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Backup für Fotografen – Der ultimative Guide

Fotos sind für uns wertvoll. Egal, ob es die Bilder vom letzten Urlaub, der eigenen Hochzeit oder einer Auftragsarbeit sind: Alle Fotos zu verlieren wäre ein Alptraum! In diesem Beitrag beschreibe ich, wie ein gutes Backup für Fotografen aussieht und gehe auf Optionen für den Heimgebrauch und den ambitionierten Fotografen ein. Kosten-Nutzen muss jeder für sich abschätzen. Zu den Kosten gehört für mich auch die notwendige manuelle Zeit.

Der Artikel ist Teil der Serie zum Thema Beruf Fotograf.

Backup: Festplatten und NAS

Backup: Festplatten und NAS

 

Muss ich als Fotograf meine Daten aufheben?

Als Fotograf stellt sich sofort die Frage, ob ich meine Daten nur aufheben will, oder auch muss? Als Geschäftsmann muss ich Geschäftsunterlagen mehrere Jahre aufheben, aber gilt das auch für die Fotos? Klar ist: Wer einen entsprechenden Vertrag unterschrieben hat, ist daran gebunden. Das ist aber unüblich. Klar ist auch: Es kommen immer mal wieder Kunden, die ihre Daten verloren haben und denen ich aus dem Service-Gedanken heraus die Fotos erneut liefere. Nicht ganz so klar ist: Hafte ich im Falle von Datendiebstahl, z.B. von Aktfotos?

Hochzeitsfotografen würde ich in jedem Fall empfehlen, die Fotos langfristig aufzuheben (evtl. nur als JPG). Aber ein Bewerbungsfoto wird wohl nach 10 Jahren niemand mehr anfragen und ein Schadensersatz ist auch nicht zu erwarten – könnte man doch einfach neue Fotos machen.

Zur gesetzlichen Vorgabe findet man im Netz heisse (und häufig unsachliche) Diskussionen – und widersprüchliche Aussagen. Von „das ist absurd“ hin zu „natürlich muss man die 7 Jahre aufheben“. Im Zweifel gilt mal wieder: Wende Dich an den Anwalt Deines Vertrauens.

Brautpaar in Kirche - Hochzeitsfotograf in Bern

Brautpaar in Kirche – Wie lange muss so ein Foto archiviert werden?

 

Backup für Fotografen: Erst nachdenken, dann kaufen

Am Anfang steht das Risiko: Was möchtest Du absichern? Wie wahrscheinlich ist der Eintritt des Schadens und wie schlimm wäre dieser? Daten zu verlieren ist das Eine, aber wenn Deine privaten Fotos in fremde Hände fallen, ist das evtl. noch schlimmer? Jedes Risiko kann man 100% absichern – aber meist wird das zu teuer sein. Jeder muss für sich selbst eine Kosten-Nutzen-Abschätzung machen. Ich kann mich z.B. nicht erinnern, dass ich überhaupt schon mal Daten aufgrund einer defekten Festplatte verloren habe. Dagegen ist es mir schon oft passiert, dass ich Daten aus Versehen lösche. Letzte Woche z.B. 🙁

Backup für Fotografen

Backup für Fotografen – Risiko-Liste und Schadenspotential

 

Die einfachste Lösung für ein Backup für Fotografen

Die einfachste und gleichzeitig auch sicherste Lösung ist: Kauf Dir 4 externe Festplatten und richte ein automatisches Backup aller Daten ein. Zwei Festplatten für einen Wechsel jede Woche und eine dritte für alle 3 Monate (FileLocker Virus). Und dazu noch eine für ein Jahresbackup. Dieses einfache System wird für die meisten Privatanwender mehr als ausreichend sein und der Aufwand ist minimal.

Teurer und aufwändiger wird es, wenn man grosse Datenmengen hat, auf diese auch über das Internet zugreifen oder mit den anderen Computern in der Studenten-WG teilen möchte.

FileLocker, Krypto-Trojaner / Ransomware (Locky & Co) oder CryptoLocker ist ein Virus. Er kann monatelang still im System liegt und dann die gesamten Daten, inkl. externen Laufwerken verschlüsselt. Ein Lösegeld wird für das Passwort verlangt. Ein normales Backup auf einem Laufwerk hilft hier nicht, da es mit verschlüsselt wird.

