Wunderschöne Fotos von einem See bei Sonnenuntergang, verschwommene Wolken und belebte Plätze ohne Menschen. Graufilter gehören in den Rucksack von jedem ernsthaften Landschaftsfotografen. Zwar kann man ihren Effekt grösstenteils auch mit Photoshop erzielen, aber man kann sich auch eine Postkarte kaufen, wenn man keine Lust auf Fotografie-Handwerk hat.

Was ist ein Graufilter?

Unter Neutraldichtefilter (ND-FilterNeutralfilter, meist Graufilter) versteht man in der Fotografie gefasste Glas- oder Kunststoffscheiben von optischer Güte, die vor das Objektiv des Fotoapparats geschraubt oder gesteckt werden, um gleichmäßige Abdunklung im Bild zu erzielen. Graufilter sind ebenfalls in der Filmkamera- und Fernsehkameratechnik sowie in der Lichttechnik in Gebrauch. Sie sind homogen neutralgrau eingefärbt, so dass die Farbwiedergabe nicht verfälscht wird. (https://de.wikipedia.org/wiki/Neutraldichtefilter)

review-haida-graufilter-testbericht

So funktioniert ein Graufilter

Ein Graufilter ist eine getönte Scheibe, meist aus Glas. Es gibt sie in verschiedenen Formen, Stärken und Bauarten. Sie ermöglichen eine längere Belichtungszeit, da weniger Licht ins Objektiv und damit auf den Kamerasensor kommt. Der typische Einsatzbereich ist daher an einem See oder Fluss, an dem man am Tag eine lange Belichtungszeit haben möchte, um das Wasser verschwommen darzustellen. Wie ich gleich zeigen werde kann man aber noch weitere Tricks damit machen.

Es gibt Graufilter, die man direkt auf das Objektiv schraubt. Sie sind klein, einfach zu handhaben und können meist kombiniert werden, um ihre Wirkung zu verstärken. Auch sind sie nicht allzu teuer – abhängig von Grösse und Marke. Der Nachteil ist, dass man für jede Objektivgrösse einen neuen kaufen muss. Es gibt allerdings die Möglichkeit, mit Adaptern zu arbeiten, was wiederum zu dunklen Rändern bei Weitwinkelobjektiven führen kann. Aufschraub-Filter führen bei Ultraweitwinkelobjektiven zu einer Vignette (meist ab ca. 24mm deutlich sichtbar). Die Filter sind nicht für bestimmte Kamera-Marken produziert, sondern für die entsprechenden Durchmesser des Objektivs. Einen 77mm Filter kann man also auf Objektive mit 77mm Durchmesser schrauben, egal ob sie von Canon, Sigma oder Nikon sind.

Schraubfilter von Haida auf Canon

Schraubfilter von Haida auf Canon

Alternativ kann man mit einem Stecksystem arbeiten. Dies ist deutlich teurer und grösser, kann dafür flexibler eingesetzt werden. Selbst habe ich kein Stecksystem. Einen einzelnen Schraubfilter nehme ich immer mit, wenn ich auf Tour bin. Das Stecksystem würde ich nicht mitnehmen.

 

Graufilter: Langzeitbelichtung am Wasser

Der Klassiker ist die Langzeitbelichtung am Wasser. Dadurch verschwinden Wellen und falls Wolken zu sehen sind, werden auch diese verwischt dargestellt. Graufilter können kombiniert werden, um noch längere Belichtungszeiten zu realisieren. Das führt zwar evtl. zu leichter Verdunklung an den Rändern (vor allem bei Weitwinkel), aber so ist es auch tagsüber möglich sehr lange Belichtungen zu erzielen. Hier sehen wir das Schloss Oberhofen bei Thun am Thunersee mit und ohne Filter (ND8 und ND1000 kombiniert). Wie üblich gilt hier: Keins der Fotos ist “besser”, einfach anders und je nach gewünschtem Effekt kann man die richtige Technik einsetzen.

Schloss Oberhofen am Thunersee

Schloss Oberhofen am Thunersee

Langzeitbelichtung von Wolken

Je nach Wind und Wolken kann man insbesondere im Herbst interessante Fotos mit sehr langer Belichtungszeit erstellen, auf denen man die Bewegung der Wolken sieht. Das Foto vom Thunersee ist mit einem ND1000 + ND8 Filter aufgenommen.

