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Mit dieser Kamera mache ich meine besten Fotos!

Auf die Frage, was ich zur Sony A9 denke antworte ich: „Welches meiner Fotos wäre damit besser?“ Und der Frager ist dann meist beleidigt. Aber das ist die einzig wichtige Frage. Als Berufsfotograf ist eine neue Kamera für mich ausschliesslich dann besser, wenn sie mir hilft mehr Geld zu verdienen. Offensichtlich habe ich dabei als Landschafts- und Abenteuerfotograf andere Anforderungen, als ein Hochzeitsfotograf oder ein professioneller Sportfotograf. Mit dem Hut Studiofotograf bringt mir die A9 weniger als z.B. die neue Canon 6D MII und zum Filmen sind beide nicht für mich geeignet – trotz des hohen Preises. Hier meine Meinung zu neuen Kameras – immer bezogen auf meine Fotografie. Wer Greifvögel im Sturzflug fotografieren möchte oder Schmuck für Plakatwände oder 50 Hochzeiten im Jahr, der hat andere Anforderungen.

Als Berufsfotograf ist eine neue Kamera für mich ausschliesslich dann besser, wenn sie mir hilft mehr Geld zu verdienen.

Arbeitsplatz eines Sportfotografens

Arbeitsplatz vom Sportfotograf Ulf Schiller

 

Gute Fotos macht der rechte Zeigefinger

Der vielleicht wichtigste Grundsatz der Fotografie lautet auch in 2017 noch: Der Fotograf macht das Foto, nicht die Kamera. Eine Systemkamera mit Touchscreen kann so einfach bedient werden, wie ein Smartphone – solange man in der Vollautomatik bleibt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass man damit „bessere“ Fotos machen könnte. Besser im Sinne von einfacher. Das ist natürlich ein Trugschluss. Die Regeln für Komposition, den Einsatz von Blitz oder der Zusammenhang zwischen Blende und Verschlusszeit sind die gleichen, wie bei einer Spiegelreflex.

Die fünf Jahre alte Kamera macht noch die gleichen Fotos wie vor fünf Jahren.

Mit dem nötigen Wissen kann man auch mit „alten“ Kameras tolle Fotos machen. Die Nikon D4 ist z.B. eine Legende. Sie war das Werkzeug der Sportfotografie-Profis! Und auch wenn sie schon seit ein paar Jahren als veraltet gilt: Sie macht noch die gleichen Fotos wie vor fünf Jahren. Neue Kameras machen dem Fotografen das Leben einfacher, aber sie ersetzen Know How nur bedingt.

Eisklettern an einem Gletscher in den Alpen, Wallis, Schweiz – Nikon D750

 

Gute Fotos macht das Objektiv

Ausserhalb extremer Situationen hat die Kamera nur einen sehr kleinen Anteil am Foto. Glas bleibt wichtiger als Funktionsvielfalt. Beim Kamerakauf muss man entsprechend immer das Gesamtsystem betrachten. Das künftige Zielsystem, nicht den initialen Warenkorb. Wenn ich durch die Fotos meiner letzten Jahre blättere, dann werden Fotos vor allem dann „besser“, wenn ich ein „günstiges“ Objektiv durch ein sehr gutes ersetzt habe. Das Canon 17-40 mm z.B. durch das Tamron 15-30 mm oder der Kauf eines 70-200 L Objektivs.

Matterhorn Zermatt im Winter

Matterhorn Zermatt im Winter – Nikon D750 mit Tamron 15-30

 

In der Studiofotografie ist Glas besser

In der Studiofotografie mit Blitz ist ein Glas-Sucher besser geeignet, als ein Monitor. Die Systemkamera gaukelt einem vor, das fertige Bild bereits zu sehen – ein Trugschluss. Entscheidend für mich ist auch die reibungslose Integration in Lightroom – inkl. dem Behalten des Fotos auf der Speicherkarte (das ist bei Nikon nicht so). Ausserdem zählen dann „schöne Hauttöne“, daher bleibt Canon hier mein persönlicher Favorit. Solange meine alte Canon 6D funktioniert arbeite ich damit weiter. Wenn sie durch ist, ersetze ich sie durch die Nachfolgerin – aber meine Fotos werden damit nicht anders aussehen.

