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Scharfe Fotos machen – Tipps und Tricks

Scharfe Fotos leicht gemacht mit den besten Tipps und Tricks für Ausrüstung, Bedienung der Kamera und Nachbearbeitung in Lightroom und Photoshop. In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie es geht – ohne dass Du gleich eine neue Kamera kaufen musst (die hat den kleinsten Anteil). Die Infografik gibt eine Zusammenfassung. Der Artikel ist Teil des Gratis Fotokurs hier im Blog.

Infografik Scharfe Fotos

Infografik Scharfe Fotos

Scharfe Fotos mit der richtigen Kamerahaltung

Tipps für die richtige Kamerahaltung gebe ich in diesem Video. Was banal klingt, fällt mir an meinen Fotografie-Workshops immer wieder auf: Die Kamera wird mit einem grossen Objektiv nur am Body gehalten – und man sieht das Objektiv deutlich wackeln. Oder umgekehrt: Fotografen mit einer Systemkamera, die wie mit einem Handy fotografieren.

 

Die richtigen Kamera-Einstellungen für scharfe Fotos

Wie in der Artikelserie zum Thema Kamerabedienung erläutert: Lerne die Stärken und Schwächen Deiner Ausrüstung kennen. Auch sehr teure Objektive sind offenblendig nicht ganz so scharf, wie auf den mittleren Blenden. Wenn Du also mit Deinem 85mm 1.4 Objektiv auf 1.4 arbeitest (Testbericht Sigma 85mm 1.4), dann wirst Du nicht nur viele Fehlfokussierungen haben, sondern auch nur eine (relativ) mässige Schärfe erreichen. Das muss wohlgemerkt nicht stören. Wegen mir müssen Portraits nicht maximal scharf sein, Gesichtsausdruck, Stimmung, Bokeh, etc. sind mir viel wichtiger.

Der einfache Trick für scharfe Fotos ist daher: Stell Deine Kamera auf ein Stativ und fotografier Dein Bücherregal. Schalte durch die Blenden durch und vergleiche die Fotos nachher auf 100%. Die Bildmitte, wie auch die Ränder. Dann weisst Du, ab wann Du eine maximale Schärfe erreichen kannst.

Schärfe vom Sigma 85mm Objektiv bei Portraits

Schärfe vom Sigma 85mm Objektiv bei Portraits

Dazu kommt, dass bei Headshot-Portraits mit 85mm auf Blende 1.8 so wenig Schärfentiefe ist, dass es schwer sein wird, mehr als die Wimpern scharf zu bekommen. Der einfache Tipp wäre hier: Geh lieber auf 2.5. Dann habt ihr es entspannter, die Fotos sind schärfer und die Nasenspitze ist nicht mehr ein unfokussierter heller Fleck. Die Blende hat auch Auswirkungen auf das Bokeh: Siehe den Artikel Bokeh bei Portraits.

 

Mehr Schärfe durch ein Stativ

Wenn Du nicht gerade in der Mittagssonne fotografierst, kann ein Stativ Dir wahrscheinlich den Extra-Schärfekick geben. Verlass Dich nicht auf die Bildstabilisation oder irgendwelche Faustformeln. Ich nutze meist das Rollei Beta Stativ (Testbericht). Auch bei Portraits mit Verschlusszeiten von 1/100 oder kürzer setze ich gerne ein Stativ ein. Bei hochauflösenden Kameras und Brennweiten von 85mm oder mehr sieht man einen Unterschied (ausprobieren!).

Nicht nur als Landschaftsfotograf sollte man daher (öfter) ein Stativ dabei haben!

Landschafts-Fotografie lernen mit dem Buch von Stephan Wiesner

Landschafts-Fotografie lernen mit dem Buch von Stephan Wiesner

 

Mehr Schärfe durch Blitz

Die extrem kurze Abbrennzeit von Blitzen führt zu schärferen Fotos – selbst wenn der Blitz nur zur Aufhellung eingesetzt wird. Je höher der Blitzanteil am Licht, desto stärker der Effekt. Soll man Aufsteckblitze oder Studioblitze kaufen? Es muss nicht immer ein Fotostudio oder ein teurer Porty sein. Meine Blitzausrüstung für das entfesselte Blitzen mit Aufsteckblitzen zeigt, was ich verwende, wenn ich unterwegs bin.

