen.

Schärfere Fotos: Manueller-Modus mit ISO-Automatik

Der erste Schritt für schärfere Fotos, insbesondere von sich bewegenden Dingen wie Menschen und Tieren ist: Die Verschlusszeit möglichst kurz zu halten. Der beste Bildstabilisator nutzt nichts, wenn die Person auf dem Foto nicht still hält. Wenn ich also die Blende fix vorgeben und eine kurze Verschlusszeit erzwingen möchte, dann wähle ich den M-Modus. ISO kann häufig in der Automatik bleiben. Es ist mir egal, ob ich ISO 160 oder 250 habe. Nur wenn die ISO-Werte dann sehr hoch werden greife ich ein. Die ISO-Automatik macht mir das Leben einfacher, insbesondere, wenn das Licht sich häufig ändert, z.B. Wolken vor die Sonne kommen und gehen.

MTB Fahrer bei Sportfotograf aus Bern - Stephan Wiesner

MTB Fahrer bei Sportfotograf aus Bern, Schweiz – Stephan Wiesner

Es muss sich übrigens nicht um Sportfotografie handeln, wie hier der MTB Fahrer. Auch Personen, die versuchen still zu halten fotografiere ich nicht mit langsamer als 1/50, besser 1/200. Mit 85mm auf 1/100 mit Bildstabilisator habe ich dennoch – je nach Person und meiner Tagesform – bis zu 3/4 Ausschuss durch Bewegungsunschärfe. Je mehr Pixel man hat, desto mehr fällt das übrigens auf. Und umgekehrt ist das der Grund, warum Blitz-Fotos immer so knackig wirken: Die extrem kurze Belichtungszeit vom Blitz.

Eine eingestellte Belichtungskorrektur wirkt jetzt. Du könntest z.B. Blende 2, bei 1/200 eingestellt haben und -1 Belichtungskorrektur – dann wir der ISO-Wert entsprechend angepasst.

 

Alles im Griff: M-Modus mit fixem ISO-Wert

Möchte ich die Belichtung des Fotos komplett kontrollieren, dann stelle ich auch den ISO-Wert fix ein. Die korrekte Belichtung kann ich z.B. mit der Spot-Belichtung bestimmen bei Tageslichtaufnahmen, mit einem Belichtungsmesser oder anhand von Histogramm und Erfahrung. Und das ist ein wenig das Problem an der Sache: Die Erfahrung. Das Foto von dem Zelt ist ein typisches Beispiel. Die Automatik wird hier versagen und versuchen, das ganze Bild “ausgeglichen” zu belichten. Ich wollte es aber sehr dunkel haben. Das Zelt sollte hell aber nicht ausgebrannt sein. Mit nur einem Foto, also ohne ein HDR, muss ich dann das Feuer ausbrennen lassen – in diesem Fall akzeptabel. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ich eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden habe, das Feuer also eh nicht als scharf abgegrenzte Flammen dargestellt wird (beachte den Funkenflug). In diesem Fall betrachte ich das Histogramm sorgfältig – und mache mehrere Fotos, um sicher zu sein, einen Treffer dabei zu haben.

Eine eingestellte Belichtungskorrektur hat jetzt keine Wirkung mehr – Du gibst ja alle Werte vor.

Unser Zelt am Lagerfeuer im Wald

Unser Zelt am Lagerfeuer im Wald in Kalifornien

 

Wie finde ich die richtigen Einstellungen für den M-Modus?

Das ist die Folgefrage auf meinen Tipp, den M-Modus zu verwenden:

“Wie finde ich die richtigen Einstellungen für den M-Modus?”

Die einfache Antwort ist meist: Ausprobieren. Deswegen hilft es Dir auch nichts, wenn ich Dir sage, wie viele Sekunden ich den See in Irland belichtet habe. Wenn Du dort stehst, dann weht vielleicht Wind und es ist mit Sicherheit nicht genau gleich hell wie an meinem Morgen. Entsprechend musst Du selbst herausfinden, was richtig ist. Klar ist: 1/100s ist definitiv falsch, aber ob 2 Sekunden oder 20 “besser” sind kann ich Dir nicht sagen. Kein Problem, wenn Du das Prinzip verstanden hast. In der Praxis mache ich tatsächlich Testfotos. Das ist überhaupt nicht verwerflich. Wusstest Du, dass Fotografen “früher”, also vor der Digitalfotografie, häufig eine Polaroid dabei hatten für ein Testfoto?