 

MeinBackup Workflow für Fotografen

Da ich keinen Desktop Computer mit grosser Festplatte besitze, muss ich meine Daten häufig von der 1TB Platte meines MacBook Pro verschieben. Ich gehe dabei aktuell wie folgt vor:

  • Von der SD-Karte auf den Laptop (also 2 Kopien)
  • ca. zwei-drei Monate sind die Fotos auf dem Laptop. Zweimal die Woche Backup des Laptops mit Time Machine auf externe Festplatten. Ich habe zwei TB WD Elements Festplatten. Eine davon verwende ich regelmässig, die andere nur alle paar Monate (CryptoLocker Virus Problem)
  • Alle 2-3 Monate verschiebe ich Daten auf ein externes Laufwerk und mache eine Sicherung von diesem Laufwerk (zu diesem Zeitpunkt habe ich mindestens drei Kopien). Siehe auch QNAP NAS
  • Auf einer externen 8TB Festplatte sind meine archivierten Videos und die älteren Fotos. Hierauf greife ich nur alle paar Wochen zu und ein Datenverlust wäre nicht schlimm. Die Festplatte sichere ich alle paar Monate mit einer Kopie
  • Das grosse Jahresende-Backup. ALLES wird frisch gesichert und kommt zu meinen Eltern

Neben der reinen Logik kommen weitere Faktoren hinzu: In meinem Fall die Lärmbelästigung von Festplatten und NAS-Systemen in meinem sehr ruhigen Büro. Daher setze ich primär auf die (teuren) SSD Festplatten und nutze normale Festplatten nur für die Backups.

Backup für Fotografen

Backup für Fotografen

 

Backup für Fotografen: Daten sicher sichern

Die Datensicherheit geht uns alle an. Jeder dürfte schon mal Daten aus versehen gelöscht und es erst nach ein paar Tagen/Wochen gemerkt haben (davor schützt ein RAID-System nicht). Auch ein Virus kann zu einem Verlust von (allen) Daten führen. Und schliesslich ist das Thema Diebstahl nicht zu unterschätzen. Egal, ob physikalisch oder digital.

Daten sind dann sicher, wenn fremde keinen Zugriff darauf erlangen können und ein Datenverlust verhindert wird.

Dabei kann man die Zeitspanne, in der maximal ein Datenverlust auftritt frei wählen. Ein Backup in Echtzeit ist im privaten Umfeld häufig nicht möglich (und auch nicht nötig). In einer Bank hingegen ist dies Standard.

Backup für Fotografen: Festplatte verschlüsseln gehört dazu

Backup für Fotografen: Festplatte verschlüsseln gehört dazu

Die altbewährte Lösung ist und bleibt: Regelmässige Backups machen. Die Backups müssen! verschlüsselt sein und sollten an mindestens einem zweiten Ort aufgehoben werden. Ich habe z.B. eine Festplatte bei meinen Eltern auf dem Dachboden liegen, die ich nur 1-2 mal im Jahr austausche. Selbst wenn also meine Wohnung komplett ausbrennt, inkl. dem Jahresbackup, hätte ich im worst case ein Jahr verloren.

Für die Verschlüsselung kann man auf dem Mac FileVault verwenden, neuere Windows-Versionen bieten die BitLocker-Verschlüsselung an.

Wenn Du Aktfotos auf der Festplatte hast, darf die ein Hacker (oder Dein(e) Ex) in die Hände bekommen?

 

 

NAS: Hochverfügbarkeit ist nicht Sicherheit

Es gilt zu unterscheiden, ob die Daten „nur sicher“ oder auch hochverfügbar sein sollen und wie schlimm ein Verlust von den aktuellsten Daten wäre. Daten sind dann hochverfügbar, wenn ein Datenverlust innerhalb von wenigen Minuten wiederhergestellt ist. Meist ist dabei gemeint, dass gar keine Daten verloren gehen. Die Standardlösung im Heimnetz ist ein Netzwerklaufwerk (NAS – Network Attached Storage) mit mehreren Festplatten, die hochverfügbar ausgelegt sind (RAID-System).  Wenn eine Festplatte kaputt geht, kann das System ohne Datenverlust die Daten von den anderen Platten wiederherstellen.

Noch mehr Sicherheit bringt eine Spiegelung der Daten an einen zweiten Standort. Andernfalls sind z.B. versehentliches Löschen, Brand und Diebstahl nicht geschützt und wenn das ganze NAS kaputt geht, sind evtl. auch alle Daten weg. Der Nachteil dieser Lösung ist offensichtlich: Sie ist teuer. Man muss zusätzliche Festplatten in Betrieb haben, ein entsprechend grosses NAS kaufen und hat einen hohen Energieverbrauch. Bei dieser Lösung ist man schnell bei ein paar tausend EUR – und hat damit nur Hochverfügbarkeit, aber noch keine Sicherheit! In grossen Firmen mit 7×24 Betrieb ist es meist Standard, ein zweites Rechenzentrum oder zumindest einen feuergeschützten zweiten Raum zu haben.

