Startseite/Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung von Katja Seidel – Buch-Review

Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung von Katja Seidel – Buch-Review

“Interessiert Dich das?”, ich zeige auf das Buch Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung von Katja Seidel (Affiliate Link), das bei mir als Review-Exemplar auf dem Küchentisch liegt. Andreas ist für einen Landschaftsfotografie Workshop in die Schweiz gekommen und hat das Wochenende bei mir im Gästezimmer verbracht. Er blättert kurz rein und schon sind wir in der Diskussion, ob und wie wir am Workshop die ISS am besten im Vorbeiflug fotografieren können (Kapitel 15). Es macht einfach Spass, in der warmen Küche zu sitzen und über Sternenfotografie zu quatschen. Die Smartphones rausholen, Apps vergleichen (Seite 59), Himmelsbilder virtuell an die Zimmerdecke werfen und über die Objektiv-Wahl zu grübeln. Ich habe Andreas dann das Buch mitgegeben, mit dem Versprechen, mir ein Feedback dazu zu geben. Das Startrail-Foto hat er an dem Workshop-Wochenende erstellt.

Startrail in der Schweiz - Fotograf Andreas Ob

Startrail in der Schweiz – Fotograf Andreas Oberrauner

 

Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung von Katja Seidel – Buch-Review

Gastbeitrag von Andreas Oberrauner

Das im Quart-Format gebundene Buch beschreibt und bearbeitet auf 354 Seiten Methoden, wie mit handelsüblicher Fotografieausrüstung und mit nur wenig Spezialequipment professionell wirkende Nacht-, und Astronomieaufnahmen hergestellt werden können. Es ist in 3 Hauptteile geteilt, wobei sich der erste Teil mit Foto-Technik und wesentlichen astronomischen Grundlagen befasst, im zweiten Teil fotografisch relativ einfache Projekte wie Dämmerungs- und Mondaufnahmen dargestellt werden, und schließlich im letzten Hauptteil aufwändigere Aufnahmetechniken wie Deep-Space Objekte (z.B. Galaxien und Sternhaufen) oder die Ablichtung von Kometen-Ereignissen beschrieben werden. Immer ist das Bemühen zu erkennen, nicht nur den Nachthimmel zu dokumentieren, sondern auch ansprechenden Vordergrund in die Bilder einzubauen und damit einzigartige Bilder zu erzeugen, die unsere Umwelt über die menschlichen Möglichkeiten des Sehens hinaus darstellen vermögen.

Das Buch ist von seiner Idee her aufbauend gestaltet, es ermöglicht dem Leser aber auch, nach Lektüre des ersten Grundlagen-Teils ein später angeführtes Projekt auszusuchen und nachzuarbeiten. Aufbauend auf diese Erfahrung wird dazu ermutigt, weiter in die Astrofotografie einzutauchen und sich von den Vorgaben im Buch entsprechend zu lösen; dies jedoch nicht bevor dem Leser auch entsprechende Computer-Software zur Orientierung am Nachthimmel, für die fotografische Projektplanung und schließlich zur Nachbearbeitung der Aufnahmen vorgestellt wurden.
Bemerkenswert ist der konsequente Verzicht auf Teleskope und sonstige übliche Spezialausrüstung, wodurch das Buch anstösst, schon vorhandene Fotoausrüstung in einem weiteren, spannenden Feld zu erproben. Die gezeigten Astroaufnahmen sind dazu oft nicht makellos und großteils sind anderswo spektakulärere Fotos der abgelichteten Objekte zu finden; gerade dies motiviert aber, die abgebildeten Motive selbst noch “besser“ zu treffen.
Die vorgestellten Astroprojekte wurden allesamt in Europa, überwiegend in Deutschland bearbeitet
Die vorgestellten Astroprojekte wurden allesamt in Europa, überwiegend in Deutschland bearbeitet, interessant ist hierbei unter anderem die erreichte Vielfältigkeit der fotografischen Möglichkeiten: das Fotografieren von Polarlichtern in Deutschland etwa dürfte wohl für viele Leser überraschend sein.
Bei vielen der aufgeführten Projekte gibt es inhaltliche Wiederholungen, was zwar beim Durchlesen des gesamten Buches etwas spannungshemmend ist, aber in der Beschäftigung mit nur einem speziellen Projekt helfen kann, das Suchen nach Querverweisen im Buch (sprich: das Hin- und Herblättern) zu vermeiden.
„Astrofotografie“ ist durchgehend in der ich-Form geschrieben und nimmt dadurch einen sehr subjektiven Charakter an. Die Autorin stellt sich im Rahmen des Einleitungskapitels sogar ausführlich den Lesern vor und auch ein Gastartikel weist die ich-Form auf. Damit wird das vermeintliche Fachbuch streckenweise zu einer Sammlung von Erlebnisberichten, was durch manche Passagen noch weiter getrieben wird, indem die Autorin über ihre persönlichen Neigungen berichtet – wie z.B. aufgrund von Faulheit lieber den kamerainternen Selbstauslöser zu drücken anstatt einen Fernauslöser an die Kamera anzuschließen. Gerade diese Anmerkung scheint im übrigen befremdlich, macht die Autorin doch eigentlich das gesamte Buch über einen sehr fleißigen und kompetenten, ja im wahrsten Wortsinne unermüdlichen Eindruck einer engagierten Nachtarbeiterin – vielmehr noch: das Buch strotzt von kleinen, selbst erarbeiteten Tricks und Details, die überzeugend als jene Tüpfelchen dargestellt werden, die den Unterschied machen zwischen einer guten und einer tollen Nacht- bzw. Astro-Fotografie.
das Buch strotzt von kleinen, selbst erarbeiteten Tricks und Details
In vielen Beispielen belegt die Autorin sogar Sinn und Unsinn so mancher oft beschriebener Hilfswerkzeuge, z.B. Beweist sie anhand von 100%-Bildern die Sinnlosigkeit der Spiegel-Vorauslösung bei DSLRs für Langzeitaufnahmen, und befeuert einmal mehr die Fotografenweisheit, dass Lichtstärke von Objektiven nur von noch noch mehr Lichtstärke übertroffen werden kann.
Sonnenaufgang über den Alpen

