Als ich den Kopf aus dem Zelt stecke fällt mir ein Schwung Schnee in den Nacken. Fluchend ducke ich den Kopf weg und versuche den Schnee wegzuschütteln. Es ist 21:00 und ich sitze im Oktober auf 2300m in meinem Zelt. Der Wetterbericht hatte eine klare Nacht versprochen und ich bin hier, um das Matterhorn im Mondlicht zu fotografieren. Vor mir liegt ein kleiner Bergsee, die Lärchen sind herbstlich verfärbt, es hat ein paar Millimeter Schnee gegeben, alle Voraussetzungen sind perfekt. Ausser dass die Temperatur auf -8 Grad fallen soll. Ausser dass es Schneit und ich das Matterhorn heute noch nicht einmal gesehen habe!

Das MacBook 12 ist das beste Stück Hardware, dass ich dieses Jahr gekauft habe und easily der beste Laptop den ich je hatte. Ob er aber auch für Fotografen geeignet ist, verrate ich in diesem Beitrag. Ich beziehe mich hier auf die Arbeit mit MacOS. Du kannst Dir wahrscheinlich Windows auf dem Gerät installieren. Ich gehe auch nicht auf Zahlen ein. Wenn Du Computer wegen GHz oder GHz pro EUR kaufst, dann sind die Produkte von Apple nichts für Dich.

Monitor, Leistung und Design

Das Wichtigste vorweg: Man bekommt einen richtigen Computer. Ein vollwertiges MacBook. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, nur einen abgespeckten Rechner zu haben. Das Display ist vergleichbar mit meinem MacBook Pro – nur kleiner. Die Tastatur ist kleiner, aber gerade noch ausreichend gross für meine Hände (unbedingt ausprobieren, wenn Du grosse Pranken hast). Alle Programme laufen und die Synchronisation mit meinem MacBook Pro funktioniert reibungslos und ohne dass ich es merken würde.

Mit unter einem Kilogramm ist der Computer sehr leicht – aber er wirkt nicht zerbrechlich. Und er ist es nicht. Er war auf etlichen Wanderungen bei mir im Rucksack. Eingequetscht, bei dicken Minusgraden in feuchter Luft gelegen und auf Steinen abgelegt. Ich behandle ihn so, wie mein MacBook Pro.

 

MacBook 12 Review: Als Fotograf immer dabei

MacBook 12 Review: Als Fotograf immer dabei

Über das Design brauche ich bei Apple wohl nicht viel sagen, oder? Nichts knarzt. Es gibt keinen Lüfter der brummen könnte. Es macht einfach Spass, das MacBook aufzuklappen und zu schreiben. Man bezahlt für das Design, aber man bekommt meiner Meinung einen guten Gegenwert. Das fängt beim Touchpad an, geht über die Tastatur zum Monitor. Wieviel darf ein “schöner” Computer mehr kosten als ein hässlicher Klotz? Das muss mal wieder jeder selbst entscheiden. Ich nutze das Programm Display Menu um schnell zwischen verschiedenen Auflösungen zu wechseln. Beim Schreiben habe ich gerne grosse Schrift, im Lightroom gerne eine hohe Auflösung.

Der Akku hält bei normaler Benutzung (also ohne Adobe Produkte und ohne die SBB-Webseite offen zu haben). Und hält. Und hält. Meist nehme ich kein Netzteil mit. Beispiel: Ich sitze jetzt seit 2 Stunden im Zug, habe 180 Bilder von der Nikon importiert, kurz durchgeschaut, Mails abgearbeitet und mit diesem Text begonnen. Das hat 13% Akku gekostet.

Fotografen sind kein Zielpublikum des MacBook 12

Das MacBook ist ein Luxusgerät für Leute die viel Schreiben, Surfen, Powerpoints malen und ständig unterwegs sind. Ich als IT-Berater habe schon lange ein MacBook Air – das MacBook 12 ist noch besser dafür geeignet. Noch edler.

Wenn Du nur einen einzigen Rechner haben möchtest, dann nimm etwas anderes – wenn Du viel mit Lightroom arbeitest. Keins meiner Programme ist vergleichbar hungrig. Photoshop geht erstaunlich gut, sogar Videos habe ich schon damit geschnitten (Final Cut Pro). Lightroom ist… benutzbar. Spass macht es nicht. Entsprechend kann ich auch nur empfehlen, die grösste CPU (ich habe den M7 mit 1.3 GHz) zu nehmen, auch wenn diese mehr Strom braucht. Einzelne Fotos in LR bearbeiten geht gut, aber Einstellungen auf 180 Fotos synchronisieren? Das blockiert den Rechner für ne gute Minute. Schnell durch die Bilder durchschalten? Nur sehr bedingt möglich.