In meinem aktuellen IT-Projekt bereite ich gerade den Test so einer Anlage vor. Er wird über 100.000 EUR kosten. Der Test, nicht die Anlage.

 

 

 

Fazit

Im Freundeskreis höre ich immer wieder, dass ein NAS gekauft wurde, um Datensicherheit zu schaffen. Das ist falsch.

Ein NAS schützt nicht vor den wahrscheinlichsten Problemen: Versehentliches Löschen, Virus und Diebstahl.

Auch das Thema Verschlüsselung wird meist vernachlässigt, gewinnt heute aber immer mehr Gewicht. Für reine Privatanwender wird ein normales Backup meist reichen – wenn eine Kopie an einem getrennten Ort aufbewahrt wird.

SSD oder HDD Festplatte für Backups?

SSD oder HDD Festplatte für Backups?

Egal, ob Du Fotograf oder nur Ferien-Knipser bist: Es ist nicht die Frage, OB Du Daten verlierst, sondern nur wann und wie – und wie Du sie wiederbekommst. Nimm das Thema Backup für Fotografen ernst und beschäftige Dich auch mal mit dem Thema Sicherheit. Dabei muss man keine komplizierten Prozesse betreiben. Ein einfaches System, dass man auch lebt ist besser als ein komplexes, dass man nicht beherrscht.

 

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März 22nd, 2017|Categories: Beruf Fotograf, Fotoausrüstung|Tags: |

14 Comments

  1. Jürgen Hofmann 3. Oktober 2017 at 8:50 - Reply

    Als Arzt mit eigener Praxis stellt sich mir das Thema Datensicherung ja bei noch weitaus sensibleren Daten (der Patientenkartei mit allen (z.T. hochsensiblen) Patientenunterlagen nämlich), als „nur“ meine Bilder als Amateur-Fotograf. Dabei nutze ich u.a. auf Anraten meines IT-Spezialisten seit Jahren ein RDX-Laufwerk von Tandberg-Data mit arbeitstäglich wechselnden Platten. Der Server macht nach Sprechstundenende automatisiert ein Backup der ges. Patientenkartei über Nacht und schreibt es auf die eingelegte RDX-Kartusche und in der Früh wird diese Kartusche gegen die vom nächsten Tag ausgetauscht. In der Praxis ist also immer nur eine von 5 Kartuschen, die 4 anderen werden extern gelagert. Ein Quartals-Backup auf ein weiteres Medium kommt dazu. Dieser Lösungsansatz wäre ggf. auch eine Option für die Fotografie, hängt von der zu sichernden Datenmenge ab, ob es praktikabel ist.

  2. Ben 26. September 2017 at 21:15 - Reply

    Interessanter Artikel, danke dafür !

  3. guitarplayeratwork 23. März 2017 at 22:09 - Reply

    Cooler Beitrag 🙂 ich hab noch einen heißen Tip… bei Flickr hat man 1 TB gratis, da lade ich automatisch alle JPEGS hoch und schalte sie auf privat… so kann ich im Notfall auch von unterwegs zugreifen.

    • Stephan Wiesner 24. März 2017 at 6:54 - Reply

      Grob fahrlässig würde ich das nennen. Flickr ist nicht gerade für Sicherheit bekannt, ich würde davon ausgehen, dass Deine Fotos quasi zur Public Domain geworden sind.

  4. Metty 23. März 2017 at 11:31 - Reply

    Also ich verfahre mit meinen Backups ähnlich, meiner meinung nach aber einfacher, obwohl ich nur Hobbymäßig fotografiere.
    Also von der Kamera auf den Laptop dannach wandert gleich eine kopie auf mein NAS 4TB mit Raid 1.Von dem NAS ziehe ich alle 4 Wochen ein Backup auf ne einzelne externe 4TB Platte. die dann extern gelagert wird( Diebstahl und Brandschutz).
    Acronis gibt es schon noch aber brauche ich persönlich nicht, @Oliver guck dir Acronis mal an die müssten deinen Anfordeungen entsprechen , Synology hat ne Backup applikation in Ihrem NAS DSM.

