„Unter Druck kann man nicht schneller denken!“, dieser Satz eines Professors aus meinem Studium ist mir über die letzten 15 Jahre immer präsent geblieben. Er stimmt nur bedingt, ich kann mich unter Druck kurzfristig besser konzentrieren und schneller Arbeiten, daher entsteht der Eindruck, ich würde schneller denken. Gemeint ist aber, dass Menschen, die mit dem Gehirn arbeiten anders behandelt werden müssen, als Arbeiter am Fliessband. Zu meiner Studienzeit waren aber viele Grundlagen der BWL immer noch basierend auf Studien an Fliessbandarbeitern (Stichwort Taylor).

Als Taylorismus bezeichnet man das von dem US-Amerikaner Frederick Winslow Taylor (1856–1915) begründete Prinzip einer Prozesssteuerung von Arbeitsabläufen, die von einem auf Arbeitsstudien gestützten und arbeitsvorbereitenden Management detailliert vorgeschrieben werden und für die der Begriff Scientific Management geprägt wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus)

Tee trinken und die Seele baumeln lassen

Tee trinken und die Seele baumeln lassen

Der Fehler an dem Tee-Wasser-Foto ist (typisch Stephan): Die Uhr im Hintergrund zeigt 04:57 an.

Unbestritten ist (für mich), dass ich nicht kreativ bin, wenn ich unter starkem Druck stehe. Auch nicht, wenn ich müde bin oder mich generell abgeschlagen fühle. Das dürfte der Grund sein, warum man hohe Kreativität häufig in Phasen hat. Es geht einem gut, man ist zur Abwechslung mal erholt und entspannt und dann fliessen die Ideen für ein paar Tage oder Wochen. Entsprechend behaupte ich mal:

Chillen ist Grundlagentraining für Kreativität.

Das heisst nicht, dass ich nicht als Fotograf im Sinne von „Handwerker“ arbeiten kann. Ich brauche keine Kreativität für Bewerbungsfotos oder ein Standard-Sonnenuntergangsfoto.

Chillen (engl.: kühlen, abkühlen; im amerikanischen Slang auch: sich beruhigen, sich entspannen, rumhängen, abhängen) ist ein aus dem englischen Sprachgebrauch übernommener Begriff. (https://de.wikipedia.org/wiki/Chillen)

Nun bin ich nicht der Typ, der wirklich Chillen kann. Mir helfen Spaziergänge im Wald, eine Stunde auf dem Velo sitzen, leichte Bewegung ohne Druck. Auch Autogenes Training hilft mir mich zu sammeln.

Die Redwoods / Sequoia Bäume in Kalifornien

Die Redwoods / Sequoia Bäume in Kalifornien

 

Man muss lernen zu akzeptieren, dass weniger mehr ist

Mit Mitte 40 habe ich gelernt, dass ich auch mal Durchhänger-Tage habe, dass ich auch mal ein paar Wochen alles bei Seite legen muss. Jetzt im November/Dezember gehe ich nicht (oder  jedenfalls kaum) Wandern oder Joggen. Ich gebe meinem Körper ein paar Wochen Ruhe, um tief sitzende Verletzungen vollständig ausheilen zu lassen. Mit 20 hätte ich das nicht gekonnt (und damals vielleicht auch noch nicht gebraucht).

Gleiches gilt für die geistige Arbeit. Vor ein paar Wochen hatte ich ein erstes Vorstellungsgespräch bei einem Kunden hier in Bern und ich freue mich drauf. Vor 5 Monaten hätte ich mich dazu zwingen müssen. Nachdem ich die letzten Wochen kaum am Laptop sass, freue ich mich darauf, diese Woche schlechtes Wetter zu haben und endlich wieder eine Reihe Blog-Beiträge schreiben zu können. Und aufs Fotografieren bezogen: Die letzten Monate habe ich so viel fotografiert, dass ich merke, dass es zu viel wird. Auch hier werde ich die nächsten Wochen also mal deutlich weniger machen. Eine Reihe Kundenaufträge hatte ich noch „abzuarbeiten“, jetzt gibts Pause. Und wenn ich selbst merke, dass ich wiederholt „abarbeiten“ denke und das nur als Pflicht sehe, dann wird es Zeit, entsprechend zu reagieren. Und versuchen, mehr zu Chillen.

see-elefanten-kalifornien

Sea Elephants in Kalifornien

Fazit

Das Fotografieren habe ich aus einer persönlichen Krise heraus gestartet. Inzwischen ist es mein (Teilzeit-) Beruf und nicht mehr alles is „just for fun“. Um meine eigenen Qualitätskriterien weiter erfüllen zu können, muss ich ab und an auch mal ein paar Wochen die Kamera an den Nagel hängen und meine Kreativität frisch aufladen. Dies zu erkennen und zu akzeptieren ist ein wichtiger Schritt im Leben.