„Na? Bist Du ein wenig neidisch, dass ich die bessere Kamera habe?“ Kristina zieht mich mal wieder auf, dass ich mit der uralten Canon 6D unterwegs bin. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen, rümpfe die Nase und grummel „nein.“ und dann „dafür habe ich die besseren Objektive!“ Sie lächelt mich entwaffnend an: „Die darf ich mir ja auch ausleihen.“ Ja, darf sie. Und ja, die 80D ist in vielen Dingen in der Tat besser als meine alte Canon.

 

Berglandschaft am See

„Jetzt zeigt sie mir hier die Blinkies“ Kristina hält mir ihre Canon 80D entgegen. Wir stehen auf 2500m an einem Bergsee am Rande des Yosemite Nationalparks in Kalifornien. Vor uns liegt ein See, umgeben von schneebedeckten Bergen. Wir stehen noch im Schatten, aber die Bergspitzen werden von der Morgensonne angeleuchtet. Ein Klassiker. Und die Automatik der Kamera hat die Belichtung so gewählt, dass der Schnee überbelichtet (ausgebrannt) ist.

 

Die Automatik lässt den Schnee ausbrennen

Die Automatik lässt den Schnee ausbrennen

„Das ist noch typisch“, sage ich und erkläre ihr auch gleich die Lösung: „Wie ich in meinem Landschaftsfotografie Buch erklärt habe, musst Du hier die Belichtungskorrektur auf -0.3 oder sogar -0.7 einstellen. Dann ist zwar der Wald zu dunkel, aber den können wir in Lightroom wieder aufhellen“.

„Also die dunklen Bereiche kann man aufhellen, aber die hellen nicht mehr dunkel machen?“ Kommt die Rückfrage von Kristina. „Ja, genau. Das Aufhellen führt einfach zu Rauschen, aber das ist hier kein Problem. Wir sind auf ISO 100, da haben wir genug Reserve. Wenn wir aber schon bei ISO 800 oder so wären, dann würde man das Rauschen sehen.

Die wichtige Lektion hier: Immer das Histogramm im Auge behalten und die Überbelichtungswarnung anschalten. Sie zeigt an, wenn Elemente überbelichtet sind. In unserem Fall blinkt der halbe Berg, definitiv zu viel. In dieser Situation hätte man gut ein HDR machen können. Puristen hätte evtl. sogar einen Grauverlaufsfilter ausgepackt. Das Rollei Beta Stativ hatte ich am Rucksack. Aber es ist hier mit den modernen Kameras einfach nicht mehr nötig. Ein Bild leicht unterbelichtet reicht aus, um den gesamten Dynamikumfang einzufangen.

Richtig belichteter Schnee - und aufgehellter Wald

Richtig belichteter Schnee – und aufgehellter Wald

 

 

Wo soll man den Horizont in einem Foto platzieren?

„Versuch mal mehr Wasser aufs Foto zu nehmen und weniger Himmel. Der Himmel ist hier egal, aber das Wasser mit der Reflexion der Berge ist sehr schön“. Wir erstellen ein paar Fotos und experimentieren mit der Mittellinie. Ein Typischer Anfängerfehler ist es, sich hier nicht entscheiden zu können und See und Himmel jeweils zu gleichen Teilen ins Bild zu nehmen. Meist ist es aber sinnvoller, sich zu entscheiden: Was ist hier das Wichtige? Die Bildwirkung wird dadurch meist verstärkt oder zumindest klarer, was die Fotografin zeigen wollte.

Horizont in der Bildmitte - Was ist hier am wichtigsten?

Horizont in der Bildmitte – Was ist hier am wichtigsten?

Das folgende Foto hat einen sehr viel höheren Anteil Wasser. Durch das Gras am unteren Rand wird der Blick dort hin gelenkt – und man sieht, wie klar das Wasser ist. Ohne Gras würde das nicht auffallen. Mehr Himmel würde hier keinen Mehrwert bringen. Das wäre evtl. anders, wenn der Himmel dramatische Wolken hätte.

 

50 Prozent Wasser und nur ein Viertel Himmel

50 Prozent Wasser und nur ein Viertel Himmel

 

Hier liest Du: Warum Kristina fotografieren lernen will und warum sie sich die Canon 80D gekauft hat.