    • Oliver 23. März 2017 at 16:10 - Reply

      Hallo und danke für den Hinweis.

      aktuell tendiere ich zu Genie Timeline Pro.
      Acronis muss ich mir mal näher anschauen.

  5. Marcus 23. März 2017 at 11:08 - Reply

    Meiner Meinung nach, wird das wichtigste leider immer wieder vergessen.
    Überprüfen ob das Backup funktioniert. Also Daten von einem Backup wiederherstellen.
    Schön, wenn man mit einer Software Backups macht und im Schadensfall die Daten dann nicht zurückspielen kann.

  6. Catia 23. März 2017 at 9:58 - Reply

    Ich sichere von meinem PC alles auf unser NAS zu Hause und dan in die Dropbox damit ich von überall zugreiffen kann.
    Aber Backup ist immer ein Thema, ab und zu etwa alle 2 Monate mache ich ein Backup vom PC.
    Backup bleibt immer ein Thema und jeder macht es anders.

  7. Oliver 22. März 2017 at 21:23 - Reply

    Interessanter Artikel über ein für mich grade sehr aktuelles Thema.

    Ich komme aus der Mac Welt, musste aber für mehr Leistung ins Windowslager wechseln.
    Daher arbeitet das MacBook Pro nur noch mobil und als Desktop werkelt ein Windows 7 Rechner.

    Seit dieser läuft, bin ich auf der Suche nach einem Windows Pendant für TimeMachine.
    Also ein Backup System, dass inkrementell sichert, sodass ich auch bei versehentlichen Daten-Ungeschicken den Stand von letzter Woche wiederherstellen kann.

    Fündig wurde ich bisher aber nicht.
    Hast du mit deiner Erfahrung da eine Empfehlung für mich?

    Ich weiß nicht, inwieweit du dich auch mit der Windows Welt befasst.

    Danke auf jeden Fall schonmal deine Zeit und Mühe.

    Grüße
    Oliver

    • Stephan Wiesner 23. März 2017 at 6:24 - Reply

      Ich bin seit 5 Jahren auf Mac. Früher hatte ich Acronis, weiss nicht, ob es die noch gibt.

    • Sascha 23. März 2017 at 10:12 - Reply

      Hallo,

      vorweg: schöner Artikel Stephan.

      Ich nutze als Desktop ebenfalls einen Windows 10 Rechner, einfach weil die Perfomance… aber das ist hier nicht das Thema.

      Als Speicher nutze ich ein NAS auf Basis eines HP Microservers Gen8. Darauf installiert ist ein FreeNAS 9.10 (nein, das 10 ist mir noch zu neu) und auf dem NAS habe ich verschiedene ZFS Datasets eingerichtet.
      Nun habe ich zum Beispiel für wichtige Gewerbsdokumente ein Dataset, welches jede Stunde ein Snapshot dieses Datasets macht.
      Sollte sich in der Stunde nichts verändert haben, gut! Dann nimmt der Snapshot keinen Speicherplatz weg.
      Sollte sich doch etwas verändert haben, werden nur die Änderungen im Snapshot aufgenommen. So kannst Du ähnlich wie bei TM zurückrollen (unter Windows ganz einfach über Eigenschaften->vorherige Versionen).

      Natürlich ist dies erstmal eine tolle Sache, ersetz aber nicht das OffSite Backup wie Stephan richtig erwähnte. Entweder man stellt das gleiche System bei Eltern/ Verwandten auf und repliziert über rsync oder hat noch externe Platten, auf die man die wichtigen „Datasets-Snapshots“ per ZFS send rüberschiebt. Diese lassen sich bequem sicher aufbewahren.

      Alles in allem hat man die Daten performant und immer griffbereit abgelegt (geht auch mit Verschlüsselung!)
      Wie oft das Update auf ein externes USB Medium erfolgt, muss man für den Einzelfall entscheiden.
      Auch hier gilt wieder: Raid auf einem NAS ist KEINE DATENSICHERUNG, wenn auch zurückgerollt werden kann.

    • Johann Pass 23. März 2017 at 11:26 - Reply

      Acronis gibt es noch, verwende ich täglich, 3x die Woche wird automatisch ein Backup gemacht und die wichtigen Daten werden täglich in die Cloud gesichert, funktioniert ohne Probleme

      • Thomas Raiber 23. April 2017 at 13:33 - Reply

        also ich würde urbackup empfehlen. Dabei kann man das Intervall einstellen, in dem inkrimentelle Backups gemacht werden….

    • Cebo 7. April 2017 at 18:28 - Reply

      Ich nutze genau dafür Macrium Reflect.

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