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Kauftipps für Portrait-Objektive

Portrait-Objektive können sehr teuer sein und nicht immer ist ersichtlich, warum ein 85 mm Objektiv  400 EUR kostet und ein anderes 1600 EUR. Worauf es beim Kauf ankommt und warum das Kit-Objektiv manchmal ausreicht und manchmal völlig fehl am Platz ist erkläre ich in diesem Beitrag. Mit Portrait meine ich hier alles wo eine Person das Bild ausfüllt. Egal ob es ein Headshot oder ein Ganzkörperportrait ist.

Portrait Bokeh am Canon 135 mm Objektiv

Portrait Bokeh am Canon 135 mm Objektiv

 

Was ist ein Portrait-Objektiv?

Natürlich kann man mit jedem Objektiv Portraits machen. Auch ein 24mm Portrait kann interessant sein. Meist meint man aber ein leichtes Tele. Es hat einen Grund, warum 85 mm bzw. 135 mm Objektive so beliebt sind: Die Schädelform wirkt meist besonders attraktiv und man kann den Hintergrund besonders schön darstellen. Auch sind die Objektive häufig leicht und nicht allzu teuer (relativ gesehen). Ein 70-200 f2.8 ist flexibler, aber auch grösser, teurer und eben nicht so lichtstark.

Outdoor Portraits

Outdoor Portraits

 

Bokeh ist alles bei Portraits – oder völlig egal

Bei Studio-Fotos mit einfarbigem Hintergrund spielt das Bokeh normalerweise keine Rolle – weil man keins sieht. Hier kann man auf Blende 8 gehen und die Schärfe vom Objektiv ausreizen. Ein Standard-Zoom wie  in meinem Fall das 24-105 L Objektiv von Canon ist dafür eine sehr gute Wahl.

Schwarzweiss Portrait von Frau bei Fotograf in Bern

Anders sieht es aber aus, wenn man Outdoor fotografiert oder sonst ein Hintergrund zu erkennen ist. Schönes Bokeh kann ich nicht einfach mit einem Filter im Lightroom einfügen. Das Objektiv macht hier einen sehr grossen Unterschied. Das erste Foto von diesem Beitrag ist so ein Beispiel. Mit dem Kit-Objektiv wäre die Bildwirkung nicht so stark.

 

Braucht man Blende 1.4 an 85 mm Objektiven?

Reicht nicht auch ein Objektiv mit Blende 1.8? Die Frage wird mir häufig gestellt und die Antwort ist nicht ganz einfach zu verstehen. Einen Headshot mache ich nur selten offenblendiger als f2.5. Aber wenn es klappt, dann wirkt es auch. Hier auf der Brücke haben wir nur wenig Platz. Ich stehe mit dem Rücken an der Wand und wenn ich die Blende schliesse, dann ist das Graffiti auf der Wand zu dominant. Bei Blende 1.7 muss man allerdings mit vielen Fehlfokussierungen leben, egal wie gut der Autofokus ist. Das Canon f1.2 ist nicht nur lichtstärker, als das f1.8, es hat auch ein schöneres Bokeh und wie ich oben geschrieben habe: Bokeh ist alles.

Porträt mit offener Blende

Porträt mit offener Blende

Geht man auf Ganzkörper-Aufnahmen, dann ist Blende 1.8 plötzlich nicht mehr viel im Sinne von unscharfem Hintergrund. Das Canon 85 mm f1.2 ist offenblendig zwar nicht sonderlich scharf, aber wen interessiert das?

Canon 85 mm Objektiv

Canon 85 mm Objektiv

 

Ziemlich unwichtig: Schärfe

Das Portrait von dem Mann auf der Brücke ist mit dem extrem scharfen Sigma 85 mm aufgenommen. Das Mädchen mit dem (offenblendig) recht unscharfen Canon 85 mm. Trotzdem gefällt mir das Mädchen besser. Bei dem Mann habe ich sogar die Schärfe in der Nachbearbeitung rausgenommen, statt zu schärfen. Warum sollte dem Betrachter jede Pore ins Gesicht springen? Man kann natürlich argumentieren, dass es besser ist, viel Schärfe zu haben, selbst wenn man sie dann “nicht braucht”. Aber für die Kaufentscheidung ist mir das hier relativ egal. Sagte ich schon, dass Bokeh im Zweifel wichtiger ist?