Training mit Kurzhanteln im Studio in Bern – Canon 6D

 

In der Landschaftsfotografie zählt Dynamikumfang

Wie ich bereits in meiner Ausrüstungsempfehlung für Landschaftsfotografie geschrieben habe, bleibt die Nikon D750 mit dem Tamron 15-30 (Testbericht) mein Favorit, insbesondere auch als Preis-Leistungssieger. Besser geht immer, aber das ist für mich dann finanziell nicht mehr zu rechtfertigen. Dank des hohen Dynamikumfangs und der (für mich idealen 24 MP) kann ich mit der D750 alles machen, was ich Outdoor möchte. Ich betone das noch mal:

Nikon kann gar keinen Nachfolger bringen, mit dem ich bessere Fotos mache.

Ja, eine D750 MII wird besseres ISO-Rauschen haben, mehr Bilder pro Sekunde und einen noch besseren Autofokus. Aber für die fünf Milchstrassen-Fotos die ich im Jahr mache lohnt ein Upgrade für mich nicht.

Könnte ich meine Fotos auch mit der 6D und dem Tamron machen? Ja. In 90% der Fälle wären die Fotos nicht zu unterscheiden und für mehr Pixel oder mehr Dynamikumfang kann man immer tricksen. Könnte ich das auch mit ner Sony machen? Natürlich. Mit der A9? Natürlich. Aber die Fotos wären nicht „besser“ und daher lohnt der Aufpreis nicht.

Schloss Chillon Schweiz Sonnenuntergang

Schloss Chillon Schweiz Sonnenuntergang – Canon 6D mit 24-105L Kit-Objektiv

 

Ich filme mit einer Kompaktkamera

Die Panasonic GH5 ist aktuell sicher die beste Film-Kamera „für halbwegs bezahlbares Geld“. Ich hatte sie mir gekauft und nach ner Woche wieder verkauft. Stattdessen habe ich die LX100. Sie passt in die Jackentasche, hat ein fantastisches Objektiv und den Chip der GH4. Grenzen: Kein 50p in 4K und kein schwenkbares Display. Der Autofokus in Video funktioniert wie bei allen Panasonics nur mässig und ich habe keinen Audio-Eingang. Dafür passt sie in die Jackentasche, wo sie sehr oft ist.

Wären meine Youtube Filme „besser“ mit der A9? Also würde ich mehr Views oder mehr Likes bekommen? Neue Werbepartner? Nein, glaube ich nicht. Im Gegenteil. Dadurch dass ich die ideale Film-Brennweite an der LX100 habe, filme ich mehr und „besser“ damit. Immer öfter filme ich mit dem iPhone – und das reicht für mich vollkommen.

Wasserfall in der Schweiz - Sony A7II

Wasserfall in der Schweiz – Sony A7II

 

The one camera to rule them all

Anders als beim Herrn der Ringe kann es nicht die eine Kamera geben, die ALLES perfekt kann – und dann noch wenig kostet. Und klein ist im Rucksack. Und gross in der Hand.

 

Landschaftsfotograf und Abenteuerfotograf

Landschaftsfotograf und Abenteuerfotograf

 

Hat man das mal akzeptiert, dann ist das Leben viel einfacher. Und billiger. So habe ich die Panasonic LX100 zum Filmen in 4K griffbereit in der Jackentasche. Ob die Spiegelreflex im Rucksack überhaupt filmen kann ist mir relativ egal. Da ist eh nicht das richtige Objektiv dafür drauf. Damit spare ich 2500 EUR für die GH5 mit Objektiv und bezahle nur 500. Statt mir die A9 zu kaufen… gibt es einen neuen Computer. Damit bin ich schneller und kann mehr Geld verdienen. Und billiger ist er auch.

Fürs Fotografieren sage ich seit Jahren: Bleib beim Vorjahresmodell.

Canon 6D, Nikon D750 oder Sony A7II sind alles tolle Kameras. Nutze sie bis sie kaputt sind – oder Du klar nachweisen kannst, dass Du mit einer neuen Kamera wirklich bessere Fotos machst oder mehr Geld verdienen wirst. Wenn Du eine Einsteigerkamera hast, dann wird ein Upgrade auf eine gebrauchte „alte“ Dir durchaus etwas bringen. Bist Du aber schon in der Mittelklasse, dann wir die Luft nach oben dünn und überproportional teuer.

