“Warum bringst Du eigentlich kein eigenes Magazin raus?” hat mich Susanne von www.fachwerkdesign.de am Portrait-Workshop in Köln gefragt. “Will ich schon lange, aber ich weiss nicht wie.”, kam meine leicht zerknirschte Antwort. “Aber ich weiss, wie das geht!”, entgegnete sie selbstbewusst. Damit hat sie eine offene Tür bei mir eingerannt und jetzt sind wir mitten in der Erstellung des Magazins mit dem Arbeitstitel “30 Fototouren in den Alpen”. In diesem Blogbeitrag gebe ich ein paar Hintergrundinformationen zur Planung. Er wird mehr Fragen aufwerfen, als Antworten geben, aber das muss am Anfang eines grösseren Projektes auch sein. Ein paar Antworten wird es geben, wenn das Magazin erschienen ist – viele musst Du aber für Dich selbst beantworten.

Erster DRAFT mit iBooks-Author

 

Ein eigenes Magazin erstellen – worum soll es gehen?

Die wohl wichtigste Frage: Worüber möchtest Du berichten? Vielleicht hast Du bereits einen Blog und möchtest den Inhalt auf Papier festhalten?  Die Motorradtour durch Kroatien vom letzten Sommer? Die Fotohighlights Deiner Wohnregion? Die Hochzeitszeitung? Mit dem Inhalt einher gehen die Fragen nach der Auflage und ob es ein einmaliges Unterfangen sein soll. Das hat wesentlichen Einfluss auf die weiteren Schritte.

In meinem Fall habe ich viele Ideen und auch schon den einen oder anderen Entwurf für ein Buch in der Schublade. Konkret wird es aber bei dieser Ausgabe um Fototouren gehen. Natürlich in den Alpen, wo ich so gerne unterwegs bin. Damit es nicht “Best of Stephan” wird, haben wir beschlossen, ein Community-Projekt daraus zu machen. Ein Teil der Fotos und Touren werden von meinen Abonnenten auf Facebook geliefert. Entsprechend wähle ich auch den ganzen deutschsprachigen Alpenraum. Ideale Vorbereitung für die nächsten Ferien!

Mit dabei sind auch wieder Thomas von http://www.blogografie.de  und Kristina. #Teamwork ist angesagt.

 

Aber das gibt es doch sicher schon!

Diese Aussage habe ich die letzten Wochen öfters gehört. Stimmt aber so nicht, bzw. ist mir nicht bekannt. Und ich weiss sehr gut, wieviel Arbeit es sein kann, einen Foto-Urlaub zu planen. Es reicht ja nicht, zu wissen, dass man Matterhorn, Pilatus und Malojapass fotografiert haben muss. Wer sich nicht auskennt, sitzt erstmal vor der Karte. Wie kommt man hin? Wo schläft man? Welches Objektiv sollte man mitnehmen? Sonnenaufgang oder besser am Abend? Viele Fragen, die man alle im Internet beantworten kann – wenn man die Zeit dafür hat. Diese Arbeit nehmen wir Dir, lieber Leser, künftig ab.

Für Dich selbst musst Du herausfinden, ob es einen “Markt” für Dein Projekt gibt und abschätzen, wie gross der ist. Ich nehme die Verkäufe meines Landschaftsfotografie-Buchs als Basis für eine Schätzung.

 

 

Eine Druckerei finden

Drucken ist günstig geworden. Es gibt viele Anbieter, einige bieten Zeitschriften als Templates an, mit denen man sich sein Werk online erstellen kann. Zu erstaunlich günstigen Preisen. Das erlaubt es auch Einsteigern, mit vertretbarem Aufwand ein akzeptables Heft zu erstellen. Schwierig wird es, wenn man “mehr” möchte, als das Template bietet. Schnell kommen Fragen nach der Papierstärke (135g oder 170g? Oder reicht auch ein dünnes 80g?), der Art der Bindung, dem Format, etc. Landschaftsfotos sind meistens quer. Sollen wir also im Quer-Format drucken? Oder Fotos auf 1.5 Seiten abbilden?

