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Nikon D850 – Die 5 besten Funktionen

Mit der Nikon D850 bin ich seit mehreren Wochen unterwegs. Seit dem Testbericht habe ich den Agile Leadership Day in Zürich fotografiert – eine Konferenz mit 800 Teilnehmern. Auf Rügen waren wir privat unterwegs, für mein Magazin habe ich Portraits erstellt und auch auf dem Landschaftsfotografie Workshop im Harz war sie dabei. Die meiner Ansicht nach besten Funktionen habe ich hier zusammengetragen.

Rollei Alpha XL Stativ am Landschaftsfotografie Workshop im Harz

Rollei Alpha XL Stativ am Landschaftsfotografie Workshop im Harz

 

 

Autofokus der Nikon D5 in der Praxis

Insbesondere auf der Konferenz ist mir der Autofokus noch mal sehr aufgefallen. Dunkler Saal mit schwarzen Wänden, Decke und Fussboden machen mir auf dieser Eventfotografie immer das Leben schwer. Bzw. machten mir es mir bislang. Im Einsatz hatte ich das Nikon 70-200 F2.8 Objektiv sowie das 20mm F1.8.

Autofokus in der Event-Fotografie

Autofokus in der Event-Fotografie

Der Sprecher der Keynote rennt regelrecht über die Bühne. Er spricht nach links gerichtet, denn wieder zum rechten Teil des Publikums. Blitzschnell verschiebe ich den Fokuspunkt. Dann kommt ein Witz und ich wirble zur Menge herum, versuche lachende Gesichter einzufangen. Dabei wechsle ich die Belichtungskorrektur von -1 auf +1/3. Mein Auge verlässt dabei den Sucher keinen Moment. Der Autofokus sitzt. Immer. Am Abend gehe ich mit 1143 Bildern in den Zug – von denen ich 250 am nächsten Morgen abliefere. Fehlfokus habe ich nicht einen.

 

 

 

 

Weissabgleich der Nikon D850

Ein typischer Testbericht hat wenig mit der Praxis als Fotograf zu tun. Also zurück zur Konferenz: Eine schlimmere Situation kann ich mir zum Fotografieren nicht vorstellen. Bunte Powerpoint Folien, Scheinwerfer oder Deckenleuchten und dunkle Wände. Als Informatiker habe ich nicht mal im Ansatz eine Idee, wie man die Ermittlung des Weissabgleichs programmieren könnte – aber Nikon offensichtlich schon. Eine Graukarte habe ich natürlich dabei – aber nicht genutzt.

Hauttöne drinnen wie draussen wirken naturgetreu und gefallen. Das ist mir jetzt noch mal deutlich aufgefallen im Vergleich zur D5600, die noch den „typischen Nikon Look“ hat.

Event-Fotografie mit der Nikon D850

Event-Fotografie mit der Nikon D850

 

 

Dynamikumfang der Nikon D850

Nicht-Nikon-User können es nicht mehr hören, das D-Wort. Fakt ist, dass Nikon hier die Nase vorn hat und wer sich daran erstmal gewöhnt hat, der mag das nicht mehr missen. Es gibt mir mehr Puffer für Fehler und spart Zeit in der Nachbearbeitung. In der Praxis kann ich nicht sagen, dass der Dynamikumfang relevant „besser“ wäre, als bei der D750. Aber definitiv sehr sehr gut!

Dynamikumfang Nikon D850 - Dynamic Range

Dynamikumfang Nikon D850 – Dynamic Range

 

Medium-RAW

Habe ich bislang immer wieder gesagt, dass ich so viele Pixel nicht brauche, so hat sich das leicht geändert. Die D850 bietet die Möglichkeit, auch in Small- bzw. Medium-RAW zu arbeiten. Dann hat man weniger Pixel – und einen vergleichbaren Dynamikumfang und ISO-Werte. Das kenne ich von meiner alten Canon 6D und nutze ich dort bei der „Massenfotografie“ also Sport und Events. Bei den alten Nikons musste man hier einen deutlichen Qualitätsverlust hinnehmen, dass wurde überarbeitet. Inzwischen arbeite ich daher bei der Nikon im Medium-RAW und schalte nur bei Zielfotos auf die vollen Pixel. Die Funktion habe ich mir ins Custom-Menü gelegt, so dass es griffbereit ist. Das beschleunigt meine Nachbearbeitung enorm und Medium-RAW ist immer noch viel zu gross für die allermeisten Fälle.

