Landschaftsfotos und vor allem Fotos mit einer Person (oder einem Tier) in einer Landschaft profitieren häufig davon, wenn es eine Art Einrahmung gibt. Das können Bäume sein, Felsen, Gebäude oder ins Bild hängendes Laub. Dieses kleine Detail hat eine überraschend starke Wirkung auf Fotos. Hier ein paar Beispiele.

Felsen im Elbsandsteingebirge

Das Foto der Bastei wird (dezent) von zwei Felsblöcken eingerahmt. Dadurch hat der Betrachter mehr das Gefühl, wirklich dort zu stehen und diese Szene zu sehen.

Bastei: Herbstwald im Elbsandsteingebirge

Bastei: Herbstwald im Elbsandsteingebirge

 

Der Voyeur-Look

Wird eine Person gezeigt, so kann man mit Laub einen „Voyeur-Look“ erzeugen. Das folgende Foto einer jungen Frau in einem Bergsee bei Kandersteg zeigt dies. Genau so würde ich die Frau sehen, wenn ich mich im Gebüsch versteckt hätte. Das Foto bekommt damit ein wenig einen Hauch von „Verbotenheit“. Oder weckt es einfach Erinnerungen an die Kindheit, als wir uns nachts an den Baggersee und die schönen Nachbarin angeschlichen haben? Wäre das gleiche Foto ohne das Laub aufgenommen, dann würde es deutlich weniger wirken.

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Den Wald vor Bäumen sehen

Der Baum im Morgennebel in der Lüneburger Heide wirkt stärker, weil er von den Blättern der Bäume im Vordergrund eingerahmt wird. Die Bäume betonen nocht den Einsamer-Baum-Look, obwohl sie ja eigentlich zeigen, dass der Baum gar nicht einsam ist. Aber er steht eben nicht mitten ZWISCHEN den Bäumen, sondern abseits.

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Pietzmoor in der Lüneburger Heide, Deutschland

 

Ein Rahmen verleiht Tiefe

Das Foto vom Berner Oberland hat sehr viel Tiefe. Man sieht mehrere Bergketten am Horizont. Durch den Einbezug der Felswand im Vordergrund bekommt es eine maximale Tiefenwirkung. Der Rahmen lenkt hier also nicht nur den Blick, er stärkt die Bildwirkung auch aktiv. Das Foto zeigt dass ein Rahmen auch nur auf einer Seite eingesetzt werden kann.

Stürmisches Wetter auf dem Stockhorn im Berner Oberland. Bergsee mit Sonne und Herbstlaub.

Stürmisches Wetter auf dem Stockhorn im Berner Oberland. Bergsee mit Sonne und Herbstlaub.

Der Klassiker: Ein Rahmen wie ein Fenster

Wir sind es gewohnt, unsere Welt durch ein Fenster (oder den Rahmen unseres Smartphones?) zu sehen. Ein Rundum-Rahmen wie bei dem Wasserfall ist daher ein häufig eingesetztes Mittel, um den Betrachter ins Bild herreinzuziehen. Bei solchen Fotos muss man häufig eine Belichtungsreihe machen (das Foto ist ein HDR) oder den Rahmen komplett zur schwarzen Silhouette werden lassen.

Das Foto ist übrigens in meinem Landschaftsfotos-Nachbearbeitungs-Tutorial als Download enthalten.

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Wasserfall in der Schweiz – Sony RX100 M3

 

Break the Rules

Natürlich passt es nicht in jedem Fall, einen Rahmen zu setzen. Insbesondere, wenn man Weite zeigen möchte, passt ein Rahmen nur sehr selten. Im Foto vom Schloss Chillon in der Schweiz ist der linke, obere Rand bewusst ausgebrannt. Dadurch verschwindet der See scheinbar ins Unendliche. Ein Rahmen würde diesen Weite-Eindruck verhindern.

Das Foto ist praktisch out of camera – erstellt mit Haida Graufilter (Testbericht). Siehe den Artikel: So verwendet man einen Graufilter.

Sonnenuntergang am Schloss Chillon - Schweiz

Sonnenuntergang am Schloss Chillon – Schweiz

Das Baum der Cypress Tree Road im Point Reyes Seashore Park besteht quasi nur aus Rahmen. Hier ist nicht das ausgebrannte Feld am Ende der Strasse eingerahmt, sondern die Bäume sind das Hauptelement. Wie ich das Foto nachbearbeitet habe erkläre ich auf Youtube.

Cypress Tree Road im Point Reyes Seashore Park

Cypress Tree Road im Point Reyes Seashore Park

 

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