 

Egal: Autofokus

Ob ein Portrait-Objektiv überhaupt Autofokus braucht ist ein Thema für die Bier-Runde. Die Meinungen gehen da sehr auseinander. Ich habe nicht die besten Augen und verlasse mich gerne auf den AF, andere schwören auf die Kantenanhebung in ihren Kameras. Klar ist aber: Das alte Canon 85 mm 1.2 Objektiv hat den langsamsten AF von allen Objektiven, die ich kenne. Dennoch war es jahrelang mein Liebling. Nicht wegen dem AF, aber, eben, der ist weitgehend egal, solange er zuverlässig ist.

 

Sonnensterne und Gegenlicht

Gegenlichtaufnahmen können sehr häufig auftreten. Sowohl im Studio, als auch draussen. Daher ist es wichtig, dass ein Objektiv damit umgehen kann. Ob man dabei Sonnensterne braucht, sei mal dahingestellt. Nur wenige Male im Jahr habe ich Situationen, wo ich mit Tele einen Sonnenstern habe.

Sonnenstern f25

Sonnenstern bei f25

 

 

Sonnenstern Tamron 100-400 mm Objektiv

Sonnenstern Tamron 100-400 mm Objektiv

Das Tamron 100-400 mm Objektiv (Testbericht) hat z.B. schöne Sonnensterne. Es ist kein eigentliches Porträt-Objektiv mehr, aber natürlich kann man es dafür verwenden. In dem Video zeige ich einen Vergleich verschiedener Brennweiten für Porträts Indoor wie Outdoor.

 

Kauftipps für Porträt-Objektive

Wenn Du ein Objektiv für den Einsatz als Portrait-Objektiv suchst, dann mach Dich mit der Bedeutung von Brennweiten vertraut (siehe das Video oben). Ein 56 mm Objektiv an APS-C kann das richtige für Dich sein oder eine 200 mm Festbrennweite. Das hängt auch vom Einsatzbereich ab. Outdoor ist ein 200 mm Objektiv kaum zu schlagen, aber Indoor wird es nur selten funktionieren. Mit dem 70-200 mm bist Du immer auf der sicheren Seite. Nicht umsonst hat das “jeder Fotograf” im Schrank, aber es bietet halt keine f1.4. Zwei Blenden Unterschied, das heisst z. B. ISO 400 statt 1600. Soll es klein und flexibel sein, dann ist ein 85 mm f1.8 meist die beste Wahl zu einem fairen Preis.

Tipps für den Kauf von Weitwinkel-Objektiven gibt es in einem weiteren Artikel.

 

 

Januar 21st, 2018|Kategorien: Fotografieren Lernen, Portrait, Testbericht|Tags: , , |

11 Kommentare

  1. Mario 19. Februar 2018 um 12:06 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan, danke für deinen informativen Blogbeitrag. Ich teile da deine Meinung völlig. Schärfe ist natürlich wichtig, jedoch muss sie nicht immer perfekt sitzen. Viel mehr zählt für mich der Moment. Lieber einen tollen Moment ein wenig unscharf, als einen weniger tollen Moment scharf. Zum Thema 70-200 würde ich dich gerne etwas fragen. Würdest du einem Hobbyfotografen auf das 70-200mm 2.8 IS II empfehlen? Ich bin am schwanken ob ich mir das 24-70 2.8 oder das 70-200 2.8 kaufen soll. Was würdest du nehmen wenn du so wie ich Festbrennweiten von 35mm, 50mm und 85mm jeweils 1.8 schon hast.
    Liebe Grüße Mario

  2. Joachim aus Karlsruhe 2. Februar 2018 um 10:21 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan,

    danke für den Beitrag, ich bin zwar Nikon User, jedoch ist es das gleiche Thema. Schärfe ist nicht alles und das Bild macht nicht die Kamera/Linse sondern derjenige der die Kamera bedient. So höre ich das zumindest sehr oft. 🙂

