Das Hobby zum Beruf machen: Die Selbstständigkeit als Fotograf wagen klingt verlockend. Schliesslich könnte man dann die teure Kamera-Ausrüstung von der Steuer abziehen, Rechnungen stellen, etc. Im Interview mit Daniel Kancz gibt es ein paar Informationen zum Thema Steuern, der Wahl der Unternehmensform und der wichtigen Frage: Muss ich die 200 CHF versteuern, die mir Tante Emma für die Familienfotos zugesteckt hat?

 

Beruf Fotograf:  Interview mit Treuhänder Daniel Kancz

1. Beschreib doch bitte kurz was ein Treuhänder ist – wie unterscheidet sich das von dem, was ich in Deutschland als Steuerberater kenne?

Die Tiefe und Breite des Tätigkeitsgebiets eines Deutschen Steuerberaters ist mir nicht vertraut, ich kann Dir daher nur sagen, wie ich meine Aufgaben als Treuhänder hier in der Schweiz sehe und lebe: Wie bei den Fotografen, ist jedoch auch die Bandbreite bei den Treuhändern sehr breit…. Ich sehe meine Aufgabe als umfassenden Partner meiner Kunden, der den Begriff «Treuhänder» als «zu treuen Händen» sehr ernst nimmt.

Treuhänder Daniel Kancz

Treuhänder Daniel Kancz

Ich bin für meine Kunden die erste Anlaufstelle hinsichtlich Buchhaltung, Steuern, strategische Fragen, rechtliche Fragen, Versicherungsfragen insbesondere Vorsorge, Nachfolgefrage und auch Ehegüterrecht und manchmal auf für sehr persönliche Fragen… Unser Tätigkeitsgebiet ist sehr umfassend und basiert auf einem Vertrauensverhältnis. Je mehr ich von meinem Kunden weiss (geschäftliche Situation, private Situation, Pläne und Visionen etc.) desto besser kann ich ihn betreuen… Unsere Dienstleistungen gehen je Bedürfnisse des Kunden von der reinen Steuerdeklaration bis hin zur vollständigen Übernahme des ganzen Backoffices (Outsourcing).

 

2. Was kannst Du mir als Einzelunternehmer für Dienstleistungen anbieten?

Primär die Buchführung für Deine Unternehmung, die Steuerdeklaration inkl. Prüfung der Veranlagungen und Rechnungen, nötigenfalls Einsprachen und Verhandlungen mit der Steuerverwaltung, die jährlichen Deklarationen gegenüber den Sozialversicherungen wie der Ausgleichskasse oder der beruflichen Vorsorge. Ich bin aber auch in Versicherungsfragen oder hinsichtlich Deiner Entwicklung Dein Sparringpartner, der Dich manchmal hinterfragt oder z.B. eine für Dich vorteilhaftere Rechtsform empfiehlt z.B. Umwandlung Deiner Einzelunternehmung in eine GmbH.

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3. Bis zu welchem Freibetrag muss ich meine Einnahmen aus der Fotografie nicht versteuern?

Grundsätzlich sind alle Einnahmen zu versteuern, es gibt keinen Freibetrag. Versteuert werden aber nicht die Einnahmen, sondern Dein Gewinn aus der selbständigen Tätigkeit, d.h. was Dir als Einkommen bleibt nach Abzug Deiner Aufwendungen.

Laptop und Akten auf Schreibtisch, Mann im Hemd mit Brille an der Buchhaltung in der Nacht

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4. Ich bin Fotograf und habe einmalig die Mitarbeiter eines Unternehmens fotografiert für 3000 CHF. Ich hoffe auf weitere Aufträge und möchte mich jetzt selbstständig machen, damit ich meine teure Kameraausrüstung von der Steuer absetzen kann. Stichwort “Liebhaberei”.

Damit Du als «selbständigerwerbende Person» anerkannt wirst, brauchst Du eine entsprechende Bestätigung der Ausgleichskasse. Voraussetzung, dass Du als selbständigerwerbend anerkannt wirst sind kumulativ in Stichworten:
– ein eigenständiger Firmennamen gegen aussen (z.B. Eintrag in Telefonbuch, Handelsregister, eigenes Brief- und Werbematerial oder eine Bewilligung zur Berufsausübung).
– Du trägst das wirtschaftliche Risiko (z.B. Investitionen und Inkassorisiko, Miete für Arbeitsräume)
– Du kannst die Betriebsorganisation frei wählen (Betriebszeit, Organisation der Arbeit, Weitergabe Arbeiten an Dritte, i.d.R. Arbeiten ausserhalb der eignen Wohnung)
– Du bist für mehrere Auftraggeber tätig
Im von Dir geschilderten Fall (einmaliger Auftrag, nur ein Auftraggeber, kein eigener Auftritt gg Aussen) wären die Bedingungen nicht erfüllt. Das Unternehmen müsste Dir einen Lohn als Angestellter mit den üblichen Sozialversicherungsabzügen auszahlen, den Du dann auch als solchen in der Steuererklärung deklarieren müsstest (eine Kopie Deines Lohnausweises geht ja in den meisten Kantonen der Schweiz direkt an die Steuerverwaltung).




 

5. Ich verdiene durch kleine Fotoaufträge rund 5.000 CHF im Jahr. Lohnt es sich mich selbstständig zu machen, dass ich meine hohen Ausgaben von der Steuer absetzen kann?

Grundsätzlich gleiche Antwort wie oben und gleiche Kriterien:

Hier haben wir sicher eine genügende Anzahl Auftraggeber. Es wird jedoch ausschlaggebend sein, ob die Ausgleichskasse im spezifischen Fall ein eigener Marktauftritt (z.B. Homepage etc. vgl. oben) sieht oder nicht. D.h. ist im Detail abzuklären.

