Mit dem Kamerakauf ist es nicht getan. Man braucht Objektive und Zubehör. In diesem Blogbeitrag rechne ich mal vor, was Kamera + Objektive kosten. Welche Kauf-Überlegungen vorher gehen sollten habe ich in der Kaufberatung für meine Freundin beschrieben. Als Zielsystem möchte ich haben: Eine Kamera mit gutem Alltagsobjektiv im Bereich 24-100mm. Dazu ein lichtstarkes Objektiv im Bereich 50mm (alles auf Vollformat gerechnet) zum Freistellen und für drinnen. Dann entweder ein gutes Ultraweitwinkel für Landschaft oder ein 70-200 für Sport, Tele und Portraits. Alle Preise sind Tagespreise von Amazon.de (22.10.2016), Affiliate Links. Wie üblich gilt: Bei Amazon auf Betrüger aufpassen! Im Wesentlichen bleibe ich bei Objektiven vom Hersteller für bessere Vergleichbarkeit und lasse Adapter völlig weg. Keinem Einsteiger würde ich eine Adapter-Lösung mit Altglas empfehlen.

Offensichtlich kann ich das nicht für alle Systeme machen, Du kannst Dir das leicht selbst nachrechnen. Exemplarisch wähle ich ein paar Optionen aus. Statt der 6D kannst Du natürlich auch die Nikon D750 nehmen, statt der 80D die D7200. Bei Nikon gibt es vergleichbare Objektive in ähnlichem Preissegment.

Meine Referenz: Die Canon 6D

Mein Arbeitspferd ist noch immer die Canon 6D, also ist sie die Referenz. Mit dem exzellenten 24-105L bekommt man für 2065 EUR eine Kamera mit der man eigentlich alles machen kann. Jahrelang hatte ich nur sie (bzw. die 60D mit dem Objektiv davor). Allerdings ist es Technik von vor 3-4 Jahren und ein Nachfolger sehr lange überfällig.

Dazu das 70-200 F4. An Vollformat reicht das Canon f4 mit Bildstabilisator für die meisten Fälle aus, an APS-C sollte es schon das F2.8 sein, damit man schön freistellen kann. Das f4 bietet ein deutlich besseres Preis/Gewicht/Leistungsverhältniss: 1159 EUR. Das 50mm 1.8 wird vielen reichen, persönlich ziehe ich das 50mm F1.4 vor. Schöneres Bokeh, noch mehr Freistellen für nur 305 EUR, dabei sehr klein und leicht. Das Sigma 50mm mag “bessser” sein (definitiv deutlich sichtbar schärfer), aber das ist halt auch echt ein Brocken und kostet gleich das Doppelte. Das Canon 16-35 F4 (990 EUR) ist der Default für die Landschaftsfotografen. Kenne es selbst nicht, aber alle meine Canon-Kollegen haben es und schwärmen davon. Pers. würde ich das 15-30 Tamron vorziehen, aber das ist schwerer, leicht teurer und man hat Probleme mit Filtern.

Total:4519 EUR

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APS-C mit der Canon 80D

Bei der 70D muss man sicherstellen, dass man eine bekommt, die auch korrekt fokussiert, dann ist es eine super Kamera, die ich letztes Jahr hatte (mit Fokusproblem). Die 80D bietet allerdings mehr Dynamikumfang – der grosse Schwachpunkt von Canon in der Vergangenheit. Für aktuell 150 EUR mehr würde ich die Canon 80D eher empfehlen. Das wirkliche Problem ist allerdings das Allround Objektiv. Es gibt nichts vergleichbares zum 24-105. Selbst habe ich dieses lange an der 60D gehabt und war happy damit. Aber im Weitwinkel hat man dann nur 35mm, was schon nicht soo viel ist. Hier muss man also einen Kompromiss machen. Entweder bei der Qualität oder den Optionen. Eine Möglichkeit wäre z.B. die Kamera gleich mit dem 18-135 Kit zu kaufen. Das kenne ich nur vom kurzen Rumspielen und habe keine Meinung dazu. Für Alltag und Urlaub sollte es wohl reichen. Und dann gibt es das lichtstarke Canon EF-S 17-55mm 1:2,8 IS USM Objektiv. Ich hatte es vor Jahren mal und war nur mässig zufrieden. Nehme ich es jetzt in die Hand – dann lege ich es gerne wieder weg. Es fühlt sich einfach nicht so gut an, wie die L-Objektive. Das Objektiv fährt zu leicht aus, der Zoomring ist labbriger, etc. Kleine Dinge, die ich nicht messen kann – aber die mir den Spass nehmen. Es ist über 10 Jahre alt und ein Nachfolger vielleicht mal angesagt.

