Die letzten Wochen habt ihr mir fast 1000 Fotos zugeschickt und ich habe sie sorgfältig analysiert und katalogisiert. Dann habe ich mit aufwendigen, wissenschaftlichen Methoden 5 Tipps herausgearbeitet, um Dich sofort zum Top-Lanschaftsfotografen zu machen!
Mit den Youtube-Aufrufen zu Milchstrasse, Frühling und Mondlandschaft habe ich eine Lawine losgetreten. Und auch wenn der reisserischer Teaser-Text nur halb wahr ist: Die 5 Tipps stimmen (meistens) 🙂

Gib dem Foto eine Unterschrift

Wenn Du ein Foto machst, weil es “hier schön ist”, dann ist es das zwar sicherlich – das Foto aber nicht. Das ist dann häufig langweilig, weil der Betrachter nicht neben Dir stand. Er (oder sie) hat nicht geschwitzt, gefroren und ist nicht am Morgen um 3 aufgestanden. Er (oder sie) betrachtet das Foto neutral und wenn er nicht versteht, was Du sagen möchtest – dann geht er wieder. Sie auch. Meist wohl innerhalb von 1-2 Sekunden (Instagram-Effekt).
(Tolle Landschaft, aber worum geht es? “Tolle Landschaft” ist kein guter Titel!)
Das Foto vom Wochenende ist ein typisches Beispiel: Ich wollte gerne Eiger, Mönch und Jungfrau mit auf dem Bild haben. Und den Mond natürlich. Aber die Alpen sind so weit weg, kein Betrachter wird sie als erstes wahrnehmen. Es wird immer erst der Mond sein und dann? Ich habe mich hier dann für den prominenten Niesen entschieden und ihn mit ins Bild genommen. Das muss für Dich nicht die richtige Wahl sein, aber der “Titel” hilft mir, mich zu fokussieren.
Thunersee bei Vollmond mit Niesen
(Thunersee bei Nacht vs. Niesen bei Nacht)

Stürzende Linien und Objektiv-Korrektur

Sehr viele von euch, haben mir Weitwinkelaufnahmen geschickt, wo stürzende Linien prominent zu sehen sind. Ulf Schi Ler erklärt das Problem in diesem Youtube Video. Zumindest die Objektiv-Korrektur in Lightroom sollte man in der Landschaftsfotografie aktivieren, das kostet nur einen Click.
(Objektiv-Korrektur in Lightroom)
Wer beim Fotografieren schon aufmerksam ist, der hat weniger Nacharbeit. Da es praktisch häufig nicht möglich ist (oder wir unkonzentriert sind) sollte man die manuelle Korrektur beherrschen.
(Stürzende Linien mit und ohne Korrektur)

Landschaftsfotografie braucht viel Nacharbeit

Wenn Du mir Fotos “out of camera” zuschickst, dann denkst Du vielleicht, dass man nur Portraits nachbearbeiten muss. Dem ist aber nicht so. Portraits dauern bei mir meist weniger lange, als Landschaftsaufnahmen. Egal ob Du es in Phase Ones Capture One, Adobe #Lightroom oder #Photoshop machst: Out of Cam … sieht man. Nachbearbeitet auch. Die Kunst ist dann natürlich – wie so oft – nur das “Notwendige” zu machen. Das andere Extrem bilden dann die vielen stark über-bearbeiteten Fotos, die ich ebenfalls zu hunderten bekommen habe.
Screen Shot 2016-06-05 at 10.44.46
(Bernhard Witz und Thomas Jack beim Eisklettern. Out of Photoshop vs. Out of Cam)

Such Dir einen schönen Ort: Und steh früh auf

Jedes Land und jede Region haben tolle Locations. Du wohnst im #Schwarzwald? Dann schau Dir doch mal dieses Buch an: Nationalpark Schwarzwald (Affiliate Link). Oder in Frankfurt? Köln? Leipzig? Nahe der Nordsee? Überall gibt es schöne Orte für Landschaftsfotografie. Studier Fotografen aus Deiner Region. Experimentiere! Und stell Dir einen Wecker. Blaue Stunde, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Vollmond, etc. Bei Fotografie handelt es sich um Licht-Einfangerei. Also spiel mit dem Licht.
Kölner-Dom bei Nacht

Kölner-Dom bei Nacht

Die Ausrede mit der Ausrüstung

Immer und immer wieder lese ich “ich habe ja nur das Kit-Objektiv” oder “ich habe ja nur die Kamera XYZ”. Na und? Teure Kameras helfen, natürlich…
(Nikon D750, Nikon 14-24mm: Teure Kameras machen Spass!)
… aber sie machen mir nur das Leben leichter. Sie haben nur in wenigen Situationen etwas mit dem fertigen Foto zu tun.
(Sony A6000, Samyang 12mm: Der Sonnenstern des Vollmond wäre mit einem “besseren” Objektiv schöner geworden)
Nie wieder etwas vergessen? Dann schau Dir meine Ausrüstungs Checkliste Landschaftsfotografie an!

Fazit

Getreu meinem Motto: “Nicht glauben, ausprobieren!” rate ich Dir (völlig uneigennützig), folge mir auf Youtube, folge meinen künftig öfter kommenden Aufrufen, ein bestimmtes Foto-Thema anzugehen und schau Dir danach mein Making-Of-Video zu diesem Thema an. Und überleg Dir, was Du anders (nicht zwingend besser) hättest machen können. Dann lernst Du dieses Jahr noch mehr als 5 Regeln…
(Sony A6000, 50mm bei F3.5)