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Geld: Wie teuer ist ein Fotografie Grossauftrag?

Fotografieren für Geld kann verschiedene Ausprägungen haben. In meinem Fall gibt es im Wesentlichen zwei Arten: Standard-Pakete zum Pauschalpreis und die lukrativeren Grossaufträge. Wie ich den Preis festlege liest Du in diesem Artikel.

Grossaufträge kommen über Offerten

Grossaufträge für mich sind z.B. 100 Mitarbeiterfotos für eine Firma. Das Vorgehen ist aber identisch für kleinere Aufträge wie Hochzeiten, Shootings für Sportler oder sonstige Individual-Projekte. Es kommt ein Anruf oder eine Mail mit einer Beschreibung und einer Anfrage für eine Offerte.
(Schweizermeisterschaft im Downhill, 2014)
Gestern z.B. kam so eine Anfrage per Telefon, als ich grade beim Aldi an der Kasse stand: 110 Mitarbeiter sollen mit einheitlichen Portraits für die Webseite fotografiert werden. Und direkt am Telefon die Frage, was das “in etwa kosten würde”. “äh”, stotterte ich, “also da muss ich mal nachrechnen”.
Der wichtige Tipp: Nicht am Telefon zu einem Preis verleiten lassen. Hinhalten, auffordern, eine schriftliche Anfrage zu machen. Dann hat man Zeit, das in Ruhe zu überdenken und auszurechnen. Habe ich natürlich mal wieder nicht gemacht und einen (zu tiefen) Preis genannt. #ichLernsNie

Musterbeispiel für Offerten-Berechnung

Als IT-Berater habe ich natürlich ein Excel. Ich habe für ALLES ein Excel!
(Beispiel-Rechnung für eine Offerte von Mitarbeiterfotos)
Der Screenshot zeigt eine Beispiel-Rechnung mit falschen Zahlen! Sorry, ich zeige euch nicht meine echten Offerten und sage auch nicht, ob mein Stundensatz höher oder niedriger ist 🙂
Wichtig sind die folgenden Punkte: Rechne Dir aus, wieviel Stunden Dich der Auftrag kosten wird. ALLES muss da mit rein. Vom ersten Telefon, bis zur Dankeschön-Mail am Ende. Nachbearbeitung, Mailverkehr, Anreise, etc. Das multiplizierst Du mit Deinem internen Stundensatz, den Du für Dich festgelegt hast. Hast Du doch, oder?
Dazu kommen dann natürlich Spesen, evtl. ein Ab- oder Aufschlag für spezielle Aufträge, etc.
Wenn Du nicht abschätzen kannst, wie aufwändig ein Shooting wird: Dann musst Du halt raten oder jemanden fragen. Das ist ein Erfahrungswert, das weisst letztlich nur Du. Das kommt mit der Zeit von alleine.

Der Beste bekommt den Auftrag nicht

Einen Stundensatz wünschen kann man sich leicht. Ihn auch bekommen ist eine andere Geschichte. Meine Erfahrung ist, dass der Preis eine wichtige Rolle bei der Vergabe von Aufträgen spielt – aber nicht die Einzige. Schnelles Reagieren, professionelles Auftreten und natürlich ein Referenz-Portfolio sind sehr wichtige Punkte.
(Die richtige Kleidung für den richtigen Anlass)
Meist wird nicht der Teuerste (und Beste?) den Auftrag bekommen, sondern jemand aus dem Mittelfeld. Und leider erfährt man meist nicht, was die Andern geboten haben. Es ist für die Kunden auch schwierig, Angebote zu vergleichen. Wieviele Fotos gibt es? Biete ich auch ein Retouching? Was heisst das? Wie gut ist es? etc. Laien können damit meist wenig anfangen. Hier hilft es – wieder – wenn man Erfahrung und ein gutes Portfolio hat. Gute Referenzen sind immer nützlich.
TfP – Time for Prints/ Photos – also unbezahlte Aufträge – können einem helfen, ein Portfolio aufzubauen oder neue Skills zu lernen. Generell handhabe ich das so, dass ich nur Pay-Aufträge annehme, die ich “kann”, bei denen ich Erfahrung habe. Deswegen habe ich die letzten Jahre sehr sehr viele TfP-Shootings gemacht – und mache jetzt weniger. Inzwischen lasse ich mich auch gerne mal bezahlen 🙂

Ist ein billiger Auftrag besser als kein Auftrag?

Gemäss der Devise: Es gibt immer einen, der noch billiger ist als ich, lasse ich mich nicht auf super-billig ein. Aber ich kann das leicht sagen, da ich nicht ausschliesslich von der Fotografie lebe. Ausserdem kann ich TfP-Shootings letztlich doch wieder in (wenig) Geld wandeln, wenn ich z.B. Videos dazu mache.
(TfP Shootings können spannend und lehrreich sein)
Es gibt Situationen in denen ich mit dem Preis sehr niedrig rangehe, weil ich den Auftrag haben will. Z.B. bei dem Shooting für ASICS Frontrunner im Frühling. Bei anderen Aufträgen gehe ich bewusst mit hohem Preis ran, weil ich eigentlich nicht wirklich heiss drauf bin – für genug Geld mache ich alles.
Wer von der Fotografie lebt, muss sich natürlich bei jeder Offerte fragen, ob er ohne den Auftrag alleine daheim hockt statt Geld reinzubekommen. Das kann Dir keiner abnehmen. Insbesondere in den ersten Jahren wird man viele Aufträge brauchen, um Bekanntheit zu erlangen. Nicht jeder hat so viele Follower wie ich. Diese helfen natürlich, denn letztlich ist die persönliche Empfehlung immer die Beste. Und es kommt immer öfter vor, dass ich mit Leuten zu tun habe, die mich “von Youtube” kennen.

Fazit: Arbeite mit Stundensätzen

Typischerweise wird empfohlen, alle Ausgaben aufzusummieren, Steuern, Gebühren, blah blah blah. Das ist nötig, natürlich. Das nutzt aber wenig bei der Beantwortung von Offerten. Einnahmen wünschen kann ich mir die ganze Nacht, Rechnungen stellen nur dann, wenn mich auch jemand beauftragt. Und am Anfang des Geschäftslebens hangelt man sich nunmal meist von Auftrag zu Auftrag. Ist man mal etabliert, klar, dann kann man anders rechnen, aber dann hat man auch die Erfahrung und die Buchhaltung zur Steuerung des Unternehmens.
Persönlich arbeite ich mit (niedrigen) Stundensätzen und hebe diese Jahr für Jahr an. Meine Begründung ist nicht nur, dass ich erfahrener und (hoffentlich) besser werde, sondern vor allem auch, dass ich inzwischen nicht mehr jeden Auftrag brauche, um mir ein Portfolio aufzubauen.
Auch TfP-Shootings mache ich nur noch, wenn sie mich interessieren oder weiterbringen. Denn wenn ich ein TfP-Shooting mache, kann ich in der gleichen Zeit keine Auftragsarbeit machen und habe Opportunitätskosten.
(Buchhaltung gehört zum Fotografen dazu)

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