Portrait mit dem 85mm Sigma

Portrait mit dem 85mm Sigma

 

Schärfere Fotos mit RAW

RAW Fotos sind nicht per se schärfer, aber man kann in der Nachbearbeitung mehr machen. Für Massenverarbeitung (z.B. Eventfotografie) kann man immer noch ein Default-Preset anwenden, aber für die Lieblingsfotos kann mit gezielter Schärfung das Optimum herausgeholt werden. Dabei nicht vergessen: Schärfe ist relativ. Durch gezieltes Einsetzen von Unschärfe kann man einen hohen Schärfegrad erreichen.

In einer JPG-Datei hat man keine Kontrolle. Man kann sich nur auf den eingebauten Algorithmus verlassen, der idealerweise ein „durchschnittliches Ergebnis“ erzielen wird. Das mag einem reichen, aber es wird nicht an ein gut nachbearbeitetes Foto heranreichen.

Workshop Bern Frühling 2016

Workshop Bern Frühling 2016

 

Schärfen in Adobe Lightroom

Wer ausschliesslich mit Lightroom arbeitet, der „muss“ dort schärfen. Der Trick ist: Die Alt-Taste zu drücken und am Maskieren-Regler zu ziehen. Man sieht dann, auf welche Bereiche die Schärfe angewandt wird. Bei Portraits landet man meist bei einem Wert von ungefähr 80. Für die Schärfe ist 50 ein guter Startwert. Bei 100% kann man selbst beurteilen, ob man auf 45 oder 55 gehen möchte.

Pedanten (also ich nicht) malen die Schärfe mit dem Korrekturpinsel nur auf die gewünschten Bereiche, z.B. die Augen.

Scharfe Fotos in Adobe Lightroom

Scharfe Fotos in Adobe Lightroom

 

 

Schärfen in Adobe Photoshop

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, Fotos in Photoshop zu schärfen. Der Hochpassfilter wird vielleicht am häufigsten verwendet. Mit Werten um 1-3px und anschliessender Auswahl von Weichem Licht, Ineinanderkopieren oder Linearem Licht. Hier würde ich vorschlagen: Ausprobieren, auf 100% anschauen – und dann eine Aktion dafür erstellen.

In Photoshop hat man maximale Kontrolle. Man kann mit Masken arbeiten und nur kleine Bereiche schärfen, die Deckkraft reduzieren, etc. Ich verwende 2px und weiches Licht für Portraits und Ineinanderkopieren für Landschaftsfotos. Mit einer Maske schärfe ich dabei aber nur die Bereiche, die ich möchte. Bei Landschaftsfotos z.B. schärfe ich Himmel oder Wasser normalerweise nicht, die Hauptmotive aber schon.

Schärfen in Photoshop: Der Hochpass Filter

Schärfen in Photoshop: Der Hochpass Filter

Scharfe Fotos – Wie wichtig ist das Objektiv?

Wichtig. Wer ein Kit-Objektiv gewohnt ist und sich mal ein Sigma Art Objektiv ausleiht – wird ins Schwärmen kommen. Man kann einfach nicht erwarten, dass ein Objektiv für 50 EUR die gleichen Eigenschaften hat, wie eins für 1000 EUR. Bei Blende 8 mögen die Unterschiede gering sein, aber offenblendig und vor allem an den Rändern dürfte das Objektiv weit mehr ausmachen, als die Kamera. In meinem Vergleichstest der Nikon D750 mit der Nikon D3300 habe ich das deutlich gezeigt. Das gute Objektive nicht teuer sein müssen zeigt nicht nur die Art-Serie von Sigma. Das Tamron 15-30 (Testbericht) oder das Samyang 12mm sind sehr scharfe Objektive, die weit weniger kosten, als die vergleichbaren Objektive von Markenherstellern.

Zürich bei Sonnenaufgang: Die Limmat am See

Zürich bei Sonnenaufgang: Die Limmat am See – Sony A6300 mit dem 12mm Samyang

 

Fazit

Für scharfe Fotos benötigt man ein gutes Ausgangsmaterial und sollte dann mit der richtigen Bearbeitung noch das Optimum herausholen. Der einfachste Weg zu scharfen Fotos ist es: Eine Bücherwand zu fotografieren, wie oben beschrieben. Anhand der Schrift kann man optimal seine Ausrüstung kennen lernen und auch die Nachbearbeitung üben.

 

 

 

Februar 25th, 2017|Categories: Fotografieren Lernen|Tags: |

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