Als Landschaftsfotograf ist das Weitwinkel-Objektiv sicherlich das wichtigste Werkzeug – und häufig eine grössere Investition. Worauf man beim Kauf achten sollte und was überhaupt ein gutes Weitwinkel-Objektiv ausmacht, das erkläre ich in diesem Beitrag. Mehr Tipps für den Einsatz von Objektiven gibt es hier im Blog.

Samyang 12 mm Objektiv an Sony A6300

Samyang 12 mm Objektiv an Sony A6300

 

Das Weitwinkel-Objektiv: Lichtstark oder leicht?

Objektive gibt es häufig in zwei Stufen der Lichtstärke. Bei Weitwinkeln meist eine F4-Version und eine mit F2.8. Das F2.8 kostet deutlich mehr und ist viel grösser und schwerer. Der Preis sagt dabei nicht zwingend etwas über die Qualität aus. Das Canon 16-35 F4 hat z.B. bei F4.0 deutlich sichtbar schärfere Ränder als die F2.8 Version. In der Landschaftsfotografie braucht man die F2.8 (oder F4) fast nie. Lediglich wenn man Astrofotografie betreiben möchte, dann wird das ein Thema. Aber sobald der Mond ein paar Prozent Größe hat, ist genügend Licht für eine Langzeitbelichtung bei F5.6 aufwärts. Dazu kommt, dass ein Objektiv bei der maximalen Blende meist deutlich weniger scharf ist, als bei geschlossener Blende.

In den meisten Fällen wird man daher besser dran sein, sich die F2.8 Version auszuleihen für die zwei Male im Jahr wo man die Lichtstärke braucht. Eine interessante Alternative ist die Anschaffung einer lichtstarken Festbrennweite, z.B. das 20 mm Sigma. Man kann schließlich immer noch ein Panorama damit machen, falls das nicht weit genug ist. Die Festbrennweiten sind optimiert für diese Brennweite und können daher leichter, günstiger und lichtstärker sein. Musterbeispiel ist hier sicherlich das Samyang 12 mm F2.0. Ab Blende 2.8 ist es bis zum Rand scharf und ideal auch für die Fotografie der Milchstrasse.

Anders sieht es aus, wenn man das Objektiv auch für andere Dinge verwenden möchte. Als Hochzeitsfotograf z.B. braucht man etwas lichtstarkes für die Kirche und das Standesamt, wo man häufig nur wenig Licht und Platz hat.

 

Ein Weitwinkel verstärkt Höhe

Ein Weitwinkel verstärkt den Eindruck von Höhe – Die Punkte auf dem Eis sind Menschen und Zelte

 

Der Autofokus ist unwichtig

Ein Weitwinkel-Objektiv hat sehr viel Schärfentiefe. Bereits ab kurzer Entfernung wird alles im Fokus sein. Daher muss der Autofokus weder schnell – noch überhaupt vorhanden sein. Wieder möchte ich das 12 mm Samyang erwähnen, das keinen Autofokus hat und daher sehr günstig ist. Aktuell (2018) bringt Samyang eine Reihe Objektive neu auf den Markt. Diese haben Autofokus und kosten ähnlich viel wie auch die von Sigma.

In der Sportfotografie setze ich Ultraweitwinkel sehr gerne ein und auch hier benötigt man keinen Autofokus. Es ist in den meisten Fällen sehr einfach Vorzufokussieren. Es gibt natürlich Ausnahmen. Wer z.B. Ballsportarten fotografieren möchte und mit dem Weitwinkel am Volleyballnetz steht, der wird einen schnellen Autofokus schätzen. In der Landschaftsfotografie hingegen spielt er überhaupt keine Rolle und ich fokussiere prinzipiell manuell.

Trailrunning bei Zermatt

Trailrunning bei Zermatt

 

 

Flare: In die Sonne Fotografieren

Moderne Objektive sind beschichtet und entspiegelt. Ähnlich wie bei einer Brille ist es störend, wenn Licht zu Reflexionen führt, dem sogenannten Flare. Je weiter die Brennweite, desto häufiger wird man die Sonne mit im Bild haben. Auch Straßenlaternen oder Blitze können zu Flare führen. Je nach Qualität des Objektivs kann der Flare verschiedene Formen annehmen und unterschiedlich störend oder sogar attraktiv sein.

 

 

 

 

Schärfe in den Rändern und Vignette

Für mich das wichtigste Kriterium ist die Schärfe in den Rändern. Ein 14 mm Objektiv nutzt mir nichts, wenn ich es derart zuschneiden muss, dass es zu einem 18 mm wird. Zugegeben: In vielen Situationen fällt der Rand allerdings nicht störend auf. Insbesondere wenn man “Mensch in Landschaft” Fotos macht, möchte man ja meist einen unscharfen Rand und eine Vignette haben.

Da ich viel in den Bergen unterwegs bin, habe ich häufig Situationen, wo man am Rand Fels und Eis sieht. In den Strukturen fällt es deutlich auf, wenn diese verschwimmen. Daher bin ich in diesem Punkt vielleicht empfindlicher als andere. Das erste was ich mit einem neuen Objektiv mache ist daher: Mein Bücherregal fotografieren und mir die Ränder anschauen. Auf der Schrift der Buchrücken kann man die Schärfe schön beurteilen.

Vignette ist leicht in der Nachbearbeitung zu beheben – führt aber zu mehr Rauschen in den häufig eh schon dunklen Bildstellen am Rand (Bäume, Felsen, Wasser, etc.). Wenn ein Objektiv zwei Stufen Vignettierung hat, dann sieht man schnell ein deutliches Rauschen.

Milchstrasse in Thun am Thunersee in der Schweiz

Milchstrasse in Thun am Thunersee in der Schweiz

 

 

Kaufempfehlung Weitwinkel-Objektive

Meine Favoriten im Weitwinkelbereich sind das Samyang 12 mm (Testbericht) und das Tamron 15-30 mm Objektiv (Testbericht). Das Tamron ist sichtbar schärfer in den Rändern (minimal), erzeugt deutlich schönere Lichtsterne und kann zoomen. Dafür ist es viel größer, teurer und Filter-Fans müssen ein teures Spezialsystem zum Anbringen von Filtern kaufen. Canon hat das günstige 10-18 für APS-C Kameras. Im Video gibt es dazu einen Testbericht.

Für Nikon gibt es noch das legendäre, aber schon etwas ältere 14-24, das aber auch einen legendären Preis hat. Sehr viel attraktiver finde ich da das leichte 20mm Objektiv von Nikon. Für Sony habe ich das 16 mm Sigma im Einsatz. Man hat zwar umgerechnet “nur” 24 mm, aber dank Lichtstärke 1.4 kreative Möglichkeiten.

Sigma 16mm Objektiv an Sony A6300 fotografiert die Nikon D850 mit dem 20mm

Sigma 16mm Objektiv an Sony A6300 fotografiert die Nikon D850 mit dem 20mm

 

Letzter Tipp für die Kaufentscheidung:

Achte beim Studieren von Testberichten auf Fotos mit der Sonne im Bild (Flare und Sonnensterne), auf die Ränder bei offenblendigen Fotos und die Vignette.

 

Mehr Informationen zu Objektiven findest Du hier im Blog.

 

Keinen Artikel mehr verpassen?

Dann schreib Dich in den Newsletter ein!