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Fotografieren im Elbsandsteingebirge im Frühling

„This is amazing!“, mit einem Grunzen lasse ich den schweren Fotorucksack vom Rücken gleiten und drehe mich langsam im Kreis. Jakub steht schon an der Klippe neben der kleinen Kiefer und blickt in den Nebel. „Today we will not know where to start photographing. It’s so beautiful!“ Dann packt er seine Sony A7R III aus und schraubt das 70-200 mm Objektiv auf. Wir stehen auf einer schmalen Felsnase mitten in der Häntzschelstiege im Elbsandsteingebirge, Sächsische Schweiz. Der Sonnenaufgang ist noch eine halbe Stunde entfernt, aber wir können den Nebel im Tal sehen. Perfekte Bedingungen für uns Landschaftsfotografen.

Die Besonderheit heute ist, dass wir sowohl nach Osten, wie auch Westen schauen und somit gegen und mit der Sonne fotografieren können. Mit Wind und Nebel ergeben sich somit eine Vielzahl an Fotomotiven. Ständig sind wir heute am Objektiv wechseln. Mal brauche ich das Ultraweitwinkel und dann sehe ich eine Felsnase aus dem Nebel auftauchen und greife mir das Tele.

 

 

Fotografieren bei Nebel im Elbsandsteingebirge

Jakub schreibt mir am Morgen um 04:00 eine Message

Jakub: “The weather report changed, now it is supposed to rain all morning.”

Ich: “I was outside, I can see the stars and there is fog in the valley!”

Jakub: “OK, let´s do it. Meet you outside in 10 Minutes.”

Die Faustregel ist: Wenn es am Abend regnet, hat man am Morgen Nebel. Das klappt nicht immer, aber häufig genug, dass es sich lohnt, früh aufzustehen. Und mit Nebel ist das Elbsandsteingebirge am schönsten. Weite Wälder werden durchbrochen von schroffen Sandsteinfelsen. Soweit das Auge reicht sieht man nur Natur und mit Nebel wird dieser Eindruck noch verstärkt.

Im Herbst färbt sich der Laubwald bunt, jetzt im April ist alles grün und leuchtend. Habe ich bislang gesagt, dass man „im Oktober kommen muss“, so möchte ich das hiermit revidieren: Nie ist die Natur so präsent wie jetzt. Im Morgengrauen sind die Vögel am zwitschern, die Luft ist kühl und sauber und … es ist Leben in der Luft. Aufbruchsstimmung. Tagsüber ist es angenehm warm, aber noch nicht so heiss, wie im Sommer. Kein Wunder bezeichnet unser Gastgeber den Mai als den idealen Wandermonat.

Nebel Sächsische Schweiz

Nebel Sächsische Schweiz

 

Ausrüstung und beste Jahreszeit

Wie bereits angedeutet: Es gibt keine beste Jahreszeit. Am schönsten sind die Sandsteinfelsen wahrscheinlich im Winter, wenn man das Glück hat frischen Schnee zu erwischen. Im April ist es noch nicht so voll und alles ist am Blühen. Frühling, Sommer, Herbst, immer gibt es hier fantastische Motive. Genauso sieht es mit der Ausrüstung aus. An vielen Stellen gibt es eine markante Felsformation, die man mit 16 mm betonen kann. Auch gilt es immer Ausschau nach einer „krummen Kiefer“ zu halten, einem beliebten Fotomotiv. Einige meiner schönsten Fotos habe ich aber mit 135 mm oder mehr Brennweite aufgenommen.

 

Was definitiv nicht fehlen darf ist jedenfalls ein gutes Stativ. Leicht genug, um es stundenlang zu tragen, aber auch auf den Felsen stabil genug, für den Einsatz bei starkem Wind und mit dem Tele.

 

Verlaufsfilter sind hier, wie überall in den Bergen, wenig nützlich, aber einen starken Graufilter können Freunde von extremen Langzeitbelichtungen gut einsetzen. Wenn der Wind den Nebel in Bewegung setzt, können schöne Formen entstehen. Da ich auch gefilmt habe, war das für mich dieses mal aber keine Option.

Wind ist ein grosses Thema, eine warme Jacke sollte daher auch im Sommer dabei sein. Und die Orientierung unterschätzt man leicht. Im Wald hat man keinen Handyempfang und sollte daher eine gute Wanderkarte dabei haben. Feste Wanderschuhe braucht man zwingend, evtl. Wanderstöcke um die Knie zu schonen, aber auf den Treppen komme ich mit Wanderstöcken nicht so gut klar und nehme daher keine mit.

 

 

Sonnenuntergang über der Elbe in der Sächsischen Schweiz

Sonnenuntergang über der Elbe in der Sächsischen Schweiz von der kleinen Bastei aus gesehen.

 

Anreise und Unterkunft

Die Region ist touristisch sehr gut erschlossen. Mit der Bahn kann man entlang der Elbe in jedem grösseren Ort aussteigen und tagsüber fahren viele Busse. Als Landschaftsfotograf ist man mit dem Auto aber wohl besser bedient. Achtung: Es gibt eine Reihe (mobiler) Blitzer, wer hier langsam fährt, kommt billiger aus dem Urlaub zurück.

Das Gebiet ist zwar klein, durch Elbe und Felsen gibt es aber nur wenige Strassen. Meist fährt man zwanzig Minuten und läuft dann noch eine dreiviertel Stunde. Egal wo man hin will. Kilometer-Angaben nutzen hier wenig, die Höhenmeter sind entscheidend. 450 Treppenstufen führen z. B. zum Kleinen Winterberg. Der Wanderparkplatz „Nasser Grund“ (kostenpflichtig) ist ein häufiger Ausgangspunkt für Wanderungen z. B. auch zu den Schrammsteinen.

