„Damn!“, frustriert versetze ich dem auf dem Boden liegenden Zelt einen Tritt. Schon wieder bin ich im Dunkeln auf dem Weg zum Schreibtisch darüber gestolpert. Ich stelle die Kaffeetasse ab und schalte die Lampe neben meinem Monitor an. Eingeengt fühle ich mich, als ich mich umblicke. Das 10qm Zimmer ist vollgestellt mit IKEA-Regalen. Berg- und Fotoausrüstung, Sachbücher, mein Schreibtisch mit zwei grossen Monitoren und der Backup-Station. Viel Platz zum Atmen habe ich nicht.

In meinen Videos sieht man unseren grossen, hellen Wohnbereich. Aber unsere Vierzimmer-Wohnung ist viel zu klein für zwei Homeoffice-Büros, zumal wenn ich so viel Ausrüstung für meinen Job benötige. Folgerichtig suchen wir schon länger eine neue Bleibe. Warum wir zurück in unsere Heimat ziehen und ein Haus auf dem Lande in der Lüneburger Heide bauen habe ich in dieser Notiz auf Facebook bereits beschrieben. Hier möchte ich erzählen, wie wir unser „Traumhaus“ gefunden haben.

Traumhaus von HBB in Müden

Traumhaus von HBB in Müden

 

„Wünschst Du Dir nicht manchmal auch, zurück nach Lüneburg zu ziehen?“ Kristina blickt mich fragend an. Wir sitzen beim Abendbrot und reden über dies und das. Bedächtig nehme ich noch einen Schluck Wein, bevor ich antworte: „Nein, für mich ist klar, dass ich hier bleibe. Ich bin so lange heimatlos umhergereist. Hier bin ich und hier bleibe ich.“ Einen Moment schweigen wir. „Mir geht es ja nicht anders. Aber möchtest Du hier in Bern ins Altenheim gehen?“

Es ist nicht das erste Mal, dass wir dieses Gespräch führen und immer läuft es darauf hinaus: Ja, wir fühlen uns in Bern sehr wohl, haben uns hier viel aufgebaut. Aber wir sind und bleiben Ausländer und möchten in der Heimat alt werden. Und wir möchten nicht mit 65 noch mal neu anfangen.

Möchtest Du hier in Bern ins Altenheim gehen?

Also hole ich meinen Laptop hervor, nachdem wir das Geschirr vom Tisch geräumt haben. „Hier, ich habe mal bei Immoscout gesucht. So ein altes Bauernhaus südlich von Lüneburg, das wäre was. In der Scheune könnte ich mein Fotostudio einrichten und unsere Katze hätte auf dem Dachboden sicherlich genug Mäuse zu finden.“ Mit einem Leuchten in den Augen zeige ich ihr eine Anzeige. Den Rest des Abends und viele weitere verbringen wir mit dem Blättern von Anzeigen. Über Monate finden wir interessante Häuser, aber eben nicht genau das, was wir wollen. Oder wenn, dann ist es unerschwinglich für uns. „Eine Million für das Anwesen in St. Dionys? Die Spinnen doch!“

Je länger wir suchen, desto klarer wird: Kaufen ist nicht günstiger als bauen und auch nicht schneller. Die Baubranche boomt und wer in Deutschland Ausbauen oder Renovieren will, der braucht viel Geld und Geduld. Wir sind zu wenig Handwerker, um das selbst in die Hand zu nehmen.

Schliesslich schwenken wir um auf Bauen.

 

 

Ein Fertighaus bauen?

Zunächst klappern wir Musterhaus-Zentren ab. Langsam festigt sich dabei eine Liste Eigenschaften, die wir unbedingt haben wollen. „Ich habe vier Jahre in einem 12qm Zimmer gewohnt. Mit zwei Rädern und meiner Outdoor-Ausrüstung.“ Betone ich immer wieder. „Ich will viel Platz haben! Grosser Wohnbereich und viel Licht!“, da sind wir uns einig.

Wir wollen zwingend eine hohe Decke im Erdgeschoss. 2.8m wären super. Und viele Fenster. Ausserdem ein Büro für mich mit mindestens 40qm und ein Büro für sie.

Das Erdgeschoss muss altengerecht sein, falls einer von uns mal nicht mehr die Treppe hoch kommt. Ein Gästezimmer zum Wohlfühlen und ein schönes Bad mit Sauna. Die Wunschliste wächst so schnell wie der Preis. Schnell zeigt sich auch, dass die Fertighausanbieter uns nur ihre Standard-Häuser leicht anpassen können. Unsere Vorstellungen passen da nicht hinein und wir fühlen uns auch nicht sonderlich ernst genommen. Wir wären nur einer von 400 Bauherren, die jährlich abgefertigt werden. Baubeginn erst im nächsten Jahr. Für so einen teuren Traum möchten wir nicht ständig hören „das kann man nicht umsetzen“.

Sonnenuntergang in der Lüneburger Heide

Sonnenuntergang in der Lüneburger Heide

 

Hermannsburg

„Riechst Du das?“, fragt Kristina als wir aus dem Auto steigen. „So riecht es nur hier.“ Nach Kiefern riecht es und nach Sand. Sauber ist die Luft und ich höre nichts ausser dem Wind in den Bäumen.

