Fotos sind für uns wertvoll. Egal, ob es die Bilder vom letzten Urlaub, der eigenen Hochzeit oder einer Auftragsarbeit sind: Alle Fotos zu verlieren wäre ein Alptraum! In diesem Beitrag beschreibe ich, wie ein gutes Backup für Fotografen aussieht und gehe auf Optionen für den Heimgebrauch und den ambitionierten Fotografen ein. Kosten-Nutzen muss jeder für sich abschätzen. Zu den Kosten gehört für mich auch die notwendige manuelle Zeit. Hier beschreibe ich mein Vorgehen aus 2017 und früher. Seit Sommer 2017 mache ich Backups meiner 4K Videos und nutze die QNAP nicht mehr. Details zum Backup für 4K Videos beschreibe ich in einem eigenen Artikel.

Der Artikel ist Teil der Serie zum Thema Beruf Fotograf.

Backup: Festplatten und NAS

Backup: Festplatten und NAS

 

Muss ich als Fotograf meine Daten aufheben?

Als Fotograf stellt sich sofort die Frage, ob ich meine Daten nur aufheben will, oder auch muss? Als Geschäftsmann muss ich Geschäftsunterlagen mehrere Jahre aufheben, aber gilt das auch für die Fotos? Klar ist: Wer einen entsprechenden Vertrag unterschrieben hat, ist daran gebunden. Das ist aber unüblich. Klar ist auch: Es kommen immer mal wieder Kunden, die ihre Daten verloren haben und denen ich aus dem Service-Gedanken heraus die Fotos erneut liefere. Nicht ganz so klar ist: Hafte ich im Falle von Datendiebstahl, z.B. von Aktfotos?

Hochzeitsfotografen würde ich in jedem Fall empfehlen, die Fotos langfristig aufzuheben (evtl. nur als JPG). Aber ein Bewerbungsfoto wird wohl nach 10 Jahren niemand mehr anfragen und ein Schadensersatz ist auch nicht zu erwarten – könnte man doch einfach neue Fotos machen.

Zur gesetzlichen Vorgabe findet man im Netz heisse (und häufig unsachliche) Diskussionen – und widersprüchliche Aussagen. Von “das ist absurd” hin zu “natürlich muss man die 7 Jahre aufheben”. Im Zweifel gilt mal wieder: Wende Dich an den Anwalt Deines Vertrauens.

Brautpaar in Kirche - Hochzeitsfotograf in Bern

Brautpaar in Kirche – Wie lange muss so ein Foto archiviert werden?

 

Backup für Fotografen: Erst nachdenken, dann kaufen

Am Anfang steht das Risiko: Was möchtest Du absichern? Wie wahrscheinlich ist der Eintritt des Schadens und wie schlimm wäre dieser? Daten zu verlieren ist das Eine, aber wenn Deine privaten Fotos in fremde Hände fallen, ist das evtl. noch schlimmer? Jedes Risiko kann man 100% absichern – aber meist wird das zu teuer sein. Jeder muss für sich selbst eine Kosten-Nutzen-Abschätzung machen. Ich kann mich z.B. nicht erinnern, dass ich überhaupt schon mal Daten aufgrund einer defekten Festplatte verloren habe. Dagegen ist es mir schon oft passiert, dass ich Daten aus Versehen lösche. Letzte Woche z.B. 🙁

Backup für Fotografen

Backup für Fotografen – Risiko-Liste und Schadenspotential

 

Die einfachste Lösung für ein Backup für Fotografen

Die einfachste und gleichzeitig auch sicherste Lösung ist: Kauf Dir 4 externe Festplatten und richte ein automatisches Backup aller Daten ein. Zwei Festplatten für einen Wechsel jede Woche und eine dritte für alle 3 Monate (FileLocker Virus). Und dazu noch eine für ein Jahresbackup. Dieses einfache System wird für die meisten Privatanwender mehr als ausreichend sein und der Aufwand ist minimal.

Teurer und aufwändiger wird es, wenn man grosse Datenmengen hat, auf diese auch über das Internet zugreifen oder mit den anderen Computern in der Studenten-WG teilen möchte.

FileLocker, Krypto-Trojaner / Ransomware (Locky & Co) oder CryptoLocker ist ein Virus. Er kann monatelang still im System liegt und dann die gesamten Daten, inkl. externen Laufwerken verschlüsselt. Ein Lösegeld wird für das Passwort verlangt. Ein normales Backup auf einem Laufwerk hilft hier nicht, da es mit verschlüsselt wird.

 

MeinBackup Workflow für Fotografen

Da ich keinen Desktop Computer mit grosser Festplatte besitze, muss ich meine Daten häufig von der 1TB Platte meines MacBook Pro verschieben. Ich gehe dabei aktuell wie folgt vor:

  • Von der SD-Karte auf den Laptop (also 2 Kopien)
  • ca. zwei-drei Monate sind die Fotos auf dem Laptop. Zweimal die Woche Backup des Laptops mit Time Machine auf externe Festplatten. Ich habe nutze WD Festplatten (Stand Januar 2018). Eine davon verwende ich regelmässig, die andere nur alle paar Monate (CryptoLocker Virus Problem)
  • Alle 2-3 Monate verschiebe ich Daten auf ein externes Laufwerk und mache eine Sicherung von diesem Laufwerk (zu diesem Zeitpunkt habe ich mindestens drei Kopien). Siehe auch QNAP NAS
  • Auf einer externen 8TB Festplatte sind meine archivierten Videos und die älteren Fotos. Hierauf greife ich nur alle paar Wochen zu und ein Datenverlust wäre nicht schlimm. Die Festplatte sichere ich alle paar Monate mit einer Kopie
  • Das grosse Jahresende-Backup. ALLES wird frisch gesichert und kommt zu meinen Eltern

Neben der reinen Logik kommen weitere Faktoren hinzu: In meinem Fall die Lärmbelästigung von Festplatten und NAS-Systemen in meinem sehr ruhigen Büro. Daher setze ich primär auf die (teuren) SSD Festplatten und nutze normale Festplatten nur für die Backups.