Baum Yosemite Nationalpark-Sonnenaufgang Sonnenaufgang

Baum Yosemite Nationalpark-Sonnenaufgang Sonnenaufgang – Canon 6D mit 24-105L Kit-Objektiv

 

Fazit

Hier habe ich einige meiner Lieblings-Fotos gezeigt und keins davon wäre „besser“ geworden, wenn ich die Sony Alpha 9 oder Canon 6D MII gehabt hätte. Der wesentliche Punkt ist doch der:

Dem Foto sieht man nicht an, ob es mit einer DSLR oder Systemkamera aufgenommen wurde.

Letztlich bleibt Fotografie auch heute noch ein Handwerk und der „bessere“ Fotograf macht die „besseren“ Fotos – egal mit welcher Kamera. Solange Du denkst, dass eine neue Kamera Dir bessere Fotos erlaubt… schlage ich vor, dass Du mal zu einem meiner Workshops kommst 🙂 Das ist billiger und nachhaltiger.

Und meine beste Kamera? Das ist die, für die ich das passende Objektiv habe. Und vor allem ist es die, die ich dabei habe.

 

Fun-Selfies im Fotostudio in Bern

 

 

Juli 7th, 2017|Categories: Fotoausrüstung, Fotografieren Lernen|Tags: |

8 Comments

  1. Arnd von Rüden 24. Juli 2017 at 11:15 - Reply

    Sehr guter Beitrag, vielen Dank! Wer mit was „schießt“ ist immer eine Frage der persönlichen Vorlieben und Anforderungen und wo man seine 99,9% Anforderungen und wo seine 60-80% Anforderungen setzt. Ich denke, dass mit dem Aufkommen und dem zweifelsohne anhaltenden Erfolg der Sony a6x000 und a7 Serien das Thema „Gear Wars“ völlig neue, irre Höhen oder besser Tiefen erreicht hat. „Schuld“ sind sicherlich beide „Seiten“. Wenn ich mir die Unmengen von natürlich immer absolut objektiven und alles entscheidenen „Tests“ neuer Kameras und Objektive auf YouTube anschaue und die Kommentarspalten überfliege, wundert mich immer die Energie, die da zumeist wenig sinnvoll verwendet wird anstatt in die Entwicklung der eigenen fotografischen Fähigkeiten zu investieren, mit oder ohne Spiegel oder auch mit dem Smartphone.

  2. Michael Oeser 10. Juli 2017 at 11:25 - Reply

    100% Zustimmung. Es ist absolut gar nichts dagegen zu sagen, wenn jemand meint, er brauche die neuste Kamera und das beste Objektiv und es ist schön, wenn man sich einen solchen Luxus leisten kann. Aber auch die beste Ausrüstung macht nicht automatisch einen guten Fotografen aus jemandem und garantiert sicher keine besseren Fotos.

    Da muss man eifach mal ehrlich bleiben und auch eingestehen, dass man (z.B.) die 5D MKIV halt haben WILL, aber ganz sicher nicht BRAUCHT – zumindest nicht, wenn man nicht tagtäglich seine Brötchen damit verdient.

    Die meisten „normalen“ Nutzer werden auch keinen brandneuen iMac BRAUCHEN (aber vielleicht haben WOLLEN). Ich als Webdesigner aber schon (eher), weil es meine Arbeitsmaschine ist und mir die Arbeit vereinfacht und es mir ermöglicht mehr/besser/einfacher mein Geld zu verdienen.

  3. Frank 8. Juli 2017 at 7:24 - Reply

    Hallo Stephan,
    Du hast mich mal wieder in meiner Entscheidung bestärkt.
    Ich habe aktuell ein EOS 1000 und will nun für meine Makros und Landschaft auf 6D umsteigen. Als Standardobjektiv werde ich das 24-105 f4 L der ersten Generation nehmen,statt Mark II, da ca. 500 € billiger und fast gleich gut. Und ich werde die „alte“ 6D nehmen und den erwarteten Preisunterschied von ca. 900 – 1000 (!) € lieber in ein Tamron 15-30 und Filterhalter mit ND Filter investieren.
    Denn ich mache Hobbybilder und verdiene nicht damit mein Geld.
    Und die Milchstraßen Bilder, die ich machen will, haben schon viele mit der alten 6D geschafft.

    Ich finde es gut, dass du das neuste Equipment vorstellst, dann auch ehrliche Kommentare dazu gibst und die Leute auch wieder „erdest“. Bei vielen anderen habe ich den Eindruck, sie heizen nur an, immer das Neuste zu kaufen, ob sinnvoll oder nicht.

    Mach weiter so.

