Das Tamron 15-30 wird häufig als DAS Objektiv für Landschaftsfotografen beschrieben. Ich war damit 2 Wochen an der Nikon D750 in den Alpen unterwegs. Hier mein Testbericht.

Vergleich Tamron 15-30 vs. Nikon 14-24

Die Frage wurde mir die letzten Wochen dutzende male gestellt: Welches ist besser? Wie üblich kann es darauf keine klare Antwort geben. Auf dem Papier klingt das Tamron besser. Mehr Tele, Bildstabilisator, deutlich günstiger. Auf den 1mm mehr Weitwinkel beim Nikon verzichte ich gerne für die 6mm mehr Zoom. Ich habe das Nikon nur kurz gehabt und kann die Objektive nicht nebeneinander stellen. Was mir beim Tamron sehr negativ auffällt ist: Flare. Selbst Mondlicht führt zu Flare. Dagegen habe ich mit dem Nikon Objektiv in der Mittagssonne auf nem Gletscher gearbeitet und praktisch keinen Flare gehabt. Das ist bei Weitwinkel ein grosses Thema, da man die Sonne häufig mit im Bild hat. In der Praxis muss ich das Tamron häufig aufs Stativ stellen, damit ich meine Mütze verwenden kann, um die Sonnenstrahlen abzuhalten. Aufgrund des hohen Gewichts ist es kaum möglich, das einhändig und ohne Stativ zu machen.

Wie problematisch das für Dich ist, musst Du selbst wissen. Den fast doppelten Preis vom Nikon ist es mir nicht wert, aber, eben, ich ärgere mich häufig darüber.

Tamron-Objektiv-Vollmond

Tamron Objektiv: Flare bei Vollmond (out of camera)

Eisklettern an einem Gletscher in den Alpen, Wallis, Schweiz - Iceclimbing on a glacier in the Swiss alps

Nikon D750 und 14-24: Eisklettern an einem Gletscher in den Alpen, Wallis, Schweiz – Iceclimbing on a glacier in the Swiss alps

Einen Erfahrungsbericht zum Eisklettern in einer Gletschergrotte in der Schweiz gibts hier im Blog.


 

Vignette und Verzerrung

Als Ultraweitwinkel-Objektiv verzerrt das Tamron 15-30 erstaunlich wenig. Die Vignette ist hingegen (erwartungsgemäss) sehr deutlich. Hier mit und ohne Objektivkorrektur bei F2.8 und 18mm

Tamron Review Vignette

Tamron Review Vignette

Die folgenden Aufnahmen sind OHNE Objektivkorrektur bei 15mm aufgenommen.

Vignette Tamron Objektiv Testbericht

Vignette Tamron Objektiv Testbericht

 

Schärfe und Kontrast

Schärfe und Kontrast überzeugen. Das Tamron Objektiv ist wirklich auffällig scharf – auch am Rand. Bei den meisten Weitwinkelobjektiven hat man matschige Ränder, wenn man nicht auf Blende 8 geht. Bei Laub, Felsen und Schnee sieht man das dann deutlich. Nicht so beim Tamron. Natürlich ist auch dort der Rand leicht unschärfer, als die Mitte – bei Blende 2.8. Bei Blende 4 ist das schon nicht mehr wirklich sichtbar. Nur die äussersten Ränder sind leicht matschig, insbesondere mit Objektivkorrektur.

Tamron-Schaerfe-Objektiv

Tamron Objektiv: F7.1 bei 15mm

Tamron-Schaerfe

Tamron Objektiv: F7.1 bei 15mm – 100% Crop

Hier noch ein Ausschnitt aus dem Wand-Foto von oben. Zu sehen ist die linke untere Ecke, also der Extrembereich bei 15mm.

Schärfe Tamron Objektiv Testbericht

Schärfe Tamron Objektiv Testbericht

 

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Autofokus: Das Tamron und die Kuh

Ultraweitwinkel-Objektive brauchen wegen mir keinen Autofokus. Das Tamron hat ihn und er funktioniert an der D750 tadellos. Schnell und zuverlässig. Der Kuh-Test im Südtirol: Es ist mir gelungen, Weitwinkelaufnahmen zu machen, ohne Zungenspuren auf dem Objektiv zu hinterlassen! Wer das Problem nicht versteht, hat noch nie ne Kuh auf Ultraweitwinkel fotografiert. In dem Fall: Ausprobieren!

Das Tamron Objektiv und die Kuh - Darf in keinem Weitwinkel-Testbericht fehlen

Das Tamron Objektiv und die Kuh – Darf in keinem Weitwinkel-Testbericht fehlen

 

Das Tamron Objektiv und die Kuh - Darf in keinem Weitwinkel-Testbericht fehlen

Das Tamron Objektiv und die Kuh – Darf in keinem Weitwinkel-Testbericht fehlen




Bildstabilisator

Ich ärgere mich, dass ich dafür bezahlt habe und ihn schleppen muss. Wofür man den braucht, erschliesst sich mir nicht. Menschen fotografiere ich nicht mit 1/30 oder langsamer und bei Landschaftsfotografie ist es bestenfalls eine Ausrede, das Stativ nicht rauszuholen. Ich bin mir sicher, es werden die üblichen bösen Kommentare unter diesem Artikel zu lesen sein, mit Situationen, in denen man den Stabi unbedingt braucht.