AcroYoga Fotografie in der Schweiz

AcroYoga Fotografie in der Schweiz

Die vollen Pixel erlauben einem mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung und meine Designerin vom Magazin schimpft nicht mehr mit mir, dass wir die benötigten 406 DPI nicht immer erreichen. Wichtige Ergänzung: Nur wenige Objektive können überhaupt die 47 MP liefern.

 

 

Zuverlässigkeit

Der Wecker hat mich aus dem Tiefschlaf gerissen und halbwach stecke ich den Kopf aus dem Zelt. Die Temperatur ist leicht unter Null und ein fieser Wind bläst mir den Atem davon. Dreissig Minuten bis Sonnenaufgang, Zeit die Männer zu wecken. „Vinicius? Bernhard? Seid ihr wach?“, rufe ich zum Nachbarzelt rüber und höre ein Grunzen. Dann schlüpfe ich in die Stiefel und schnappe mir die Nikon D850 für ein paar erste Fotos vom wolkenverhangenen Himmel, während die anderen sich parat machen für die Slackline.

Highline in den Alpen - Outdoor Fotografie

Highline in den Alpen – Outdoor Fotografie

Das „sich verlassen können“ ist die grösste Stärke der Nikon. Ich kann sie mit Handschuhen und steifen Fingern bedienen. Auch bei Frost. Ich muss mir keine Gedanken über den Autofokus machen oder Sorge haben, dass ich aus Versehen gegen einen Knopf komme und diesen verstelle. Der Akku hält „ewig“. Die Bedienung kann blind erfolgen, also ohne das Auge vom Sucher zu nehmen.

Durch die Grösse der Kamera fühlt sie sich extrem professionell und wertig an – und gibt mir damit mehr Selbstbewusstsein. Das ist schwer in Worte zu fassen. Bei meiner Canon 6D geht es mir ähnlich – weil ich damit 150.000 Fotos gemacht habe. Mit der Nikon war das Vertrauen bereits nach dem ersten Dutzend Fotos da.

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Funktionen die ich nicht viel nutze

Nicht alle Funktionen der neuen Kamera nutze ich auch – zur Zeit. Wie immer im Leben, ändern sich die Ansprüche, bzw. das Nutzerverhalten. Die Übertragung aufs Handy habe ich z.B. vor ein paar Jahren sehr viel genutzt – jetzt poste ich keine Fotos mehr, die nicht durchs Lightroom gelaufen sind (oder klare Handy-Schnappschüsse sind).

 

Timelapse am Schloss Moritzburg

Timelapse am Schloss Moritzburg

 

Snapbridge

Für die „permanente Übertragung“ von Fotos zum Handy sehe ich keine Verwendung und daher habe ich die Funktion nicht ausprobiert. Meine Akkus danken es mir.

 

Timelapse

Die Nikon bietet leider keine Timelapse-Funktion, obwohl sie damit viel wirbt. Da man ohne Verschluss Auslösung arbeiten kann wäre sie dafür eigentlich prädestiniert. Da ich keine Zeit für die Nachbearbeitung von Timelapses habe, erstelle ich diese meist in der Panasonic GH5. Als 4K-Film, denn mehr brauche ich nicht. Am Schloss Moritzburg habe ich einen Timelapse erstellt – und noch nicht mal angeschaut. Weil ich seit fast vier Wochen On the Road bin und auf dem MacBook kann ich keine Verarbeitung mit den RAW-Dateien machen.

Mit der Nikon kann man lediglich mit dem internen Intervall-Programm Reihen von Fotos erstellen, das funktioniert auch zuverlässig. Dank Medium-RAW kann man Dateien erzeugen, die verarbeitbar sind. Ich jedenfalls möchte nicht mit 1000 Full-RAW-Dateien arbeiten „müssen“ und ich habe den aktuell schnellsten iMac den es gibt. Wer allerdings die Timelapse-Erstellung als Leidenschaft betreibt, hat mit den grossen Dateien auch mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung als bei anderen Kameras.