Diese Woche hatte ich eine Ferienwohnung in Mittelndorf. Das Weinberghaus (http://weinberghaus-saechsische-schweiz.de/unser-haus.html) liegt sehr ruhig gelegen auf einer markanten Erhebung und man hat 360 Grad Rundumblick. Mein Zimmer hatte eine kleine Küche, ein grosses Bad und einen Kamin. Wer mit dem Auto kommt findet hier eine sehr schöne Unterkunft. Der Besitzer war sehr hilfsbereit und hat mich auf Anfrage sogar kostenlos vom Bahnhof abgeholt.

Weitere Informationen zu Aktivitäten und Unterkunft bietet der Tourismusverband auf seiner Homepage und den umfangreichen Broschüren: https://www.saechsische-schweiz.de

Weinberghaus - Sächsische Schweiz

Weinberghaus – Sächsische Schweiz

 

Die besten Fotospots der Sächsischen Schweiz

Wie üblich sind die „schönsten Fotospots“ auch die bekanntesten. Jeder muss selbst entscheiden, ob er die Klassiker Schrammsteine, Lilienstein und Bastei abklappern oder auf eigene Faust entdecken möchte. Da das Gebiet klein ist, sieht man meist die selben Felsen im Hintergrund, nur der Vordergrund variiert. Mein Tipp wäre daher, eine Reihe Spots auszuwählen, die in verschiedene Himmelsrichtungen weisen. Die Schrammstein-Aussicht und der Kleine Winterberg liegen sehr nahe beieinander, aber das sieht man den Fotos nicht an. Lilienstein, Festung Königstein und Falkenstein sind die markantesten Punkte und fast von überall zu sehen. Wer die erkennt, hat es einfacher mit der Orientierung.

Die beiden folgenden Fotos sind von der Häntzschelstiege im Elbsandsteingebirge aufgenommen. Wenige Minuten nacheinander (Sony A7R III und Fujifilm X-E3). Der Mix aus Wolken und Sonne und Nebel sorgt für ständig neue Stimmungen.

Nebel und Sonne im Elbsandsteingebirge

Nebel und Sonne im Elbsandsteingebirge

 

Nebel in der Sächsischen Schweiz

Nebel in der Sächsischen Schweiz

Die ideale Vorbereitung hat man natürlich mit unserem ZIELFOTO-Magazin. Dort zeigen wir die klassischen Fotospots in der Sächsischen Schweiz und geben Tipps zur Ausrüstung und besten Tageszeit. Meine Favoriten sind jedenfalls: Schrammsteine, Lilienstein, Kleine Bastei und Kleiner Winterberg. Carolafelsen kann sehr schön sein, wenn man Glück mit dem Wetter hat. Weitere Inspirationen bietet der Instagram Account von Philipp Zieger.

8 Comments

  1. mario kegel 4. August 2018 um 17:14 Uhr - Antworten

    sehr schoene bilder und wenn man die doch relativ kurze zeit in betracht zieht, eine beachtliche “ausbeute”. ich selbst habe einen kurzen weg in die saechsische schweiz, aber so ein lauf ist mir noch nicht passiert …

  2. Lukas Petereit 13. Mai 2018 um 11:44 Uhr - Antworten

    Schöner Artikel. Das Thema der Jahreszeit wird oft überbewertet. Egal in welcher Saison, die Sächsische Schweiz bietet immer interessante Motive. Und so klein ist das Gebiet nicht, schließlich zieht sich der Nationalpark bis nach Tschechien.

  3. lufabcor 3. Mai 2018 um 12:54 Uhr - Antworten

    Woah sehr sehr tolle ortschaft für Fotografie! Danke dafür! Denke mal so ein Video oder Blog mit Fotografie-Spots in der Schweiz (u.a. Alpen) oder Schwarzwald wär auch mal ne meega tolle Sache! Hab online ein wenig geschaut, aber war für mich nichts wirklich Verwertbares dabei..Aber deinem Geschmack trauen wir.

    gruss,
    Luca

  4. jurispericiaadm 3. Mai 2018 um 6:20 Uhr - Antworten

    Thanks so much for the post.Much thanks again. Really Cool.

  5. Uwe 1. Mai 2018 um 12:36 Uhr - Antworten

    Kleine Korrektur ist notwendig: Der Klettersteig heißt Häntzschelstiege. Ansonsten ein guter Blogbeitrag mit super Bildern in gewohnter Wiesner-Qualität.
    Grüße aus Dresden

  6. Philipp 1. Mai 2018 um 10:21 Uhr - Antworten

    Ein schöner Blogbeitrag ist das. Vor allem sind die Bilder auch richtig, richtig gut! Was du in 4 Tagen geschafft hast, kostet mich bei gutem Licht 2-3 Monate. Dieses Woche sieht das Wetter schon wieder ganz anders aus. Da freut es mich für dich, dass du rundum gute Bedingungen hattest!
    Der Hinweis mit den Blitzern ist auch nett ;).

  7. Richard 30. April 2018 um 16:22 Uhr - Antworten

    Danke für den Blitzer Hinweis, immerhin hab ich ein s/w Erinnerungsfoto per Post zugestellt bekommen für 15 Euro inkl. Porto. Aber die zuständigen Behörden könnten sich wirklich mal bessere Kameras zulegen, völlig verrauscht das Bild 😜👍📸

    • Stephan Wiesner 30. April 2018 um 17:17 Uhr - Antworten

      🙂 Du und alle anderen mit denen ich mitgefahren bin. Scheinbar animiere ich dazu, zu schnell zu fahren 🙂

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