Als ich den Motor ausmache herrscht Stille. Drei Hühner laufen langsam neben dem Auto vorbei. Wir parken vor der alten Dorfkirche, direkt daneben steht ein altes Backsteinhaus mit einem großen Friedens-Plakat. Als wir aussteigen begrüßt uns ein junger Mann mit einem freundlichen Lächeln. „Du bist der Fotograf? Maike kommt gleich.“ Dann geht die Tür vom Haus auf und Maike Hagemann kommt uns entgegen. Sie trägt Arbeitskleidung. Ein Kariertes Hemd, bequeme Hosen und eine Schürze. Ihr Handschlag ist fest, ihre Begrüßung norddeutsch kühl und abwartend. „Ich bin Maike. Meine Werkstatt ist hier drüben.“ Am Telefon haben wir uns gesiezt, aber hier schalten wir automatisch auf das dörfliche Du.

Keramikerin in Töpferei im Wendland

Keramikerin in Töpferei im Wendland

In der Werkstatt stehen Bäckerregale auf Rollen, aber statt Broten liegen die Bretter voller halbfertiger Schalen und Tassen. Auch die Wände des kleinen Raums sind mit Regalen voller Keramikprodukte und Arbeitsutensilien bedeckt. Es riecht deutlich nach feuchtem Ton. Über allem liegt eine Schicht Tonstaub. Ich fühle mich sofort wie der berühmte Elefant im Porzellanladen und bewege mich sehr vorsichtig um nichts umzustoßen. Während ich mein Notizbuch parat mache, zündet Maike den alten Eisenofen in der Zimmerecke an. Wir ziehen uns Hocker heran und setzen uns um den Ofen. Es ist ein kühler Tag Anfang April und wir sind froh über das wärmende Feuer.

Nach und nach taut auch Maike auf und erzählt von ihrer Ausbildung und dem Leben in der Region. „Heute müssen Keramikprodukte Mikrowellentauglich und Spülmaschinenfest sein.“ Erklärt sie mir im Zusammenhang mit dem Brennen des Tons. „Ich verwende Ton in Steinzeug Qualität aus dem Westerwald.“

Nach einem längeren Interview beginnen wir mit der Fotografie. Ich fotografiere im Reportage-Style. Die Fotos werden nicht im Photoshop nachbearbeitet. Nur leichte Korrekturen in Lightroom sind erlaubt. Maike fertigt mehrere Tassen an und ich fotografiere sie dabei. Im Hinterkopf habe ich bereits die Story, die ich dazu schreiben werde und suche Fotos, mit denen ich diese Story untermalen kann. Ein wichtiger Punkt sind dabei ihre Hände, die den Tonklumpen zu einem Becher formen.

Ich fotografiere im Reportage-Style. Die Fotos werden nicht im Photoshop nachbearbeitet.

Mehr von Maike Hagemann und ihrer Keramik gibt es auf ihrer Webseite: http://www.maikehagemann.de/

 

Töpferscheibe

Töpferscheibe

Maike nimmt mehrere Klumpen von dem großen Block Steinzeug-Ton und wiegt sie ab. Dann setzt sie sich an die Töpferscheibe vor dem Fenster. Die Scheibe kann von einem Elektromotor angetrieben werden oder per Fuß für mehr Kontrolle. Griffbereit steht ein Eimer Wasser, aus dem sie mit einem Schwamm den Lehm anfeuchtet. Per Fuß steuert sie den Motor und die Scheibe beginnt sich mit einem leisen brummen zu drehen. Der Geruch von Ton verstärkt sich. Maikes Gesichtsausdruck ändert sich. War sie im Interview etwas angespannt, so ist sie jetzt voll konzentriert. Fasziniert beobachte ich, wie aus dem Klumpen langsam eine Scheibe, dann ein Turm und dann ein klar erkennbarer Becher wird. Keine hektische Bewegung, alles läuft geschmeidig ab.