Backup für Fotografen

Backup für Fotografen

 

Backup für Fotografen: Daten sicher sichern

Die Datensicherheit geht uns alle an. Jeder dürfte schon mal Daten aus versehen gelöscht und es erst nach ein paar Tagen/Wochen gemerkt haben (davor schützt ein RAID-System nicht). Auch ein Virus kann zu einem Verlust von (allen) Daten führen. Und schliesslich ist das Thema Diebstahl nicht zu unterschätzen. Egal, ob physikalisch oder digital.

Daten sind dann sicher, wenn fremde keinen Zugriff darauf erlangen können und ein Datenverlust verhindert wird.

Dabei kann man die Zeitspanne, in der maximal ein Datenverlust auftritt frei wählen. Ein Backup in Echtzeit ist im privaten Umfeld häufig nicht möglich (und auch nicht nötig). In einer Bank hingegen ist dies Standard.

Backup für Fotografen: Festplatte verschlüsseln gehört dazu

Backup für Fotografen: Festplatte verschlüsseln gehört dazu

Die altbewährte Lösung ist und bleibt: Regelmässige Backups machen. Die Backups müssen! verschlüsselt sein und sollten an mindestens einem zweiten Ort aufgehoben werden. Ich habe z.B. eine Festplatte bei meinen Eltern auf dem Dachboden liegen, die ich nur 1-2 mal im Jahr austausche. Selbst wenn also meine Wohnung komplett ausbrennt, inkl. dem Jahresbackup, hätte ich im worst case ein Jahr verloren.

Für die Verschlüsselung kann man auf dem Mac FileVault verwenden, neuere Windows-Versionen bieten die BitLocker-Verschlüsselung an.

Wenn Du Aktfotos auf der Festplatte hast, darf die ein Hacker (oder Dein(e) Ex) in die Hände bekommen?

 

 

NAS: Hochverfügbarkeit ist nicht Sicherheit

Es gilt zu unterscheiden, ob die Daten “nur sicher” oder auch hochverfügbar sein sollen und wie schlimm ein Verlust von den aktuellsten Daten wäre. Daten sind dann hochverfügbar, wenn ein Datenverlust innerhalb von wenigen Minuten wiederhergestellt ist. Meist ist dabei gemeint, dass gar keine Daten verloren gehen. Die Standardlösung im Heimnetz ist ein Netzwerklaufwerk (NAS – Network Attached Storage) mit mehreren Festplatten, die hochverfügbar ausgelegt sind (RAID-System).  Wenn eine Festplatte kaputt geht, kann das System ohne Datenverlust die Daten von den anderen Platten wiederherstellen.

Noch mehr Sicherheit bringt eine Spiegelung der Daten an einen zweiten Standort. Andernfalls sind z.B. versehentliches Löschen, Brand und Diebstahl nicht geschützt und wenn das ganze NAS kaputt geht, sind evtl. auch alle Daten weg. Der Nachteil dieser Lösung ist offensichtlich: Sie ist teuer. Man muss zusätzliche Festplatten in Betrieb haben, ein entsprechend grosses NAS kaufen und hat einen hohen Energieverbrauch. Bei dieser Lösung ist man schnell bei ein paar tausend EUR – und hat damit nur Hochverfügbarkeit, aber noch keine Sicherheit! In grossen Firmen mit 7×24 Betrieb ist es meist Standard, ein zweites Rechenzentrum oder zumindest einen feuergeschützten zweiten Raum zu haben.

In meinem aktuellen IT-Projekt bereite ich gerade den Test so einer Anlage vor. Er wird über 100.000 EUR kosten. Der Test, nicht die Anlage.

 

 

 

Fazit

Im Freundeskreis höre ich immer wieder, dass ein NAS gekauft wurde, um Datensicherheit zu schaffen. Das ist falsch.

Ein NAS schützt nicht vor den wahrscheinlichsten Problemen: Versehentliches Löschen, Virus und Diebstahl.

Auch das Thema Verschlüsselung wird meist vernachlässigt, gewinnt heute aber immer mehr Gewicht. Für reine Privatanwender wird ein normales Backup meist reichen – wenn eine Kopie an einem getrennten Ort aufbewahrt wird.

SSD oder HDD Festplatte für Backups?

SSD oder HDD Festplatte für Backups?

Egal, ob Du Fotograf oder nur Ferien-Knipser bist: Es ist nicht die Frage, OB Du Daten verlierst, sondern nur wann und wie – und wie Du sie wiederbekommst. Nimm das Thema Backup für Fotografen ernst und beschäftige Dich auch mal mit dem Thema Sicherheit. Dabei muss man keine komplizierten Prozesse betreiben. Ein einfaches System, dass man auch lebt ist besser als ein komplexes, dass man nicht beherrscht.

 

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