Fujifilm X-E3 Testbericht – Review Deutsch

Testbericht Fujifilm X-E3 Review Deutsch

Mit der Geburt unserer Tochter hat sich unser Leben gründlich geändert – auch meine private Fotografie. Zur Zeit steht die Familie im Vordergrund. Wir machen täglich gemeinsam einen langen Spaziergang mit Ronja im Tragetuch oder Kinderwagen und ich habe immer eine Kamera griffbereit. “Geniesst die Zeit. Sie wachsen so schnell!”, so haben mir geschätzt hundert Leute geschrieben und ich nehme den Rat ernst. Warum die Fujifilm X-E3 ständig dabei und meine aktuelle Hassliebe ist, erkläre ich in diesem Beitrag.

Fujifilm X-E3 Kamera Test
Tierfotografie mit dem Fujifilm 90mm Objektiv

Hauptfunktionen der Kamera

Eine Fujifilm-Kamera kauft man sich, weil man den Look mag. Der Kamera und der Fotos. Mag ich beides sehr und nutze seit mehreren Jahren die X100S, dann X100T. Auch die X-T1 oder X-E2 hatte ich schon. Eine Hassliebe, die sich auch in diesem Testbericht wiederfinden wird. Die X-E3 ist … man weiss es nicht genau. Einerseits ist es die Nachfolgerin der X-E2, aber die Bedienung ist gründlich verändert und die Kamera ist deutlich kleiner. Bluetooth ist die große Neuerung und in vielen Testberichten munkelt man, dass Fuji wohl Einsteiger mit der Kamera locken möchte. Dabei haben sie aber leider vergessen, eine bedienbare Mobile App zu entwickeln. Es gibt auch einen “Notfall-Modus” mit Vollautomatik (ohne RAW).

Für Einsteiger ist das X-System meiner Meinung nach jedoch wenig empfehlenswert. Für Könner und Genießer hingegen sehr.

Die Fujifilm iPhone App ist nicht empfehlenswert

Die Fujis sind die einzigen Kameras, mit denen ich immer JPG+RAW fotografiere – und dann meistens das JPG verwende. Es macht einfach Spass, mit den Profilen zu spielen und sich diese anzupassen. Chroma ist mein Favorit, aber bitte mit extra Kontrast! Andere schwören auf die diversen Schwarzweiss-Profile. Natürlich kann man den Fujifilm-Look auch aus RAW-Dateien anderer Hersteller herauskitzeln, aber der Reiz ist halt, das fertige JPG zu produzieren. Zumindest für mich. Deswegen locken mich die Fujifilm-Kameras immer wieder an. Und wegen der Bedienung (dazu gleich mehr).

Fujifilm Kamera Zubehör

Fujifilm Zubehör

Die Fujifilm X-E3 Kamera wird erst mit Zubehör richtig schön und nützlich.  Der kleine Metallgriff ist für mich zwingend, wenn ich etwas grösseres als das 35mm Objektiv verwende. Der winzige Body ist sonst kaum zu halten. Auch zusätzliche Akkus braucht man dringend. Der rote Knopf ist optional, wertet die Optik meiner Meinung nach aber sehr auf. Den habe ich auch auf der Fujifilm X100T.

Es gibt eine kleine Neopren-Tasche, die wie angegossen passt (mit dem 35mm Objektiv). Mit Gegenlichtblende und dem Zusatzgriff geht sie gerade noch zu. Platzsparender kann man die Kamera nicht verpacken. Evtl. eine Version grösser nehmen, je nach geplanten Objektiven. Die Cosyspeed Camslinger Taschen sind eine gute Wahl. Ich benutze sie z. B., wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin.

Als Handschlaufe verwende ich aktuell ein sehr günstiges (und wahrscheinlich nicht sehr haltbares) Band. Besser ist z. B. die Handschlaufe von Joby (kann nur mit den klappernden Dreiecken angebracht werden, welche die meisten Kameras haben und die ich als erstes abnehme). Schick und günstig ist alternativ der Retro-Style Kameragurt von Tarion.

Extra für die kleine Kamera habe ich mir einen neuen Fotorucksack gekauft. Ideal für den Spaziergang mit Kinderwagen: Jacke, Wasserflasche, Spucktuch und Kamera passen bequem rein und er sieht nicht nach Kamerarucksack aus. Als Hüfttasche empfehle ich natürlich die Cosyspeed Taschen. Je nach Objektiven wählt man eine kleine oder grosse Tasche (Disclaimer, die Camslinger habe ich umsonst bekommen).

Godox bietet inzwischen die Blitze auch für Fujifilm an. Das geniale an dem System ist, dass man nur den passenden Auslöser braucht. Den Blitz habe ich für meine Sony gekauft und dann Auslöser für alle Systeme.

Wem die Knöpfe zu klein und fummelig sind, kann sie mit Sugru vergrössern (und farbig gestalten). Inzwischen weit verbreitet (wäre mir als Kamerahersteller ja peinlich, aber die Japaner haben halt kleine Finger). Die Kamera steht auf dem Rollei Lion Rock Stativ (Testbericht kommt in ein paar Wochen).

