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Die Milchstrasse fotografieren in den Alpen

Endspurt zum Bier. Die letzten 150 Höhenmeter vom Gletscher zur Oberaletschhütte geht es noch mal steil hoch. Ein Klettersteig mit nackten Leitern am Felsen führt zur Hütte. Nicht schwierig per se, aber wir sind schon 6 Stunden unterwegs, die Beine mögen langsam nicht mehr, die Luft ist dünn und der 18kg Rucksack zieht gewaltig nach hinten.
(Klettersteig über dem Aletschgletscher, Sony A6000, 16-70)
Wir sind zu dritt unterwegs in den Alpen. Ski-Hochtour aufs Aletschhorn (4193) ist geplant und für mich ist das Zielfoto: Die Milchstrasse über der Hütte.
(Zustieg zur Oberaletschhütte im Winter von Blatten b. Naters)

Zustieg zur Oberaletschhütte

Obwohl wir im Schnee unterwegs sind, ist es unglaublich heiss. Der Schweiss läuft in Strömen. Auf der Hütte werde ich später 3 Liter trinken, bis ich wieder aufs WC kann. Mit den Schneeschuhen brechen wir bei jedem Schritt ein, was extrem viel Kraft kostet. Im Rucksack haben ich nicht nur das Stativ und Verpflegung, es kommen Steigeisen, Eispickel, Lawinenausrüstung, Kletterausrüstung, etc. dazu. Wir haben tatsächlich mehrere Lawinen gesehen, teilweise nur 100m von unserer Route entfernt. Das setzt jedes mal einen Adrenalinschub frei.
(Die Kamera macht den kleinsten Teil der Ausrüstung aus)
Der Weg führt in weiten Teilen über den Aletschgletscher. Wir gehen teilweise zwischen gut sichtbaren Spalten durch – teilweise hoffen wir einfach, dass wir auf festem Boden sind. Zu dieser Jahreszeit sollten die gefährlichen Spalten noch gut zugeschneit sein. Dennoch bin ich froh, als wir den Klettersteig vor der Hütte erreichen.
(Mit Ski und Schneeschuhen zwischen den Spalten im Aletschgletscher)
Selten hat ein Bier so gut geschmeckt, war ein Stück Kuchen so lecker, wie auf der Hütte.

Fotografieren der Milchstrasse

Die erste Gruppe will um 4 frühstücken, also stelle auch ich mein iPhone auf 4:00. Was nach dem dritten Bier nach einer guten Idee klang – hat am Morgen viel von seinem Reiz verloren. Müde ziehe ich alle Kleidung an, die ich habe und zwinge mich in die Kälte rauszutreten. Die Kamera habe ich über Nacht ans offene Fenster gehängt, dass sie schon vorgekühlt ist, sonst hätte ich noch ein paar Minuten warten müssen – Gefahr von Kondenswasser.
(Zimmer mit Ausblick – Oberaletschhütte auf 2640m)
Mit der Stirnlampe stapfe ich durch den gefrorenen Schnee und versuche fotogene Winkel mit der Hütte und der Milchstrasse zu finden. Der Atem gefriert mir in der Nase. Ich friere schon, bevor ich richtig aus der Hütte bin. Aber: Es ist unglaublich schön! Nichts ist zu hören und ich kann unzählige Sterne sehen. Die Milchstrasse ist mit blossem Auge deutlich zu erkennen.
(Sony A6000, F2.5 bei 30 Sekunden, Panorama aus 4 Aufnahmen)
Ich mache so viele Fotos, wie ich es aushalte, dann eile ich zurück in die Hütte und lege mich noch ne Stunde in den Schlafsack.
Ein Video mit Making of gibts auf Youtube:

Abstieg nach Blatten

Der Wetterbericht ist schlecht. Es sind 60km/h Wind und -8 Grad auf 4000m angesagt. Keine Bedingungen, bei denen ich auf eine Tour gehe, die mich auch bei gutem Wetter ans Limit bringt. Daher beschliessen wir, das Aletschhorn auszulassen und direkt abzusteigen, mit zumindest einer kleinen Tour: Über einen 2900m hohen Pass geht es nach Blatten im Lötschental. 17km und 700 Höhenmeter stehen uns bevor. 1600m Abstieg mit Schneeschuhen – da werden die Oberschenkel leiden!
(im Morgengrauen 150m Absteigen auf den Aletschgletscher)
Starten wir um 6 noch bei perfekten Bedingungen, zieht es schnell zu. Starker Wind kommt auf und wir laufen teilweise im Whiteout. Die Sicht ist keine 50m. Wenn wir jetzt die schwach zu erkennende Spur verlieren, dann sind wir verloren.
(Bei Sonnenaufgang herrschen perfekte Bedingungen, im Hintergrund naht der Sturm)
(Blick zurück zur Oberaletschhütte und auf das aufziehende Unwetter)
(Noch auf dem Gletscher holt uns das Wetter ein. Die Sicht sinkt auf wenige Meter)
Auf 2900m Höhe stehen wir im tosenden Wind und dichtem Nebel. Links gehts 1000m runter ins Lötschental, rechts 500 auf den Aletschgletscher. Ich nehme den letzten Schluck Cola und konzentriere mich darauf, nicht über die Steigeisen zu stolpern.
(Auf dem Pass)
Mittag essen wir in einer kleinen Mulde, halbwegs vor dem Wind geschützt. Bei mir gibts Reiswaffeln und meinen letzten Apfel. Noch mal Zuckerwasser tanken. Wir reden nicht mehr, jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Ich fluche, dass ich die 600g Gamschen unnütz im Rucksack habe. Das geht mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf. 600g weniger, dann wäre der Rucksack angenehm!
Die Schlüsselstelle ist dann ein langes Schneefeld. Bis 45 Grad steil geht es knapp 100 Höhenmeter bergab – mit 1000 weiteren Höhenmetern darunter. Auf allen Vieren steige ich rückwärts runter. Die Steigeisen in den Schnee gerammt, links den Eispickel in der Hand. Einen Fuss bewegen. Dann den nächsten. Dann den Pickel. Immer drei Punkte an der Wand. Jetzt nur nicht ins Rutschen geraten. Zwar sichert Tom mich von oben mit dem Seil, aber es hat Felsen unter mir, in die ich nicht reinknallen möchte.
Tom lästert, dass ich am Limit sei, weil ich nicht mehr fotografiere. Also ramme ich den Pickel bis zum Anschlag in den Schnee, klammere mich mit links dran fest – und zücke noch einmal die Sony aus der Cosyspeed GmbH Tasche. Angst, Hah! Von wegen! Gut kann man die Outdoor Tasche auch mit zittrigen Fingern bedienen…
(45 Grad Schneefelder sind jenseits meiner Komfortschwelle – wenn man 1000m ins Tal blickt)
Dann sind wir endlich wieder in flacherem Gelände – also flach heisst immer noch ein paar hundert Höhenmeter bei ca. 30 Grad. Zu steil, um es senkrecht runter zu gehen. Traversieren in den Schneeschuhen geht aber furchtbar auf die Knöchel. Jeder Schritt tut höllisch weh. Und es stehen uns noch Stunden bevor, bis wir das Postauto in Blatten erreichen…

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