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Familienfotos und Portraits fotografieren für Einsteiger – Gegenlicht nutzen

“Hast Du ein Sommerkleid parat?” Ich komme mit der Kamera in die Küche, wo Kristina gerade versucht Ronja vom Geschmack ihres Karottenbreis zu überzeugen. “Was?”, irritiert blickt sie mich an, während Ronja die Gelegenheit nutzt, sich den Löffel erst ins Auge zu piksen und dann auf den Boden zu werfen. “Genau, jetzt gleich, die Sonne scheint gerade so schön ins Unkraut hinterm Haus”, ich blinzle den beiden zu. Seufzend geht Kristina zum Kleiderschrank, während ich mir einen Lappen schnappe und die Breireste von Kind, Stuhl und Tisch abwische.

 

 

Frau mit Baby bei Sonnenuntergang

Frau mit Baby bei Sonnenuntergang

 

 

Familienfotos bei Sonnenuntergang

Ich zwinge mich, ruhig und gelassen zu bleiben, während Kristina sich fertig macht. Alle paar Sekunden blicke ich aus dem Fenster und auf die länger werdenden Schatten. In ein paar Minuten wird die Sonne hinter den Nachbarhäusern verschwinden. Dann geht es mit schnellem Schritt hinters Haus. Unser Grundstück ist vom Hausbau noch ein Trümmerfeld und hohes, vertrocknetes Gras wächst überall. “Setz Dich doch bitte dort auf den Boden, Gesicht in diese Richtung, genau. Ronja auf den Schoss, so dass sie Dich anblickt. Sehr gut. Jetzt einfach mit ihr blödeln. Ich habe Fokusprobleme und bin noch nicht parat. Moment noch. Ja, mach das bitte noch mal! Ohhh, das wird soo gut!” Automatisch verfalle ich in den Fotografen-Modus und gebe Anweisungen und Kommandos.

Stetiges Feedback gibt dem Model Sicherheit.

Kristina sieht nicht, was ich durch die Kamera sehe und wenn ich nur finster vor mich hin grummle, wird sie unsicher und verliert die Lust. Wenn ich sie aber stetig lobe, dann hat sie Spass und die Fotos werden spontaner und schöner. In diesem Fall habe ich die beiden einfach spielen gelassen. Das Foto ist out of camera. Der verwaschene Look stammt von der Gegenlichtsituation der tief stehenden Sonne. Hier muss man experimentieren. Wenn ich mich wenige Schritte bewege, entsteht ein deutlich anderer Look, weil die Sonnenstrahlen anders wirken.

Bei solchen Fotos sind ein Tele-Objektiv und eine Gegenlichtblende von Vorteil.

 

Fotografen lieben Gegenlicht-Situationen

Fotografie-Anfänger lernen meist, dass man Menschen mit der Sonne im Rücken des Fotografen fotografieren soll. Zwar führt das wirklich zu kräftigen Farben und die Kamera-Automatik kommt damit gut klar. Aber die Menschen blinzeln verkniffen in die Sonne und interessantere Fotos bekommt man häufig, wenn man mit der Richtung vom Licht spielt. Mit diesem Beitrag möchte ich Dich motivieren, öfter mal gegen die Sonne zu fotografieren. Ohne Blitz, Reflektor oder sonstige Werkzeuge. Familienfotos z. B. können dadurch ohne Aufwand interessanter werden als “die üblichen Schnappschüsse”.

 

Familienfotos im Wald

Familienfotos im Wald

 

Kinder-Portrait im Wald

Kinder-Portrait im Wald

 

Das Vergleichsfoto zeigt, wie stark der Einfluß der Entfernung zwischen Kamera und Model ist. Um die beiden Jungen und das Pferd aufs Bild zu kommen, bin ich deutlich nach hinten gegangen. Der Hintergrund ist daher viel weniger verschwommen (105mm auf 94mm ist vernachlässigbar).

 

Kinder und Pferd im Wald

Kinder und Pferd im Wald

 

Diesen Zusammenhang zeige ich auch im Video.

 

Die Sonne als Haarlicht einsetzen

Die Sonne kann ein Haarlicht erzeugen, einen Retro-Look durch Flares erzeugen (siehe oben) oder interessante Licht-Schatten-Spiele erzeugen. Die Fotos der Kinder ist am Nachmittag aufgenommen worden. Im hohen Gras am Rand vom örtlichen Reitplatz. Die Sonne kommt von schräg hinten und beleuchtet das Gras teilweise und gibt ein Haarlicht. Der Einsatz von einem Tele führt dazu, dass der Hintergrund unscharf ist und nicht von der Person ablenkt.

Kind Portrait bei Gegenlicht

Kind Portrait bei Gegenlicht

Mit einem Diffusor, einem grossen, weissen Bettlaken z. B. könnte man dem harten Sonnenlicht entgegen wirken. Ob die Fotos dadurch “besser” werden sei aber mal sehr dahin gestellt.

 

Mutter mit Kind am Wasser

Ronja und Kristina an einem Bach in Niedersachsen. Später Nachmittag, die Sonne kommt von schräg oben, ist aber nicht im Bild. Die Belichtung ist so gewählt, dass die Haut hell genug ist, der Himmel ist dafür ausgebrannt. Hätte ich hier ein Tele-Objektiv eingesetzt, dann wäre es möglich gewesen, den Himmel auszublenden. Da wir im Wald waren ist hier der Weißabgleich aber schwierig: Das Licht ist grün durch das Laub. Wenn zu viel Laub im Foto ist, dann wirken Hauttöne unschön.

 

 

Frau mit Baby an Bach

Frau mit Baby an Bach

 

 

Fazit

Trau Dich, gegen die Sonne zu fotografieren. Idealerweise mit einem Tele und so, dass die Sonne nicht im Bild ist. Wenn das Fokussieren nicht funktioniert, dann kann es helfen, eine Hand vor das Objektiv zu halten, um so die Sonne abzuschatten (eine Schirmmütze ist ideal). Je nach Winkel wird das Foto verschwommen (erstes Beispiel oben) oder kann einen hohen Kontrast aufweisen. Die Belichtung kann meist im AV-Modus erfolgen (kleine Zahl einstellen).

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August 25th, 2018|Kategorien: Fotografieren Lernen|Tags: , , |