“Hier sterben immer wieder Fotografen weil sie im Dunkeln abstürzen”, Philipp Zieger führt mich an ein paar versteckte Orte in seiner Heimat im Elbsandsteingebirge. Ich grunze nur. “Du hast die Stirnlampe dabei?” fragt er fröhlich. “Jaaa?” sage ich mit einem kleinen Fragezeichen am Ende. “Gut, dann steigen wir über die wilde Hölle auf!” Ich überlege, ob ich mich heimlich in den Busch schlagen und verstecken soll. Wenn die Locals mich fragen, ob ich schwindelfrei bin und mir geheime Orte zeigen wollen, dann weiss ich, dass es einer dieser Abende wird…

 

Das Elbsandsteingebirge (tschechischLabské pískovce bzw. Labské pískovcové pohoří) ist ein vorwiegend aus Sandstein aufgebautes Mittelgebirge am Oberlauf der Elbe in Sachsen (Deutschland) und Nordböhmen(Tschechien). Es ist etwa 700 km² groß und erreicht Höhen bis 723 Meter über dem Meeresspiegel. Der deutsche Teil wird im Allgemeinen als Sächsische Schweiz, der tschechische als Böhmische Schweiz (České Švýcarsko) bezeichnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Elbsandsteingebirge)

Wenn man nach Landschaftsfotografie in Deutschland sucht, dann stolpert man sehr schnell über das Gebiet zwischen Dresden und Prag. Also man stolpert nicht, es schreit einen an. Die Bastei ist sicherlich einer der Top 10 Orte für Landschaftsfotografen, insbesondere im Herbst. Die Sandsteinfelsen sind von Laubbäumen umgeben und im Oktober sind Buchen, Birken und Co. in bunter Farbe am Leuchten. Die Elbe sorgt dafür, dass häufig Nebel herrscht und wenn man dann das Glück hat einen bedeckten Himmel mit ein wenig Sonne zu bekommen, dann gibt es traumhaft schöne Fotos.

Entsprechend lohnt es sich, mehrere Tage einzuplanen. Ich war drei Tage hier und hatte leider Pech: Keine Sonne am Morgen, also auch nicht das erhoffte Zielfoto. Dafür viel Regen. Der schlaue Landschaftsfotograf bucht entsprechend ein gutes Hotel möglichst nah dran. In diesem Fall ist das Berghotel-Bastei direkt neben der berühmten Brücke. Dichter dran geht nicht, da kann man auch mal am Fenster sitzen und auf Sonne warten. Das Hotel ist sehr empfehlenswert. Faire Preise, sehr freundliches Personal dass mir immer wieder ausgeholfen hat und reichhaltiges Frühstück.

Bastei: Herbstwald im Elbsandsteingebirge

Die Bastei: Herbstwald im Elbsandsteingebirge

 

Ausrüstung für Landschaftsfotografie im Elbsandstein Gebiet

Wenig überraschend sollte man ein Ultra-Weitwinkel mitbringen. Ich war mit dem 15-30 Tamron (Testbericht) häufig auf 15mm unterwegs – aber auch immer wieder auf 50-70mm an der Sony A6300. Meine Favoriten sind im Bereich um 20mm an Vollformat entstanden. Ein starker Graufilter sollte ebenfalls im Rucksack sein. Mit einem ND1000 kann man an bewölkten Tagen schöne Langzeitbelichtungen mit den Wolken machen. Ich nutze hier den Haida ND1000 (Afilliate Link) an der Sony mit dem 12mm Samyang.

Ein gutes Stativ ist ja selbstverständlich, schwer ist hier besser. Man steht überwiegend auf Felsen, daher ist ein zu leichtes Stativ von Nachteil – es bietet zu wenig Halt. Zumindest sollte man es beschweren. Auf den ausgesetzten Stellen mit schönem Weitblick hat man häufig auch Wind.

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Zielfotos

Ein guter Fotograf kommt mit Zielfotos in den Fotourlaub. Wie ich dabei vorgehe beschreibe ich in meinem Landschaftsfotografie Buch. Wichtig ist hier, wie immer, sich im Vorfeld zu überlegen, was das Besondere ist. Für mich ist es die Kombination aus Wald und den abstrakten Felsformationen – bei Nebel und Morgensonne. Aber natürlich hatte ich auch Plan B und C dabei – und benötigt. Die guten Spots für Sonnenaufgang sind meist nicht für Sonnenuntergang geeignet. Auch bei Mondlicht hätte ich gerne fotografiert – aber die Nächte waren bewölkt. Wichtig ist: Ich war parat und hätte gewusst, wo ich mich hingestellt hätte!

 

Wandern im Elbsandsteingebirge

Das Charakteristische dieses stark zerklüfteten Felsengebirges ist sein außerordentlicher Formenreichtum auf engstem Raum. Einmalig unter den mitteleuropäischen Mittelgebirgen ist der ökologisch bedeutsame ständige Wechsel von EbenenSchluchtenTafelbergen und Felsrevieren mit erhalten gebliebenen geschlossenen Waldbereichen. Die Vielfalt der unterschiedlichen Standorte mit jeweils eigenen Verhältnissen in Bezug auf Boden und Mikroklima haben eine enorme Artenvielfalt hervorgebracht. Allein die Vielfalt der vorkommenden Farne und Moose wird von keiner anderen deutschen Mittelgebirgslandschaft erreicht.  (https://de.wikipedia.org/wiki/Elbsandsteingebirge)

Wanderer kommen in der Region voll auf ihre Kosten. Es gibt reichlich Wanderwege von flach entlang der Elbe bis hin zum Klettersteig ist alles dabei. Wie immer nutze ich den Rother Wanderführer (Affiliate Link) für meine Planung. Dazu die Wanderkarte des Gebiets. Besonders beliebt ist z.B. der Fernwanderweg Malerweg, der auch an der Bastei vorbeikommt. Die Ausschilderung der Wanderwege ist sehr gut und die Wege in sehr gutem Zustand. Wie so oft haben Fotografen den Vorteil am Abend und Morgen fast alleine unterwegs zu sein.

Eigentlich wollte ich ein paar Tage darauf wandern, aber dann waren doch zu viele Kameras im Rucksack und das Wetter zu schlecht. Statt dessen habe ich also an der Bastei ausgeharrt und auf Sonne gewartet. Definitiv bleibt das Gebiet aber als Wanderziel auf der Liste. Schon mal für nächstes Jahr vorgemerkt.

Wandern im Elbsandsteingebirge und an der Bastei

Wandern im Elbsandsteingebirge und an der Bastei

 

Fazit

Der Ausflug lohnt sich auf jeden Fall. Wer flexibel sein kann sollte versuchen, eine Wetterphase mit Morgennebel und wechselhaftem Wetter zu finden. Ideal sind bedrohliche Wolken + Nebel + Morgensonne, aber wollen wir die nicht überall haben? Das Reisen im Gebiet ist angenehm. Bus und Bahn ermöglichen auch Landschaftsfotografen mit Umweltbewusstsein das schnelle Weiterkommen. Praxistipp: Auf den Open Street Map Karten sind viele Aussichtspunkte und Foto-Spots eingezeichnet.

Bastei-Elbsandsteingebirge

Fotografieren der Bastei im Elbsandsteingebirge (Foto by Philipp Zieger)