Andreas Jorns ist einer der wenigen Deutschen Fotografen, denen ich auf Instagram folge. Und der einzige Akt-Fotograf, dem ich folge. Mit dem Buch Sensual Nudes hat er (endlich) ein Buch herausgebracht, in dem er zeigt, wie er fotografiert. Ob mir das Buch gefallen hat und vor allem, was man draus lernen kann liest Du in diesem Review. Weitere Buchempfehlungen für Fotografen findest Du hier im Blog.

 

Sensual Nudes ist ein Lehrbuch und kein Bildband

Stolze 326 Seiten hat das Hardcover Buch Sensual Nudes von Andreas Jorns (alle Links Affiliate Links). Anders als seine Bildbände ist es ein Lehrbuch mit Angabe der EXIF-Daten zu den Fotos, Hinweisen zur Nachbearbeitung in Lightroom und vor allem: 50 Fotos mit der Geschichte dahinter. Ähnlich wie bei meinem Landschaftsfotografie Buch (nur ohne Eis und Schnee). Und das ist das wirkliche Highlight für mich als Fotograf. Die Fotos von Andreas sind immer sehr schlicht und einfach gehalten. Meist mit einem Fensterlicht als einziger Lichtquelle. Dennoch schafft er es, Licht präzise zu setzen. Was mit Blitzen einfach ist, wird mit einem Fenster schwieriger (man kann es schliesslich nicht bewegen). Immer wieder lese ich also, dass er Vorhänge halb zu zieht, Hotelzimmer bewusst zum Innenhof ausgerichtet mietet, etc. Die kleinen Tipps aus der Praxis sind es, die das Buch wertvoll machen. Was hier leider fehlt: Er zeigt nur die fertigen Fotos und keine Behind the Scenes, was natürlich deutlich helfen würde.




Ich muss dazu sagen, dass ich zwei Bildbände von Andreas kenne und nichts damit anfangen kann (soll keine Wertung sein). Daher habe ich das Buch eher lustlos in die Hand genommen und wenig erwartet – nach kurzem Durchblättern habe ich es dann aber gleich mit zur Kasse genommen – und schon die ersten Eselsohren reingeknickt.

 

Zielgruppe und was kann man aus dem Buch lernen?

Der Aufbau des Buchs ist (leider) typisch Deutsch, wenn ich das so sagen darf. Es beginnt (mal wieder) mit der Geschichte und Definition von der Akt Fotografie. Ich bin selbst Autor und kenne die Problematik – weigere mich aber dennoch bei Adam und Eva anzufangen. Wer ein Buch zur Akt Fotografie kauft, wird wahrscheinlich wissen, was es ist. Ein Blick ins Buch zeigt es ihm sonst. Unterkapitel wie „Hat die Aktfotografie im heutigen Zeitalter noch eine Relevanz“ lese ich mir jedenfalls nicht durch. Der Grossteil des Buchs ist dann auch eher für Einsteiger gedacht. Bis zum Kapitel Bearbeitung (Seite 186) geht es um die absoluten Basics. Sehr (!) viele seiner Fotos verdeutlichen die Punkte. Wenn man seinen Stil mag, dann kommt man schon beim Durchblättern und lesen der EXIF-Daten auf seine Kosten.

 

Die Nachbearbeitung im Buch Sensual Nudes von Andreas Jorns ist sehr kurz gehalten – weil er sehr wenig macht. „Out of Cam bis zum fertigen Bild – in drei Minuten“ heisst das Kapitel – ganz in meinem Sinne. Mein Kaufvideo zu Lightroom heisst nicht umsonst „5 Minuten Workflow“. Das Entscheidende bei Andreas Jorns ist, dass er mit sehr grossem, sehr weichem Licht arbeitet. Hautretouching ist deswegen kaum nötig, weil das Licht ihm die Arbeit abnimmt. Wer das versteht und umsetzen kann, der braucht wirklich nicht stundenlang im Photoshop zu sitzen. Die Kritik hierbei kann man allerdings in der Form anbringen, dass im Buch Sensual Nudes nur „attraktive Frauen“ zu sehen sind. Zwar sind es nicht nur Models, sondern auch „normale Privatpersonen“, aber eben doch Frauen, die ich als „überdurchschnittlich attraktiv“ bezeichnen würde. Wer also lernen möchte, wie man schwere Frauen um die 50 jung und schlank macht, der ist hier fehl am Platz. Das einfach als Hinweis, da ich selbst diese „Kritik“ auch immer wieder zu hören bekomme.




Und dann kommt der bereits besprochene Teil mit den 50 Bildern mit der Story dazu, das Highlight des Buchs.

Letzte Kritik die mich generell an Akt stört, hat nichts mit Andreas Jorns zu tun, fällt mir hier beim Durchblättern aber wieder auf: Das Problem beim On Location Fotografieren ist immer die Frage der Bildunterschrift. Wie ich nicht müde werde zu betonen, braucht ein gutes Foto einen Sinn. Reine Studiofotografie braucht das nicht, da klar ist, dass es ein Studiofoto ist. Aber wenn eine Frau nackt auf dem Boden vor dem Bett sitzt, dann frage ich mich „warum sitzt sie da?“ und finde keine Antwort. Ich selbst sass jedenfalls noch nie nackt vor meinem Bett und habe aus dem Fenster geschaut. Mag an mir liegen.

Das folgende Foto zeigt sehr eindeutig, worum es geht: Stephan macht seine Steuererklärung. Bei Aktfotos hingegen kann man nur selten einen Sinn in der Situation sehen. Das müsste nichts besonderes sein, „Alltagssituationen“ sind da ideal. Ich mag Situationen, in die ich mich hineinversetzen kann. Situationen, die ich aus dem Alltag oder Filmen kenne. Und natürlich sind im Buch ein paar sehr schöne Fotos, die ich definitiv „mal nachmachen möchte“.

Laptop und Akten auf Schreibtisch, Mann im Hemd mit Brille an der Buchhaltung in der Nacht

Stephan macht seine Steuererklärung

 

Fazit

Ich habe es ja am Anfang schon gesagt: Wenn ich im Buchladen schon Ecken in ein doch nicht gerade billiges Buch mache, dann kaufe ich es, um es aufzuheben. Als Ideensammlung, um es meinen Models zu zeigen im Sinne von „wie wäre so etwas?“ und um vor einem Shooting noch mal kurz reinzuschauen (wie hat er das noch mal gemacht?). Das Buch Sensual Nudes  ist also sehr empfehlenswert für alle die in die Aktfotografie ohne Blitz einsteigen möchten oder gerade eingestiegen sind.

Wenn Du Andreas Jorns noch nicht kennst, dann schau Dir doch mal seinen Instagram Account an (Achtung Nackedeis!): https://www.instagram.com/andreasjorns/

Weitere Buchempfehlungen für Fotografen findest Du hier im Blog.

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