Töpferscheibe – Panasonic S1 Kamera

Töpferscheibe – Panasonic S1 Kamera

 

Vorbereitung ist alles

Es ist eine Auftragsarbeit und drei Stunden nach der Ankunft sitzen wir schon wieder im Auto. Für das Fotografieren habe ich eineinhalb Stunden Zeit gehabt, das funktioniert nur, wenn man gut vorbereitet ist. Ich hatte von Töpfern keine Ahnung und habe im Vorfeld viel gelesen und mir Fotos angeschaut. Dann habe ich mir eine Checkliste mit Zielfotos erstellt. Ein wichtiger Punkt dabei war natürlich die Töpferscheibe, die ich in Bewegung zeigen wollte.

Das erreiche ich durch die richtige Wahl der Verschlusszeit. Aber wie schnell dreht sich so eine Scheibe? Keine Ahnung, das musste ich tatsächlich ausprobieren. Gearbeitet habe ich dabei mit der Panasonic S1 und dank ihrem exzellenten Touch-Display konnte ich die Bilder bereits in der Kamera beurteilen. Die Kamera hat jedoch nur 24 MP. Eigentlich zu wenig für meinen Auftrag, ich muss 30 MP Dateien abliefern. Daher kam erschwerend hinzu, dass ich im Nachhinein nicht zuschneiden kann. Entsprechend habe ich deutlich mehr Fotos gemacht, als ich das sonst gewohnt bin. Kleine Änderungen im Bildausschnitt machen manchmal den Unterschied zwischen einem Hit und einem Flop.

Arbeiten mit professioneller Effizient war nötig – auch bekannt als hektisches Serienfotos erstellen.

 

Bewegung in einem Foto zeigen

Um Bewegung in einem Foto zu zeigen kann man mit einer entsprechenden Verschlusszeit erreichen, dass ein Teil des Fotos mit Bewegungsunschärfe dargestellt wird. In diesem Fall also z.B. die sich bewegenden Töpferscheibe und Tonklumpen. Die Hände dürfen leichte Bewegung haben, aber der Rest vom Foto nicht. In solchen Situationen kann ein guter Bildstabilisator helfen. Bei einigen der Fotos halte ich die Kamera über ihren (und meinen) Kopf und fotografiere von oben auf die Scheibe. Keine Position, in der ich die Kamera besonders ruhig halten kann.

Nacharbeit an der Töpferscheibe

Nacharbeit an der Töpferscheibe

 

Die Fotos der Drehscheibe sind mit einer Verschlusszeit um 1/80 aufgenommen, überwiegend mit einer Blende von 1.8 an 50mm. Dadurch ist der Hintergrund der Werkstatt noch ein wenig zu erkennen, aber nicht mehr dominant. Bei einer anderen Bewegung hätte ich eine andere Verschlusszeit gewählt. Entscheidend ist immer vor Ort ein paar Testfotos zu machen und dann richtig zu beurteilen. Erfahrung hilft hier sehr. Ein guter Sportfotograf wird z. B. genau wissen, welche Werte er für einen Sprinter, Hochspringer oder Rennradfahrer wählen muss.

 

Maike Hagemann bei der Arbeit

Maike Hagemann bei der Arbeit

 

Ein Becher aus Ton entsteht

Ein Becher aus Ton entsteht

 

Keramik Tassen töpfern in der Töpferei

Der Besuch in der Töpferei hat mir nur einen kleinen Einblick in den interessanten Beruf des Keramikers gegeben. Zum Schluss haben Kristina und ich uns noch je eine neue Lieblings-Teetasse ausgesucht und gekauft. Meine natürlich in Blau.

Solche “Frau bei der Arbeit Aufträge” als Reportage liebe ich. Weil es fotografisch anspruchsvoll und abwechslungsreich ist, aber vor allem, weil man immer interessante Personen kennen lernt. Bzw. Personen von ihrer interessanten Seite.

„Die Leute fragen mich immer, wie lange ich an einer Tasse arbeite, aber das kann ich nicht sagen. Es sind viele einzelne Schritte, das macht es aufwändig.“

 

Töpferei Maike Hagemann

Töpferei Maike Hagemann

 

Tassen aus Keramik

Tassen aus Keramik