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Blende und Schärfentiefe in der Fotografie verstehen

Wie kommt Licht auf ein Foto?

Die richtige Blende wählen, den Zusammenhang zwischen Schärfentiefe und Blende verstehen und ein Tipp für schärfere Fotos. Das sind die Themen dieses Blogbeitrags.

Die Helligkeit von einem Foto wird nur von zwei Dingen beeinflusst: Blende und Verschlusszeit. Ist das Foto dann zu dunkel, kannst Du die Signale elektronisch verstärken (ISO erhöhen), was aber zu verrauschten Fotos führen kann. Je nach Kamera und persönlicher Vorliebe kannst Du mit modernen Kameras relativ hohe ISO-Werte verwenden – oder eben nicht.

Fotografische Blende

Die Blende ist eine (normalerweise mechanische) Vorrichtung an Kameras, mit deren Hilfe der Lichtdurchlass durch das optische System (Objektiv) verändert werden kann. (https://de.wikipedia.org/wiki/Fotografische_Blende)

 

Wie wähle ich die richtige Blende?

Die Blende ist eine Öffnung, durch die Licht kommt. Je weiter offen sie ist, desto mehr Licht kommt rein. Sie wird in Zahlen angegeben, wobei leider eine kleinere Zahl bedeutet, dass mehr Licht rein kommt. Man spricht dabei von einer offenen Blende. Die technischen Details findest Du auf Wikipedia, wir konzentrieren uns hier auf die praktische Anwendung. Du kannst Dir merken:

Zusammenhang Blende und Lichtmenge

Wenn Du die Blendenzahl halbierst, kommt viermal so viel Licht rein. Blende 8 auf Blende 4 heisst also die vierfache Menge Licht. Bzw. umgekehrt, von Blende 8 auf 16 zu gehen reduziert die Lichtmenge auf ein Viertel.
Je kleiner die Zahl (also je grösser die Blendenöffnung), desto weniger Tiefenschärfe hast Du – der Hintergrund wirkt verschwommen. Dieser Effekt ist zusätzlich abhängig vom Abstand zum Objekt, der Brennweite und dem Chip in Deiner Kamera.

Wenn Dir dieses Prinzip nicht vertraut ist: Das kannst Du einfach ausprobieren:
Nimm dir eine Kamera mit einem beliebigen Zoom-Objektiv. Stell die Kamera in den A/AV-Modus (Du wählst die Blende) und wähle die kleinste Zahl die Du einstellen kannst. Dann fokussiere ein Objekt, dass nah dran ist (je näher, desto stärker ist der Effekt). Wenn Du gerade am Tisch sitzt: Fokussiere die Kaffeetasse.
Dann fokussierst Du, ohne irgendetwas an der Kamera umzustellen auf etwas Anderes, dass ein paar Meter weg ist: Der Unterschied für den Hintergrund ist markant!
Jetzt machst Du das gleiche noch mal und wähle die grösste Zahl, die Du einstellen kannst. OHNE dabei zu zoomen! Wieder wirst Du einen markanten Unterschied zum ersten Bild sehen.
Wenn Du ein Zoom-Objektiv hast, dann kannst Du die Übung jetzt noch mit wenig und viel Zoom wiederholen.

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Disclaimer: Die SwissQ-Tasse wurde mir gratis zur Verfügung gestellt.

Profi-Tipp: Du wusstest, dass das kommt, oder? Der Profi-Tipp ist natürlich: NOCH MEHR ÜBEN! Mach einen Spaziergang und spiel damit rum. Und morgen noch mal und nächste Woche auch. Das ist gut für Deine Gesundheit und Du bekommst ein Bauchgefühl für die Wirkung von DEINEM System. Benutze dafür Dein Lieblings-Portrait-Objektiv und idealerweise nimmst Du natürlich Deine Frau/Freundin/Freund/Schwester mit und spielst mit Halbkörper und Ganzkörper Portraits rum: „Entfernung ist in der Fotografie alles“, wie ich gerne sage.

Merke

Je kleiner die Blendenzahl, desto weniger Tiefenschärfe hast Du!

 

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Weitwinkelobjektiv Sigma 24mm Objektiv: Trotz sehr offener Blende ist der Hintergrund nicht extrem freigestellt

 

Bei welche Blende ist mein Objektiv am schärfsten?

Objektive haben unterschiedliche Eigenschaften, in Abhängigkeit von der gewählten Blende. Nur bei den mittleren Werten können sie ihre ganze Leistungsfähigkeit entfalten. Weit offen neigen sie meist zu Vignetierung (dunkler Rand) und haben vor allem am Rand deutlich weniger Schärfe, als bei Blende 8. Wie sich das genau verhält, kannst Du in technischen Reviews zu Deinem Objektiv nachlesen. Ich selbst schaue gerne bei: http://www.photozone.de/Reviews/overview

Wenn Dir der Hintergrund also egal ist – z.B. bei Portraits im Fotostudio – dann bist Du auf der sicheren Seite, wenn Du pauschal Blende 8 wählst. Landschaftsfotografen fotografieren daher auch meist auf Blende 8. Bei sehr grossen Zahlen verliert das Objektiv übrigens wieder an Qualität. Blende 22 wählt man daher nur, wenn man aus irgendwelchen Gründen muss.

Blende und Bokeh

Je näher die Kamera am Objekt ist und je kleiner die Zahl (offene Blende), desto schöner ist das erzeugte Bokeh. Generell erzeugen Festbrennweiten meist ein schöneres Bokeh als Zoom-Objektive. Und Tele-Objektive meist ein schöneres als Weitwinkel-Objektive. Das ist je nach Objektiv aber sehr verschieden.

 

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Mässiges Bokeh bei Weitwinkel: 25mm Zeis Batis Objekiv an Sony A7RII

 

 

 

Heisst es nun Tiefenschärfe oder Schärfentiefe?

Umgangssprachlich sagt man meist Tiefenschärfe, was mir auch häufig rausrutscht – und wofür ich schon manche Hate-Mail erhalten habe. Wikipedia sagt dazu: „Die Schärfentiefe (häufig synonym auch Tiefenschärfe

[1]) ist ein Maß für die Ausdehnung des scharfen Bereichs im Objektraum eines abbildenden optischen Systems. […]Umgangssprachlich werden Schärfentiefe und Tiefenschärfe synonym verwendet, auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht haben beide Begriffe dieselbe Bedeutung.[1] Eine Normung des Begriffs „Schärfentiefe“ fand erstmals 1970 statt (DIN 19 040 Blatt 3).“

(https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4rfentiefe)

 

 

Juni 29th, 2016|Categories: Fotografieren Lernen|Tags: , |

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