Home/Fotokurs - Endlich Fotografieren lernen/Weitwinkel, Zoomobjektive, Festbrennweiten, Das richtige Objektiv

Das Objektiv ist wichtiger als die Kamera. Diese Fotografen-Weisheit gilt auch heute noch – und dennoch legen viele Hobbyfotografen noch immer mehr Wert auf die Kamera und kaufen sich ein Superzoom-Objektiv als „immer drauf Objektiv“. Das ist zwar in der Tat flexibel – aber nicht zwingend die richtige Lösung. Meine Lieblings-Objektive habe ich in diesem Artikel aufgeführt.

Was ist bei einem Objektiv wichtig?

Die Frage scheint trivial zu sein – bis man sich für ein Objektiv entscheiden muss. Dann merkt man, dass man nicht alle haben kann und sich für einen Kompromiss entscheiden muss. Die folgenden Eigenschaften wird man meist suchen: Schneller Autofokus, hohe Auflösung/Bildschärfe, Lichtstärke, evtl. Wetterfestigkeit. Zwar kann man das alles bekommen – ist dann aber bei einem Preis und einer Grösse, die wahrscheinlich nicht mehr akzeptabel sind. Wenn Du schaust, was die besten Fotografen der Welt für eine Ausrüstung benutzen, dann wirst Du diverse Kameras sehen – aber wohl nur wenige „Billig-Objektive“. Gerade Outdoor- und Sportfotografen sind meist mit einer Canon 5D oder Nikon D4S oder vergleichbar unterwegs, mit den grossen 24-70 und 70-200 F2.8 Objektiven. Sie machen keine Kompromisse, weil ihr Lebensunterhalt davon abhängt, dass ihre Ausrüstung sie nicht im Stich lässt. Die Fotos macht der Fotograf, nicht die Kamera. Aber es hilft natürlich, wenn man gutes Werkzeug hat. Wir normalsterblichen mit kleinem Geldbeutel müssen häufig Abstriche machen. Ich spare an der Kamera, aber nicht an den Objektiven.

sigma24mm-art-objektiv

Hoher Kontrast trotz Fotografieren gegen die Sonne – Sigma Art 24mm

Durch nichts zu ersetzen: Schärfe

Auf Autofokus und Lichtstärke kann man evtl. verzichten und Tricks anwenden, um einen gewünschten Bildausschnitt zu erzielen, aber wenn Dein Objektiv unscharfe Ränder hat, dann kannst Du das höchstens noch durch Zuschneiden des Fotos vertuschen. Wenn ich mir heute Objektive kaufe, dann schaue ich mir Testberichte an und studiere insbesondere die Ränder und die Schärfe bei offenblendiger Verwendung. Insbesondere für meine Landschaftsfotografie lege ich hier sehr viel Wert drauf. Deswegen habe ich mir z.B. das sehr gute Tamron 15-30 Objektiv gekauft.

Wenn Du Dir Objektive ausleihen und testen kannst, dann führe diesen einfachen Test durch: Stell die Kamera aufs Stativ und fotografiere Dein Bücherregal. Schau Dir Bildmitte und Rand auf 100% bei verschiedenen Blenden an. Meist wirst Du schnell deutliche Unterschiede sehen. Wieviel hier für Dich relevant ist, kannst dann aber nur Du entscheiden.

 

Kit-Objektive haben den falschen Bildausschnitt / Zoom

Kit-Objektive für viele Kameras sind lichtschwach und kommen mit einem Zoombereich von ca. 18-55. Das erscheint im Geschäft als ausreichend, in der Praxis ist es aber der Bereich, den ich am wenigsten verwende. Für Landschaft möchte ich meist etwas deutlich weiteres haben und für Portraits mehr Zoom. Lediglich die Reporterbrennweitenbereiche von 28-50mm werden hier abgedeckt – als Kompromiss. Meine Standard-Kaufempfehlung ist daher auch: Entscheide Dich. Möchtest Du Weite zeigen oder zoomen? Wenn Du wirklich einfach eine komfortable Allround-Lösung habe möchtest, dann bist Du mit einer Bridgekamera wahrscheinlich billiger und besser bedient.

