In der Fotografie möchte man das Hauptmotiv manchmal nicht mittig platzieren, z.B. bei Anwendung der Drittel-Regel, Goldener Schnitt oder anderen Gestaltungsideen. In diesem Blog-Artikel beschreibe ich, wie es geht: Entweder den Fokus speichern und die Kamera bewegen oder (besser) den Fokuspunkt verschieben. Voraussetzung dafür ist es aber, aus dem normalen Fokus-Modus herauszugehen.

Tai Chi bei Sonnenuntergang in Bern

Tai Chi bei Sonnenuntergang in Bern

Den Fokus verschieben mit Bewegung der Kamera

Die einfachste Methode zum Fokussieren an beliebiger Stelle ist es: Die Kamera im Vollautomatikmodus zu haben. Dann versucht die Kamera selbst zu erkennen, wo das Hauptmotiv ist. Bei einem Menschen auf der Wiese, wie der Tai Chi Frau geht das sehr gut. Gelingt es nicht, so bewegst Du die Kamera einfach so, dass das Hauptmotiv in der Bildmitte ist. Dann den Auslöser halb durchdrücken und dann die Kamera so verschieben, dass der gewünschte Ausschnitt zu sehen ist. Das benötigt ein wenig Übung, um die Feinmotorik im rechten Zeigefinger zu entwickeln, geht dann aber schnell und zuverlässig.

In dem Youtube Video erkläre und zeige ich das auch noch einmal:

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Wichtig: Das funktioniert nicht mehr, wenn man offenblendig arbeitet. Warum erkläre ich in diesem Blogbeitrag.

Notiz zum Fehlfokus aufgrund von Entfernung

Notiz zum Fehlfokus aufgrund von Entfernung

 

Den Fokuspunkt verschieben

Mit der Bewegung der Kamera stösst man schnell an Grenzen. Zum einen funktioniert das nicht, wenn man mit sehr wenig Schärfentiefe arbeitet und zum Anderen ist es nicht sehr schnell. Möchtest Du z.B. Action-Fotos mit Serienaufnahmen machen, dann wird das nicht funktionieren. Besser ist es dann, den Fokuspunkt von Hand zu setzen. Dazu musst Du den fortgeschrittenen Fokussierungs-Modus aktivieren. Ich arbeite normalerweise immer mit nur einem Fokuspunkt. Keine Gruppen, keine Augenerkennung oder Gesichtserkennung: Ein Punkt. Wie Du das einstellst, steht im Handbuch Deiner Kamera. Bei Canon z.B. befindet sich oben rechts, zwischen Daumen und Zeigefinger, ein Knopf dafür. Wenn Du eine Kamera mit Touchscreen hast, dann kannst Du den Fokus wahrscheinlich direkt mit der Hand setzen.

Portraits wie das der jungen Frau aus Bern zeigen deutlich: Das geht nur von Hand. Vielleicht würde die Augenerkennung hier funktionieren – weil die beiden Augen parallel sind. Sobald sie den Kopf nach rechts dreht (was meistens der Fall war) will ich den Fokus auf dem vorderen, halb verdeckten Auge, haben. Da die Haare vor dem Auge hängen, kann die Automatik dies nicht mehr erkennen und fokussiert auf dem hinteren (was unschön aussieht). Portraits von mir selbst funktionieren ebenfalls nur mit Punkt-Fokus. Die Augenerkennung kommt nicht mit meiner vorstehenden Stirn klar und ich kriege unscharfe Augen.

Schwarzweiss Portrait im Fotostudio bei Fotograf in Bern

Schwarzweiss Portrait im Fotostudio bei Fotograf in Bern – Das funktioniert nur mit einem Fokuspunkt

 Back Button Focus

Lange habe ich mich dagegen gesträubt. „Ich brauche das nicht“ und „bei meiner Art der Fotografie macht das keinen Sinn“, habe ich laut behauptet, als Freunde mir vorgeschwärmt haben, wie viel effizienter es wäre, den Fokus und das Auslösen zu trennen. Profifotografen arbeiten (fast) ausschliesslich mit Back Button Focus. Wenn alle etwas machen, dann braucht man einen besseren Grund als „ich will das nicht“, um es anders zu machen.

Viele Kameras bieten die Möglichkeit, einen der Knöpfe auf der Rückseite so zu belegen, dass man mit ihm fokussiert. Beim Auslösen wird dann nicht mehr fokussiert. Dadurch kannst Du den Fokus einmal setzen und dann beliebig oft auslösen. Ohne in den manuellen Fokus wechseln zu müssen. Das ist offensichtlich sinnvoll, wenn man auf dem Stativ arbeitet. Ansonsten ist es nicht ganz intuitiv. Auf meinen Fotografie Workshops  kämpfe ich jedes Mal mit den Fotografie-Einsteigern, um sie dazu zubringen, es auszuprobieren. Hat man sich daran mal gewohnt, möchte man es jedoch nicht mehr missen. Man hat mehr Kontrolle und verliert nichts an Schnelligkeit. Insbesondere in der Sportfotografie ist Back Button Focus kaum wegzudenken und auch im Studio verwende ich es ohne Ausnahme.

In diesem Youtube Video erkläre ich, wie es geht für Sony A6000, Canon 6D und Fuji X100T:

 

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