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Was sind die Vorteile in RAW statt JPG zu fotografieren?

JPG oder RAW? RAW-Dateien bieten nicht nur Vorteile gegenüber einer JPG-Datei. In diesem Artikel beleuchte ich die wichtigsten Unterschiede der beiden Dateiformate.

Was ist eine RAW-Datei?

Um ein Foto zu erstellen, müssen quasi Lichtstrahlen in eine Folge von 0-en und 1-en gebracht werden. Dies passiert in der Kamera und je nach eingebautem Chip und verwendeter Software gehen dabei Informationen verloren. Ziel einer RAW-Datei ist es, sowohl möglichst viele Informationen zu erhalten, als auch eine kleine Datei zu erzielen. Damit eine hohe Anzahl Bilder pro Sekunde geschossen werden kann muss die Datei dazu noch möglichst schnell erzeugt werden können. Die Kamerahersteller verwenden eigene Programme und Dateiformate, um diesen Vorgang zu optimieren. Manche Hersteller setzen dabei auf das offene Format .DNG, so z.B. das neue iPhone 7.

Die RAW-Datei ist quasi das, was früher das Negativ war: Das Foto muss noch entwickelt werden, um optimal dargestellt zu werden. Deswegen sehen RAW-Dateien zunächst fad und kontrastarm aus, wenn man kein Bearbeitungs-Template auf sie anwendet. Manche Bearbeitungsprogramme machen dies automatisch beim Import. Für Lightroom kannst Du Dir mein Standard-Import-Preset kostenlos herunterladen. Im Gegensatz zu einer JPG-Datei enthält die RAW-Datei viel mehr Informationen. Sowohl mehr Farben, als auch mehr Werte in den hellen und dunklen Bereichen. Daher kann man die RAW-Datei in der Nachbearbeitung stärker verändern. Theoretisch ist es immer besser, das RAW-Format zu wählen, man kann sich schliesslich immer noch ein JPG daraus erzeugen. Dennoch werden die meisten mit JPG arbeiten. Das ist einfach unkomplizierter und setzt weniger Wissen voraus.

 

Was sind die Vorteile einer JPG-Datei?

JPG-Dateien sind viel kleiner. Je nach verwendeter Komprimierung sind sie z.B. nur 1/3 so gross oder sogar nur 1/20. Das spart nicht nur Platz auf der Speicherkarte und dem Computer, die Dateien können auch schneller verarbeitet werden. Für Sportfotografen im Bereich Actionsport ist das ein wichtiges Thema. In dem Video erzählt Sportfotograf Ulf Schiller, wie sein Workflow bei der professionellen Sportfotografie aussieht.

Die Dateien sind “fertig entwickelt”, sprich sie enthalten die korrekten Farben und sind mit Kontrast und Schärfe optimiert. Je nach Situation und Kamera funktioniert das heute sehr gut. Auch erhalten die Fotos so einen für die Kamera spezifischen “Look”. Insbesondere Fuji bietet die Möglichkeit an,  unter mehreren Fuji-Looks zu wählen. Sofern die Kamera ihre Arbeit gut gemacht hat (bzw. der Fotograf die richtigen Einstellungen gewählt), kann das Foto von allen Foto-Programmen verwendet werden und ist “fertig”. Eine Nacharbeit ist nicht mehr nötig – und auch nur noch sehr bedingt möglich. Das kann nicht nur für Hobby-Fotografen interessant sein, auch Profis setzen durchaus auf JPG Dateien. Insbesondere im “Massengeschäft” Eventfotografie oder Sportfotografie. Für die meisten privaten Fotos wird das JPG-Format ausreichend sein. Evtl. macht es Sinn, beide Dateien erzeugen zu lassen – dann kann man später noch wechseln. Das führt dann zu entsprechend mehr Speicherbedarf.

 

Fuji X100T - Velvia Look

Fuji X100T – Velvia Look

 

Was sind die Vorteile einer RAW-Datei

Der grosse Nachteil ist: Man muss sich selbst um die Nachbearbeitung kümmern. Selbst wenn man ein Standard-Bearbeitungspreset verwendet, ist es zeitaufwendig. Dafür hat man aber viel mehr Möglichkeiten. Man kann nicht nur kleinere Belichtungsfehler korrigieren, sondern auch eigene Looks anwenden. Egal, ob es ein Schwarzweiss-Preset ist oder einfach der eigene Stil. Für die Archivierung kann man sich entscheiden, die RAW-Datei zu löschen und nur das JPG aufzuheben (umgekehrt geht das nicht).