Auch die 50mm für Vollformat sind schwierig. Das Canon 35mm F2.0 von Canon ist nicht vergleichbar zu 50mm 1.4 an Vollformat. Evtl. muss man hier auf das sehr gute (aber grosse und teure) Sigma 35mm 1.4 gehen. Weitwinkel nehmen wir das Canon 10-18 und als Tele das Canon 70-200 F2.8.

Total:4502 EUR

Fazit 80D: Begnügt man sich mit dem 50mm 1.8 statt dem Sigma, dann kommt man auf 3900 EUR. Man bezahlt das gleiche und bekommt deutlich schlechtere Optionen bei den Objektiven. Wer viel die Kinder oder Portraits mit Tele fotografieren möchte hat mit dem 70-200 eins der besten Objektive überhaupt. Das wirkliche Problem bei allen Systemen bleibt das sehr gute Allround-Objektiv. So auch bei Canon. Mit dem 24-105 an Vollformat kann man alles (halbwegs) machen. Jammern tun wir Fotografen immer, aber damit reden wir von Jammern auf hohem Niveau. Bei Nikon wäre die D5500 die Alternative oder D7200 wenn man viel Sport fotografieren möchte.

Bonus-Tipp: Mal das Canon 135 F2.o anschauen. Das Bokeh-Monster. Wer Portraits statt Sport machen möchte ist mit dem besser bedient, als mit dem 70-200 und spart 1500 EUR. Mein Favorit für Outdoor Portraits. Damit wäre man bei 3052 EUR.

 

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Vielleicht doch einfach eine Kompaktkamera kaufen und happy damit sein?

 

Die günstige Systemkamera Sony A6000

Die Sony A6000 gibt es mit dem 1670 Objektiv für 1400 EUR. Das entspricht vom Zoom der Canon 6D. Bei halbem Gewicht bekommt man allerdings weniger Freistellmöglichkeiten. Andererseits fehlt die Alternative, evtl. das 18-105, welches ich aber noch nicht in der Hand hatte. Ein Sony 70-200 F2.8 gibt es noch nicht, es ist aber für den Winter angekündigt. Leider kostet es 3000 EUR. Alternativ gibt es das F4, mit dem ich ja aufgrund des Bokehs nicht zufrieden war. Immer noch stolze 1400 EUR.

Für Weitwinkel empfehle ich natürlich das 12mm Samyang 2.0 – das lichtstärkste Weitwinkel dass ich hier empfehle. Meinen Testbericht gibts hier im Blog. Wer Sonnensterne und Autofokus möchte zahlt mit dem Sony 10-18 noch mal 120 EUR mehr – und bekommt softe Ecken.

Als 50mm Objektiv schlage ich das 30mm Sigma F1.4 vor (das ich noch nicht in der Hand hatte) mit 345 EUR ein sehr attraktives Angebot. Sony selbst hat nichts vergleichbares. Wer ein echtes 50mm 1.8 möchte zahlt rund das Dreifache vom 1.8 von Canon.

Total:5105 EUR

Fazit A6000: Teuer ist hier das 3000 EUR Tele. Da das wohl niemand für eine A6000 kaufen wird, bleibt das (von mir nicht empfohlene) F4 mit dem man aber nicht die gleichen Effekte erzielen kann. Ein F4 Tele macht für mich an APS-C nur bedingt Sinn. Damit wären wir bei 3500 EUR. Das günstige Samyang drückt den Preis für das Gesamtsystem. Richtig zufrieden bin ich dennoch nicht. Für mich fehlt das besagte Tele. Ein 70-200 nutze ich an Canon und Nikon sehr viel. Ein 16-70 F2.8 würde dem Canon mehr entsprechen, leider gibt es das nicht.