Wolken am Thunersee bei Sonnenaufgang

Wolken am Thunersee bei Sonnenaufgang

 

Touristen mit einem Graufilter entfernen

Das typische Problem: Man steht im Urlaub vor einem Highlight – und der Platz ist voller Touristen. Hier sehen wir das Bundeshaus in Bern. Die Fotos sind unbearbeitet und die Touristen sind in der Langzeitbelichtung fast vollkommen verschwunden. Die Aufnahmen habe ich am Mittag um 11 gemacht ohne Filter und mit Haida ND1000 + ND8. Mit einer noch längeren Belichtung oder mehreren Versuchen kann man so leicht alle Touristen entfernen – evtl. mit ein paar Pinselstrichen in Photoshop.

Mit einem Graufilter Touristen entfernen

Bundeshaus in Bern: Mit einem Graufilter Touristen entfernen

Was der Filter nicht kann: Baugerüste oder sonstige statische Dinge entfernen. Immer wieder hat man auch Menschen, die still stehen – Fotografen z.B.. Hier muss man evtl. viel Geduld haben – oder die Leute ansprechen. An diesem Foto sieht man auch schön, dass es nicht zwingend zu starken Reflexionen / Flares kommt, wenn man einen Graufilter einsetzt. Die Sonne ist im Foto, ich habe zwei Filter drauf und das 12mm Samyang ist extrem schlecht im Umgang mit Gegenlicht (und ich hätte es putzen können). Hier hilft es, dass die Haida Pro II MC Graufilter (Affiliate Link) hochvergütet sind (kostet extra).

Der Preis der Langzeitbelichtung: Rauschen und Hotpixel

Das folgende Foto verdeutlicht die Problematik. Das Foto ist mit 247 Sekunden belichtet und quasi out of camera (Kontrast und Belichtung in Lightroom angepasst). Im Einsatz an der Sony A6300 war der ND1000 von Haida (Affiliate Link).

Sony A6300 am Schloss Chillon: 247 Sekunden

Sony A6300 am Schloss Chillon: 247 Sekunden

Wenn man reinzoomed, dann ergibt sich jedoch folgendes Bild: Deutlich sind Hotpixel zu sehen und für ISO100 ein zu starkes Rauschen. Das Foto ist an einem warmen Oktoberabend aufgenommen, bei vielleicht 10 Grad. Bei Frost treten die Hotpixel viel weniger auf – in der Mittagssonne wahrscheinlich stärker. Hier kann es helfen, lieber mit dem ISO ein wenig hochzugehen. Nur wollte ich hier die extreme Glättung des Wassers haben und musste daher lange belichten.

Sony A6300 - Hotpixel

Sony A6300 – Hotpixel

 

 

 

Weiterführende Informationen

Ich nutze aktuell die folgenden Filter (Affiliate Links):

77mm an der Canon 6D: ND8, ND64 und ND1000. Es gibt ein praktisches 3er Set mit Transportbox (einfache Version) und als MC Pro II Graufilter. An der Sony A6300 mit dem 12mm Samyang (siehe mein Testbericht) nutze ich ND8 und Haida MC Pro II ND1000. Auch hier gibt es das 3er Set mit der Transportbox.

Testbericht Haida Graufilter

Testbericht Haida Graufilter

Links:

 

Fazit

Ein Graufilter zum Aufschrauben ist sehr einfach zu bedienen und erlaubt es ohne aufwändige Nachbearbeitung schöne Langzeitbelichtungen am Wasser zu erstellen. Das folgende Foto vom Sonnenuntergang am Schloss Chillon Schweiz ist mit der Sony A6300 bei 60 Sekunden aufgenommen. Die Nachbearbeitung habe ich auf meinem MacBook 12 im Zug gemacht, so wie ich das in meinem Nachbearbeitung von Landschaftsfotos Tutorial beschreibe. Das hat vielleicht 6 Minuten gedauert. Kontrast, Farben, Zuschneiden. Den eigentlichen Effekt habe ich mit dem Graufilter erzeugt.

Hätte ich das auch mit Photoshop machen können? Nur sehr bedingt. Es hätte ca. 15-20 Fotos gebraucht, in der Zeit wäre die Sonne aber schon weiter gesunken. Alternativ kann man grob mit dem Bewegungsunschärfe-Filter ran gehen, aber, eben, man kann sich auch Postkarten kaufen. Irgendwo hört hier das Fotografieren auf und geht das “Photoshop-Artwork” los. Nicht die Art Fotografie, die ich betreibe.

Sonnenuntergang am Schloss Chillon Schweiz

Sonnenuntergang am Schloss Chillon Schweiz

 

Disclaimer: Die Haida Filter wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt von: Opernfoto aus Österreich.

Keinen Artikel mehr verpassen?

Dann schreib Dich in den Newsletter ein!