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Kamerabedienung: Die Belichtung mit der Spotbelichtungsmessung verstehen

Die Automatik einer modernen Digitalkamera ist in vielen Situationen erstaunlich gut. Bei Gegenlicht, Schnee, extremer Kleidung (Braut im weissen Kleid neben Bräutigam im schwarzen Anzug), Einsatz von Blitz, etc. kommt sie aber schnell an ihre Grenzen. Die Belichtung mit Spotbelichtungsmessung kann helfen sicherzustellen, dass die wichtigen Elemente korrekt belichtet sind. In diesem Artikel erkläre ich, wie das geht.

Der Artikel ist Teil der Serie Fotografieren lernen: Die Kamerabedienung.

Im Schneesturm am Eisklettern - Sportfotograf Stephan Wiesner aus Bern

Im Schneesturm am Eisklettern – Sportfotograf Stephan Wiesner aus Bern

Schnee und Nebel: Fotografieren wenn Farben oder Helligkeiten sehr dominant sind

Die Automatik einer Kamera versucht „grau“ zu ermitteln. Das klappt in Standardsituationen sehr gut – aber unsere besten Fotos sind doch keine Standardsituationen, oder? Wenn z.B. Schnee, Nebel, Sand, Asphalt oder sonst ein einheitlich helles Element sehr dominant ist, dann versagt die Automatik häufig. Das gilt sowohl für die Farben, als auch für die Helligkeit. Mit der Spotmessung sagst Du der Kamera, was das Wichtigste ist. Das wird dann stärker gewichtet. Eine einzelne Person/Tier im Schneesturm? Was ist wichtiger? DU entscheidest.

In dem Youtube Video zeige ich das auf einfache Art und Weise. Das ist übrigens auch eine sehr gute Möglichkeit für Dich, das mit Deiner Kamera selbst auszuprobieren.

Die Spotbelichtungsmessung ist auch in manchen höherwertigen Spiegelreflexkameras integriert. Das so genannte Spot-Messfeld befindet sich bei vielen Kameras in der Bildmitte und ist in der Regel durch eine Markierung in der Einstellscheibe gekennzeichnet. Die Größe des Feldes beträgt etwa ein bis fünf Prozent der Größe der gesamten Abbildungsfläche. Bei einigen Kameramodellen (z. B. von Nikon) kann der Bereich um das jeweils aktive Autofokus-Messfeld für die Spotmessung genutzt werden, nicht nur die Bildmitte. (https://de.wikipedia.org/wiki/Spotbelichtungsmesser)

 

Achte bei den Eiskletterern mal auf den Schnee im Vordergrund. Er ist weiss, hat aber noch Struktur. Das Eis ist teilweise fast schwarz (aber nicht 0%). Typischer Fall für den M-Modus – wenn ich mich nicht bewege. Wenn ich mich aber bewege und mehrfach einen anderen Ausschnitt wähle, z.B. mit ein wenig Himmel drin, dann muss ich die Belichtung anpassen. Hier bin ich also evtl. schneller, wenn ich per Spotbelichtungsmessung sicherstelle, dass der Schnee „korrekt“ belichtet ist – in diesem Fall unterbelichten bei Spotmessung bzw. überbelichten bei Matrixmessung.

Silhouetten und Gegenlichtsituationen

Der Klassiker sind Gegenlichtsituationen: Eine Person vor einem Fenster, in einer Toreinfahrt oder erhöht gegen den Himmel. Je nachdem wie gross die Person im Verhältnis zum Gesamtbild ist wird die Matrix-Belichtung sie heller oder dunkler belichten. Wenn Du ein Zoom-Objektiv benutzt, dann werden verschiedene Zoom-Stufen zu unterschiedlichen Belichtungen führen – was keinen Sinn macht, wenn sich die Bildaussage sich nicht geändert hat. Mit der Spotbelichtungsmessung kannst du entscheiden, dass bei der Braut z.B. die Haut am Nacken das entscheidende Element ist (und evtl. eine Belichtungskorrektur vornehmen). Das wäre dann allerdings auch eine typische Situation, um komplett in den M-Modus zu wechseln und so für eine konstante Belichtung zu sorgen. Hat man dafür keine Zeit, weil es ein spontaner Schuss ist, dann ist man mit der Spotmessung zumindest auf der sicheren Seite.

Braut im Hochzeitskleid - Hochzeitsfotografie in Bern

Spotmessung auf die Haut: Braut im Hochzeitskleid – Hochzeitsfotografie in Bern

Die Matrixmessung erzeugt bei diesem Foto von mir in Laos eine Silhouette. Mit der Spotmessung hingegen wäre ich korrekt belichtet (und der Himmel ausgebrannt). Die Lektion ist: Es hat einen guten Grund, warum es verschiedene Belichtungsmessungen gibt. Nicht jede ist pauschal für bestimmte Situationen „richtig“.