Wichtig ist, sich zunächst einigermassen sicher zu sein, wie umfangreich das Magazin werden soll und wie die Auflage ist. Der Preis für 500 oder 600 Exemplare ist fast identisch. Wer nur 10 Exemplare benötigt, muss entsprechend mehr pro Stück bezahlen. Mit den Angaben zu Umfang und Anzahl Seiten kann man sich konkrete Offerten einholen. Dabei tritt dann auch die Frage nach Bezahlung und Versand auf. Manche Verlage bieten den direkten Versand an die Endkunden an – natürlich gegen eine Gebühr. Häufig aber erst ab hoher Stückzahlen, z.B. ab 500 Exemplaren. Evtl. lohnt es sich daher, die Familie zu einem Bastelnachmittag einzuladen und dann mit einem Kofferraum voller Zeitschriften und Umschlägen aufzutauchen…

Wir werten aktuell verschiedene Offerten aus und haben uns noch nicht für eine Druckerei entschieden. Wir legen viel Wert auf einen hochwertigen Druck und gutes Papier. Das macht das Magazin teurer, lohnt sich meiner Ansicht nach aber. Es soll mehr als einmal gelesen werden können. Dabei reden wir sofort von tausend oder auch zweitausend EUR Unterschied im Preis, also lohnt es sich, zweimal zu rechnen.

 

Das Layout – Gut oder Sehr gut?

“Kannst Du nicht ein Template machen und dann kippe ich die Texte da rein?”, frage ich etwas naiv. “Jaaaa”, kommt es gedehnt aus dem Hörer. “Das kann ich schon machen, aber ich dachte, es sollte sehr sehr gut werden.” Hmph, ähm, ja, zugegeben, wahrscheinlich macht Susanne das besser als ich. Wirst Du das als Leser bemerken? Wahrscheinlich schon, zumindest, wenn Du vom Fach bist. Qualität ist teuer und nicht immer muss man das maximal Mögliche anstreben. Aber wir einigen uns schnell, dass ich das nicht gut genug machen werde, zumindest am Anfang. Sie macht das beruflich seit Jahren, ich das erste Mal. Ausserdem bin ich ein Informatiker und kein Künstler. Mir ist es egal, ob das Foto einen Rahmen von 1cm oder 0.9cm hat. Ihr nicht.

Zwar habe ich “Das Design-Buch für Nicht-Designer” im Regal stehen, aber das zählt nicht als Berufsqualifikation!

Wir arbeiten mit Adobe Indesign. Es gibt viele Programme, mit denen man einfache Zeitschriften erstellen kann. Meine E-Books z.B. erstelle ich mit iBooks Author. Das reicht für die Generierung eines PDFs, aber nicht für meinen Anspruch an das Magazin. Zu eingeschränkt sind wir dort mit den Möglichkeiten. Also werde ich die nächsten Wochen “mal schnell nebenbei Indesign lernen”. Seufz.

 

Das ganze Rechtliche und die Buchhaltung

Brauchen wir eine ISBN? Wie dürfen wir unser Magazin nennen? Müssen wir ein Exemplar an die Deutsche Bibliothek senden? Wie organisieren wir die Abrechnung, den Versand und was genau muss im Impressum stehen? Wenn mir unbekannte Personen Fotos beisteuern, dann brauche ich einen Vertrag mit ihnen. Ein kurzes “Du darfst die Fotos verwenden” per Facebook wird im Zweifel nicht reichen. Das sind daher Fragen, die uns aktuell beschäftigen und die wir zeitnah klären müssen. Wie üblich kostet das mehr Zeit, als man denkt. Es wird nicht einfacher, weil ich in der CH lebe, meinen Firmensitz hier habe, wir aber wahrscheinlich in DE drucken werden und auch von dort aus versenden.

 

Fazit

Einen Gewinn erwarte ich mit dem Magazin nicht. Druck und Versand kosten einfach. Wenn die Spesen gedeckt sind, bin ich schon zufrieden. Entsprechend kann ich den Autoren auch kein Honorar zahlen. Es soll ein Magazin aus Leidenschaft für Fotografen mit Leidenschaft werden. Wie so oft im Leben sind erstaunlich viele Menschen mit Feuer und Flamme dabei, sich für ihr Hobby einzusetzen. Entsprechend wird auch dieses Werk nur möglich sein, weil ich nicht alleine bin. Es ist eine Team-Arbeit. Von Fotografen für Fotografen. Beste Voraussetzungen dafür, dass es ein grosser Spass wird, oder?