  4. Mario D. 7. Juli 2017 at 17:00 - Reply

    Du schreibst sehr rational und kühl über die ganze Technik. Ich vermute mal die meisten die dich aus den Medien kennen sind Amateure, verdienen also kein Geld mit der Fotografie. Brauchen also eigentlich gar keine Kamera. Trotzdem haben die meisten Profikameras und Objektive. Weil eben der Weg das Ziel ist, das „feeling“ beim fotografieren. Ich z. B. „verdiene“ mit meiner Fotografie nur Geld wenn ich meine Objektive verkaufe und trotzdem triggert mich die A9 übelst. Quasi, man gönnt sich ja sonst nichts.

    • Stephan Wiesner 8. Juli 2017 at 7:35 - Reply

      Gratulation, dass Du Dir das aus Spass leisten kannst 🙂

  5. Robert Sperling 7. Juli 2017 at 9:47 - Reply

    Hallo Stephan! Ein sehr guter Artikel, dem ich in fast allen Punkten uneingeschränkt zustimmen kann. Ich habe selbst seh lange mit der 6D fotografiert und verstehe auch, was Du an ihr liebst. Dennoch habe ich mich nun für die 5D MK4 entschieden. Dynamikumfang, Anzahl und Verteilung der Kreuzsensoren und nicht zuletzt der geniale Dual-Pixel-AF erleichtern mir das Leben und machen mich schneller. Dir gegenüber habe ich den Vorteil, dass ich nicht von der Fotografie leben muss und diese wirklich mein Hobby geblieben ist. Damit bewerte ich die Vorteile der Kameras nicht nach Verkaufbarkeit der Fotos, sondern danach wie schnell und gut ich zu den Fotos komme. Einige meiner (neueren) Fotos hätte ich so nicht mit der alten 6D machen können, weil ich zu langsam gewesen wäre und auch weniger Dynamikumfang gehabt hätte. Ich betreibe hauptsächlich Kinderfotografie – und da muss man schnell sein.
    Also muss ich die Kernaussage Deines Beitrags um einen Punkt ergänzen: Bleib beim Vorjahresmodell, wenn Du keinen (echten) Grund für das neue Modell siehst.

  6. Kolja Engelmann 7. Juli 2017 at 9:47 - Reply

    Aaaach, so schrecklich rational und vernünftig ist dieser Blogpost 🙂 Selbstverständlich hast du Recht, besonders seit du praktisch Vollzeitfotograf bist und deine Brötchen beinahe ausschließlich damit verdienst. Kaum jemand braucht den neuesten Kram wirklich. Aber da ist dennoch dieser kleine Funke der ständig im Konsumrauschzentrum meines Hirns für neue Ausbrüche des GAS (Gear Acquisition Syndrom) sorgt. Den kann ich nicht löschen. Und wenn ich mir ältere Videos von dir ansehe vermute ich, dass du diesen Blogpost auch schreibst, um dich selber daran zu erinnern, dass er, bei aller Vernunft und Logik, auch bei dir lauert und du dich, mindestens aus Vernunftgründen zurückhalten musst 🙂
    Schreib doch mal einen Gegenpost: „Wenn ich könnte wie ich wollte – Ein völlig unvernünftiges „Was wäre wenn“ von Stephan Wiesner“

  7. Stephan 7. Juli 2017 at 9:15 - Reply

    Moin Stephan, du sprichst mir aus der Seele. Ich habe gestern dazu auch ein Video auf meiner Facebook Seite erstellt, wo ich genau das erzähle. Die Kamera ist fast egal. Der Fotograf macht das Foto, genauso wie der Koch das Essen kocht und nicht das Messer.

    Es gibt, je nach Einsatzbereich, eine bessere und eine etwas schlechtere Wahl. So wird z.b. ein Sportfotograf mit einer Sony A7 vermutlich nicht so glücklich wie mit einer Canon 7D oder so. Trotz allem kann man mit einer Sony A7 auch Sport fotografieren. Man hat vermutlich mehr Ausschuss und muss mit den Einschränkungen leben aber gehen tut das schon.

    Ich finde die ganze Diskussion um die Kamera teilweise echt schizophren. Irgendwann kommt immer irgendwer der einem an den Kopf wirft, dass er genauso gute Bilder machen könnte, wenn er auch so eine sauteure Kamera besitzen würde. Und dann ist die Enttäuschung groß wenn das teuerste und neueste Modell dummerweise keine so guten Bilder liefert.

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