Studioblitz oder Aufsteckblitz, diese Frage stellt sich vielen Fotografen in der Portrait-Fotografie früher oder später. In diesem Blog-Beitrag führe ich die grössten Vorteile und Nachteile auf und schildere, welche Blitze ich für welche Fotografie-Einsätze verwende. Dieser Artikel aus dem Januar 2017 greift die neuen Möglichkeiten auf, die wir in den letzten 2-3 Jahren erhalten haben. Viele der hier vorgestellten Produkte waren „früher“ nicht verfügbar oder unerschwinglich für Hobby Fotografen. Die Produktlinks sind Affiliate Links zu Amazon.

 

Aufsteckblitze: Die Grössten Vorteile

Gute Aufsteckblitze für die Portrait-Fotografie bekommt man schon ab 50 EUR. Ich arbeite primär mit Yongnuo 560 III Blitzen an Canon, Nikon und Sony Kameras. Sie sind leicht zu transportieren, man hat keine Kabel im Weg liegen und wenn man mehrere Blitze kombiniert, dann hat man sehr viel Power für Indoor-Portraits. Sie haben einen Funkempfänger bereits eingebaut. Eine Liste mit von mir empfohlenen Blitzen und Zubehör gibt es hier im Blog. In meinem Buch Bewerbungsfotos im Wohnzimmer stelle ich mehrere Varianten für ein kleines Heimstudio vor.

Die Bedienung ist extrem einfach und kann mit meinen Gratis-Videos auf Youtube erlernt werden. Wer gerne im Automatik-Modus fotografieren möchte, findet Blitze mit TTL-Steuerung für Canon, Nikon und Sony für unter 150 EUR. Sportfotografen können High Speed fähige Blitze wie den Yongnuo 685 (Canon oder Nikon) bzw. Godox 685 (Sony A6300, A7 und Co, Achtung ich habe nicht mit diesen Blitzen gearbeitet) mit auf den Sportplatz nehmen. Musste man sich früher mit einem Durchlichtschirm begnügen, wenn man weiches Licht erzeugen wollte, so kann man heute viele Studio-Lichtformer an Aufsteckblitzen befestigen. In meiner Liste mit von mir empfohlenen Blitzen und Zubehör gebe ich Empfehlungen, die ich selbst auch verwende.

Lichtmalerei-Langzeitbelichtung-Fotografie-Nacht-Bern

Lichtmalerei und Langzeitbelichtung – Studioblitz oder Aufsteckblitz war hier keine Frage

Entsprechend verwende ich Aufsteckblitze sehr viel. In meinem Artikel zum Fotografieren von Schwimmern im Hallenbad oder dem Artikel zur Lichtmalerei mit Blitz findest Du zwei konkrete Beispiele.

Sport-Fotografie beim Fotograf in Bern. Triathlon: Frau rennt bei Abendsonne aus einem See bei Bern, Schweiz. Neoprenanzug und Schwimmbrille

Triathlon in Bern: Tageslicht mit Aufsteckblitzen verbinden im HSS-Modus

Die extrem kurze Abbrennzeit von Aufsteckblitzen kann bei manchen Shootings von Vorteil sein, z.B. um Wassertropfen einzufrieren. Das geht zwar auch mit Studioblitzen, aber die Einsteigermodelle können das meist nicht. Zu dem Triathlon in Bern Foto gibt es ein Making Of Video.

 

Aufsteckblitze: Die Grössten Nachteile

Aufsteckblitze haben zwei wesentliche Nachteile: Sie haben relativ wenig Leistung und ihre Lichtquelle ist nicht darauf ausgelegt möglichst breit zu streuen (siehe Vorteile der Studioblitze). Für Portraits im Wohnzimmer bei Blende 2.8 reichen Aufsteckblitze locker. Wer aber Ganzkörperportraits in einer Lagerhalle mache möchte, wir hier nicht weit kommen (oder mehrere Blitze kombinieren müssen). Bei diesem Sportfoto z.B. haben wir zwei grosse Elinchrom Studioblitze auf voller Leistung im Einsatz. Die Details sind im Artikel zur Sportfotografie in Bern beschrieben.

Sportfotograf in Bern - Bodybuilding

Sportfotograf in Bern – Bodybuilding: Studioblitz oder Aufsteckblitz ist hier keine Frage

Aufgrund der Bauart kann ein Aufsteckblitz eine grosse Softbox nicht gleichmässig ausfüllen. Ich gehe nach der Faustregel vor, dass Octaboxen bis 90cm OK sind, darüber macht es kaum noch Sinn. Meine 25x150cm Striplights von Walimex befeuere ich manchmal mit einem einzelnen Aufsteckblitz, wenn ich über Kopf arbeite und ein Gewichts-Problem habe. Dann bin ich aber auch mindestens auf ISO 200, meist ISO 400 und akzeptiere, dass sie nicht ganz gleichmässig ausgefüllt werden.