Ich bekomme täglich verzweifelte Fragen mit dem Tenor “Dank dir habe ich die A6000 gekauft und bin voll happy damit! Jetzt möchte ich

[…] kannst Du mir ein Objektiv dafür empfehlen?” Nein, kann ich in der Regel nicht. Oder halt nur zum Preis von z.B. dem Sony 85mm 1.4 von 1141 EUR.

 

Vollformat Systemkamera Sony A7II

Die Sony A7II nutze ich viel. Sie ist mit 1800 EUR für den Body die teuerste hier vorgestellte Kamera. Hier mein Langzeittestbericht-Video:

Warum eine A7R meiner Meinung nach nur für sehr wenige Fotografen interessant ist, habe ich im Blogbeitrag zum Thema Pixelwahn erläutert. Ein gutes Standard-Zoom mit 24-100mm gibt es so nicht. Das 2470 Kit kenne ich nicht pers. habe aber noch nie etwas positives darüber gehört. Alternativ evtl. das Sony 24-240 (kenne ich nicht pers.). Mit 539 EUR das günstigste Standardzoom mit dem grössten Zoombereich – also wahrscheinlich auch nicht das Beste. Als Tele hat man wieder das Problem wie oben beschrieben. Wer möchte kann hier den Sigma Adapter und das Canon Glas nehmen. Man ist dann nicht wetterfest und hat nicht die Leistung wie an native Canon, aber immerhin hätte man das Bokeh. Was ich selbst viel mache: Den Sigma Adapter und das Canon 135mm F2.0. Sehr empfehlenswert, auch wenn der Autofokus am Abend schnell nicht mehr brauchbar ist.

Das Sony 55mm 1.8 nutze ich sehr viel und bin inzwischen ein grosse Fan davon – wenn einem 1.8 reichen. Aktuell nicht bei Amazon verfügbar, hier in der CH rund 20% zu meinem Kaufpreis gefallen (zähneknirsch), soviel dann zum Thema Objektive verlieren nicht an Wert. Als Weitwinkel wäre das Sony 1635 wohl die erste Wahl. Ich habe selbst noch nicht damit gearbeitet. Natürlich kann man auch das Walimex 14mm F2.8 nehmen, das bei Astrofotografen sehr beliebt ist. In meinem Kurztest war ich ja nicht sooo begeistert davon.

Total:5300 EUR

Fazit Sony A7II: Man bekommt ein sehr gutes 55mm, aber kein sehr gutes Standardzoom, kein gutes Tele und ein teures Gesamtsystem, dass in der Bedienung nicht jedem gefällt. Für Sportfotografen keine Option. Ich nutze sie gerne an Events und bei Outdoor Shootings, wie z.B. meine Bergtouren. Als Urlaubsobjektiv für Instagram Fotos liebe ich inzwischen das Sony 28mm – auch wenn es im Testbericht gemischte Gefühle hinterlassen hat.

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Micro Four Thirds

Auch wenn ich jetzt wieder viele MFT-Fans erzürne. MFT Kameras nutze ich nicht zum Fotografieren. Der Chip ist mir einfach zu klein. Wenn Du damit happy bist, dann bleib happy damit und lass Dich von mir nicht irritieren. Wir haben alle andere Vorlieben und Ansprüche.

Ich arbeite doch öfters im Bereich ISO 6400 und natürlich viel im Weitwinkelbereich unter 20mm. Beides die grossen Schwächen vom kleinen Chip. Wer dennoch halbwegs vergleichbare Ergebnisse machen möchte – muss tief in die Tasche greifen. Ich kenne mich in dem System nicht wirklich gut aus, es gibt sicherlich Alternativen zu dem hier vorgestellten, aber lass uns dennoch mal rechnen. Ich kenne keins der vorgestellten Objektive, ich blättere einfach mal im Amazon Katalog.

