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Landschaftsfotografie mit dem A-/AV-Modus fotografieren – Die Zeitautomatik

„Sollen wir an der Mittelstation umdrehen und runterlaufen, statt ganz hoch?“ frage ich in die Runde. Wir sind zu dritt am Stockhorn unterwegs, einem Aussichtsberg im Berner Oberland. Im Regen. Es ist Ende Oktober und ein eisiger Wind bläst uns in die Gesichter. Ein Blick auf den Horizont zeigt, dass es so schnell auch nicht aufhören wird – auch wenn der Wetterradar etwas anderes suggeriert. Kristina und Thomas schütteln die Köpfe. Aufgeben gilt nicht! Also stellen wir uns ein paar Minuten unter, essen einen Happen und dann marschieren wir weiter.

Als wir oben ankommen haben wir Glück: Der Regen hört für ein paar Minuten auf und die Sonne kommt kurz durch die Wolken. Das Licht ist dramatisch. Gigantisch. Und ändert sich ständig. Wer hier manuell belichten möchte, ist evtl. zu langsam. Die Zeitautomatik/Blendenvorwahl hingegen erlaubt schnelles Reagieren bei korrekter Belichtung.

Landschaftsfotografie: Korrekte Belichtung mit der Zeitautomatik

Als Zeitautomatik oder Blendenvorwahl wird eine Belichtungsautomatik bei automatischen Kameras bezeichnet, bei der die Blende von Hand vorgewählt wird; die Kamera stellt dann die von der Belichtungsmessung als geeignet bestimmte Belichtungszeit automatisch ein.

[1] Kameras, die über eine Zeitautomatik verfügen, werden auch als Zeitautomaten bezeichnet. Auf dem Betriebsarten-Wählrad der meisten Kameras wird dieser Modus mit A (engl.aperture priority) oder Av (engl. aperture value) gekennzeichnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitautomatik)

Die Blendenvorwahl ist meine Default-Einstellung, wenn ich draussen unterwegs bin. Ich wähle die Blende 8, wenn ich Landschaften fotografiere oder eine kleinere Zahl, wie z.B. 2.8, wenn ich Personen fotografiere. Die Werte von ISO und Verschlusszeit kann die Kameraautomatik dann korrekt bestimmen. Somit ist es mir möglich, sehr schnell zu reagieren und dennoch den gewünschten Effekt zu erzielen – zumindest meistens. Wenn ich Ruhe habe, dann schalte ich durchaus in den manuellen Modus, wähle sorgfältig alle Einstellungen, mache Testfotos und so weiter. Aber nicht für spontane Fotos.

berge-regen-unwetter

Regenwolken im Berner Oberland

 

Manuelles Eingreifen, wenn die Blendenvorwahl versagt

Im Automatik-Modus versucht die Kamera die korrekte Belichtung zu ermitteln. Das funktioniert meist sehr gut – wenn die Sonne nicht im Bild ist. Sie darf auch nicht, wie im obigen Bild, hinter Wolken versteckt im Bild sein. Dabei brennt der Himmel regelmässig aus. Die einfachste Lösung ist es daher: Die Belichtungskorrektur zu verwenden und um z.B. -0.7 Blendenstufen unterzubelichten. In Wettersituationen wie dieser stelle ich das pauschal ein.

Der technische Hintergrund ist: Bildanteile, die leicht unterbelichtet sind, kann man aufhellen. Stellen die zu stark überbelichtet sind jedoch nicht mehr. Wie immer gilt: Wer mit RAW-Dateien arbeitet hat mehr Reserve. Wer nur mit JPG arbeitet sollte evtl. einen Modus wie DRO oder HDR verwenden (ausprobieren!).

Weitere Informationen findest Du in dem Artikel zu Blende und Verschlusszeit und natürlich in meinem Landschaftsfotografie Buch.

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Stockhorn: Blick ins Simmental

Stockhorn: Blick ins Simmental

 

Sonnenuntergang am Meer

Sonnenuntergang am Meer

Auch bei dem Sonnenuntergangsfoto stellt eine leichte Unterbelichtung sicher, dass der Himmel nicht zu hell ist. Dass hier die Balken des Stegs sehr dunkel sind verstärkt die Bildwirkung noch.

 

Die Spotbelichtung garantiert eine korrekte Belichtung des Hauptmotivs

Kameras haben meist drei Arten, die Belichtung zu ermitteln: Ein Mittelwert über das ganze Foto, Mittelwert mit Betonung der Mitte und die Spotbelichtung. Diese ist interessant, wenn man ein relativ kleines Hauptmotiv bei schwierigem Licht hat – meist eine Person vor hellem / dunklem Hintergrund. Auf Hochzeiten arbeite ich viel in diesem Modus (weisses Brautkleid, schwarzer Anzug vom Bräutigam und dann die wüstesten Kombinationen an Tageslicht und Kunstlich). In der Landschaftsfotografie verwende ich die Spotbelichtung nur selten. Sie kann einem aber das Unterbelichten ersparen und ist eine gute Wahl, wenn man Belichtungsreihen erstellt. Dann ist man sicher, dass Hauptmotiv korrekt belichtet zu haben – und hat Reserve für den Rest des Fotos.

Person in Landschaft im Death Valley

Person in Landschaft im Death Valley

 

Warum nehmen Landschaftsfotografen Blende 8?

Ignorieren wir mal traditionelle Gründe und gehen von einer modernen Digitalkamera aus, dann ist Blende 8 häufig dennoch die richtig Wahl in der Landschaftsfotografie. Der Grund ist, dass viele Objektiv rund um Blende 8 am schärfsten sind. Das muss aber nicht zutreffen. Es ist daher sinnvoll, sich einen technischen Testbericht zu seinen Objektiven anzusehen (oder es selbst zu ermitteln).

Natürlich gibt es viele künstlerische Gründe, eine andere Blende zu wählen. Blende 18 z.B. für schöne Sonnensterne oder vielleicht Blende 2.8 um eine Unschärfe im Hintergrund zu erzielen.

Bei Weitwinkelobjektiven spielt die Schärfentiefe übrigens (fast) keine Rolle, man muss also nicht Blende 8 wählen, nur um „alles im Fokus zu haben“. Das kann man auch mit Blende 4, wenn das Hauptmotiv mehr als ein paar Meter entfernt ist.

Schiffswrack Point Reyes

Schiffswrack Point Reyes bei Blende 2.2

Bei dem Foto von dem Boot habe ich bewusst die Blende 2.2 am 12mm Samyang gewählt. Der Hintergrund ist aufgrund des extremen Weitwinkels nur bedingt unscharf, aber ich habe eine starke Vignette – die ich hier passend finde.

Links zu weiteren Artikeln zum Fotografieren lernen

 

 

 

November 21st, 2016|Categories: Fotografieren Lernen, Landschaftsfotografie|Tags: , |

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3 Comments

  1. Christoph Feldhaus 21. November 2016 at 18:48 - Reply

    Ein sehr informativer Artikel, der nochmal – auch wenn man das im Grunde schon weiß – Ordnung im Kopf bringt. Ganz große Klasse!

  2. Max 21. November 2016 at 16:15 - Reply

    Wie immer toller Beitrag.
    Kurze Frage: Das „Sonnenuntergang am Meer“-Bild ist ein HDR, oder?

    • Stephan Wiesner 21. November 2016 at 16:26 - Reply

      Nein, kein HDR. Richtig belichtet hat die A6300 genügend Dynamikumfang. Wie das geht steht natürlich in meinem Buch 🙂

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