Event-Fotografie ist immer Massen-Fotografie. Insbesondere, wenn man einen Stand an einer Messe mit 30.000 Besuchern hat. Hier ein paar Dinge, die man in der Vorbereitung und Durchführung beachten sollte. Die Tipps sind unabhängig davon, ob die Gäste sich mit Anzug und Krawatte oder Cosplay Kostümen verkleidet haben.
(Gemeinsame Auswahl eines Fotos)

Gut ist gut genug

Das wichtigste ist es, zu akzeptieren, dass man gute Fotos macht, aber nicht sehr gute. Wir fotografieren für einen guten Zweck (Kampf gegen Malaria) und wollen daher möglichst viele Leute fotografieren. Wir hatten Donnerstag knapp 400 Leute am Stand. Auf 9 Stunden gibt das meist nur 2-3 Minuten, um eine Gruppe zu fotografieren, Fotos zu bewerten, sie zahlen zu lassen und die Lichter zu korrigieren. Offensichtlich kann man da nicht das gleiche Ergebnis erreichen, wie bei einem 90 Minütigen Solo-Termin. Halbwegs grade ist grade genug. Ein wenig Licht und Schatten ist gut genug, es muss nicht jedes Spitzlicht sitzen.
(Unser Stand in den 20 Minutes, der wohl am meisten gelesenen Zeitung der Schweiz)

It’s all about the light

Die Bilder gefallen den Leuten die drauf sind, weil die Joker-Gang Stimmung macht und witzige Posen einnimmt. Niemand geht auf die Fantasy Basel 2016, der nicht auf Kostüme steht. Letztlich stehen und fallen die Bilder aber mit dem Look durch die Blitze.
Zangenlicht sorgt immer für eine gewisse Grundspannung im Look. Wir haben ein 40x180cm Striplight in einem Jinbei HD600 und meine 120er Jinbei #Octabox in einem Elinchrom LTD Blitz von Hansjürg. Die beiden Blitze sind gross genug, um auch Gruppen zu belichten – wenn man mit Winkel und Abstand spielt. Da wir Grids einsetzen, können wir den Hintergrund leicht dunkel machen. Aber ich muss bei jedem Shoot Kleinigkeiten anpassen. Batman ist ein schwarzes Loch. Sobald er im Bild ist, muss ich etwas anpassen. Sein Kostüm ist der reinste Lichtschlucker.
Achtung: Wenn die Gäste selbst Lichter mitbringen, wie z.B. ein Laserschwert, dann gehe ich mit der Verschlusszeit von 1/160 auf 1/40 – sonst sieht man es nicht! Details Details Details

Schnelle Fotoauswahl ist ein MUSS

Die Fotos vom Tag werden am Abend abgegeben. Es gibt keine Nachbearbeitung. Alles Fotos hier sind Lightroom-only, im Wesentlichen out of camera. Ich nutze die Canon Schweiz 6D und arbeite in M-RAW. Das ist gross genug für die 2000px in denen ich die Fotos ausliefere und mein Workflow ist viel schneller, als mit grossen Dateien. Auch bewerte ich das Sieger-Foto aus jedem Shooting schon in der Kamera (1 Stern für Auswahl, 3 Sterne wenn ich es pers. weiterverwenden möchte). Dann habe ich beim Import in Lightroom schon alles vorausgewählt. Kurz durchblättern, Crop und Ausrichten und wieder exportieren. Jede Sekunde, die ich einspare, wird zu Minuten, wenn ich sie mal 200 nehme.
(Hansjürg im Lightroom)
Ich arbeite nicht Tethered! Es herrscht Chaos bei uns am Stand. Die Halle ist sehr laut, es laufen lauter verrückte in Kostümen rum, in denen sie häufig nicht gut gucken können. Ein rumliegendes Kabel ist eine tickende Zeitbombe. Auch bin ich in der Kamera viel schneller und vor allem: Die Bildauswahl ist viel schneller. Wenn ich die Fotos im Laptop zeige, dann gehts sofort los mit “kann ich das von eben noch mal sehen? Moment, ich muss meine Schwester fragen, ich kann mich nicht entscheiden. Ich nehm DAS und kann ich die anderen auch gleich haben?”
Wichtig: Vorbereiten: Import- und Export-Settings bereite ich schon im Zug auf der Hinfahrt vor. Das Import-Preset ist der Schlüssel!
(Wenn der Reporter vom Blick.ch kommt, steht der Betrieb kurz still 🙂

Stimmung trotz Anstrengung

So ein Tag ist super anstrengend. Um sieben aus dem Haus, um neun dort zum Aufbauen, um zehn gehts los, bis um sieben, dann noch aufräumen und ein After-Event-Shoot machen. Red Bull ist mal wieder ein Muss für mich. Donnerstag haben wir uns abgewechselt, heute bin ich am Stand, morgen Hansjürg. 9 Stunden am Stück fotografieren, eine wilde Horde anschreien, dass sie weiter Links stehen sollen und dass ne Knarre vor einem Gesicht ist. Blitzschnell entscheiden, ob die Lichter stimmen und kein Kopf verdeckt ist. Das kostet sehr viel Anstrengung. Klar, es ist auch ein Heidenspass, man muss halt die Laune behalten können, dann gehts!
Und: Bewusst mal Pausen machen. Sich die Zeit nehmen, ne halbe Std. in die Sonne setzen am Mittag und dann frisch weiter machen.

Und coole Fotos darf man nicht machen?

Am Stand hatten wir heute wenig Zeit, auch mal was individuelles zu machen und die Ziegelwand ist zwar sehr cool – aber ich kann sie nach 9 Stunden nicht mehr sehen 🙂
(Der Joker hält den Schminkspiegel – die Octabox ist auch ein Schminklicht)
Das gute bei der Arbeit mit jungen Leuten ist ja: Die kriegen nie genug! Also sind wir am Abig noch kurz auf einen Parkplatz gegangen und das SIGMA Deutschland 24mm 1.4 konnte an der Sony A7II zeigen, was es kann. Voll in die Sonne rein und man hat dennoch noch Kontrast und Farben. Sehr spezieller Look – für den ich viel Geld bezahlt habe 🙂 Dafür habe ich Sony und Sigma dabei gehabt, darauf habe ich mich den ganzen Tag gefreut. Wenn Du nicht verstehst, warum das speziell ist: Ausprobieren! 🙂