    Ich bin aber auch technikverliebt und irgendwie sind es bei mir dann doch eher die teuren und “Scharfen” Linsen. Ich fühl mich auch immer sehr schlecht deswegen. 😉

    Viele Grüße aus dem Badener Land
    Joachim

  3. Felix W. 22. Januar 2018 um 8:19 Uhr - Antworten

    Gestern zum Sonnenaufgang habe ich zum einen eine 8minütige Aufnahme für die 52W.-Challenge aber auch ein paar Ganzkörper- Selbstportrais gemacht. Aps-c, 90mm Makro auf 2.8 Offenblende. Mit der Schärfe war ich nicht zufrieden. Ich finde, dass auch Schärfe einen Kontrast erzeugt und ein recht populäres Stillmittel, gerade in der Beautyfotografie oder bei Charakterportraits, ist. Wenn der Mensch doch das Motiv ist, wieso sollte er nicht durch klare Kanten und Details sich vom Hintergrund unterscheiden? Eine gute Mindestschärfe sollte gegeben sein.

    • Stephan Wiesner 22. Januar 2018 um 8:41 Uhr - Antworten

      Ein Makro Objektiv sollte sehr scharf sein. Selfies klingt eher nach mässig sitzendem Fokus als nach Schärfe 🙂

  4. lufabcor 22. Januar 2018 um 7:56 Uhr - Antworten

    Lieber Stephan
    Werde mir bald die Sony A7II kaufen und habe eigentlich noch keine Objektive, die ich weiterverwenden möchte. Für die Sony e-mount vollformat gibts ja bekanntlich noch nicht so viele Objektive. Macht es dennoch Sinn, die Objektive spezifisch von Sony/Zeiss zu kaufen oder hat man mit bspw einem adapter und canon Objektiven eine gute (und günstigere) Alternative? Lieber Gruss

  5. Andre 21. Januar 2018 um 23:07 Uhr - Antworten

    Hallo Stefan, hast du Erfahrungen mit dem im letzten Jahr erschienenen Sony 85 mm? Das ist preisloch ja recht attraktiv und man liest viel Gutes darüber. Hast du eines im Portfolio?

    • Stephan Wiesner 22. Januar 2018 um 6:02 Uhr - Antworten

      Nein

  6. Alex 21. Januar 2018 um 14:36 Uhr - Antworten

    Servus,
    ich bin am Überlegen mir das Canon 100mm L 2.8 Makro auch für Portraits zuzulegen. Für ein 85mm Fotografiere ich einfach zu wenige Portraits so denke ich das ein 100mm 2.8 auf Kleinbild für meine Zwecke genügt.
    das Bokeh soll ja auch recht schön sein.

    • Stephan Wiesner 21. Januar 2018 um 16:34 Uhr - Antworten

      Nutze ich sehr viel für Studio Portraits

  7. Felix 21. Januar 2018 um 8:08 Uhr - Antworten

    Mein „Portrait-Objektiv“ an APS-C (früher 400D, jetzt 80D) war lange Zeit das 50 mm 1.8 von Canon. Bis ich von einem Freund das 85 mm 1.8 von Canon drauf hatte.
    Inzwischen habe ich selbst eins. Für Headshots ideal und Outdoor auch gut zu gebrauchen. Preis/Leistung für einen Hobbyfotogtafen sehr gut.

    • Dietmar Kuhn 22. Januar 2018 um 18:45 Uhr - Antworten

      Hallo. Ich habe das Canon EF 85 1.8 an meiner 6D Vollformat. Laut den Testern von “photozone.de” habe ich hier für unter 500 Euro ein “very good bokeh”. Ein “excellent bokeh” gibt es mit dem Ef 85 1.2 für knapp 1.800 Euro. Das Geld musst Du erst mal überhaben. Wenn ich das hätte, würde ich wohl erstmal ein EF70-200 2.8er Version 2 anschaffen (auch sehr gutes Bokeh), das auch für apsc ein enormes Freistellungspotenzial für Brennweiten über 100 mm bietet – wenn Du Platz im Gelände hast.

      Viele Experten sagen auch, das die megascharfen Linsen oft gerade nicht den schönsten Hintergrund erzeugen..

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