17.5kg! Warum lande ich immer bei 17.5 kg Startgewicht im Rucksack? Milchstrasse fotografieren in den Alpen – rausfinden, wie gut das Samyang wirklich ist. “Blöde Idee!” grunze ich, als ich den Rucksack in Grindelwald schultere. Grummelnd marschiere ich los, mir einen Platz für die Nacht zu suchen. Dichter Hochnebel ist am aufziehen. Den Sonnenuntergang kann ich vergessen, aber Meteoschweiz hat versprochen, dass es in der Nacht wieder aufklart. Ich bin oberhalb von Grindelwald, mitten in den Schweizer Alpen. Mein Blick würde über die Eiger Nordwand schweifen – wenn der Nebel nicht wäre.
Deuter Rucksack mit Fotoausrüstung und Zelt

Deuter Rucksack mit Fotoausrüstung und Zelt

Am geplanten Schlafplatz angekommen, stelle ich das Hilleberg Rogen Zelt auf und mache es mir gemütlich. Die Wecker werden gestellt auf 21:40, 00:10 und 04:30. Das wird wieder eine dieser Nächte! Immerhin bleibt die Temperatur heute knapp über 0 Grad. Kuschelig warm also, in meinem Daunenschlafsack. Zum Sonnenuntergang stecke ich nur kurz den Kopf aus dem Zelt – noch immer dicht bewölkt. Ich hoffe sehr, dass ich nicht umsonst hier bin! Schnell lullt mich dann das Rauschen des Schmelzwassers in den Schlaf…bis mich mein iPhone wieder aufschreckt.
Hilleberg Rogen Zelt im Nebel

Hilleberg Rogen Zelt im Nebel

Hilleberg Rogen Zelt - Gemütlich Platz für mich und meine Kameras

Hilleberg Rogen Zelt – Gemütlich Platz für mich und meine Kameras

Fast hätte ich mich einfach wieder umgedreht, aber zumindest kurz den Kopf rausstecken muss ich! Und Wow! Was für ein Anblick. Die Nacht ist kalt und klar. Die Sterne scheinen zum Greifen nah und die Milchstrasse ist gut zu sehen und genau dort, wo die PhotoPills App versprochen hat. Schnell schlüpfe ich in Daunenjacke und Stiefel, setze die Mütze auf und schnappe mir meine beiden Stative. Vorsichtig suche ich mir einen Standpunkt zwischen den feuchten Kuhfladen. Die sind noch vom letzten Jahr, aber der Regen der letzten Tage hat sie, ähm, wieder aufgefrischt. Zum Glück riechen sie zumindest nicht mehr…

Milchstrasse fotografieren mit 24mm Sigma Art 1.4 und Sony A7II

24mm ist viel zu wenig, um die  Milchstrasse zu fotografieren. Ich muss grosse Panoramas erstellen. 9 Fotos Minimum, eher 12. Das ist im Dunkeln schwierig. Ich brauche reichlich Überlappung, aber das ist schwer abzuschätzen, wenn man nichts sieht. Zwar habe ich das geübt, aber immer wieder erwische ich mich dabei, dass ich viel zu kleine Schwenks mache. Auch bin ich unsicher mit dem Fokussieren. Ich hatte am Abend das Objektiv auf unendlich gestellt (das ist beim Sigma nicht auf der unendlich Markierung) – brauche jetzt aber den Fokus auf 10m, wenn ich das Zelt und den Sternenhimmel im Fokus haben möchte (siehe das Video zum Thema hyperfokale Distanz).
Vorsichtshalber mache ich mehrere Durchläufe mit leicht verschobener Fokussierung. Schnell ist eine Stunde vergangen. Inzwischen friere ich trotz Daunenjacke, aber es ist einfach zu schön hier, als dass ich schon wieder ins Zelt gehen könnte.
Milchstrasse - Grindelwald Schweiz

Milchstrasse – Grindelwald Schweiz – 20 Sekunden bei F2.0 und ISO 3200, Panorama aus 9 Fotos



Sternenfotografie mit dem Samyang 12mm und der Sony A6300

Jetzt noch die Sony A6300 und das 12mm Samyang. An der APS-C Kamera habe ich 6mm mehr Weitwinkel. Das klingt nicht viel, aber im Weitwinkel zählt jeder Millimeter. Wieder muss ich Panoramas machen. Hätte ich doch bloss das 14-24mm Nikon dabei! Mit 14mm hätte ich alles drauf bekommen. Immerhin, das Fokussieren ist kein Problem mehr. Bei 12mm und F2.2 ist alles ausserhalb vom Makrobereich im Fokus.
Milchstrasse-Sony-A6300-JPG

Milchstrasse mit der Sony A6300: Mit JPG aufgenommen, OHNE Rauschreduzierung – Panorama aus 9 Fotos

Die Milchstrasse ist inzwischen weitergewandert und nicht mehr an der idealen Position, aber es reicht noch für ein symmetrisches Foto. Die Arbeit ist mir inzwischen vertraut. Routiniert fertige ich mehrere Panoramas an. In JPG und RAW. Hoch und quer. Ich verwende das L-Bracket von der A6000 (Affiliate Link) und die Touchless Shutter App auf der Sony. Somit brauche ich keinen Kabelauslöser.

