Das Landschaftsfotografie Tutorial Buch ist jetzt bei Amazon als Kindle-Version verfügbar (Affiliate Link) – und gleich ein Bestseller. Zeit für eine Retrospektive – oder einen After Mission Report, wie wir das in der Bundeswehr genannt haben.

Ein Buch schreiben ist einfach

Die Idee für ein Landschaftsfotografie Buch zu haben ist relativ offensichtlich. Es zu schreiben und im Selbstverlag zu publizieren auch. Schwierig ist es, ein Buch zu schreiben, dass auch gerne gelesen wird. Und es zu verkaufen.

Ich sollte jetzt wohl sagen, dass mir Schreiben leicht fällt, aber so einfach ist das nicht. Diesen Blogbeitrag schreibe ich, mal wieder, im Zug. Mit dem 12er MacBook auf dem Schoss habe ich 90 Minuten Zeit, um die Rohversion zu schreiben. Am Nachmittag dann noch mal eine Stunde für die Finalisierung inkl. Bildern.

Der wesentliche Punkt dabei ist: Nicht einfach nackte Informationen zu präsentieren, sondern auch ein Schmunzeln im Leser zu wecken – oder zumindest sein Interesse.

Um (einmalig) Zahlen zu nennen: Das Buch hat sich in den ersten beiden Tagen rund 500 mal verkauft. Das ist mehr, als das Bewerbungsfoto-Buch insgesamt hat und auf Youtube habe ich es noch nicht mal bekannt gegeben gehabt. Wichtiger ist aber das tolle Feedback. Sehr viele nette Kommentare, Mails und Messages sind zu mir gekommen. DAS ist der eigentliche Lohn für mich!

Sonnenschutz Macbook

Mit dem Sonnenschutz auf dem Macbook kann ich auch in meiner “Freizeit” arbeiten

Meine persönlichen Lektionen aus dem Buch

Das Buch ist nicht mein erstes. Ich habe bereits mehrere Bücher geschrieben, wusste also, was auf mich zukommt. Dennoch habe ich die Menge Arbeit unterschätzt. Wenn man mit der Einstellung ran geht ein „sehr gutes Buch“ zu schreiben, dann macht man viele kleine Dinge, die man für ein „gutes Buch“ nicht machen würde. Immer wieder Feedback einholen, immer wieder noch mal gegenchecken, ganze Kapitel komplett neu schreiben und gezielt losfahren, um Fotos anzufertigen, die einen Sachverhalt besser verdeutlichen.

Ständiges Feedback von Testlesern, aber auch gemeinsame Fotosession mit Freunden und Fans sind in das Buch eingeflossen. Dadurch ist es praxisbezogen für meine Zielgruppe.  Jede freie Minute habe ich die letzten 2 Monate genutzt. Und ich meine jede Minute. Meine Freundin hat mich hier sehr tapfer unterstützt. Mir ist bewusst, dass es nicht immer einfach für sie war und ich bin da sehr dankbar.

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Immer im Einsatz. Das Video zu diesem Foto gibts auf Youtube.

 

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Das Buch ist in den Top 100 Kindle-Büchern bei Amazon und auf Platz 1 in der Rubrik Fotografie

 

Würde ich beim nächsten Mal etwas anders machen? Schwer zu sagen, da muss ich wohl noch ein paar Wochen warten, bis mehr Feedback reingekommen ist. Ein Punkt ist die Frage nach einer Papier-Version. Diese kann in der vorliegenden Form nicht funktionieren, da das Buch von den vielen Links lebt, welche fest integriert sind. Natürlich könnte man diese z.B. mit einem Barcode einfügen, so dass der Leser leicht darauf zugreifen kann, aber es ist nicht die gleiche Sache. Neben den Videos finde ich besonders die Integration der Anekdoten wichtig. Häufig sind sie ja nur als Teaser drin. Wer sich amüsiert, kann die ganze Geschichte lesen – und tut es auch. Die Zugriffe auf meinen Blog sind gestern stark angestiegen. Das funktioniert aber nur, wenn es eine fliessende Integration ist. Falls es zu einer Papierversion kommen sollte, dann zusammen mit einem Verlag und dann muss man diese Punkte diskutieren. Da verlasse ich mich dann auf die Expertise der Fachleute. Es haben mich bereits mehrere Verlage kontaktiert, aber selbst wenn es zu einer Hardcover Version kommen sollte, wird es wohl nächstes Jahr, bis die im Buchladen steht.

