Kameras erlauben eine maximale Belichtungszeit einzustellen – meist 30 Sekunden. Für die Nachtfotografie oder manche künstlerische Effekte benötigt man aber noch längere Belichtungen, teilweise mehrere Minuten. Dies ist mit dem Bulb-Modus möglich. Wie das funktioniert erkläre ich in diesem Tutorial-Artikel für Fotografie-Einsteiger.

Langzeitbelichtung in der Fotografie

In dem Artikel zum Einsatz von Graufiltern erkläre ich, wie man diese einsetzt, um auch am Tage eine sehr lange Belichtung durchzuführen. Möchte man mehr als 30 Sekunden belichten, dann kann man dies meist nicht mehr in der Kamera einstellen, sondern muss in den Bulb-Modus gehen (Handbuch). Manche Kameras haben einen B-Modus auf dem Modus-Wahlrad, bei anderen kann man den Bulb-Modus über den M-Modus aktivieren, in dem man die Belichtungszeit über 30 Sekunden hinaus schiebt.

Bulb Modus an der Nikon D750

Bulb Modus an der Nikon D750

So oder so: Der Bulb-Modus heisst: Man belichtet so lange, wie der Auslöser gedrückt ist. Das kann man nicht von Hand, dabei würde man eine (leichte) Verwackelung herbeiführen. Ein Fernauslöser ist die typische Methode, um dieses Problem zu lösen. Hier beschreibe ich, welche Fernauslöser ich verwende. Je nach Kamera kann man auch die Wifi-Funktion nutzen oder hat andere Möglichkeiten. Manche Kameras zeigen die verstrichene Zeit auf dem Display an (Fuji hinten, Canon 6D oben), da man dabei häufig im Dunkeln steht empfiehlt es sich evtl. eine Stoppuhr (Handy) zu verwenden.

Matterhorn bei Zermatt unter Sternenhimmel

Matterhorn bei Zermatt unter Sternenhimmel – Nikon D750 bei 51 Sekunden

In diesem Video-Blog zeige ich, wie es vor Ort am Riffelsee vor dem Matterhorn aussieht.

 

Die richtige Belichtungszeit finden

Die Vorschau im Live-View der Kamera kann im Bulb-Modus nicht funktionieren, daher gilt es von Hand herausfinden, wie lange man belichten muss. ISO und Blende werden dazu auf die gewünschten Werte eingestellt und die Bulb-Belichtung solange gemacht, bis die gewünschte Helligkeit erreicht ist. Das kann man gut von Hand ermitteln durch ausprobieren, das benötigt dann zwei, drei Versuche und setzt voraus, dass man das Histogramm versteht. Ich gehe in der Tat so vor. Völlig unwissenschaftlich und mit Bauchgefühl. Gerade in der Langzeitfotografie ist ein hoher Grad an künstlerischem Element enthalten.

Die Alternative ist: Den ISO-Wert deutlich hochdrehen, z.B. auf 800 statt 100 und dann die Belichtungszeit über die Automatik ermitteln lassen (A- / AV-Modus). Der Nachteil ist, dass man jetzt runterrechnen muss, wenn man zurück auf ISO100 gehen will. Beispiel: Im AV-Modus ermittelt man bei Blende 8 und ISO800 eine Verschlusszeit von 2 Sekunden. Man erstellt ein Testfoto und ist zufrieden und möchte jetzt weniger ISO-Rauschen haben, also auf ISO100 gehen. Dafür stellt man diese ISO100 ein und wählt die Verschlusszeit von ISO400=4 Sekunden, ISO200=8 Sekunden, ISO100 = 16 Sekunden. Aber Achtung: ISO100 führt nicht automatisch zu weniger Rauschen. Insbesondere bei warmen Temperaturen kann die Langzeitbelichtung ebenfalls Rauschen herbeiführen.

So oder so gilt: Ständig kontrollieren, wenn die Lichtverhältnisse nicht sehr stabil sind. Gerade bei Sonnenaufgang ändert sich die Belichtungszeit sehr schnell und man muss mehrfach nachkorrigieren. Auch deswegen habe ich mein MacBook 12 so häufig dabei.

 

Schloss Aarburg bei Nacht - Reflektionen auf der Aare

Schloss Aarburg bei Nacht – Reflektionen auf der Aare

Übungsaufgabe

Probier es aus. Ruhig zu Hause am Küchentisch – mit dem Kamera Handbuch griffbereit. Versuche folgende Belichtungen durchzuführen. Setze dabei die Kappe auf Dein Objektiv, so dass es immer ein schwarzes Foto gibt. Schau Dir die Fotos nachher auf 100% am Monitor an und achte auf Hotpixel, wie ich sie im Artikel zu Graufiltern aufführe.

  • Blende 8, ISO100, 40 Sekunden
  • Blende 8, ISO1600, 40 Sekunden
  • Blende 8, ISO100, 360 Sekunden

Wie sieht das Grundrauschen Deiner Kamera aus?

 

Links

Keinen Artikel mehr verpassen?

Dann schreib Dich in den Newsletter ein!