Unscharfe Lichterkreise im Hintergrund von Portraits: Bokeh. Die besten Einstellungen und Objektive verrate ich in diesem Blog-Artikel. Den Zusammenhang zwischen Blende und Verschlusszeit erkläre ich in einem weiteren Artikel der Serie zur Kamerabedienung. Die Kurzreferenz zum Ausdrucken kann Dir helfen, wenn Du noch Schwierigkeiten hast, Dir zu merken, wann Du welche Blende einstellen solltest. Der Artikel ist Teil der Serie zum Fotografieren lernen: Die Kamerabedienung verstehen.

Was ist Bokeh?

Bokeh (von jap. 暈け, auch ぼけ oder ボケ geschrieben, boke „unscharf, verschwommen“)

[1] ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff für die Qualität eines Unschärfebereichs. Unscharfe Gebiete eines Fotos (oder Films) werden von einem Objektiv durch Projektion auf eine Abbildungsebene (heute typischerweise einen Lichtsensor) erzeugt. Sie sind sozusagen „Erfindungen“ des Objektivs; das Auge sieht die Unschärfen nicht oder anders. Bokeh versucht, die meist subjektive, ästhetische Qualität dieser objektivabhängigen Unschärfen zu kennzeichnen; dabei geht es nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen, etwa wie Ringe oder Kreise. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bokeh)

Bokeh: Lichter in einem Schaufenster

In der Porträtfotografie möchte man häufig einen Teil des Bildes unscharf haben, um den Blick des Betrachters nicht abzulenken. Wie dieser unscharfe Bereich dargestellt wird hängt primär vom Objektiv und der verwendeten Brennweite ab. Man kann sich das Bokeh seines Objektivs leicht selbst anschauen. Dazu kann man das Objektiv auf den Nahbereich einstellen, die kleinste Zahl im A-/AV-Modus wählen und die Kamera in Richtung von ein paar Lichtern halten. Ein Schaufenster wie oben, der Weihnachtsbaum, die Ampeln einer Kreuzung, etc.

 

Bokeh kann auch stören

Das Foto aus dem Hafen von Emden zeigt ein Porträt mit der Canon 6D und dem 70-200 F2.8 Objektiv. Der Hintergrund ist unscharf, aber man kann gerade noch erkennen, dass es ein Hafen ist. Idealerweise hätte der Hintergrund sogar etwas weniger unscharf sein können – je nach Verwendungszweck des Fotos. Auf der linken Seite liegt ein Schiff mit einer roten Signal-Lampe, deren Licht ein starker Blickfang ist. Für jemanden aus Emden gehört das dahin, er wird sofort wissen, um welches Schiff es sich handelt. Für jemanden, der das Foto nur als Foto betrachtet, wird es jedoch eher stören.

Wenn dort mehrere Lampen gewesen wären, dann wiederum hätte es einen schönen Bokeh-Effekt geben können. Die Botschaft ist: Nur weil Bokeh auffällig zu sehen ist, ist das nicht zwingend eine „Verschönerung“ des Fotos.

Outdoor Portrait Workshop in Emden am Hafen

Outdoor Portrait Workshop in Emden am Hafen

 

Die besten Objektive für schönes Bokeh

Ich sage gerne: „Schönes Bokeh kann man kaufen.“ Es gibt Bokeh-Klassiker unter den Objektiven und das sind nicht zwingend die teuersten Objektive. Auch ist ein teures Objektiv kein Garant für aussergewöhnlich schönes Bokeh. Generell kann man sagen, dass teure Tele-Objektive ein schöneres Bokeh haben, als günstige. 85mm Festbrennweiten sind dafür gebaut, für Portraits On Location genutzt zu werden und haben entsprechend meist ein schönes Bokeh. Häufig ist der Hauptgrund für den Preisunterschied zwischen z.B. einem 85mm 1.2 und 85mm 1.8 das Bokeh. Auf 1.2 wird man das 85mm Objektiv nur sehr selten nutzen und es ist auch nicht zwingend schärfer. Aber das Bokeh ist auffällig „runder“ und „schöner“.

Das Canon 135mm F2.0 (siehe das Foto vor den Sonnenblumen oben) gilt als Bokeh-Klassiker und hat das vielleicht beste Preis-Leistungsverhältnis von allen Porträt-Objektiven (Affiliate Link). Es eignet sich hervorragend für Sportfotografie, Konzerte und Outdoor Porträts. Ich verwende es sehr gerne an der Canon 6D oder Sony A7II.

Frau mit Geige in der Altstadt von Bern

 

Bokeh verstehen: Entfernung ist alles

Mit der Entfernung zwischen Kamera und Mensch und dann zwischen Mensch und Hintergrund bestimmst Du die Stärke des Bokeh-Effekts. Dieses Foto von Bernhard auf der Slackline, 1000m über dem Oeschinensee bei Kandersteg, ist mit Blende 1.8 am 55mm Objektiv an der Sony A7II aufgenommen. Ich bin vielleicht 10m von ihm weg. Obwohl also der Berghang im Hintergrund 1-2km entfernt ist, ist er noch deutlich zu erkennen.

Bernhard Witz auf Slackline in den Alpen Schweiz - Fotograf aus Bern

Bernhard Witz auf Slackline in den Alpen Schweiz – Fotograf aus Bern

Das Foto von Kristina ist mit dem gleichen Objektiv bei Blende 2.2 aufgenommen. Weil ich nah an ihr dran stehe und der Horizont sehr weit weg ist, kann man die Berge nur noch als verschwommene Form erkennen.

Sonnenuntergang im Berner Oberland bei Kandersteg

Sonnenuntergang im Berner Oberland bei Kandersteg

 

 

Das Bokeh ist abhängig von der Brennweite

Die beiden folgenden Fotos sind mit F1.4 aufgenommen. Ungefähr aus gleicher Entfernung. Einmal mit 85mm und einmal mit 24mm. Mit dem 24mm Weitwinkel kann man durch das Freistellen surreale Fotos erstellen, die für die Kostüme an der Fantasy Basel Messe sehr gut geeignet sind. Schöne junge Frauen hingegen wird man eher mit einem leichten Tele, wie dem 85mm Objektiv fotografieren.

Portrait Outdoor in Bern von Fotograf Stephan Wiesner

 

Joker an der Fantasy Basel

Joker an der Fantasy Basel

 

Portrait-Fotografie: Schnell-Referenz zum Ausdrucken

Die Schnell-Referenz zum Lernen von Bokeh Erzeugung bei Portraits kannst Du Dir als PDF herunterladen und ausdrucken. Sie soll Dir helfen, beim Fotografieren an die richtigen Einstellungen zu denken.

Bokeh in der Porträtfotografie verstehen

Bokeh in der Porträtfotografie verstehen