Bleibt noch festzuhalten, dass ich selbst beim Schreiben auch noch mal einiges gelernt habe. Es hat mich dazu gebracht, viele Dinge zu hinterfragen und zu optimieren. Kleine Dinge, Details. Aber es sind immer die Details, die ein sehr gutes Foto von einem guten Unterscheiden. Das Gelernte ist dann 1-1 ins Buch geflossen, so dass Du da auch von profitieren kannst.

3 Lektionen, die ich beim Publizieren gelernt habe

Das Publiziere bei Amazon funktioniert so, dass ich die Meta-Daten, also Titel, Beschreibung, Cover, Preis, etc. eintrage und dann publiziere. Damit ist es aber nicht automatisch im Shop verfügbar. Amazon prüft jede Änderung, was ca. 12 Stunden dauert. Erstes Learning war: Da ich teile meiner Blogs wiederverwendet habe wurde das Buch zunächst abgelehnt. Ich musste erneut bestätigen, dass mir die Inhalte wirklich gehören. Amazon macht da also scheinbar eine Plagiats-Prüfung.

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Meine Fotografie-Bücher bei Amazon

Dann ist das Cover im Shop nicht verfügbar gewesen. Zunächst dachte ich, dass es einfach dauern würde. Als Informatiker weiss ich, dass solche Sachen häufig mit einem Job gemacht werden, der nur einmal pro Tag läuft. Also habe ich geduldig 24 Std gewartet – ohne Ergebnis. Da ich aktuell in den Bergen bin, musste ich extra nach Hause fahren und den Upload noch mal machen. 4 Stunden Umweg. Dann hat das immer noch nicht funktioniert, wie ich 12 Stunden später gemerkt habe. Also noch mal hochgeladen, diesmal mit einer frisch erzeugten Datei – diese ist inzwischen online und funktioniert. Warum weiss wohl nur der Programmierer…

Und dann eine Lektion, die ich als Software Tester eigentlich gut kenne: Es entstehen immer Fehler. Die Beschreibung zum Buch habe ich eingetragen, als das Buch noch bei der Lektorin war. Da ich sie aus dem Buch entnommen habe waren prompt Rechtschreibfehler drin. Für mich ist das völlig normaler Alltag. Es gibt keine fehlerfreie Software. Aber es macht in diesem Fall natürlich einen schlechten Eindruck bei Leuten, die darauf Wert legen. Ein gutes Dutzend Messages kamen innerhalb der ersten Stunde nach der Veröffentlichung mit diesen Hinweisen. Das habe ich inzwischen korrigiert, aber, eben, es hat 12 Std gedauert.

Auch habe ich in der Woche, in der das Buch bei der Lektorin war noch neue Detail-Ideen in der Lüneburger Heide und im Harz gesammelt und eingebaut. Auch hier haben sich kleine Fehler eingeschlichen. Irgendwann muss man aber auch Live gehen und Qualität kann man immer noch verbessern – es kostet einfach.

