Ein Bildstabilisator verhindert verwackelte Fotos – so verspricht die Werbung. Verwackelte Fotos sind unscharfe Fotos und nicht immer ist klar erkennbar, warum ein Foto nicht wirklich scharf ist. Zum Fotografieren lernen gehört daher, sich mit den Grenzen seiner eigenen Stabilität vertraut zu machen. Moderne Kameras und Objektive sind häufig mit Bildstabilisatoren ausgestattet. Nicht immer hält dieser jedoch, was im Prospekt steht. Handelt es sich nur um eine elektronische Bildstabilisierung, dann ist es eher ein Trick als eine wirkliche Stabilisierung.

Die optische Bildstabilisierung erlaubt längere Verschlusszeiten

Verwackelte Bilder treten dann auf, wenn die Verschlusszeit zu langsam ist. Was „zu langsam“ bedeutet hängt von vielen Dingen ab. Der gewählten Brennweite, der Menge getrunkenen Kaffees, ob der Fotograf aufgeregt oder ausser Atem ist, etc. Daher nutzt die berühmte Faustformel 1/Brennweite nur sehr bedingt. Sie besagt: Wer 200mm an einer Vollformat-Kamera verwendet, sollte maximal 1/200s verwenden. An einer Kamera mit einem kleineren Sensor entsprechend kürzer, also z.B. 1/(200*1.5) = 1/300.

Der Bildstabilisator kann im Objektiv und/oder in der Kamera sein. In Objektiven gibt es Bildstabilisation erst seit 1995 (Canon), in der Kamera erst seit 2004 (Minolta). Sony hat mit der A7 II die erste Vollformatkamera mit Stabilisator auf den Markt gebracht (2014). Die Technik ist also noch sehr neu und wir können gespannt sein, was die nächsten Jahre bringen. Als Fotograf in Bern verfahre ich selbst immer so, dass ich möglichst kurze Verschlusszeiten wähle. Dafür nehme ich auch ein höheres Bildrauschen aufgrund hoher ISO-Werte in Kauf. Denn ein verwackeltes Foto gehört in die Mülltonne, eins mit Rauschen nicht zwingend.

Bildstabilisation im Objektiv

Hier befinden sich die stabilisierenden Elemente – Prismen, Linsen oder andere optische Elemente – im Objektiv der Kamera; ein oder mehrere optische Elemente sind dabei beweglich und können anhand der Messungen von zwei oder drei Sensoren horizontal und vertikal gesteuert werden. Einer der Sensoren bestimmt die horizontale, der andere die vertikale Bewegung und der dritte die Position des Ausgleichselements. Weil optische Elemente verschoben werden, geht diese Implementierung immer mit einem (leichten) Qualitätsverlust einher. Besonders in den Randbereichen kann Chromatische Aberration verstärkt auftreten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bildstabilisierung)

 

Bildstabilisation in der Kamera

Die Bildstabilisierung in der Kamera funktioniert prinzipiell gleich wie die optische Bildstabilisierung im Objektiv, nur werden dabei keine optischen Ausgleichselemente bewegt, sondern direkt der Bildsensor. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bildstabilisierung)

Elektronische Bildstabilisierung über Software

Die elektronische Bildstabilisierung wird hauptsächlich in Videokameras eingesetzt. Aber auch in den Fotoapparaten finden sich Umsetzungen, die meist auf dem Nachschärfen der Bilder oder auf einer automatischen Empfindlichkeitserhöhung des Sensors basieren. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bildstabilisierung)

Die neue GoPro 5 z.B. wirbt mit ihrem Bildstabilisator – der jedoch nur über Software funktioniert und zu einer Beschneidung des Bildes führt. In meinem Bearbeitungsprogramm für die Youtube Videos (Final Cut Pro X) kann ich ebenfalls eine solche Stabilisierung über Software durchführen lassen, die mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Überraschend gute Ergebnisse erzielt das iPhone beim Filmen – auch hier wird der Bildausschnitt zugeschnitten. Wähle ich in meiner Sony RX100 die Bildstabilisation fürs Filmen, dann habe ich zwei Stufen – die das Bild unterschiedlich stark beschneiden.

Auch wenn der elektronische Mechanismus keine echte Bildstabilisierung ist, kann das Ergebnis deutlich besser sein, als ohne.

 

Kendo Kampfsport Fotograf Bern Fotostudio

In der Blitz-Fotografie ist ein Stabi irrelevant – Kendo Kampfsport Fotograf Bern Fotostudio

Wann nutzt ein Bildstabilisator nichts?

Zum Einen gibt es Situationen, in denen man bewusst eine Kamerabewegung durchführt – z.B. bei Mitziehern in der Sportfotografie. Auch als Filmer führt man häufig Schwenks aus. Hier kann der Stabilisator evtl. schaden. Sportobjektive haben teilweise aber einen speziellen Modus hierfür und versuchen z.B. die horizontale Bewegung zu ignorieren, die vertikale aber zu stabilisieren.

Praxisrelevant ist aber vor allem: Wenn man Dinge fotografiert, die sich bewegen, dann nutz der beste Bildstabilisator nichts. Auch hier gilt: Je mehr Brennweite und je dichter am Motiv, desto auffälliger wird das. Bei diesem Portrait in Bern an der Aare kam das Canon 135mm an der Sony A7II mit 1/135 zum Einsatz. Der Stabilisator sollte ein Verwackeln verhindern – das hat auch bei den meisten Fotos funktioniert. Nur bin ich niemand, der lange stillhalten kann. Aus diesem Grund ist ein Bildstabilisator für Portrait-Fotografen eher unnötig. Als Faustregel wähle ich dabei nie Verschlusszeiten von weniger als 1/50 und dann habe ich viele unscharfe Fotos dabei, wenn ich nicht blitze. Besser: 1/200. Noch besser 1/400.

Trotz Bildstabilisation verwackelt - weil ich gezuckt habe

Trotz Bildstabilisation verwackelt – weil ich gezuckt habe

Beim Einsatz von Blitzen als einzige Lichtquelle nutzt der Stabilisator ebenfalls nichts. Die Belichtungszeit ist viel zu kurz. Entsprechen deaktiviere ich diesen (wenn ich dran denke).

Und schliesslich sollte man die Stabilisation deaktivieren, wenn man auf einem Stativ arbeitet. Teilweise merken Kamera/Objektiv dies, aber nicht immer.

 

Wie wichtig ist ein Bildstabilisator wirklich?

Die Frage ist schwierig zu beantworten. Ich kann dazu nicht durch meine Fotos schauen, da ich an meinen teuersten Kameras und Objektiven keine Stabilisation habe – und auch nicht vermisse. Entweder fotografiere ich Menschen und wähle dann eine kurze Verschlusszeit oder ich habe ein Stativ dabei, weil ich Landschaft fotografiere. Sobald ich diese Aussage bringe, kommen aber immer aufgeregte Mails und Kommentare von Fotografen, die mir von Situationen erzählen, wo sie den Stabi dringend brauchen. Und es gibt Menschen, die stark zitternde Hände haben, z.B. aufgrund einer Krankheit.

Die offensichtliche Antwort ist daher: Bilde Dir Deine eigene Meinung. Schau Dir Deine Fotografie an. Was fotografierst Du? Was würde Dir ein Stabi ermöglichen, an dem Du aktuell regelmässig (nicht einmalig) scheiterst? Und bevor Du Dich in grosse Ausgaben stürzt: Denk noch mal über ein Stativ nach…

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Siehe auch den Artikel: So funktioniert die Verschlusszeit in einer Kamera.

 

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