 

Watzmann - Berchtesgaden

Watzmann – Berchtesgaden – Sony RX100 M3

Das Foto vom Watzmann hat sehr helle Bereiche in den Wolken und sehr dunkle im Wald. In der RAW-Datei habe ich genügend Informationen, um diese Bereiche nach meinem Geschmack hervorzuheben. Die Wolken sind nicht ausgebrannt (nicht zu hell) und haben viel Struktur. Man erkennt aber auch noch einzelne Grashalme auf der Wiese im Vordergrund. Als JPG wäre es schwer gewesen, dass alles einzufangen.

Aber das heisst: Man MUSS eine Nachbearbeitung machen. Das setzt das notwendige Werkzeug und das Wissen voraus, dieses auch bedienen zu können. Programme wie Adobe Lightroom oder Capture One sind hoch komplex und nicht jeder möchte die Zeit (und das Geld) investieren, sich damit zu beschäftigen. Auch wird eine höhere Anforderung an die Hardware des Computers gesetzt. Auf Reisen habe ich z.B. häufig nur das MacBook 12 dabei. Mit dem kann ich zwar RAW-Dateien in Lightroom bearbeiten, aber nicht so flüssig, wie ich das gerne hätte. Möchte ich unterwegs schon erste Fotos ins Internet posten, so verwende ich durchaus auch mal JPG-Dateien.

Nebenbei: Eine RAW-Datei enthält auch immer ein JPG für die Vorschau. Das was Du am Display Deiner Kamera siehst, ist dieses JPG und nicht die RAW-Datei.

Profitipp: In manchen Kameras wie z.B. der Nikon D750 oder der Sony A7II kann man die RAW-Dateien komprimieren lassen. Theoretisch verliert man dadurch Informationen – einen Unterschied konnte ich bislang aber nicht feststellen. Daher wähle ich hier die komprimierte Variante.

Noch ein Profitipp: Man kann RAW-Dateien in das DNG-Format wandeln lassen und hat dann Performance-Vorteile in Adobe Lightroom (in der Lightroom CC Version September 2016 angeblich nicht mehr relevant).

 

Verwende ich JPG oder RAW?

Die Antwort ist ein wenig abhängig davon, was ich mache und in welcher Phase ich gerade bin. Für Aufträge arbeite ich immer mit RAW-Dateien – mit Ausnahme der Event-Fotografie, dort ist es mal so mal so, je nach Event. Privat fotografiere ich viel mit dem iPhone als JPG. Im Urlaub nehme ich gerne die Fuji X100T mit und fotografiere in JPG, weil ich den Fuji-Look mag. Ansonsten würde ich sagen: 95% RAW.

Bilder die ich veröffentliche oder abliefere sind normalerweise mit einem Preset versehen und leicht manuell korrigiert. Portraits gehen normalerweise durch Photoshop, die meisten anderen Fotos nicht. Details zu meiner Nachbearbeitung von Landschaftsfotos gebe ich in meinem Video-Tutorial.

Mein letzter Tipp: Wenn Du nur JPG fotografierst, solltest Du “wichtige” Fotos dennoch als RAW + JPG erstellen. Dann bist Du auf der sicheren Seite, selbst wenn Du die RAW-Datei jetzt nicht bearbeitest. Vielleicht möchtest Du das später noch machen und hast die Option. Wie ich das Backup für meine Fotos organisiere beschreibe ich in diesem Blog-Artikel.

 

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2 Kommentare

  1. Frank L. 13. Januar 2017 um 12:01 Uhr - Antworten

    Hi Stephan,

    wie bewertest du eigentlich das vielfach diskutierte “Problem” der NEF Datei beim direkten Import in Lightroom. WIe ist da dein Workflow? Wandelst du vorher nochmal in Nikon eigener Software in TIFF um?

    Nutze: D750, Lightroom 6, Nik Collection

    • Stephan Wiesner 13. Januar 2017 um 14:54 Uhr - Antworten

      Bei mir gibts keine Extrawürste. Ich behandle alle RAW Dateien gleich.

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