Um die richtige Belichtung zu finden reicht es häufig nicht, das Foto auf dem Display zu beurteilen. Entweder Du nimmst einen Computer mit (was ich sehr häufig tue) oder Du lernst das Histogramm zu verstehen. Das ist eine Frage der Übung. Komm! Aufraffen! 🙂

Falls Du länger als 30 Sekunden belichten möchtest, musst Du übrigens (je nach Kamera) in den Bulb-Modus wechseln. Wie man einen Graufilter verwendet, um solche Fotos bei Tag zu erstellen, liest Du hier im Blog. In diesem Fall habe ich den ND8 Filter verwendet, der in der Fuji X100T eingebaut ist.

Langzeitbelichtung am See im Urlaub in Irland

Langzeitbelichtung am See im Urlaub in Irland – Fuji X100T

Deine Kamera zeigt Dir auch im manuellen Modus an, was sie für die richtige Belichtung hält. Du hast also jederzeit einen Anhaltspunkt. Evtl. musst Du diese Einstellung aktivieren. Häufig ist es eine Art Balkendiagramm am unteren Rand vom Display/Sucher und auch das Live-Histogramm kann man sich bei vielen Kameras anzeigen lassen.

 

The need for Speed – Schneller die richtigen Werte finden

“Moment! Ich bin noch nicht soweit!” wie ich das hasse, wenn mich jemand fotografiert und ich schaffe es endlich freundlich zu lächeln – und es kommt kein Foto. Schnell gefriert mir das Lächeln dann. Der vielleicht grösste Unterschied zwischen Anfänger und Fortgeschrittenem in der Fotografie von Personen ist: Geschwindigkeit. Ich stelle die Werte vorher ein und sage der Person deutlich, dass ich noch “einen Moment” brauche. “Entspann Dich.” Wenn ich aber loslege mit dem Fotografieren, dann bin ich schnell und kann auch schnell reagieren. Typisches Beispiel: Sonnenuntergang. Die letzte Minute ist meist die schönste und da zählt jede Sekunde und ich muss ständig reagieren. Bei diesem Zelt-Foto würde die Belichtungsautomatik wahrscheinlich versagen. Der Himmel ist extrem viel heller als der Boden im Vordergrund. Der Dynamikumfang ist einfach zu hoch. Entweder ein HDR erstellen oder das Foto so belichten, wie man den gewünschten Effekt haben möchte. Hier z.B. ist das Wichtigste: Der Himmel darf nicht ausbrennen. Wenn der Boden oder Kristina komplett schwarz sind, dann ist mir das nicht so wichtig. Silhouetten funktionieren immer. Aber wenn der Himmel ausbrennt, dann wandert dieses Foto in den Mülleimer.

Das Geheimnis: Ich habe das schon mal gemacht. So banal das klingt: Es hilft, wenn man Übung hat. Wenn Du Dich also häufig vor dem M-Modus drückst, dann wird es in den seltenen Fällen der Benutzung auch nicht gut funktionieren. Bzw. umgekehrt: Wenn Du Dir angewöhnst, häufig im Manuellen Modus zu fotografieren, dann wirst Du damit auch routiniert umgehen können. Gewöhn Dir dafür an, mit der Spot-Belichtung zu arbeiten. Was ist das wichtigste Bildelement? Bei Personen meist die Haut im Gesicht.

Frau vor Zelt bei Sonnenuntergang in den Alpen (Sony A7II)

 

Auf dem Stativ immer im manuellen Modus arbeiten

Auf dem Stativ arbeite ich meistens im M-Modus. Da habe ich Zeit und möchte volle Kontrolle haben. Es ist einfach, ein Foto mehrfach mit verschiedenen Einstellungen zu schiessen. Zu experimentieren und spezielle Effekte zu erzeugen. Es ist auch eine gute Gelegenheit für Dich, um mit dem M-Modus warm zu werden. Und Du arbeitest doch häufig mit Stativ, oder?

 

stativ-rollei-testbericht

Fotograf mit Stativ am Meer in Kalifornien

 

Weitere Tipps zum Fotografieren lernen