„Du hast freie Hand. Speicherkarte, Tasche, Zubehör, ich überweise Dir das Geld heute Abend“. Kristina hat schon die Jacke an und ist auf dem Sprung zur Arbeit. Ich sitze in meinem heutigen Büro, ihrer Küche, am Mac und bestelle ihre neue Kamera. Wofür sie sich entschieden hat und was wir als erstes Zubehör kaufen liest Du in diesem Beitrag.

Vor dem Kamerakauf: Ausprobieren und Handbuch lesen

Meine Freundin möchte Fotografieren lernen und dafür eine eigene Kamera haben. Nachdem sie sich für Canon entschieden hat, habe ich ihr meine 6D ausgeliehen und sie hat den Samstag auf dem Sofa verbracht. Kamera in der einen Hand, Telefon mit Handbuch in der anderen. „Nimmst Du Deine Akkus immer raus, wenn Du die Kamera nicht benutzt?“ fragt sie. Canon empfiehlt dies zur Verlängerung der Lebenszeit der Akkus. „Quatsch!“ sage ich mit einem Schmunzeln. Vielleicht sollte ich auch mal ein Handbuch lesen? Scheint eine lustige Lektüre zu sein.

Nach der Theorie ging es an die Praxis. „Na? Wie fühlt sich Dein Rucksack an?“ frage ich sie nach den ersten tausend Höhenmetern mit der 6D plus 24-105L. „Gut!“ strahlt sie mich an und zeigt keine Schwäche. Für uns Wanderer und Bergsportler ist eine grosse Kamera von Nachteil – wenn sie im Rucksack ist. Weil sie im Rucksack ist. Kann ich eine kleine Systemkamera in meiner Hüfttasche (Affiliate Link) tragen, so muss die Grosse in den Rucksack. Andererseits sind wir das halbe Jahr mit Handschuhen unterwegs, häufig ausser Atem oder sehr nervös. Und, wie heute, bei Regen und Schnee unterwegs. Eine wetterfeste Kamera mit grossen Knöpfen ist daher ein Vorteil. Ihr Gewicht auch. Eine schwere Kamera liegt ruhiger in der Hand. Das ist mir beim Review der Nikon D3300 letzte Woche wieder aufgefallen: Ich zittere. Die leichte Kamera ist mit einem Tele eher (zu) unruhig in meinen groben Händen.

Keine Frage ist, ob die Bilder der Canon gefallen. Es hat einen Grund, warum es weiterhin meine favorisierte Kameramarke ist. Egal ob Landschaft oder Portraits, Indoor oder Outdoor. Die Bilder sehen immer gut aus. Andererseits muss ich dazu sagen, dass ich ein Portrait von Kristina mit der Nikon D3300 gemacht habe, dass sie als „das beste Foto von mir das jemals jemand gemacht hat“ bezeichnet. Wie üblich: Die Kamera ist nur ein Werkzeug. Wichtiger ist der Zeigefinder dahinter.

Das Simmental vom Stockhorn aus gesehen - Canon 6D

Das Simmental vom Stockhorn aus gesehen – Canon 6D

Kamerakauf: Canon 80D

Kristina hat in den letzten Monaten etliche Fotos mit allen meinen Kameras gemacht und ein Gefühl dafür bekommen, welche Bedienung ihr gefällt und welche nicht. Sicherlich habe ich da einen grossen Einfluss gehabt und vielleicht einmal zu viel geflucht, wenn ich an einer der Sonys Einstellungen verstellt habe ohne es zu merken. Passiert mir häufig. Ihr auch. Bei Canon und Nikon gibt es einen Lock-Button, der genau das verhindert. Nutze ich nie – weil man es nicht braucht. 

Die Fotos von unserer Wanderung gestern gefallen. Das 24-105L gibt genau den Zoombereich, den ich für Immer-Drauf haben möchte. Gerne hätte ich ihr daher die Canon 6D empfohlen, schliesslich hat sie das Handbuch gelesen. Aber, die Technik der Kamera ist von 2012. Und sie kostet immer noch eine Stange Geld. Da kann ich das eigentlich nicht mehr empfehlen. Bis ein Nachfolger im Laden verfügbar und bezahlbar ist wirds aber wohl 2017. Möchten wir daher bei Canon bleiben, dann ist die Frage Canon 80D oder 760D. Die 760D bietet viel für ihren Preis. Die 80D ist grösser (ein Plus für Kristina), der Akku hält genauso ewig wie an meiner 6D und vor allem hat sie endlich mehr Dynamikumfang erhalten. Der eine wirkliche Nachteil von Canon ist damit endlich zumindest deutlich reduziert. Finanziell liegt die 80D eigentlich höher als wir ausgeben wollten, aber da ich so viele Objektive und Zubehör habe bleibt es zunächst halbwegs im Rahmen. 

Nicht zuletzt habe ich mit der Canon 60D sehr lange gearbeitet. Es war meine erste “richtig gute Kamera”, mit der ich viele Urlaube und Bergtouren gemacht habe. Ich bin also ein bauchgefühlgesteuerter Canon-Fan.

Die Canon 60D war meine erste "richtig gute Kamera"

Schottland 2013: Die Canon 60D war meine erste “richtig gute Kamera”

Die ersten Objektive

Im November sind wir in Kalifornien. Da soll die Kamera mit. Wir möchten Landschaftsfotografie, Portrait und “Mensch in Landschaft” machen. Dafür kommt das Canon 24-105L mit. Damit decken wir alles ab – ausser Weitwinkel und Person in Landschaft. Entsprechend nehme ich noch das 10-18 von Canon mit. Es ist billig und gilt als sehr scharf. Da ich die A6300 mit dem 12mm Samyang dabei habe können wir für Nachtaufnahmen darauf zurückgreifen. Sonst wäre das Tokina Weitwinkel eine Alternative (die das zweieinhalbfache kostet). Ein Tele werde ich wahrscheinlich nicht mitnehmen. Zu oft würde es im Auto liegen und ich mich darum sorgen. Wieviele Tiere wir wirklich sehen werden kann ich nicht abschätzen. Es ist November. Winter is coming. Evtl. nehme ich das 24mm Sigma 1.4 ART mit. An der 80D ist es 35mm 2.0, eine geniale Urlaubsbrennweite und ein sehr gutes Objektiv, dass ich als 24mm Brennweite praktisch nie nutze. 35mm hingegen nutze ich häufig.

Was mit einem Objektiv anfängt kann schnell ausarten...

Was mit einem Objektiv anfängt kann schnell ausarten…

Zubehör und Co

“Hast Du eine grosse Speicherkarte?” frage ich Kristina. “Was ist gross? Ich habe irgendwann mal eine gekauft, Moment!”, kommt die Antwort und sie legt mir eine 2GB Karte auf den Tisch. Ich bemühe mich ein ernstes Gesicht zu behalten und… bestell mal eine 64GB SanDisk. Gross genug für den Urlaub.

Mit der Kamera ist es nicht getan. Das Zubehör wird schnell erschreckend teuer. Neben der Speicherkarte braucht sie einen Blasebalg, Handschlaufe, Ersatzakkus und ich muss ein paar Objektive per Microfocus Adjustment mit dem Spyder anpassen. Evtl. einen Displayschutz. Damit können wir dann mal loslegen – und merken, was noch so alles fehlt. Das Objektiv ist z.B. ohne Sonnenblende (27 CHF) geliefert. (Links sind Affiliate Links zu Amazon).

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