3 Lektionen, die ich beim Schreiben gelernt habe

Schreiben ist mein Beruf. Meine Arbeitsergebnisse im richtigen Leben sind Fehlerreports und Analysen. Im Fotografie-Blog schreibe ich seit Jahren Tests, Tutorials und Reiseberichte. Das Vorgehen kann ich aber nicht 1-1 für ein Buch übernehmen. Nicht nur ist der Text viel länger, er ist auch linear. Im Web ist man es gewohnt Links zu folgen und weiterführende Informationen in neuen Browserfenster aufzumachen. Eine Reihe von Artikeln wird dann in beliebiger Reihenfolge gelesen. Im Buch erwartet der Leser jedoch einen logischen Aufbau. Ich muss erst erklären wie die Blende funktioniert – dann kann ich den Manuellen-Modus beschreiben.

Schreibe ich im Beruf sehr sachliche, knappe, präzise Reports, so möchte ich den Leser im Buch fesseln. Dass es im Moor nach Torf riecht oder dass ich an eine leise plätschernden Bach sitze schreibe ich im Buch – aber nicht im Berufsalltag.

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Die grösste Schwierigkeit ist es, eine Zielgruppe klar zu definieren – und dann auch konsequent für diese zu schreiben. Was setze ich voraus? Was muss ich erklären? Weiss der Leser, was „Bokeh“ ist? Welche Themen sollte ich besser weglassen, weil sie meine Zielgruppe überfordert? Oder sollte ich sie dennoch reinnehmen, als „Fortgeschritten“ markieren und damit auch die erfahrenen Fotografen abholen? Dafür kann es keine richtige Antwort geben – nur meine eigene Antwort. Mit den Anekdoten hole ich jedenfalls alle ab und bringe zumindest Unterhaltungswert.

Das Internet verwendet ein Flow-Layout auf einer Seite. Ein Blogartikel ist eine Seite. Der Leser kann scrollen und egal welche Schriftart er einstellt oder welches Gerät er verwendet, er hat immer eine Seite. Im Buch ist das anders. Je nach Gerät hat der Leser sehr unterschiedlich grosse Seiten und blättert um. Ich kann niemals sagen. Entsprechend habe ich sehr viel Zeit investiert, den Text auf verschiedenen Geräten und mit verschiedenen Schriftgrössen zu studieren. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, das geht nicht anders. Erste Reaktionen scheinen aber zu bestätigen, dass die Leser gut damit zurecht kommen.

Was passiert jetzt?

Diesmal ist nach dem Buch nicht gleich wieder vor dem Buch 🙂 Das Buch hat sich ausschliesslich mit dem Fotografieren befasst. Aus dem Kontakt zu meinen Fans weiss ich aber, dass viele Probleme mit der Nachbearbeitung haben. Entsprechend habe ich ein Video zur Nachbearbeitung meiner Landschaftsfotografie mit Lightroom erstellt.

In diesem Zusammenhang ist auch noch eine längere Reise durch Deutschland geplant. Emden, Elbsandstein, Bayrischer Wald sind die Eckpunkte. Dort werde ich das notwendige Material sammeln – und auch weitere Zusatzinformationen zum Buch aufbereiten.

Matterhorn: Mit und ohne Nachbearbeitung

Matterhorn: Mit und ohne Nachbearbeitung

Mein Ziel bleibt weiterhin: Motivieren und Dir helfen besser/mehr zu fotografieren. Ich kann nicht „besser“ fotografieren, als andere und ich bin auch kein Photoshop-Guru. Was ich glaube ich gut mache ist: Mit einem Augenzwinkern in den Hintern treten. Aber nicht als Drill-Sargent, sondern in der Rolle des Tutors. Ich möchte nicht sagen: „Du musst Dir Photoshop kaufen“ und auch nicht „Du musst Dodge and Burn einsetzen“. Statt dessen zeige ich, wie ich es mache und gebe viele kleine Praxistips. Und inkl. der Dinge, die mir schief gehen, die nicht funktionieren. Immer mit dem Bewusstsein, dass ein Hobbyfotograf nicht die Zeit und das Geld investieren kann, wie ein Profi. Gut genug ist manchmal besser als Perfektion anzustreben.