Wer eine Kamera kaufen möchte, wird erschlagen von Angeboten, Funktionen und Systemen. In diesem Artikel gebe ich Tipps für den Kamerakauf. Ausserdem liest Du in diesem Artikel zum Thema Kamerakauf, wie die Kaufberatung zwischen mir und meiner Freundin im Herbst 2016 abgelaufen ist. Anhand der Nikon D3300 erkläre ich, ob man auch mit den günstigsten Einsteigerkameras die gewünschten Fotos erstellen kann.

 

Kamerakauf – Auf diese Funktionen kommt es an

Moderne Kameras bieten mehr Funktionen als wir brauchen. Ich habe das mal aufgeschrieben: Die letzten 2 Wochen war ich jeden Tag am Fotografieren. Mit diversen Kameras. Ich gehe häufig ins Menü, um Funktionen umzustellen. An keinem einzigen Tag habe ich mehr als 4 Funktionen aus dem Menü verwendet. Vier. Ja, natürlich gibt es Situationen, wo ich weitere Funktionen brauche, aber den Grossteil der Optionen habe ich noch nie angefasst, bei einigen weiss ich nicht mal, wofür sie sind. Wirklich relevant sind meiner Meinung nach die folgenden Funktionen. Wofür man sie braucht erkläre ich in den weiteren Artikeln auf dieser Webseite.

  • Belichtungsreihen einstellen
  • Belichtungskorrektur festlegen
  • Bequemes wechseln zwischen Autofokus und Manuellem Fokus
  • Verschieben der Autofokuspunkte
  • Bequemes Einstellen von Belichtungszeit und Blende (möglichst mit zwei Drehrädern)
  • Manuelles Setzen des Weissabgleichs, inkl. Farbtemperatur
  • Kantenanhebung (Focus Peaking) bei Systemkameras

Des Weiteren nutze ich an meinen Kameras sehr viel:

  • Bewerten von Fotos schon in der Kamera
  • Zoomen in Fotos inkl. Anzeige Histogramm
  • Verwenden von Medium-RAW-Dateien (weniger Pixel sind meist besser)
  • Wifi nutze ich bei den meisten Videos und selten, wenn ich Selfies mache

Kameras gibt es in Leistungsklassen

Die Hersteller bieten verschiedene Kamera-Serien an. Diese sind meist an einem Nummernkreis im Namen erkennbar. Die Nikon D3100 und D3200 gehören z.B. zusammen, die D7100 und D7200 ebenso. Höhere Nummern bedeuten dann neuere Modelle. Aber Vorsicht, nicht immer ist das klar erkennbar. Die Canon 5D-Serie ist z.B. deutlich teurer als die 6D.

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Tierfotografen benötigen meist Objektive mit starkem Zoom

Generell kann man sagen, dass es vergleichbare Leistung für das gleiche Geld gibt. Die Nikon D750 ist neuer als die Canon 6D und daher etwas leistungsfähiger (und teurer). Wenn die 6D Nachfolgerin kommt, wird diese wiederum die D750 schlagen. Sie sind aber im Wesentlichen Vergleichbar und unterscheiden sich in Details. Ob ein Foto mit der Canon 700D oder 750D aufgenommen wurde, kann niemand erkennen.

Die Leistungsklassen sind für eine gewisse Zielgruppe gedacht. Die Nikon D7200 z.B. für Sportfotografen, die D5500 eher für die „normalen Hobbyfotografen“. Daher ist die D5500 deutlich kleiner und leichter, bietet aber auch einen schlechteren Autofokus. Wichtiger Tipp wäre also: Versuch Dich in eine Zielgruppe einzuordnen und kauf dann eine Kamera aus dem entsprechenden Segment. Sei dabei realistisch. Wenn Du zu allen Themen denkst „vielleicht mache ich ja nächstes Jahr Sportfotografie!“ Oder Sternenfotografie! Oder eine Weltreise mit kleinem Rucksack! … dann wirst Du nie glücklich.

Fängt man an, Kataloge zu blättern und Wünsche aufzustellen, dann möchte man irgendwann ALLES. Und das zu einem günstigen Preis – das kann nicht funktionieren. Kamerahersteller wissen das. Die Systemkamerahersteller fahren daher teilweise die Schiene, dass sie (im Prospekt) alles anbieten. Daher ist eine Sony A6500 dann aber auch teurer als eine Nikon oder Canon Vollformatkamera. Auf dem Papier bietet sie alles, was ein potentieller Käufer sich wünschen könnte – in einem sehr kompakten Gehäuse.