Die Links sind Affiliate-Links: Ich bekomme eine kleine Provision, für Dich wird das Produkt aber nicht teurer.

Sugru für bessere Bedienbarkeit
Iso Rauschen

ISO-Rauschen

Das Foto zeigt den Zuschnitt von zwei Fotos, JPG direkt aus der Kamera (Chroma Profil). Die Fotos gibt es in gross auf Flickr. Es gibt sehr viele Testberichte zum Fuji-Sensor, hier bekommt man gute Leistung, darf aber nicht vergessen, dass Fujifilm 800 bei anderen Kameras 1600 entspricht (die Bilder sind meist “zu dunkel”) und damit verglichen werden müsste. Das haben andere ausführlich gemacht und ich spare mir das hier.

In der Praxis arbeite ich bis ISO 3200 ohne grosse Bauchschmerzen zu haben. Robin habe ich bei ISO 640 fotografiert und sehe kein Rauschen, wenn ich nicht auf 100% zoome.

Fujifilm X-E3 bei ISO 640
Autofokus Sigma 30mm Objektiv

Bedienung und Haptik

Auch bei der X-E3 hat Fujifilm es geschafft, eine sehr attraktive Kamera zu bauen – wenn man sich die Produktfotos anschaut. In der Hand hingegen merkt man den hohen Plastik-Anteil. Die Kamera ist einfach zu leicht, um wirklich wertig zu wirken. Die X100T z. B. ist deutlich grösser und schwerer – und fühlt sich viel besser an.

Die Bedienung der Fujifilm-Kameras muss man mögen. Einerseits sind sie retro und zwingen einen langsamer zu arbeiten (was gut ist), aber an dem winzigen Body der X-E3 ist es eigentlich nur fummelig zu nennen. Immer wieder passiert es mir, dass ich Einstellungen unbemerkt verstelle. Das kann die Blende sein (abhängig vom Objektiv), der ISO-Button unter dem rechten Zeigefinger, etc. Was zuhause im Wohnzimmer oder auf dem gemütlichen Spaziergang Spass macht, ist eine Qual, wenn man spontan arbeiten möchte. Jedenfalls wenn man solche Wurstfinger hat, wie ich.

Die Touch-Funktionalität ist OKisch. Nicht vergleichbar z. B. mit Panasonic, aber brauchbar. Für mich ist das Problem: Mein rechtes Auge ist das schwache, also fotografiere ich mit dem linken. Diese Art Kamera ist aber für das rechte Auge gedacht (dann kann man mit dem linken noch sehen) und daher stört mich der Touchscreen mehr, als das er nutzt und ich habe ihn deaktiviert. Wenn das komisch klingt, dann hast Du noch nie mit einer Rangefinder-Kamera gearbeitet. Einfach mal ausprobieren, das kann ein Augenöffner sein. Im wahrsten Sinne.

Gewicht inkl. Batterie 337g
Max. Verschlusszeit 1 / 32000 (Elektronischer Verschluss)
Bilder / Sekunde 8 fps
Video-Auflösung 3840 x 2160 @ 30p / 100 Mbps, MOV, H.264, Linear PCM

1920 x 1080 @ 60p / 36 Mbps, MOV, H.264, Linear PCM

Wesentlicher Kaufgrund für die X-E3 statt der X-T20 war für mich der (winzige) Joystick. In der Tat ist es damit sehr einfach möglich, den Fokuspunkt zu verschieben. Jetzt im Frühling, wo man die Handschuhe nicht mehr braucht. Mit Handschuhen ist die Kamera praktisch nicht bedienbar. Da Fujifilm Kameras insbesondere bei Nikon-Usern beliebt zu sein scheint: Hier muss man leider starke Abstriche machen, das würde ich vor dem Kauf sehr gründlich prüfen.

Wie üblich bei Fuji: Viele Funktionen lassen sich über das Q-Menü schnell einstellen. Nach einer Weile hat man sich auch daran gewöhnt, dass man für Plus nach links und für Minus nach rechts drehen muss.

Eine Besonderheit von Fujifilm-Kameras ist, dass man vom mechanischen auf den elektronischen Verschluss wechseln kann. Damit sind Verschlusszeiten von 1/32.000 möglich, so dass man eigentlich immer offenblendig arbeiten kann. Das kann neue Probleme bringen, ist aber eine Option, die ich viel nutze.

Die Augenmuschel ist sehr klein und schützt nicht vor Sonneneinstrahlung. Draussen halte ich meist die linke Hand als Sonnenschutz an die Kamera, das stört deutlich. Auch haben Sucher und Bildschirm andere Farben und beide nur eine geringe Auflösung. Wer gewöhnt ist, mit modernen Kameras zu arbeiten wird sich hier zurückgewöhnen müssen. Inzwischen fotografiere ich kaum noch durch den Sucher, zu irritierend ist es, zwei “verschiedene” Fotos zu haben, so stark ist der Farbunterschied.

