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Fotografieren lernen: Tipps für Kontrastreiche Fotos und leuchtende Farben

In der Landschaftsfotografie möchte man meist Fotos mit knackigen Farben und hohem Kontrast. Neben der Ausrüstung kann man auch mit den Einstellungen an der Kamera viel bewirken. In diesem Blogbeitrag verrate ich ein paar Tipps und Tricks dazu. Der Artikel ist Teil der Tutorial-Serie Iso, Blende und Verschlusszeit – Die richtige Belichtung

Die Richtung des Lichts ist entscheidend

“Verflixt, wir müssten am Morgen hier stehen. Jetzt haben wir die Sonne im Bild, dann fehlt uns Kontrast” murmle ich, als Kristina und ich am späten Nachmittag auf einer Klippe im Point Reyes Nationalpark (Reisebericht) ankommen. “Musst Du immer meckern?! Es ist doch schön hier, kannst Du nicht einmal einfach geniessen!?!” braust sie auf. “Ja, ähm, schon, ich meine ja nur…” murmel ich und schau verlegen auf den Boden. “Machen wir trotzdem ein Video dazu? Dann kann ich das gleich erklären.” Hoffnungsvoll blinzle ich sie mit grossen Augen an. Wenn ich eins kann, dann den Hundeblick aufsetzen!

Im Video spreche ich die Problematik an: Wenn die Sonne im Bild ist, dann hat die Qualität des Objektivs eine starke Bedeutung. Moderne Objektive sind häufig erstaunlich gut in der Lage, mit Gegenlicht umzugehen. Dennoch wird das Foto immer ein wenig flauer sein, als wenn man die Sonne im Rücken hat. Das muss nicht schlecht sein. Geschickt eingesetzt kann es die Bildwirkung verstärken, insbesondere, wenn man einen Dreamy-Look haben möchte.

Das folgende Foto vom Herbstlaub bei Sonnenuntergang zeigt die Situation: Es ist Flare (die Störungen über dem Strauch) im Foto und der Horizont ist diffus. Dennoch ist es ein schönes Stimmungs-Foto.

Sonnenuntergang-Sequoia-National-Park

Sonnenuntergang-Sequoia-National-Park

Der Bergsee hingegen ist kurz nach einem Regenguss aufgenommen. Die Luft ist sauber und klar. Vor allem aber: Die Sonne ist nicht im Bild. Wenn Du starke Farben haben möchtest, solltest Du also so planen, dass die Sonne möglichst von hinten oder zumindest von der Seite kommt. Ein weiterer Punkt, der für das Fotografieren kurz nach Sonnenaufgang, bzw. vor Sonnenuntergang spricht: Die Sonne kommt flach und es ist sehr einfach zu sehen, in welche Richtung die Fotos mehr/weniger Kontrast haben.

bergsee-yosemite-nationalpark

Bergsee am Rande vom Yosemite Nationalpark

 

Schlechtes Wetter ist gutes Wetter!

Das folgende Foto lebt von den Farben. Es ist kurz nach Sonnenaufgang aufgenommen worden. Die Berge sind noch in der blauen Stunde, nur ein kleiner Teil wird von der Morgensonne angeleuchtet. Die rote Farbe der Büsche im Vordergrund passt perfekt hierzu. Wir waren schon zweimal vorher an der Stelle – und haben kein Foto gemacht. Langweiliger Ort – der durch das richtige Licht zu meinem Lieblingsfoto des Urlaubs geführt hat.

Der Baum im Vordergrund sieht aus, als hätte ich ihn angeblitzt. Die Sonne scheint zwar nicht direkt auf ihn, aber dennoch ist eine Lichtverteilung erkennbar. Hier hilft es auch, dass ich nah dran bin und somit trotz Blende 7.1 den Hintergrund ein wenig freistelle. Dadurch entsteht der Eindruck von hohem Kontrast, obwohl der Baum eigentlich keine starke Farbe hat.

Generell gilt in der Landschaftsfotografie: Je schlechter das Wetter, desto besser sind häufig die Fotos. Es muss einfach zwischendurch mal ein wenig Sonne durchscheinen. Siehe den Artikel zur Blendenvorwahl für weitere Beispielfotos.

Sonnenaufgang:Ein Sturm ist im Anmarsch

Sonnenaufgang:Ein Sturm ist im Anmarsch

 

Wolken, Schnee und blauer Himmel

Wenn Schnee, weisse Wolken oder der tiefblaue Himmel in den Bergen mit im Bild sind, dann wirken alle anderen Farben stärker. Deswegen freue ich mich auch, wenn an einem Schönwetter-Tag ein paar weisse Wolken auftauchen (siehe das erste Foto von diesem Artikel).

50 Prozent Wasser und nur ein Viertel Himmel

50 Prozent Wasser und nur ein Viertel Himmel

 

Das Spiel mit Farbe und Fokus

Das folgende Foto ist interessant, weil Kristinas rote Jacke der absolute Hingucker ist. Aber sie ist out of focus abgebildet. Das Auge bleibt an Bernhard auf dem Seil hängen. Erst nach einem Moment wird der Betrachter erkennen, dass wir mit einer Gruppe am Felsen stehen und Bernhard anfeuern. Dieses Spiel mit Farben und dem Fokus kann zu spannenden Ergebnissen führen. Hätte Kristina eine grasgrüne Jacke an, dann würde es nicht wirken. Das Rot bildet einen starken Kontrast zum grünen Hintergrund.

Highline - Slackline oberhalb von Kandersteg, Schweiz

Highline – Slackline oberhalb von Kandersteg, Schweiz

 

Weiterführende Fotografie Tipps und Tricks

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Dezember 16th, 2016|Kategorien: Fotografieren Lernen, Landschaftsfotografie|Tags: |

4 Comments

  1. Lukas Petereit 11. Januar 2017 um 15:23 Uhr - Antworten

    Schöner Artikel über die Basics der Lichtführung und die Relevanz des Wetters. Perfekt für Anfänger!

  2. Hubertus Kamp 16. Dezember 2016 um 18:04 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan, ich finde diesen Artikel ganz besonders hilfreich für mich.
    Da kommt bei dem vorletzten Bild eine Frage, mit der ich immer wieder zu “kämpfen” habe.
    An dem schattigen, linken Berghang, ist das Blau des Himmels ein wenig intensiver. Mit diesem Problem habe ich am Meer des öfteren zu kämpfen. Liegt es nur an der Blickrichtung zum Standpunkt ?
    Es ist klar, dass man immer einen Kompromiss machen muss, wenn man genau dieses Bild haben will.

    • Stephan Wiesner 16. Dezember 2016 um 19:09 Uhr - Antworten

      Ich verstehe die Frage nicht. Natürlich ist der Himmel bei Weitwinkel nicht konstant in einer Farbe, was ist daran schlecht?

      • Hubertus Kamp 18. Dezember 2016 um 13:38 Uhr - Antworten

        Nichts ist daran schlecht!
        Bei deinem Foto ist es sehr schwach + ich habe gedacht, dass du eine Antwort darauf wüsstest.
        Ich werde einmal darauf achten, ob es nur an dem Weitwinkel liegen kann.
        Ich meinte den Übergang von Dunkel auf den blauen Himmel, an der Kante.
        Bei mir ist das z.B. bei einem Hund oder Vogel so eine Art hellerer “Heiligenschein” oder um eine Felskante herum. Ich habe schon alles Mögliche versucht + es dann als techn. nicht anders möglich hingenommen.

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