 

Warum habe ich das Tamron für Nikon und nicht Sony A7 gekauft?

Auch diese Frage kam häufig. Wenn ich es für Canon gekauft hätte, dann könnte ich es an der A7 verwenden. Das macht für mich aber keinen Sinn. Die etwa 100g gespartes Gewicht durch die Sony spielen mir hier keine Rolle (siehe das Fazit). Ich glaube nicht, dass der Sigma MC-11 Adapter langfristig das Gewicht vom Objektiv verträgt. Und die Nikon ist (meiner Meinung nach) für Landschaftsfotografie die viel bessere Kamera. Da ich sie im Schrank liegen habe, verwende ich sie jetzt auch wieder.

Archenkanzel-Koenigssee

Archenkanzel-Koenigssee (27mm bei F13 und 1/10 Sekunde)

 

Probleme und Details

Das manuelle Fokussieren ist mit dem Tamron Objektiv leider nicht schön gelöst. Der Ring dreht sich sehr leichtgängig, es passiert mir auf dem Stativ häufig, dass ich beim Zoomen den Fokus verschiebe. Nenn mich Tolpatsch, aber für mich ein durchaus relevantes Praxisproblem. Und einer der Gründe, warum ich das Samyang 12mm so schätze: Da ist der Fokusring schön schwergängig. Dazu kommt, dass der Zoombereich 1m-Unendlich sehr kurz ist. Dabei ist das der einzige Bereich, den ich verwende. Hier wäre es wünschenswert, dass man mehr Umdrehung und damit mehr Präzision hat. Wenn dann auch noch unendlich wirklich unendlich wäre… Wer das Problem nicht kennt, der möge noch mal nachlesen, was es mit der Hyperfokalen Distanz auf sich hat. Nutze ich viel und hätte daher gerne z.B. eine 10m Markierung. Schliesslich habe ich an einer DSLR kein focus peaking.

Ich hatte mehrfach unscharfe Fotos. Keine Fehlfokussierung, aber auf 100% total unscharf, ein wenig wie Bewegungsunschärfe oder als wenn der Stabi das Foto völlig zerrissen hätte. Ich konnte das bislang aber nicht konsistent reproduzieren. Ist mir vorher nur einmal beim Sony 70-200 F4 aufgefallen.

Eibsee-Bayern-Landschaftsfotografie

Eibsee-Bayern-Landschaftsfotografie

 

Fazit

Lange habe ich mit mir gerungen, welches Weitwinkel-Objektiv ich für meine Landschaftsfotografie kaufen soll. Das Samyang 12mm an der Sony A6300 ist vom Gewicht-Leistungs-Verhältnis wohl nicht zu schlagen, aber es gibt Situationen, wo ich mehr möchte. Mit dem Tamron 15-30 bin ich, wie ich halt so bin, bedingt zufrieden. Die technische Leistung ist überragend. Auffällig und sichtbar besser als alle Weitwinkelobjektive, die ich je im Test hatte – mit Ausnahme des 14-24 von Nikon.

Das Problem ist – natürlich – das Gewicht, bzw. Packmass. Nicht, weil meine Beine zu dünn sind, um die 2kg zu tragen. Aber ich mache halt meine Fotografie überwiegend in den Alpen und mit Beinkraft. Auf diesem Foto stehe ich auf über 3000m im Südtirol, auf einer 8.5 Stunden Tour. Wegen der Nikon-Tamron-Kombo muss ich einen grösseren Rucksack mitnehmen und habe die Kamera nicht griffbereit. Die A6300 trage ich sonst an der Hüfte – immer schussbereit. Einhändig. Für die Nikon muss ich anhalten, die Stöcke weglegen, den Rucksack abnehmen und dazu bin ich häufig zu faul. Oder gar nicht in der Lage, weil ich in den spannenden Momenten nicht zwei Hände frei habe. Das ist mir vorher bewusst gewesen und ich betone das hier deswegen so, weil ich der Meinung bin, dass das 12mm Samyang für 85% meiner Fotos gut genug ist. Bzw. sogar besser. Und ich es weiterhin viel verwenden werde. Das Tamron auch – aber nur, wenn ich Zielfotos plane, die es benötigen.

Mehr Fotos gibts im Tourenbericht zur Königssee Umrundung von letzter Woche. Es wird die nächsten Wochen sicherlich noch häufiger Fotos mit dem Tamron geben. Für nächste Woche ist z.B. Milchstrasse geplant – wenn es denn endlich mal wieder eine klare Nacht hat.

Auch interessant: Mein Testbericht zum 12mm Samyang und Kauftipps für die Urlaubs-Kamera 2016

Auf 3000m im Südtirol

Auf 3000m im Südtirol

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