 

6. Ich bin Fotograf (Einzelunternehmer) mit einem Umsatz von 20.000 CHF im Nebenberuf. Zu 80% arbeite ich in einer Festanstellung. Was muss ich beachten bezüglich AHV, Pensionskasse und Säule 3A. Darf ich z.B. als Selbstständiger mehr in die 3A einzahlen?

Dein Einkommen (also nicht der Umsatz (!) sondern das, was nach Abzug der Aufwendungen für die Selbständigkeit übrig bleibt) ist AHV-pflichtig (Freigrenze CHF 2’300.- pro Jahr) Du musst Dich bei der AHV anmelden und Deine Einkünfte via Steuererklärung deklarieren.

Hinsichtlich Pensionskasse (berufliche Vorsorge) und Säule 3a (private Vorsorge) ist es etwas differenzierter:

– In Deiner 80%-Anstellung bist Du in der beruflichen Vorsorge über Deinen Arbeitgeber für 80 % versichert. Für deine 20 %-Beschäftigung als Selbständigerwerbender kannst Du Dich anteilsmässig selber 2. Säule-versichern. Bei den Fotografen über den Berufsverband oder bei der Auffangeinrichtung BVG.

– Die Limite von derzeit CHF 6’768.- pro Jahr für die Einzahlung in die Dritte Säule ist fix für Dich, wenn Du einer Pensionskasse angeschlossen bist.

Interessanter ist es da, wenn Du eine Deckungslücke in der Pensionskasse hast. Die kannst Du dann einzahlen und den Betrag steuerlich vom Einkommen abziehen.

 

7. Einzelunternehmer oder GmbH? Ich mache 70.000 CHF Umsatz im Jahr und arbeite vollberuflich als Fotograf. Lohnt es sich auf eine GmbH zu wechseln um nicht mit meinem Vermögen zu haften? Lohnt es sich steuerlich?

Das wirtschaftliche Risiko ist für Dich als Eigentümer einer GmbH grundsätzlich tiefer, als bei einem Einzelunternehmer: Bei der GmbH haftet nur das Gesellschaftsvermögen (Achtung, jeweils Statuten beachten!), während Du bei der Einzelunternehmung mit Deinem ganzen Privatvermögen haftest. Als Fotograf sehe ich jedoch kaum Haftungsrisiko, dass Du nicht – wenn überhaupt – über eine Haftpflichtversicherung abdecken könntest/müsstest. Bei einer Bankfinanzierung, die recht weit geht, würde die Bank bei einer GmbH aber allenfalls eine private Haftung miteinbeziehen, also wärst Du dort auch wieder gleich weit mit der Haftung des Privatvermögens wie bei einer Einzelunternehmung…

Hinsichtlich Steuern kann man das pauschal nicht beantworten. Es ist immer der Einzelfall anzuschauen, die Entwicklung, die Strategie etc…. Als Einzelunternehmer versteuerst Du Dein Einkommen einmal, als GmbH anteilsmässig zweimal (einmal als Gewinn in der GmbH und ein zweites Mal, wenn Du den Gewinn aus der GmbH rausnimmst (dann jedoch reduziert). Die Versicherungsfragen sind als GmbH einfacher zu lösen, i.d.R. erübrigt sich bei der GmbH auch die Frage der Selbständigkeit bei der Ausgleichskasse, dafür sind die administrativen Kosten für die GmbH höher (Rechnungslegungsvorschriften).. wie Du siehst viele Punkte, die es für diesen Entscheid zu berücksichtigen gibt. Zieh hier den Profi Deines Vertrauens zu Rate und spare hier nicht am Beratungshonorar, das kann unschöne Folge haben!

Noch eine Bitte: Wenn Du dann von einer Einzelunternehmung in eine GmbH wechselst, lass Dich bitte von einem Profi beraten! Ich habe schon sehr wüste steuerliche Konsequenzen gesehen aus einer nicht durchdachten und nicht sauber durchgeführten Umwandlung (Steuernachforderungen von CHF 30’000)…

Die Kameraausrüstung von der Steuer absetzen?

Die Kameraausrüstung von der Steuer absetzen?

8. Stichwort Anlagevermögen und Steuern: Ich habe keine teuren Maschinen, aber kaufe immer wieder Fotoausrüstung im Bereich ein paar hundert Franken bis 3500 CHF. Lohnt es sich da mit Abschreibungen zu arbeiten oder kann/sollte ich das einfach als einmalige Ausgabe verbuchen?

Hier kannst Du nach dem einfachen Grundsatz teilen: Was Du länger als ein Jahr brauchst, das aktivierst Du und das schreibst Du über die Lebensdauer ab, bei der Fotoausrüstung z.B. 5 Jahre für den Apparat und 3 Jahre für Filter. Was du weniger als ein Jahr brauchst sind Verbrauchsgüter, das nimmst du direkt über den Aufwand als einmalige Ausgabe.

 

Daniel ich bedanke mich für das Gespräch.

 

Weiterführende Informationen

Wer eine weiterführende Beratung von Daniel Kancz in Anspruch nehmen möchte findet ihn hier in Bern:

KANCZ AG Consulting & Treuhand
Weihergasse 7a, 3005 Bern

Kasernenstrasse 23, 3600 Thun

http://www.kancz.ch/kontakt/

Weiterführende Informationen zum Thema Selbstständigkeit in der Schweiz gibt es z.B. hier:

https://www.ch.ch/de/selbststandig-machen/

Was so an Kosten für die AHV auf Selbstständige zukommen kann man für Bern hier einsehen:

https://www.akbern.ch/firmen/beitraege/selbstaendigerwerbende/