Silhouetten haben eine starke Wirkung auf den Betrachter. Ausserdem sind sie ein sehr einfaches Mittel, um “unmögliche” Lichtsituationen zu lösen. Das Titelbild (Brocken im Harz, Foto by Nils Lu) mit den beiden Fotografen und dem Stativ ist ein gutes Beispiel: Damit der Himmel vor Sonnenaufgang so dunkelrot erscheint, muss das Foto sehr dunkel belichtet werden. Um die Personen “korrekt” zu belichten hätte man einen Blitz nehmen müssen. Das wäre zwar möglich, würde die Stimmung des Fotos aber total zerstören.

Der Artikel ist Teil der Serie mit Tipps und Tricks zum Fotografieren lernen.

Die richtige Belichtung für Silhouetten

Die richtige Belichtung für solche Fotos zu finden ist eigentlich ganz einfach: Ignorier die Person. Wenn die Landschaft, bzw. der Himmel richtig belichtet wird, ist die Person automatisch zu dunkel. Was jetzt aber “richtig belichtet” für den Himmel heisst, hängt von der Situation ab. Einen Sonnenuntergang wird man meist andes belichten, als eine Szene bei Tageslicht. Häufig ist es auch nicht nötig, dass die Person komplett “schwarz” ist. Voraussetzung ist, dass es einen starken Kontrast zwischen Person und Hintergrund gibt. Im folgenden Beispiel stehe ich im Schatten, der Bergsee ist in der Sonne. Die Belichtung wurde auf den See gemessen.

Silhouette vor Bergsee

Silhouette vor Bergsee bei Kandersteg (Foto by Kristina)

 

Silhouetten wecken die Fantasy

In einer Silhouette ist die Person häufig dennoch erkennbar – für Freunde. Aber sie hilft es entweder eine symbolische Botschaft zu vermitteln – oder dem Betrachter zu ermöglichen, sich in die Situation hinneinzuversetzen. Ausserdem eignen sich diese Fotos besonders für kontrastreiche Situationen. Das Foto von mir am Oeschinensee hat eine starke Wirkung, weil meine schwarze Silhouette sich so stark vom intensiv blauen See abhebt. Wenn ich angeblitzt wäre und man meine blaue Hose und (womöglich blaue Jacke) sehen würde, dann hätte das Foto eine viel geringere Wirkung.

Eine Silhouette eignet sich insbesondere dann, wenn man eine annonyme Person oder eine bestimmte Situation verdeutlichen möchte. Typische Beispiele: Fotograf mit Stativ (aber nicht “Stephan mit Stativ”), schwangere Frau (aber nicht “Petra ist schwanger”), Skifahrer im Morgengrauen, etc.

Pärchen mit Babybauch

Pärchen mit Babybauch im Gegenlicht

 

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Fotograf mit Stativ bei Sonnenuntergang (Foto by Kristina)

 

Weitere Tipps für das Fotografieren von Silhouetten

Für eine Silhouette ist es wichtig, dass ein hoher Kontrast entsteht. Häufig heisst dass: Der Fotograf muss möglichst tief positioniert sein, damit die Person sich vor dem Himmel abhebt. Das folgende Foto zeigt das Problem: Die Frau ist kaum erkennbar. Sie ist dunkel vor dunklem Hintergrund. Der Stein hingegen hebt sich deutlich vor dem Himmel ab.

Sonnenuntergang-Silhouette

Sonnenuntergang-Silhouette

Mit einer Silhouette kann man eine Stimmung oder Botschaft vermitteln. Versuch also nicht nur eine Situation (Fotograf mit Stativ beim Sonnenuntergang), sondern auch Emotionen einzufangen. Die beiden Trailrunner am Matterhorn sind nicht als Trailrunner erkennbar, aber das Foto sagt “Sieg” oder “Teamwork” aus. Ähnliche Fotos sehe ich häufig in Grossraumbüros an der Wand hängen. Mit Firmenlogo und einem markigen Spruch im Sinne von “Unser Team ist erfolgreich” oder “Unsere Software löst ihre Probleme”.

Trailrunner am Matterhorn

Trailrunner am Matterhorn

 

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