nikon-d3300-tamron-1530

Nikon Kit-Objektiv vs. Profi Objektiv: Deutlich sichtbarer Unterschied, aber auch der 25-fache Preis

Festbrennweiten sind lichtstark

Ein lichtstarkes Objektiv hat in der Tat eine grosse Blendenöffnung – Es kommt mehr Licht hinein. Eine Festbrennweite bietet nur einen fixen Bildausschnitt. Man kann nicht zoomen. Aber man bekommt mehr Lichtstärke und häufig eine geringere Grösse. Insbesondere Objektive mit einer Lichtstärke von 1.8 sind  sehr klein, leicht und teilweise relativ günstig. Entsprechend ist meine Nummer 1 Empfehlung: Ein 35mm oder 50mm 1.8 zu kaufen. Gegenüber dem Kit-Objektiv spart man 2-3 Blendendstufen, das bedeutet: Statt ISO 1600 kann man ISO200-400 nehmen und hat viel weniger Bildrauschen. Auch wird es einem viel leichter gelingen, einen unscharfen Hintergrund zu erzielen.

 

Frau vor Zelt bei Sonnenuntergang in den Alpen

Frau vor Zelt bei Sonnenuntergang in den Alpen

 

Kontrast, Farbstich, Sonnensterne

Je nach Einsatzbereich ist es evtl. wichtig, dass Farben besonders genau oder besonders knackig wiedergegeben werden. Landschaftsfotografen legen häufig Wert auf schöne Sonnensterne. Wenn Du häufig mit Gegenlicht arbeitest, dann achte darauf, dass Dein Objektiv eine gute Flair-Resistenz hat und bei solchen Gegenlichtsituationen noch Kontrast behält.  Achte bei den Reviews zu Objektiven daher darauf, ob diese Punkte angesprochen werden und Deinen Bedürfnissen entsprechen.

Sonnenstern am Tamron 15-30 Objektiv

Sonnenstern am Tamron 15-30 Objektiv

 

Die besten Objektive für Landschaftsfotografie, Portraits und Sportfotografie

Landschaftsfotografen haben ein gutes Weitwinkelobjektiv. Je nach Kamera hat es einen Zoombereich von z.B. 10-20mm (APS-C Kamera) oder 16-35mm (Vollformat). Diese Objektive sind häufig sehr gross und teuer – erlauben es aber weite Landschaften einzufangen ohne ein Panoramafoto erstellen zu müssen.

85mm gilt als die ideale Brennweite für Portraits – wobei jeder Fotograf da seine eigene Vorliebe hat. Selbst nutze ich das (sehr teure) 85mm 1.2 von Canon und das 135mm 2.0. Man kann aber auch sehr gut ein 70-200mm Objektiv einsetzen – mit diesem ist man viel flexibler, dafür ist es weniger lichtstark.

Sportfotografen haben ein 70-200mm. Auch hier gibt es eine sehr breite Palette an weiteren Objektiven, aber das 70-200 ist dafür gebaut.

Hast Du Dich für eine Art Objektiv entschieden, dann hast Du meist die Auswahl zwischen verschiedenen Objektiven. Dritthersteller bieten meist deutlich günstigere Preise an – heute durchaus bei guter Qualität. So bekommen die Objektive der Art-Serie von Sigma in Tests regelmässig bessere Bewertungen, als diejenigen der Kamerahersteller. Selbst verwende ich mehrere Art-Objektive und bin da sehr zufrieden mit. Insbesondere das 18-35 ist einen Blick wert. Mehr dazu auf Youtube: Testbericht Sigma 18-35 ART Review an Sony A6300 und Panasonic G70

fotografie workshop bonn-3