MacBook 12 M7

MacBook 12 M7

Sehr störend: Man hat keinen SD Card Reader und keinen normalen USB Anschluss. Wie gerne hätte ich das Gerät 50g schwerer und einen Millimeter dicker dafür! Ob 12 Zoll reichen oder nicht hängt natürlich davon ab, was man primär macht. Man kann daheim einen grossen Monitor anschliessen. Lightroom in 2048×1280 Auflösung kann man gut bedienen. In Photoshop sind 12 Zoll allerdings schon sehr wenig. Da es ein normaler Computer ist kann ich Tethered arbeiten mit meinen normalen USB-Kabeln (Adapter).

Der USB-C Anschluss

USB-C ist die Zukunft, blah blah. Es ist im Alltag einfach sehr mühsam und ich habe kein einziges USB-C Gerät, also keinen Nutzen. Und USB 3.0 war bislang schnell genug für alles, was ich mache. Lange habe ich mich daher geweigert, das MacBook 12 zu kaufen – wegen dem USB-C Anschluss. Ich kann keine meiner Kameras ohne Adapter anschliessen und muss immer einen Reader dabei haben. Doch eher störend. Ich nutze das Satechi USB-C Combo Hub (Affiliate Link), um meine Geräte anzuschliessen – inkl. gleichzeitigem Laden.

 

Was mache ich denn nun mit dem MacBook?

Gekauft habe ich ihn mir diesen Sommer, weil mein Portrait-Buch ein Bestseller geworden ist. Als Belohnung und weil ich Fulltime am Landschaftsfotografie Buch gearbeitet habe. Oft habe ich Touren wegen langer Anfahrt entweder nicht gemacht oder zumindest mein MacBook Pro mitgenommen. 4 Stunden Zugfahrt sind plötzlich kein Problem mehr, wenn man die Zeit produktiv nutzen kann. „Zum Glück“ kann ich nirgends so konzentriert arbeiten, wie im Zug. Dann passt die Kombination zwischen Arbeit und Vergnügen.

Für mich als Schriftsteller ist das kleine Wunderwerk ein Geschenk. Ich kann ohne jeglichen Kompromiss arbeiten, muss aber nur ein minimales Gewicht schleppen. Keine klapprige Tastatur, keine Alternativprogramme auf einem iPad. Ich schreibe meine Texte in Pages und wenn ich daheim den grossen Rechner anschalte, dann kann ich einfach weiterschreiben. Ich muss nicht mal die Datei neu aufmachen. Vergleichbar einfach war bislang nur die Arbeit mit Evernote – dass ich kaum noch nutze seit sie ihr Geschäftsmodell geändert haben.

Jetzt z.B. sitze ich im Zug Zermatt-Bern. Die Fotos der Nacht sind schon gerendert und kurz durchgeschaut. Die Bearbeitung mache ich daheim. Nicht weil es mit dem 12er nicht gehen würde, aber ein 32 Zoll Monitor und ein Wacom Tablet lassen mich das viel effizienter machen. Wenn ich aber im Urlaub bin, dann bearbeite ich auf dem Kleinen. Das geht überraschend gut.

Ausserdem nutze ich den Computer für die Fotokontrolle vor Ort. Nicht ständig, nicht mal oft, aber wenns mir wichtig ist, dann habe ich einen grossen Bildschirm, kann mal reinzoomen ob der Fokus sitzt und insgesamt bessere Ergebnisse.

MacBook 12 Testbericht

MacBook 12 Testbericht: Beim Zug fahren immer dabei

Fazit

Ich bin begeistert. Häufig sitze ich auf dem Balkon (im Schatten) und schreibe auf dem Kleinen, obwohl der grosse Mac daneben steht. Jeder der ihn das erste Mal sieht – und in die Hand nimmt – staunt. Und schwärmt – bis er den Preis hört. Wie immer bei Apple bezahlt man für das Gesamtpaket inkl. Design. Ich zahle den Aufpreis gerne, verstehe aber auch, dass es sich nicht jeder leisten kann oder will – zumal als Zweitrechner.

Das der Computer keinen Lüfter hat macht die Arbeit in stiller Umgebung zu einer Freude. Hat man sich daran erstmal gewohnt, dann möchte man das nicht mehr missen. Das ist so eine dieser Funktionen, die man kennen muss, um ihre Bedeutung schätzen zu lernen. Ich bin allerdings auch jemand, der schon vor 10 Jahren extra bezahlt hat, um Silent PCs oder Notebooks zu bekommen (die leise waren, nicht silent im Sinne von lautlos).

Ich transportiere das MacBook in der sehr attraktiven Inatecks 12 Zoll Macbook Retina Schützhülle (Affiliate Link).

 

Fotograf mit MacBook

Fotograf mit MacBook