Waren wir zunächst offen für ein Haus „irgendwo im 50km Umkreis um Lüneburg“, so haben wir uns schliesslich auf Hermannsburg geeinigt. Kristina ist dort aufgewachsen und ich habe den Ort bereits bei meinem ersten Besuch ins Herz geschlossen. Hier grüsst man sich noch. Die einzige Ampel wird um 18 Uhr abgestellt. Und dennoch hat man, ausser einem Krankenhaus, alles was man braucht. Da wir beide von zu Hause aus arbeiten, können wir uns den Luxus frischer Landluft leisten.

 

 

Ein Architektenhaus für unser Traumhaus

Schliesslich wenden wir uns an Kristinas Bruder. Er ist Architekt und hilft uns gerne. So entsteht schrittweise unser individuelles Traumhaus. Das Grundstück dafür ist schnell gefunden: 1660qm in einem ruhigen Wohnquartier. „Wir müssen zwei einheimische Bäume auf unserem Grundstück pflanzen.“, liest Kristina lachend die Bauvorschrift vor. Auch Farbe und Steilheit des Daches sind vorgeschrieben, genau wie die Traufhöhe.

Unser Architekt sieht das aber nicht als Hindernis. Und wirklich, er kommt auf Ideen, wie wir das kreativ ausnutzen können. Lichtschächte in mehreren Zimmern werden dafür sorgen, dass wir im Wohnzimmer „wie draussen sitzen, nur ohne Wind“. Zwei grosse Gauben sorgen für gerade Wände im oberen Stockwerk. Das Haus ist als KfW40 Plus konzipiert, also mit extrem niedrigen Energieverbrauch.

Mein Büro bekommt drei grosse bodentiefe Fenster – ideale Voraussetzungen für Available Light Fotografie oder die Aufnahme von Videos und genügend Platz für eine Leinwand ist auch.

„Der verdammte Flur kostet uns 30.000 EUR!“, es liegt Verzweiflung in meiner Stimme. Seit Tagen schieben wir Wände auf dem Plan hin und her. „Ja, das wäre sehr schön so, aber es liegt finanziell einfach nicht drin! Wenn wir das ganze Haus 1m kürzen, dann ist die Photovoltaik-Anlage bezahlt. Aber dann ist mein Büro ein nur schmaler Schlauch.“

Viele sehr teure Entscheidungen waren zu treffen die letzte Wochen. Lauter Dinge, von denen wir keine Ahnung haben, die man später aber kaum noch ändern kann. Wir versuchen das nicht zum Stress werden zu lassen, aber es zehrt an den Nerven.

 

Schafstall in der Lüneburger Heide

Schafstall in der Lüneburger Heide

 

HBB aus Müden – Das Bauunternehmen des Vertrauens finden

Sobald man sich mit dem Bauen beschäftigt, erzählt einem jeder Horror-Geschichten eigener Erfahrungen. Da wir nicht vor Ort sind, um jeden Schritt zu überwachen brauchen wir einen Bauleiter und ein Bauunternehmen, denen wir vertrauen können. Das hat die Auswahl nicht einfach gemacht. Uns ging es dabei nicht um „das billigste“ Angebot, sondern einen fairen Preis. Ich komme aus einer Handwerker-Familie und weiss, dass „Geiz ist Geil“ und Qualität nicht zusammenpassen.

Es geht ja nicht nur um die Angst vor dem berüchtigten „Pfusch am Bau“, sondern auch um Dinge die wir falsch entschieden haben oder noch ändern werden. Bei „schlüsselfertigen Angeboten“ sind viele Dinge enthalten, die wir so nicht übernehmen werden. Von der Haustür bis zur Badewanne. „Rechnet da mal noch 50.000 EUR drauf!“ warnt uns Kristinas grosser Bruder. Das sind dann aber genau die 50.000, die uns fehlen werden.

Plant euer Traumhaus und sucht euch dann ein Unternehmen, mit dem ihr das realisieren könnt.

Dieser Ratschlag gefällt uns besser und so kommt am Ende ein Grundriss raus, von dem wir in der Tat überzeugt sind.

Von HBB aus Müden haben wir von Bekannten gehört, die zufrieden mit der Zusammenarbeit waren. Also haben wir erste Gespräche aufgenommen und hatten ein gutes Bauchgefühl. Ein bodenständiges Norddeutsches Unternehmen, bei dem wir ernst genommen werden. So unser bisheriger Eindruck.

 

Wo du weg willst wenn du älter wirst und zurück willst wenn du alt bist, das ist “Heimat”

Mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag des Grundstücks und der Beauftragung von HBB geht die Arbeit erst richtig los. Die nächsten Monate werden noch viele teure Entscheidungen zu treffen sein. Immer überschattet auch von der Sorge, wie es werden wird in der neuen, alten Heimat zu leben und zu arbeiten.

Klar ist aber: Wir freuen uns sehr aufs eigene Heim. Auf das hoffentlich letzte „Ankommen“. Auf Heimat eben.

Unser Grundstück in Hermannsburg

Unser Grundstück in Hermannsburg