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Die Milchstrasse fotografieren lernen – Das Problem mit dem Vordergrund

Wenn man die Milchstrasse fotografieren möchte, dann gelten die gleichen “Regeln”, wie bei der Landschaftsfotografie am Tage. Die wichtigste ist: “Vergib Deinem Foto einen Titel”! “Milchstrasse über dem Gantrisch” ergibt ein anderes Foto als “Gantrisch mit Milchstrasse”. Mit dieser Vorgehensweise löst Du auch gleich das Problem des Vordergrundmotivs: Der Titel bestimmt, was das dominante Bildelement ist – und was noch auf das Foto gehört. “Milchstrasse über dem Gantrischseeli” stellt klar, dass der See mit drauf sein muss. Es stellt aber auch klar, dass die Milchstrasse sehr dominant im Foto zu sehen sein muss. Damit kommen aber neue Probleme und um die geht es in diesem Beitrag. Der Artikel ist Teil der Tutorial-Serie zum Thema die Milchstrasse fotografieren lernen.

Milchstrasse am Gantrisch über dem Gantrischseeli

Milchstrasse über dem Gantrischseeli am Gantrisch – Ist der Mittelgrund zu dunkel?

 

Die Milchstrasse fotografieren und der dunkle Vordergrund

Die Milchstrasse sieht man dann am besten, wenn es sehr dunkel ist, sprich ohne Mondlicht. Zu diesem Zeitpunkt sieht man aber Wiesen, Wälder, Acker oder sonstige dunkle Untergründe auf Fotos nur bei extrem langen Belichtungen, bzw. extrem hohen ISO-Werten. Sie sind sehr viel dunkler, als der Sternenhimmel. Um diesen Unterschied einzufangen benötigt man eine Belichtungsreihe, also mehrere Fotos. Einsteiger in die Milchstrassenfotografie zögern häufig davor, mehrere Fotos mit unterschiedlichen Einstellungen zu erstellen und später in Photoshop zusammenzusetzen. Das Resultat ähnelt dann manchmal einem Foto mit dem Titel:  “Milchstrasse über schwarzem Fleck”. Der Fotograf selbst weiss, dass dort ein schöner Eichenwald stand und sieht ihn daher auch im Foto. Der unbeteiligte Beobachter jedoch nicht.

Erst den Titel des Fotos vergeben, dann mit dem Fotografieren beginnen.

Wer wirklich nur ein einziges Foto machen möchte, der wird kaum darum herumkommen, den Vordergrund entweder weitgehend wegzulassen oder so zu wählen, dass dieser fast so hell ist, wie der Himmel. Das kann ein See sein und insbesondere Schnee ist da sehr dankbar. Es kann auch helfen, wenn man Lichtverschmutzung mit im Bild hat. Besser ist es evtl., man hat ein “interessantes Objekt” im Vordergrund. Das beleuchtete Zelt ist hier der Klassiker. Auch Lichter von Autos oder wie hier der Rhätischen Bahn können harmonisch ins Bild gefügt werden. In diesem Beispiel sind die hellen Felsen von den Lampen unter der Brücke noch leicht beleuchtet. Dadurch ist das Foto heller und der dunkle Wald stört nicht. Wären die Felsen mit Bäumen bewachsen, wäre das Foto eher zu dunkel.

Wähle einen hellen Vordergrund, damit Dein Gesamtfoto nicht zu dunkel wird.

Wichtiger Hinweis: ISO-Rauschen sieht man besonders in dunklen Bereichen, nicht so sehr in den Hellen. Wenn also mehr im Foto “hell” ist, dann hast Du auch insgesamt weniger Rauschen.

Milchstrasse über dem Landwasserviadukt - Rhaetische Bahn

Milchstrasse über dem Landwasserviadukt – Rhaetische Bahn

 

Die Wahl der Helligkeit: Zwei Fotos machen

Wer ein wenig Grundkenntnisse in Adobe Photoshop hat, der kann zwei Belichtungen machen. Eine relativ kurze für die Sterne, siehe dazu den Artikel die richtige Belichtungszeit für die Sternenfotografie. Die zweite Belichtung ist für den Vordergrund und kann (fast) beliebig lang sein. Dadurch kann man den Vordergrund relativ hell bekommen, ohne das ISO hochzuziehen. Ausserdem kann man das Vordergrund-Foto auch bei Mondlicht machen, so dass man noch weniger Rauschen hat und mehr erkennen kann. Das Problem dabei ist jedoch: Es “macht keinen Sinn”. Der Betrachter wird erkennen, dass ein Tannenwald in der Nacht schwarz sein muss und nicht leuchtend grün. Da kommen wir dann in den Bereich persönlichen Geschmacks. Wieder hilft es, wenn man helle Elemente im Vordergrund hat, die den Blick einfangen und bei denen es “Sinn macht”, dass sie hell sind. Damit wären wir wieder beim See, Zelt oder Schnee. Das folgende Foto vom Gantrischseeli wurde nach Sonnenuntergang aufgenommen. Es ist noch genügend Licht vorhanden, dass ich den See so hell machen kann, wie ich das möchte. Problem ist hier aber: Es sind noch keine Sterne im See zu erkennen. Möchte ich das als Basis für mein fertiges Foto nehmen, dann muss ich noch die Sternenreflektionen “einbauen”. Ausserdem ist es für mich zu hell als Basis für ein Foto der Milchstrasse. Für ein “gutes” Foto des Sees wiederum fehlt ein interessanter Blickfang im Vordergrund.

Gantrischseeli mit Gantrisch, kurz nach Sonnenuntergang

Gantrischseeli mit Gantrisch, kurz nach Sonnenuntergang

 

Die Milchstrasse fotografieren lernen

Das Fazit ist demnach: Wie immer im Leben hilft es, zunächst kurz nachzudenken, was man überhaupt möchte. Aus dem Titel ergibt sich dann auch die Bildkomposition. Diese sollte berücksichtigen, dass der Vordergrund so wichtig ist, wie das Hauptmotiv. Ist der Vordergrund nur ein schwarzer Fleck, dann trägt er anders zum Foto bei, als wenn dort z.B. die Reflektionen von Lichtern an einem See zu sehen sind, wie hier bei dem Foto vom Niesen am Thunersee.

Weitere Tipps und Tricks zum Finden der Milchstrasse in Deutschland gibt es hier im Blog. Mein komplettes Milchstrasse-Tutorial führt Dich von der Planung über die Durchführung zur Nachbearbeitung mit Adobe Lightroom.

 

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Ein Kommentar

  1. Ben 23. Mai 2017 um 22:34 Uhr - Antworten

    Wieder ein interessanter und hilfreicher Blogbeitrag.

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