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Startrail über Bern fotografieren

Startrails oder Lichtspuren zu fotografieren ist deutlich einfacher, als z.B. die Milchstrasse zu fotografieren. ISO-Rauschen ist eigentlich kein Problem und man muss auch kein besonders lichtstarkes Objektiv haben, nicht mal ein extremes Ultraweitwinkel. Einen Startrail in der Stadt zu fotografieren ist jedoch ein Problem, da man die vielen Lichter der Stadt mit im Bild haben möchte – und dennoch die Sterne sehen will. Hier eine Anleitung für die Stadt Bern. Aufgenommen vom Gurten, dem Hausberg von Bern. Im Bild zu sehen das Berner Bundeshaus und das Münster, sowie die Aare. Das war mir wichtig, denn nur so kann man erkennen, dass es Bern ist.

 

Startrails am Gurten in Bern

“Noch eine Düne!” Versuche ich mich selbst anzufeuern, als ich schwitzend mein Stadtrad eine besonders steile Stelle hoch schiebe. Beide Satteltaschen habe ich mal wieder gefüllt mit warmer Kleidung, Stativ, Kamera und allerlei Zubehör. Sehr wenig Gepäck für meine Verhältnisse. Vielleicht hätte ich doch das Rennrad nehmen sollen, aber, eben, ist das Fahrrad zu schwer…

Endlich komme ich oben an – und blicke in grelle Lichter. Eine Feier ist im Gange und der milde Abend hat die Gäste nach draussen gelockt. Statt einsam im Wald zu hocken stehe ich diesmal also inmitten schunkelnder Gäste und versuche mit meinem Körper einen Schatten auf mein Objektiv zu geben. Das wird wieder eine dieser Nächte, fluche ich innerlich und greife zur Teetasse. Und pfeife die Melodie von Money for Nothing mit.

Meine Fotoausrüstung für Startrails

Meine Fotoausrüstung für Startrails

Der “Gipfel” vom Gurten ist rund 350m oberhalb von Bern, somit hat man einen weiten Blick ins Umland. Man ist zwar nicht mal 3 km Luftlinie vom Zentrum entfernt, aber mit einem Weitwinkelobjektiv ist das doch überraschend “weit weg”. Entsprechend sind die Häuser nur noch sehr klein im Bild. Das ist ein wichtiger Punkt in der Bildgestaltung. Ich konnte definitiv nicht ein Foto “Startrails über dem Bundeshaus” aufnehmen, da ich die Nikon D750 mit dem 15-30 Tamron dabei hatte. Dafür hätte ich einen Standpunkt viel dichter am Gebäude wählen müssen. Mein Zielfoto war aber: Startrail über Bern und daher wollte ich die ganze Stadt im  Bild haben. Deswegen stehe ich dort oben. Zwei Versuche habe ich mir vorgenommen: Einmal mit 24mm und einmal mit 15mm. Zwar könnte ich das 24mm Bild aus dem 15er “herausschneiden”, aber aufgrund der Party gehe ich davon aus, dass ich eh bis weit nach Mitternacht hier stehen werde, also nutze ich die Pixel aus. Eine der Lektionen aus der Erstellung des GO! Magazins ist: Mehr Pixel sind manchmal doch besser. Eine Doppelseite in unserem Magazin braucht 406 DPI und das heisst: Kein Beschnitt erlaubt!

Sonnenuntergang über Bern und der Aare

Sonnenuntergang über Bern und der Aare

 

Die Kameraeinstellungen für einen Startrail

Startrails kann man in alle Himmelsrichtungen erstellen, aber besonders schön ist es, wenn man nach Norden blickt. Die Sterne scheinen sich um den Nordstern (Polaris) zu drehen, dadurch entsteht dieser Kreis-Effekt. Mit Hilfe meines iPhones und der App Star Walk (Android und iOS) war Polaris schnell gefunden und die Kamera entsprechend ausgerichtet.

Die Sterne sind sehr viel heller als “das schwarze All”. Das macht die Sache schon mal einfacher. Auch will ich die Sterne nicht als Punkte darstellen, wie bei der Fotografie der Milchstrasse. Daher kann ich eigentlich beliebig lange belichten. Die Länge der Belichtung hat Einfluss darauf, wieviele Lichtspuren man sieht und wie hell sie sind. Aufgrund der Art der Nachbearbeitung sind viele kurze Lichtspuren nachher heller, als wenige lange. Zu viele Dateien will ich aber auch nicht haben, zumal man dann schnell kleine Unterbrechungen hat. Hier hilft es, wenn man Erfahrung hat (habe ich nicht) und mehrfach am selben Ort steht (möchte ich nicht). Ein guter Mittelweg sind 15 Sekunden bei ISO 800. Mit dem Problem, dass dann die Lichter der Stadt völlig ausgebrannt sind. Aber am Berg würde ich das so machen.

Hier wähle ich ISO 200. Das ist zu dunkel, beschützt aber meine Highlights. Und weil ich “die Nikon” dabei habe, ist zu dunkel fast egal. Ich habe soviel Reserve, da kann ich an den Reglern ziehen wie ich will. Dann aktiviere ich den Timer (siehe meine Ausrüstungsliste für Landschaftsfotografie) und werfe den Kindle an. 45 Minuten später wechsle ich von 24mm auf 15mm und fiebere weiter mit einer Gruppe Navy Seals um die Rettung der Welt (Affiliate Link). Meist höre ich in solchen Situationen Hörbuch, aber eben, die Musik aus den 80ern verhindert das an diesem Abend.

 

Nachthimmel über Bern

Nachthimmel über Bern – Eins von 180 Fotos aus dem Startrail

 

Nachbearbeitung von Startrails mit Software

Ein Startrail ist ein zusammengesetztes Foto aus sehr vielen Bildern. Man kann sie in Photoshop zusammensetzen. Das ist sehr einfach und man hat die volle Qualität von 16-Bit-Dateien. In dem Youtube Tutorial erkläre ich, wie das funktioniert.

Alternativ gibt es dafür spezialisierte Skripte für Photoshop oder spezielle Softwareprogramme. Ich nutze  StarStaX für den Mac. In diesem Fall habe ich lange damit rumgespielt, letztlich aber dennoch die Variante direkt in Photoshop genommen.

Bei Aufnahmen in der Nähe von einer Stadt werden fliegende Objekte im Bild sein. Hubschrauber, Flugzeuge, Satelliten. Ich habe mich hier entschlossen, die gepunkteten Linien zu entfernen. Einfach mit dem Kopierstempel wegmachen im fertigen Bild – oder mühsam in jeder einzelnen Ebene. Wichtig ist zu verstehen, dass ein Startrail-Foto meist mit der Methode Aufhellen zusammengesetzt wird: Die hellen Flächen werden addiert und somit immer heller. Daraus ergibt sich, dass die Sterne durchaus etwas dunkel wirken können – je mehr Fotos, desto heller werden sie später im fertigen Bild.

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