Sonnenaufgang über den Alpen – Andreas Oberrauner mit seiner Nikon D750

Ein derzeit häufig anzutreffender Trend in Sach-Büchern ist die Verwendung von digitalen Inhalten als Ergänzung zum Gedruckten. Dabei macht auch „Astrofotografie“ keine Ausnahme: Viele Ausgangsfotos werden dem Leser auf der Webseite des Verlages zur Verfügung gestellt, und auch die Auflistung bzw. Beschreibung verschiedenster nützlicher Software im Inhalt verfolgt dies konsequent, manchmal auch zu viel, denn Software-Produkte sind in der Regel vergänglicher als Bücher, was dem an und für sich zeitlosen Thema der Astrofotografie in dem vorliegenden Werk einen gewissen Zeitstempel, um nicht zu sagen ein „Ablaufdatum” aufdrückt. Die Nennung von €-Preisen tut dazu ihr Übriges. Auch wird an manchen Stellen zu sehr ins Detail beschrieben, beispielsweise wenn der Einsatz eines bestimmten Typs von Reisemontierung zur Nachführung des Sternenhimmels handbuchgenau erläutert wird.
Vixen Polarie Star Tracker für Astrofotografie

Vixen Polarie Star Tracker für Astrofotografie

 

Insgesamt finde ich „Astrofotografie“ ein sehr gelungenes Einstandswerk einer sehr engagierten und talentierten Autorin. Ich werde sicher versuchen, einige Projekte nachzumachen; beginnen möchte ich am liebsten sofort mit dem Projekt „Detailreicher Mond“.  Am besten gefallen hat mir die faszinierende Panorama-Aufnahme der leuchtenden Nachtwolken über dem Wolfsburger Planetarium. „Astrofotografie“ ist auch in elektronischer Form als e-book erhältlich, ein Code zum vergünstigten Bezug befindet sich auf der Innenseite des Rückendeckels.

Fazit von Stephan

Insgesamt bietet das Buch Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung von Katja Seidel eine sehr umfassende Einführung in das Thema – ohne dass man ein Teleskop braucht. Vor allem aber zeigt es: Sternenfotografie ist auch in Deutschland möglich. Ich selbst bin ja überwiegend in der einsamen Bergwelt der Schweiz unterwegs, weit oberhalb der Dunstwolken der Städte. Mancher meiner Leser mag daher denken, dass es daheim nicht möglich wäre. Somit hoffe ich, dass es Dir mit dem Buch von Katja gelingen wird, die Faszination Sternenhimmel auf Deinen Sensor zu brennen!
Weiterführende Informationen zum Thema Sternenfotografie gibt es auch hier im Blog.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.