Als Abenteuer-Fotograf in den Alpen

Als Abenteuer-Fotograf in den Alpen

 

Touch Funktionalität

Ich zeige es jedem, der die Kamera noch nicht kennt und es gibt immer ein AH und OH: Der Touch-Screen funktioniert zuverlässig und ich habe keine Nasen-Probleme (anders als bei der D5600, wo ich es deswegen ausgeschaltet habe). Nur nutze ich es höchstens mal, um schneller in Fotos reinzuzoomen. Für die Bedienung der Kamera gar nicht. Das ist zum Teil mangelnde Gewöhnung, wobei ich den Touchscreen bei der GH5 viel nutze. Die vielen Buttons an der Kamera machen die Kamera für mich einfach effizienter bedienbar. So wie ich am Computer auch mit vielen Keyboard-Shortcuts arbeite, statt über das Menü zu gehen.

 

Filmen

Die Bildqualität beim Filmen mit der D850 ist exzellent. Nur hat man leider keinen sinnvoll nutzbaren Autofokus, kein umklappbares Display und der Sound rauscht zu sehr für meine Ansprüche. Daher filme ich gelegentlich B-Roll wie z.B. die Steinböcke im Slackline-Video. Aber ich schleppe die Panasonic GH5 oder RX100 M5 zusätzlich mit zum Filmen. Das liegt natürlich auch daran, dass Selfie-Filmen ein Geschäftsmodell für mich ist.

Der Testbericht zur Nikon D850 auf Youtube.

 

Live-View

In der Landschaftsfotografie arbeite ich viel im Live View und da haben Systemkameras, naturgemäss, die Nase vorne. Sehr gut gelöst ist, dass ich mir die 3D-Wasserwaage anzeigen lassen kann, also auch die Ausrichtung nach oben/unten. Somit kann ich bei Ultraweitwinkel-Aufnahmen sicherstellen, dass ich keine Verzerrungen habe. Autofokus und Belichtungsvorschau hingegen sind nicht mehr zeitgemäss.

 

Fazit Nikon D850 Testbericht

DXOMARK hat die Nikon D850 gerade zur „besten Kamera der Welt“ ernannt. Das ist natürlich nur eine (sehr technische) Sichtweise auf die Kamera. Meine Freundin z.B. kann die D850 mit dem 70-200mm Objektiv nicht benutzen. Für sie ist die Kombination  zu schwer, um sie ruhig zu halten – ich hingegen mag das hohe Gewicht, da es mir mehr Stabilität verleiht.

Je länger ich die Kamera nutze, desto mehr schätze ich sie. Wie oben beschrieben ist der nicht quantifizierbare Faktor „sie gibt mir Sicherheit“ der für mich entscheidende. Wie ich bereits im Testbericht zur Kamera geschrieben habe: Man muss sie ausprobieren, um das nachvollziehen zu können. Und nicht für jeden ist sie geeignet. Eine D500 kostet viel weniger und bietet den gleichen Autofokus bei weniger Gewicht. Eine D750 bietet in der Praxis eine vergleichbare Bildqualität zum halben Preis und Filmer finden wo anders bessere Kameras. Wer keine Kompromisse eingehen möchte und dicke Arme hat, der findet ein echtes Profiwerkzeug.

 

Weissabgleich Nikon D850 - Tageslicht plus Blitz

Weissabgleich Nikon D850 – Tageslicht plus Blitz (Foto by Kristina)

 

5 Comments

  1. Robin 9. Oktober 2017 at 21:01 - Reply

    Stephan hör auf mein Portmonai zu beunruigen. Nach der Kritik will der, der sich gerne Profi nennt auch ein Profigerät 🙂 Und alle anderen auch! Finde die D850 auch sehr cool, wie gross sind den die Dateien so im M. Raw?

    • Stephan Wiesner 11. Oktober 2017 at 7:25 - Reply

      Die DNG sind 23 MB, normale Dateigrösse halt für 24MB-Dateien

  2. Hans Lehmer 9. Oktober 2017 at 5:50 - Reply

    Super Test…auf den Punkt gebracht….

  3. Stephan Otto 8. Oktober 2017 at 20:51 - Reply

    Wie immer toll geschrieben, scheint so als hättest Du Deine neue Liebe gefunden…
    kurze Randnotiz: Hat die Sony RX100iii ausgedient und warum der Wechsel auf die 5er?

    • Stephan Wiesner 9. Oktober 2017 at 7:11 - Reply

      Die Sony RX100 M5 kann viel besser filmen. Die M3 habe ich daher verkauft.

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