Fazit Bedienung: Unbedingt vor dem Kauf ausprobieren. Für mich Hassliebe. Es macht Spass – daheim am Schreibtisch. Unterwegs ist es überwiegend frustrierend.

Die X-E3 ist deutlich kleiner als die Sony A6300
Die perfekte Urlaubskamera

Video – Filmen mit Fujifilm

Für die Video-Qualität mache ich ein YouTube-Video, aber klar ist, dass die X-E3 nur sehr bedingt für Video geeignet ist: Kein Bildstabilisator, sehr kurze Akkulaufzeit, kein normaler Mikrofoneingang, kein Kopfhörerausgang, kein Log. Dafür immerhin die Möglichkeit mit den Fujifilm-Profilen zu filmen, was die neuen Kameras künftig sehr interessant für Filmer machen könnte.

Autofokus

Der Autofokus der Fujifilm X-E3 ist abhängig von der Grösse des Fokusfelds. Je kleiner, desto schwächer. Richtig gut ist er nie. Auch nicht bei Tageslicht und Männern mittleren Alters als Motiv. Je nach Objektiv ist er unterschiedlich stark und bei wenig Licht wird es zum Geduldsspiel. Es gibt einen High Performance Modus und die Option Pre-Autofocus, was aber beides nicht vergleichbar ist mit dem Niveau vergleichbar teurer Kameras von anderen Herstellern. Getestet habe ich das (angeblich langsame) 35mm 1.4 und das (angeblich schnelle) 90mm 2.0. Wer es gewohnt ist, mit einer Canon 80D und 70-200er  zu arbeiten, wird hier definitiv enttäuscht.

Nachbars Gänse waren eine Herausforderung für den Autofokus (90mm, Chroma Profil).

Classic Chrome Fujifilm X-E3 Kamera

Profile und Bildqualität Fujifilm X-E3

Der Sensor der X-E3 wird in allen aktuellen “teuren” Fujis verbaut und gilt als sehr gut. Auf Flickr gibt es eine Reihe Fotos in hoher Auflösung zum Anschauen. In der Praxis sehe ich keinen Mehrwert gegenüber Kameras in der 1000 EUR Preisklasse von Sony oder Nikon. Die Mittelklasse ist durchgängig sehr gut geworden.

Interessant sind aber die Profile. Sie erlauben es, den gewünschten Look bereits in der Kamera zu erstellen. Inkl. umfangreichen Tuning-Massnahmen und der Möglichkeit, aus RAW-Dateien JPGs zu erzeugen. Das muss man wahrscheinlich ausprobiert haben, um den Fun-Faktor zu verstehen. Suchtfaktor und der Hauptgrund, warum ich immer wieder bei einer Fujifilm Kamera lande. Ich fotografiere in JPG + RAW, meist mit dem Chroma-Profil und verstärktem Kontrast. Die beiden Fotos von mir mit Kinderwagen sind mit dem Chroma und Acros Profil versehen.

Acros Profil Fujifilm X-E3 Kamera

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Familien-Kamera von Fujifilm

Zusammenfassung

Mit der Fujifilm X-E3 erhält man eine Kamera, die mit dem 35mm 1.4 Objektiv (Testbericht)  in die Jackentasche passt und die Bildqualität einer X-Pro 2 bietet. Wenn man akzeptiert, dass die Bedienung etwas für ruhige Momente und kleine Finger ist, dann wird man mit dem Winzling viel Spass haben. Persönlich nutze ich die Kamera gerne mit dem 90mm F2.0 Objektiv. Das passt in eine Cosyspeed Outdoor Tasche und kann damit auf jeden Spaziergang mitkommen. Perfekt für unsere kleine Familie.

Fujifilm hat es geschafft, sich einen Ruf aufzubauen im Sinne von “die hören auf Fotografen” und “die Kameras sind zwar teuer, aber auch sehr durchdacht”. Leider hat niemand daran gedacht, einen Akku zu bauen, der nur in eine Richtung passt (Canon und Nikon), immer wieder fummle ich den falsch rum in die Kameras. Auch eine SD-Karte, die man herausnehmen kann, ohne sich einen Fingernagel abzubrechen wäre anwenderfreundlich. Wegen dem dazu gekauften Griff muss ich immerhin nicht die Stativplatte abschrauben für den täglichen Akkuwechsel.

Ich lande immer wieder bei Fuji-Kameras, weil sie mich dazu bringen, anders zu fotografieren. Ich suche Kontrast, ich fotografiere mehr Schatten, als Licht und habe viel Spass daran, zu versuchen schon in der Kamera den richtigen Look hinzubekommen. Die Bildqualität ist sehr hoch. Dafür akzeptiere ich die Schwächen in der Bedienung.

Mann bei der Arbeit fotografieren
April 20th, 2018|Kategorien: Fotoausrüstung, Testbericht|Tags: , , |

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