 

Entscheide Dich für eine Grössenordnung

Die beste Kamera nützt nichts, wenn Du sie nicht dabei hast. Häufig entsteht der Wunsch nach einer neuen Kamera, wenn die Familie wächst und das Smartphone nicht mehr reicht. Wirst Du wirklich den Fotorucksack mit Deiner kompletten Fotoausrüstung mit auf den Kinderspaziergang nehmen? Meist doch eher nicht. Eine Kompaktkamera wie die Sony RX100 bietet sehr gute Bildqualität in einem sehr kompakten Gehäuse. Hosentaschentauglich. Zum Wandern in den Alpen nehme ich gerne meine Sony A6300 in einer Hüfttasche von Cosyspeed. Dadurch ist die Kamera gut geschützt und dennoch sofort erreichbar. Wenn ich im Studio arbeite oder Sportfotografie mache, dann habe ich hingegen lieber eine grosse Kamera in der Hand, wie die Canon 6D. Die Bedienung ist für meine Hände komfortabler und die Kameras sind robust. Sie sind dafür gemacht, im Dreck benutzt zu werden!

Sonnenuntergang in den Alpen - Jogger beim Training - Sportfotograf aus Bern

Sonnenuntergang in den Alpen – Jogger beim Training – Sportfotograf aus Bern (Nikon D750)

 

Das Vorjahresmodell bietet ein besseres Preis-Leistungsverhältnis

Kamerahersteller stehen unter dem Druck alle 2-3 Jahre ein neues Modell herauszubringen. Sony liefert inzwischen sogar 2 pro Jahr. Offensichtlich können die „bahnbrechenden Neuerungen“ in Wirklichkeit nur Details sein. Aufgrund des hohen Drucks verlieren viele Kameras innerhalb des ersten Jahres deutlich an Wert. Wenn Du nicht zwingend überzeugt bist, dass Du die neuen Funktionen brauchst, dann wirst Du mit dem Vorjahresmodell wahrscheinlich besser bedient sein. Investier Dein Geld dann lieber in ein besseres Objektiv oder kauf eine Leistungsklasse höher. Evtl. lohnt es sich auch, einen Blick in den Gebrauchtmarkt zu werfen. Mit etwas Glück kann man so noch mal einiges sparen und sich, ich wiederhole mich, eine Leistungsklasse höher gönnen.

Sony 70-200mm Objektiv an A6300

Sony 70-200mm Objektiv an A6300

 

Wenn Du mehr Leistung willst, dann brauchst Du nicht das neue Modell der gleichen Serie

Täglich erreicht mich ein Dutzend Mails mit der verzweifelten Frage nach einer neuen Kamera. Das sind Leute, die bereits eine Kamera haben und mit Autofokus und ISO-Rauschen unzufrieden sind. Mein Rat steht hier auf dieser Seite weiter oben: Wenn Du von der Canon 600D auf die 700D „aufsteigst“, dann wirst Du keine wirklichen Unterschiede spüren. Gehst Du hingegen auf die 80D, dann ist das eine ganz andere Liga. Kauf Dir also lieber eine gebrauchte 70D, statt die neue 700D. Dazu kommt: Wenn Du eine gebrauchte Kamera kaufst, dann kannst Du sie nach drei Monaten wieder verkaufen, ohne dass es (doll) weh tut.

 

Die Top-Modelle machen keine besseren Fotos

„Nikon D750 oder D810, welche ist besser?“ So hat mich gerade wieder ein befreundeter Fotograf angeschrieben. Meine Antwort ist dann „Was willst Du mit soviel Pixeln, Du fotografierst Kindergartenkinder!“

Die Top-Modelle bieten für einen hohen Aufpreis nur noch wenig mehr. Für manche Profis ist dieses „wenig mehr“ entscheidend. Sie stehen in starker Konkurrenz mit ihren Kollegen und müssen mithalten. Aber das gilt wohl nur für sehr wenige Hobby-Fotografen. Wenn Du genau weisst, was Dich fotografisch zurückhält, dann weisst Du auch, welche Kamera Du brauchst. Wenn Du unsicher bist, dann ist das Top-Modell wahrscheinlich nicht die richtige Wahl. Bei fixem Budget ist eine „gute Kamera“ und „sehr gute Objektive“ die bessere Wahl, als eine „sehr gute Kamera“ und das Kit-Objektiv.

Urlaub in Laos Essen fotografieren

Urlaub in Laos Essen fotografieren

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