Wütend trete ich gegen mein Stativ – und fange es dann grade noch ab, bevor es ins Wasser fällt. Jetzt habe ich doch schon wieder vergessen, Panzertape mitzunehmen! Damn! Anfängerfehler. Zum dritten Mal in Folge! Damn!! Fluchend gehe ich zurück zum Zelt, lege die Stirnlampe so, dass es gut beleuchtet wird und tapse im Dunkeln zurück zur Kamera. Dann fokussiere ich auf das gut beleuchtete Zelt und hol meine Lampe wieder. So sieht Hyperfokale Entfernung in der Praxis aus.

Mit Colliers Night Photography (Affiliate Link) habe ich Sterne fotografieren gelernt. Es ist sehr umfangreich, bleibt aber auf einem leicht verständlichen Level. Und die Bilder motivieren. Ich habe es auf meinem iPhone und blättere es gerne auf der Fahrt zu einer Nacht-Session noch mal durch.

Ein Tutorial zur Sternenfotografie reicht nicht

Hast Du Dir schon mehrere Youtube Videos zum Thema Milchstrasse fotografieren angeschaut, Artikel gelesen, vielleicht sogar ein Buch gekauft (oder zwei)? Und dennoch wird es nichts? Es sind die kleinen Details, die nicht funktionieren. Und genau das kann man sehr gut üben bzw. vorbereiten. Und genau darum geht es in diesem Artikel: Ich gebe Dir eine Trainingsanleitung. Wenn Du das Training absolviert hast, steht Deiner erfolgreichen Sternennacht nichts mehr im Wege…

Lerne Deine Ausrüstung kennen – und mach Dir eine Packliste

Wenn Du nicht, wie ich, vor Ort merken möchtest, dass Du etwas wichtiges vergessen hast: Dann erstell Dir eine Packliste.

Kannst Du Deine Kamera im Dunkeln bedienen? Mach Dir einen Spass daraus, das zuhause zu üben! Ernsthaft. Wenn Du vor Ort ständig die Lampe anmachen musst, um ISO zu verstellen oder das Histogramm anzuzeigen, dann verlierst Du jedes Mal Deine Nachtsicht (und Zeit). Wenn Du nicht alleine bist, werden die anderen Fotografen wenig Freude haben, wenn Du da rumfunzelst.

Wo ist die Unendlich-Stellung bei Deinem Objektiv (wahrscheinlich nicht dort, wo es markiert ist)? Und wohin musst Du fokussieren, wenn Du den 5m entfernten Baum UND die Sterne im Fokus haben möchtest (Hyperfokale Entfernung)? Wenn Du diese Fragen daheim am PC nicht beantworten kannst – dann auch nicht morgens um zwei bei -3 Grad und eisigem Wind. Glaub mir – ich hab das ausprobiert. Mehrfach.

Sony A6300 User könnten sich z.B. die App installieren, mit der man per Handbewegung auslösen kann – nie wieder Verwackler wegen dicker Handschuhe! Natürlich kann man auch einfach einen Kabel-Fernauslöser verwenden, wie wir das früher gemacht haben.

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Panorama: Milchstrasse fotografieren

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Checkliste für die Vorbereitung

  • Packliste erstellt
  • Kamera im Dunkeln bedienen gelernt
  • Location dreimal überprüft
  • Panorama und HDR im Griff
  • Hyperfokale Entfernung für Dein Objektiv im Kopf
  • Klares Zielfoto (schriftlich beschrieben)
  • ISO-Rauschen bei Kälte getestet
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Ausruestung: Milchstrasse fotografieren

Theorie, ISO und Komposition

Bis zu welchem ISO kannst Du Deine Kamera pushen? Nachts. Bei Kälte. Probier es aus! Experimentier. Und denk immer daran, dass Histogramm zu füllen! Für mehr dazu siehe den Artikel zu Einstellungen für die Nachtfotografie.

Wie sieht das mit Panoramas aus, hast Du das routiniert im Griff? Auch im Dunkeln, wenn Du nicht siehst, wo Du die Kamera hinzeigen lässt? Probier das ruhig bei Dir daheim vor der Tür aus. Das kann und muss man üben – und zwar mit jedem Objektiv / jeder Brennweite. Nichts ist ärgerlicher, als eine 12 Bilder Serie wegzuwerfen, weil man sich verschwenkt hat!

Vor einem Nacht-Shoot google ich viel. Ich blättere Ideen durch. Zu meiner Location (falls möglich) UND allgemein. Einfach nach “Milky Way Photography” suchen und die Bildersuche wählen. Da findet man immer mal eine frische Idee, die man dann für sich abwandeln kann.

Für die Komposition ist es meistens interessanter, wenn irgendetwas im Vordergrund ist. Baum, Zelt, Mensch, Kirche, egal was. Das gilt analog wie zur Bildgestaltung in der Landschaftsfotografie im Allgemeinen.

Wann und wohin?

Such Dir eine App aus und lern sie kennen (ich nutze PhotoPills und eine Lichtverschmutzungskarte). Üb das. Sonst stehst Du irgendwann um Mitternacht an einem dunklen Ort – und merkst, dass ein Hügel im Weg ist und Du … nichts siehst. Oder dass Du die Milchstrasse gesehen hättest – um 23:00-24:00 Uhr.

Die besten Zeiten sind häufig Nächte mit sehr wenig Mond – der früh untergeht (oder spät auf). Dann hat man ein wenig Mondlicht für das Warmschiessen und dann die Milchstrasse. Wenn die Nacht komplett mondlos ist, dann macht es einem das Leben deutlich schwieriger. Auch musst Du Dir dann überlegen, wie Du mit Vordergrundelementen umgehst. Evtl. musst Du mehrere Fotos mergen, z.B. eine 20 Sekunden Belichtung des Himmels und eine 120 Sekunden des Vordergrunds. Gleiches gilt, wenn Du viel Lichtverschmutzung hast: Schiess Belichtungsreihen und lerne das Histogramm zu lesen. Sind die Stadtlichter nur hell oder schon ausgebrannt? Wie kombinierst Du die Fotos nachher im Lightroom/Photoshop? Das kann man sich alles in Ruhe daheim am Küchentisch überlegen.

Fazit

Drillausbildung haben wir das in der Bundeswehr gennant. Die Grundidee ist die gleiche: Man soll auch bei Kälte, Müdigkeit und Erschöpfung routiniert seine Arbeit erledigen können. Das erreicht man mit guter Vorbereitung – und viel Üben. Je mehr Zeit Du damit verbringst, desto leichter wird es Dir gelingen schöne Fotos vom nächtlichen Himmel zu erstellen!

 

 

Sony A6000 ISO Rauschen Zelt Sternenhimmel

Sony A6000 – Zelt mit Sternenhimmel

Milchstrasse-Schwarzwald-Feldberg-Deutschland

Milchstrasse-Schwarzwald-Feldberg-Deutschland