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Kameras und Bildauflösung – Wieviel Pixel braucht man wirklich?

Das neue iPhone 7 hat nur noch 12 Megapixel, die Canon 5DS hat 51. Beide Firmen wollen uns erklären, dass ihre Wahl besser ist – und beide haben Recht. Wieviel Du wirklich brauchst, erfährst Du in diesem Artikel. Ausserdem gehe ich auf ISO-Rauschen und Bildbearbeitung ein.

 

Wieviel Pixel hat das Cover von einer Zeitschrift?

Einmal das Titelblatt von der National Geographic stellen! Oder vom Playboy oder einer Autozeitschrift! Träumen wir Fotografen nicht alle davon? Auch im digitalen Zeitalter hat eine Zeitschrift etwas besonderes, und wenn wir einen Artikel oder ein Foto dort veröffentlicht bekommen, sind wir stolz und teilen das mit allen Freunden und Fans auf Social Media. Es ist klar, dass wir für unser künftiges Cover-Foto eine hohe technische Qualität brauchen! Wenn Du kurz nachdenkst, was das heisst, dann fallen Dir sofort ein: ISO-Rauschen und Auflösung. Mehr dazu unten.

Das A4-Format (oft auch DIN A4 genannt) misst 210mm x 297mm (Hochformat). Es ist das weltweit gebräuchlichste und eines der in DIN-Norm DIN 476 und in ISO-Norm DIN EN ISO 216 genormten Formate für Schreibpapiere.

(https://de.wikipedia.org/wiki/A4-Format)

Mein Landschaftsfotografie Buch geht gerade in den Druck. Die Fotos dafür habe ich in 300 DPI geliefert. Das gilt als Auflösung, bei der man keine Pixel mehr erkennen kann. Als wenn Pixel etwas unanständiges wären, das man nicht zeigen dürfte.

dots per inch, eine Maßeinheit für die Auflösung im Druck und anderen Wiedergabesystemen

(Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Punktdichte)

Print

 

 

Um ein DIN A4 Cover in 300 DPI zu erzeugen brauchst Du 3508 x 2480 Pixel.  Zum Vergleich: Die Sony A6300 erzeugt  Dateien mit 6000×4000. Die Sony A7RII schon 7952 x 5304 und die Canon 5DS ganze 8688 x 5792. Da ist also ein wenig Reserve.

Und grösser? Du möchtest ein DIN A2 Poster in 300 DPI drucken? Das sind 420 x 594 mm und entsprechen 4961×7016 Pixeln. Bei 300 DPI.

Je grösser, desto weniger DPI braucht man

Apple hat mit der Einführung des Retina Displays viel Werbung dafür gemacht, dass unser Auge feine Details nur dann erkennen kann, wenn man nah dran steht. Deswegen braucht ein grosses Plakat weniger DPI als ein kleines – wir stehen weiter weg, wenn wir es anschauen.

Würde mein 32 Zoll Bildschirm so nah vor meiner Nase stehen, wie mein 12 Zoll MacBook – dann müsste ich den Kopf bewegen, um vom oberen Rand zum Unteren zu blicken. Entsprechend braucht man keine 300 DPI für ein Plakat, das mehrere Meter gross ist – und deswegen hängt in meinem Schlafzimmer ein DIN A2 Foto von einer 12MP Kamera – ohne dass ich Pixel sehe.

Links:

 

Matterhorn bei Zermatt im Winter

Matterhorn bei Zermatt im Winter

 

Viele Pixel erlauben es zu Croppen!

Wenn Du kein Cover sondern eine Doppelseite haben möchtest (DIN A3 ist 420mmx297mm, also 4961×3508 Pixel), dann reicht eine 16 MP Kamera. Anders sieht es aus, wenn Du ein Foto im Querformat hast und das Cover soll seitenfüllend als Hochformat gedruckt werden. Der Zuschnitt ergibt dann 4000×2667 Pixel – es reicht also bei einer 24MP Datei immer noch.

Möchtest Du noch mehr wegschneiden, dann kommst Du irgendwann an die Grenze – aber dann hast Du beim Fotografieren schon etwas falsch gemacht – z.B. das falsche Objektiv dabei gehabt. Der sinnvollere Tipp wäre wohl:

Möchtest Du in Zeitschriften publizieren, dann fotografiere öfter im Hochformat!

Es klingt intuitiv, dass es immer gut ist, wenn man mehr Reserve hat und es macht Spass, in die Dateien von einer Sony A7RII reinzuzoomen… und es kommen immer noch mehr Details! Das macht man die ersten Tage, wenn die Erfahrung neu ist. Danach interessiert das nur noch selten.