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Die Olympus OM-D E-M5 Mark II liegt bei 960 EUR. Ein vergleichbares Kit mit 24-105 auf mindestens F5.6, besser F4 gibt es nicht. Alternativ das Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40 mm 1:2.8. Es hat deutlich weniger Zoom – es fehlt der Portrait-Zoombereich. Immerhin ist es dafür lichtstärker. 850 EUR. Auch ein 70-200 F4 gibt es nicht. Alternativ wäre das Olympus M.Zuiko Digital ED 40-150mm 1:2.8 Pro. Es hat mehr Zoom, dafür nur Blende 5.6 auf Vollformat – zu wenig für mich.

Als Weitwinkel finde ich das Olympus M.Zuiko Digital ED 7-14 mm 1:2.8 Pro für 818 EUR. Und die 50mm Option wäre wohl das Olympus M. Zuiko Digital ED 25mm 1:1.2 Pro für 844 EUR.

Total: 4189 EUR

Fazit MFT: Zwar ist das System das günstigste und für viele ausreichend. Eine Empfehlung von mir soll es aber nicht sein. Ein gutes 24-100mm Zoom fehlt (das 12-50 Olympus ist für Outdoor Portraits eher nicht empfehlenswert). Der Autofokus ist extrem gut und die Kamera wirkt leicht und klein. Der Stabilisator ist legendär. Man kann hier viel Variieren, z.B. ist das 45mm 1.8 sehr beliebt und für Portraits durchaus empfehlenswert. 90mm F3.6 sind aber keine 85mm 1.2. Man hat einfach nicht die Möglichkeiten, wie im Vollformatbereich. Ich kenne keinen ambitionierten Landschaftsfotografen, der mit MFT arbeitet. Und wer Menschen fotografiert, insbesondere Kinder, dem nutzt der Stabi nur selten etwas. Hohes ISO-Rauschen bleibt für mich ebenfalls ein KO-Kriterium.

Die Bedienung von Olympus… ist etwas für Profis. Auf meinen Treffen und Workshops sehe ich die Kameras natürlich häufig. Meist können die Besitzer sie aber kaum bedienen. Zu viele Optionen. Ich höre dann oft “die Kamera kann das, aber ich finde es grade nicht”. Ein Problem, dass man lösen kann – aber nur wenige machen sich die Mühe. Für Einsteiger und Gelegenheitsfotografen mag ich die Kameras daher nicht empfehlen.

 

Fazit

Dieses Rechenspiel kann man natürlich beliebig variieren. Die wichtige Message ist: Mach das mal für Dein geplantes System. Insbesondere, wenn Du Neueinsteiger oder Systemwechsler bist. Und ich kann nicht oft genug hervorheben, wie angenehm es ist, mit dem 24-105L rumzulaufen. Ja, es ist gross und schwer. Es fühlt sich super an, es reicht für die meisten Situationen und ist einfach… rock solid!

Leider vernachlässigen viele Hersteller die Objektive für APS-C. Auf dem Papier gibt es sehr viele Varianten, aber meist muss man deutliche Abstriche in der Qualität machen. Es hat einen Grund, warum viele Fotografen die Vollformat-Objektive an ihre APS-C Kamera hängen (egal was Tony dazu sagt). Insbesondere Sigma bringt mit der ART-Serie extrem gute Objektive auf den Markt – leider sind sie nicht wetterfest und meist sehr gross und schwer. Und nicht alles von Sigma ist auch (sehr) gut.

Wer maximale Leistung und Spass zu einem vertretbaren Preis haben möchte, der kommt nach wie vor nicht um Vollformat herum. Nicht wegen der Kamera, sondern wegen der Objektive. Für den Hausgebrauch bleibt meine Empfehlung: Eine sehr gute Kompaktkamera als Allrounder (günstiger als das Standard-Zoom Objektiv) und dann meinetwegen eine Kamera mit Objektiv für Deine grosse Vorliebe.

Viel Spass beim Rechnen…

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