Zum Abschluss lade ich die Fotos noch kurz auf mein MacBook und werfe einen kurzen Kontrollblick. “Sieht glaube ich gut aus!” freue ich mich gähnend. Dann kann ich mich noch mal für 2 Stunden einrollen, aber der Schlaf will nicht kommen. Ich bin zu aufgewühlt. Diese Erlebnisse in den Bergen bewegen mich immer wieder. Gut kann ich mir vorstellen, wie der Sternenhimmel und die  langen, kalten Nächte unsere Vorfahren beeinflusst haben. Heute weiss doch kaum noch jemand, wie gewaltig die Natur ist. Wie schön sie bei Nacht sein kann. Schön, aber auch unheimlich. Hier im Zelt bin ich hilflos. Ich kann nichts sehen und wegen dem rauschenden Wasser auch nichts hören. Ich kann den See riechen und die Kräuter der Wiese. Kein Wunder fühlen sich die Alpenkühe hier wohl!
Milchstrasse-Sony-A6300-Panorama

Milchstrasse Sony A6300 Panorama oberhalb von Grindelwald

Schliesslich muss ich doch noch eingeschlafen sein, wieder reisst mich das iPhone aus dem Tiefschlaf. Der Himmel beginnt hell zu werden. Es wird noch 40 Minuten dauern, bis die ersten Sonnenstrahlen auftauchen, aber ich wollte noch ein Foto vom Zelt im Morgengrauen machen. Sobald es zu hell ist, wird man das Leuchten nicht mehr sehen können. Die A6300 kommt auf das eine Stativ und wird die nächste Stunde nicht mehr bewegt. Alle paar Minuten mache ich ein Foto, während ich mir den ersten Morgenkaffee in meinem alten Bundeswehrkocher warm mache.




Schliesslich kommen endlich die ersten Sonnenstrahlen und scheinen auf die Spitzen von Wetterhorn und Schreckhorn. Ein Trailrunning Pärchen kommt an meinem Zelt vorbeigelaufen. Wir nicken einander zu und ich bin ein wenig neidisch, als ich sie ein paar Minuten später am anderen Ende vom See Arm in Arm sitzen sehe. The loneliness of the landscape photographer….
Ein wenig wehleidig packe ich mein Zelt ein, prüfe noch mal, dass ich keine Spuren hinterlassen habe und mache mich auf den Heimweg.
Bergalpsee - Grindelwald bei Sonnenaufgang

Bergalpsee – Grindelwald bei Sonnenaufgang (Sony A6300, Samyang 12mm)

Fazit

Wie erwartet lässt sich nicht sagen, dass eine Kombination besser ist. Das Sigma an der A7II erlaubt mir mit weniger ISO zuarbeiten, da ich z.B. Blende 1.8 statt 2.2 nehme. Dafür kann ich aber weniger lange belichten, da ich weniger Weitwinkel habe. Dass hebt sich also mehr oder minder auf. Es kommt also auf Vollformat vs. APS-C zurück. Und ja, wenn ich die A7SII hätte, dann wäre das ISO-Rauschen natürlich kein Thema. Aber in der kalten, klaren Bergluft reicht mir das Ergebnis von der A6300 bei ISO3200 durchaus. Schliesslich publiziere ich im Netz und verkleinere die Fotos stark. Da reichen selbst die out of camera JPG Fotos! Die Handhabung ist einfacher, Gewicht und Packmass viel geringer und ich muss häufig keine Panoramen schiessen. Wenn es mir um das Maximum an Qualität für einen sehr grossen Druck gehen würde, dann wäre das Sigma die bessere Wahl. Tut es aber nicht.
Also mache ich das, was Fotografen in solchen Situationen so häufig machen: Ich verwende die beiden guten Lösungen nicht, sondern kaufe mir ein neues Objektiv. Das Tamron 15-30 F2.8 für die Nikon D750 freut sich auf die nächste Milchstrassenphase in drei Wochen….
Weitere Tutorial Artikel zum Fotografieren lernen der Milchstrasse. Ähnlich wie dieser Beitrag ist auch 1 Million Sterne für ein Herz.

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