Warum sind weniger Pixel manchmal besser?

Zurück zum iPhone 7. Warum haben wir bei der Kamera plötzlich weniger Pixel als in der Vergangenheit? Mehr Pixel haben zwei grosse Nachteile: Sie erzeugen mehr ISO-Rauschen und erhöhen die Datenmengen und verlangsamen die Verarbeitungsgeschwindigkeit massiv.

Bildrauschen wird auch durch die Pixelgröße sowie den Pixelabstand des Bildsensors beeinflusst. Je geringer der Abstand zwischen den einzelnen Pixeln (hier:Fotodioden) eines Bildsensors sind und je kleiner die Pixelgröße ist, desto weniger Photonen (Licht) können die einzelnen Pixel aufnehmen, und das bewirkt mehr Rauschen bzw. mehr Störsignale beim Bildsensor. Im Englischen wird der Abstand der Pixel bzw. Fotodioden untereinander, d. h. die Pixel-Dichte, als „pixel pitch“ eines Bildsensors bezeichnet. In der Praxis bedeutet dies, je mehr Pixel beispielsweise ein APS-C-Format-Bildsensor hat, desto größer wird das Bildrauschen gegenüber anderen APS-C-Format Sensoren mit weniger Pixeln

(https://de.wikipedia.org/wiki/Bildrauschen)

Man liest immer mal Blog-Artikel, die das Gegenteil behaupten, aber meine Erfahrung deckt sich damit. Wenn ich in der Canon 6D z.B. Small-RAW statt RAW fotografiere, dann habe ich viel weniger Pixel – und viel weniger Rauschen. Fuji hat eine Funktion in ihren Kameras, mit der Pixel kombiniert werden können. Man verliert Pixel und bekommt weniger Rauschen. Beide Methoden verändern nicht die Physik des Chips – helfen aber bereits.

Und Apple bringt genau dieses Argument: Das iPhone 7 hat eine 12 MP Kamera, damit weniger Rauschen in den Fotos ist. Sony hat die A7S mit nur 12MP ausgestattet, um damit die extrem gute ISO-Leistung zu erreichen.

Dateigrösse und Bildbearbeitung

In meinem Lightroom Katalog habe ich Dateien aus 14 Jahren Fotografie. Blättere ich durch RAW-Dateien von meiner alten Canon 20D, dann kann ich da flüssig hin und her blättern. Keine Verzögerung. Öffne ich sie in Photoshop und haue ein paar Filter drauf, dann habe ich keinerlei Verzögerung. Versuche ich das mit einer Hasselblad-Datei – dann kann ich zwischendurch Kaffee kochen gehen. Der Punkt wird gerne verschwiegen: Im Speicher ist die Bilddatei sehr gross und die Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt mit mehr Pixeln massiv ab. Ich handhabe das so, dass ich Dateien vor der Bearbeitung in Photoshop meist als erstes verkleinere. Was soll ich mit mehr als 4500 Pixeln auf der breiten Seite? Eben. Weiss ich auch nicht.

Ich mache rund 100.000 Fotos im Jahr. Davon landet kein einziges auf einer Plakatwand. Und daher brauche ich auch nicht mehr als 24 MP. Das kann für Dich natürlich anders sein. Mir ist es wichtig, dass die 100.000 Dateien möglichst schnell verarbeitet werden können. Dir ist es evtl. wichtig, die 200 Fotos die Du im Jahr machst in maximaler Auflösung zu haben.

Der wichtige Punkt ist: Bewusst selbst entscheiden, statt sich vom Marketing blenden zu lassen.

Mit mehr Pixeln kannst Du nicht mehr jedes Objektiv benutzen

Als wenn das Thema Ausrüstung nicht schon komplex genug wäre gibt es auch noch einen weiteren Punkt zu beachten: Objektive haben eine maximale Auflösung. Die meisten sind nicht dafür ausgelegt, an einen 50MP Sensor angeschlossen zu werden. Die Canon 5DS deckt das – auf 100% Auflösung – schonungslos auf. Hast Du also schon einen Schwung Objektive und liebäugelst damit, auf mehr Pixel zu gehen – dann prüf das vielleicht mal für Deine Objektive.

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Fazit

Entscheidend ist mal wieder: Lass Dich nicht von Prospekten blenden, sondern überleg Dir, was Du mit Deinen Fotos regelmässig machst oder in den nächsten zwei Jahren machen wirst. Und bedenke den Preis. Für die A7RII zahlst Du sehr viel Aufpreis gegenüber der A7II – und hast eine langsamere Bearbeitung. Was ist der effektive Nutzen für Dich?