 

Studioblitze: Die grössten Vorteile

Mit Studioblitzen oder der Variante des Portys (Studioblitz mit Akku) hat man keine Probleme in der Leistung. Für wenig Aufpreis kann man sehr viel Power kaufen. Fürs Wohnzimmer werden Blitze mit 250 Watt reichen. Ich selbst verwende meist zwei Elinchrom RX 2 Blitze. Wer auch mal grössere Räume oder Gruppen von Personen beleuchten möchte sollte eher mehr Power nehmen. Wenn ich unterwegs bin nehme ich gerne den Jinbei HD600 II mit, da ich dann unabhängig vom Strom bin. Ausserdem kann der High Speed Blitzen. HSS ist nicht nur bei schneller Action notwendig, sondern evtl. auch beim Blitzen in der Sonne (wenn man keinen Graufilter verwenden möchte). Die volle Leistung benutze ich bei ihm vielleicht einmal im Jahr. Meist ist er eher auf 1/16 oder 1/8 Power.

On Location mit dem Jinbei HD600 in den Alpen

Die Bauart von Studioblitzen erlaubt es grosse Softboxen auszufüllen. Die Blitzröhre ragt aus dem Blitzgerät heraus und das Licht wird in alle Richtungen verteilt. Für Ganzkörper-Fotos von hübschen jungen Frauen verwende ich z.B. gerne eine 150cm Octabox von Walimex. Ein Aufsteckblitz würde hier ein wenig „verpuffen“. Für Halbkörper-Portraits verwende ich eine 120cm Octabox.

Studioblitze haben normalerweise ein Einstellicht, eine normale Glühbirne oder LED Lampe. Damit ist es (in dunklen Räumen) möglich, den Verlauf von Licht und Schatten auf dem Model zu sehen. Die Arbeit ist damit viel einfacher, als mit Aufsteckblitzen. Das funktioniert aber nur auf kurze Entfernung und nicht bei Tageslicht. Selbst nutze ich dieses Feature nur sehr selten – weil ich die Erfahrung habe. In meinen Anfängen war das ein Segen!

Schwarzweiss Portrait von Frau bei Fotograf in Bern – 120cm Octabox

Mit Studioblitzen hat man schnell einen Kabelsalat – aber man läuft auch nicht out of power. Bei grösseren Shootings unter Zeitdruck durchaus ein relevanter Faktor.

Und schliesslich noch das Thema Weissabgleich. Hochwertige Studioblitze haben eine genormte Farbtemperatur. Für die eigenen Blitze hat man schnell Erfahrungswerte und weiss, dass man sich darauf verlassen kann. Bei „günstigen China-Blitzen“ weiss man das nicht immer – was natürlich ein Vorurteil ist.

 

Studioblitze: Die grössten Nachteile

Neben dem Preis und den Kabeln über die man gerne stolpert ist der Faktor Grösse nicht zu unterschätzen. Der Transport ist noch das eine, aber die Lagerung das andere. 2 Studioblitze mit Stativ und Lichtformern, das nimmt überraschend viel Platz weg und meist bleibt es ja nicht bei 2 Lichtformern. Vor dem Kauf also vielleicht schon mal überlegen, wo man das ganze Zeug lagert, wenn man nicht ein eigenes Kellerzimmer für das Heimstudio reservieren kann. Lange Zeit hatte ich kein Wohnzimmer, weil es voller Blitze stand…

Achtung bei Blitzen gibt es verschiedene Anschlüsse. Hat man sich mal für ein System entschieden, ist es zwar mit Adaptern möglich später zu wechseln, aber das wird schnell teuer/mühsam.

 

Fazit: Studioblitz oder Aufsteckblitz – was soll man kaufen?

Die Frage nach Studioblitz oder Aufsteckblitz stellt sich meist erst nachdem man bereits mehrere Aufsteckblitze gekauft hat und merkt, dass man „mehr möchte“ – häufig ohne genau zu wissen, was das bedeutet. Entsprechend kann es Sinn machen, zunächst mal bei einem Freund über die Schulter zu schauen oder noch besser einen Einsteiger-Workshop in die Studiofotografie zu besuchen (z.B. bei mir). Dort wird man selbst ausprobieren können, ob die (evtl. zu hoch gesteckten) Erwartungen erfüllt werden können. Auch wird man nachher konkreter entscheiden können, was genau man an Ausrüstung braucht. Wichtig ist hier: Der Workshop sollte in die gleiche Richtung gehen wie das, was Du fotografieren möchtest. Ein Portrait-Workshop ist wahrscheinlich nicht das Richtige, wenn Du Münzen oder Wasserspritzer fotografieren möchtest.

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Müssen es teure Studioblitze von Elinchrom oder Broncolor sein? Darauf gibt es, natürlich, keine einfache Antwort. Elinchrom ist eine Schweizer Marke und hier sehr verbreitet unter Profifotografen. Ich habe vier Stück und sie arbeiten seit Jahren zuverlässig und stecken auch den Transport auf dem Fahrrad bei Frost und Regen locker weg. Die Verarbeitung ist tadellos. Kann das auch ein „China-Blitz“ für den halben Preis? Keine Ahnung. Der Jinbei HD600 z.B. ist vor allem sehr günstig für seine Leistung, aber ich würde ihn nicht als „sehr gut verarbeitet“ bezeichnen. Wieviel darf das wert sein? Schlussendlich musst Du selbst entscheiden, ob Du Studioblitz oder Aufsteckblitz verwenden möchtest.

Vielleicht auch interessant: Das Tutorial zum Thema Schwarzweiss-Portraits.

fotografie-ausruestung

Wer sagt, dass man mit Aufsteckblitzen wenig Gepäck hat?