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Die Spotbelichtungsmessung ist ideal für das Fotografieren bei Fensterlicht

Ein Model an einen hellen Vorhang ans Fenster zu stellen ist die einfachste Art, wunderschönes Licht zu bekommen. Wenn, wie in diesem Beispiel, viel Fensterfläche mit im Bild ist, wird die normale Matrixmessung aber wahrscheinlich nicht das gewünschte Resultat erzeugen. Hier ist es sehr einfach und naheliegend, mit der Spotmessung auf das Gesicht des Models zu gehen. Beachte, dass der Vorhang noch Struktur hat. Er ist „fast ausgebrannt“. Beachte auch den extremen Helligkeitsverlauf am Model. Der Hinterkopf oder die Rückseite der Arme sind praktisch schwarz, während die Stirn sehr hell ist. Würde das Model weiter vom Fenster weg stehen, dann wäre der Unterschied viel geringer.

Portrait bei Fensterlicht in Schwarzweiss

Portrait bei Fensterlicht in Schwarzweiss

 

Bei manchen Nikon Kameras kann man einstellen, was „Mitte“ heisst, also wieviel % des Bildes für die Berechnung herangezogen werden soll.

 

So funktioniert die Spotbelichtungsmessung bei Porträts

„Sorry, ich muss mal kurz die Belichtung einstellen“, murmle ich und halte der Braut die Canon 6D mit dem grossen 85mm Objektiv direkt vors Gesicht. Wenn ich Fotos von der Braut mache, dann meist im M-Modus und die korrekte Belichtung dafür ermittle ich mit der Spotmessung auf ihr Gesicht.

In den meisten Fällen ist die Bedienung sehr einfach: Spotbelichtungsmessung an der Kamera einstellen (Handbuch) und fertig. Wenn man ein Porträt macht und auf das Gesicht fokussiert, dann wird es auch die gewünschte Helligkeit haben. Bei Kameras mit fortgeschrittenen Funktionen kann man auch die Helligkeit zwischenspeichern (steht im Handbuch). Ich nutze grundsätzlich Back-Button-Fokus, also Fokussieren unabhängig vom Auslösen. In meinem Fall messe ich die Belichtung erst beim Auslösen und nicht beim Fokussieren. Wichtig ist eigentlich nur: Ausprobieren. In Ruhe und mehrfach. Schnell hat man ein Gefühl dafür bekommen, wann die Spotmessung sinnvoll und notwendig ist.

Und warum arbeitet man trotzdem häufig mit der Matrixbelichtung? Das Problem sind die Extreme: Wenn ich nur 5% vom Bildausschnitt für die Belichtung heranziehe, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Teile des Fotos zu hell oder zu dunkel werden. Meist wird es daher sinnvoller sein, das gesamte Foto zu berücksichtigen.

 

Weiterführende Informationen

Dezember 20th, 2016|Categories: Fotografieren Lernen|Tags: , |

5 Comments

  1. Jackson 20. Dezember 2016 at 22:49 - Reply

    Ja stimmt, wobei die Umgebung korrekt belichtet ist.
    Ich würde sagen, eine Matrixmessung ohne Korrektur, oder gar das grüne Programm hätte ein ähnliches Ergebnis geliefert.
    Aber natürlich geht das auch aufwendiger mit Spotmessung und negativer Belichtungskorrektur, keine Frage.

    Ansonsten danke für einen tollen Blog und top Fotos

    • Stephan Wiesner 21. Dezember 2016 at 6:28 - Reply

      Das Stichwort lautet „Zone System“, bekannt geworden durch Ansel Adams. Sobald ich mich bei diesem Foto bewege bekomme ich andere Belichtungen. Mehr Himmel z.B. weil ich auf dem Hintern sitze, etc. Weder Matrix noch grünes P helfen mir hier schnell und konstant zu arbeiten. Spotbelichtung mit Zone System schon. Standard Vorgehen bei Hochzeiten.

  2. Ben 20. Dezember 2016 at 22:03 - Reply

    Sehr umfangreicher und informativer Post.
    Das mit dem Back Focus muß ich mir nochmal näher anschauen.
    Ich fotografiere bisweilen ausschließlich im manuellen Modus.
    Vielen Dank, Stephan 🙂

  3. Jackson 20. Dezember 2016 at 20:11 - Reply

    das Bild „Spotmessung auf die Haut: Braut im Hochzeitskleid“ sieht eher aus wie ein Beispiel dafür, dass man keine Spotmessung benutzt hat. Hast du vielleicht das falsche Beispielbild erwischt?

    • Stephan Wiesner 20. Dezember 2016 at 20:22 - Reply

      Mit Belichtungskorrektur steht da. Passt so.

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