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8 Comments

  1. Tim 28. Oktober 2016 at 20:52 - Reply

    Toller Artikel, insgesamt mit das beste Fotoblog welches ich kenne! Macht Spaß!

  2. Sven 17. Oktober 2016 at 22:14 - Reply

    Ein guter Artikel, sehr anschaulich dargestellt. In einem ähnlichen Beitrag wurde Deine Argumenation verifiziert und vorgerechnet, dass die Druckauflösung quasi immer 8,2 Megapixel beträgt (aus der Korrelation von Bildgröße und Betrachtungsabstand). Der Gedankengang ist auf jeden Fall richtig, unabhängig davon ob es nur genau 8,2 MP sind oder nicht…. Bei meinen Drucken hat das jedenfalls bislang immer gut geklappt. Stellt sich nur die Frage, warum ich immer die 24 MP der A6000 mitschleife. Vielleicht, weil DAS EINE Panorama im Format 100×40 immer noch geil aussieht und man feinste Details entdeckt, auch wenn man schon mit der Nase das Papier berührt 🙂

  3. Ingo Gorges 14. Oktober 2016 at 22:43 - Reply

    Hallo,
    toller Kommentar von Dir. Selbst habe ich eine Nikon D300s, da ich sehr viele bewegte Bilder fotografiere. Da reichen die 12 MP vollkommen aus, zumal bei 24 MP APS-C und sich bewegenden Tieren doch sehr schnell Unschärfen einstellen. Da hilft dann auch nur noch kürzere Verschlusszeit und höhere Iso und damit ist der Vorteil auch wieder zu Nichte. Für Landschaftsfotografie bleibt dennoch nur Vollformat übrig, da es für diese Kameras die eindeutig besseren Weitwinkelobjektive gibt.
    Gruß
    Ingo

    • Stephan Wiesner 15. Oktober 2016 at 7:33 - Reply

      🙂 naja „nur Vollformat“ stimmt heute auch nicht mehr. Ich arbeite in der Lanschaftsfotografie sehr viel mit APS-C und nicht jedes Landschaftsfoto muss mit 16mm aufgenommen werden.

      • Ingo Gorges 15. Oktober 2016 at 22:02 - Reply

        ..Dass nicht jedes Landschaftsfoto in 16 mm aufgenommen werden muss, da gebe ich Dir absolut recht. Mur fehlt dennoch in einigen Situationen die „Weite“, weshalb ich die Vollformat immer dabei habe, getreu deinem Spruch, ist der Rucksack zu schwer, ist dein Rücken zu schwach…

  4. Matthias 14. Oktober 2016 at 14:06 - Reply

    Klasse! Vielen Dank sehr interessant. Vg

  5. Mevlüt Altuntas 14. Oktober 2016 at 13:32 - Reply

    Ich möchte mich als Hobby Knipser für die vielen Tutorials bedanken. Auch dieser Artikel gehört dazu. Einfach super gechrieben und man versteht sofort, dass nicht immer „mehr“ die die Qualität des Bildes verbessert.
    Danke LG, Mev

  6. dominichuster 13. Oktober 2016 at 22:28 - Reply

    Hallo Stephan,

    das war wieder einmal ein sehr aufschlussreicher Blogbeitrag von dir. Viel zu oft ist man ja geneigt der Philosophie „Mehr ist besser“ zu folgen, ohne diese noch einmal zu hinterfragen. Dies ist aber wieder einmal ein großartiges Beispiel dafür, dass sich diese Gedankenspiele oft auszahlen (und sei es auch „nur“ in gesparter Zeit). Ich persönlich bin ja ein großer Fan von Arbeitsoptimierung und gebe den Kunden gerne auch so viel Auflösung wie möglich mit, aber im Grunde genommen sollte ich mir auch überlegen ob weniger nicht den meisten doch ausreichen würde. Nicht jeder druckt sich schließlich die Bilder in 60cm Längsseite aus.

    Ich habe sogar schon öfters unterhalb der 300dpi gedruckt und konnte bisher nicht klagen. Man muss eben vorher wissen, welchen Zweck ein Bild erfüllen soll. In einem engen Flur sollte auch ein Panorama eine höhere Auflösung haben, als ein Bild, dass man in einem großen Raum nur mit Abstand in Gänze betrachten könnte.

    Grüße aus dem schönen Bayern

    Dominic

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