“Soll ich die Kamera tragen?” versuche ich Gentleman zu sein. “Nein”, sagt Kristina bestimmt. “Ich wollte die Canon haben, jetzt trage ich sie auch!” Wir sind am Wandern im Yosemite National Park und an der Canon hängt das 70-200 F4 Objektiv. Nicht wirklich schwer, aber doch deutlich über ein Kilo mit der Kamera.

Im Testbericht zeige ich, was wir die letzten Wochen alles mit der Canon 80D angestellt haben, wie sie sich gegenüber der 6D schlägt und wo ich ihre Schwächen sehe.

Testbericht Canon 80D im Praxiseinsatz in der Landschaftsfotografie

Kristina und ich sind aktuell an der Pazifikküste von Kalifornien in einem schönen Hotel mit Pool im Carmel Valley. Heute Morgen haben wir See-Elefanten fotografiert, die sich im Meer getummelt haben. Bergseen, Death Valley, Wasserfälle und Herbstwald. Wir haben einen sehr vielfältigen Urlaub. Was wir hingegen nicht fotografiert haben ist Action-Sport. Das ist aber auch nicht die primäre Zielaufgabe der 80D (dafür gibt es die 7D MII). Im Bereich Landschaftsfotografie haben wir die 80D jedenfalls auf Herz und Nieren geprüft – und sie hat sich gut geschlagen.

See-Elefanten

See-Elefanten am Big Sur

Als Outdoor Kamera hat die Canon 80D einiges zu bieten. Sie ist klein und leicht genug, um sie bequem zu tragen. Stundenlang hat Kristina sie beim Wandern griffbereit gehalten und (vergeblich) auf Schwarzbären gelauert. Mit dem richtigen Objektiv ist sie wetterfest und der Akku hält. Und hält. Nach 1000 Fotos lade ich ihn dann mal auf – alle ist er noch längst nicht.

Tioga Road Yosemite

Tioga Road Yosemite

 

Dynamic Range und ISO Rauschen

Der mangelnde Dynamikumfang der Canon Chips war Langezeit ein grosser Kritikpunkt von Landschaftsfotografen. Mit der 80D soll sich das endlich geändert haben – so hat Canon versprochen. Sonnenuntergänge und Gegenlichtsituationen sind typische Szenarien, bei denen wir Landschaftsfotografen gerne faul sein und mit einem Foto auskommen möchten.

Sonnenuntergang-Sequoia-National-Park

Sonnenuntergang im Sequoia National Park – HDR aus zwei Fotos

Das folgende Foto von mir bei Sonnenuntergang ist ein typischer Fall: Um die hellen Stellen zu retten ist es um eine Blende unterbelichtet. Dadurch bin ich jedoch zu dunkel.

Canon 80D Testbericht

Canon 80D Testbericht: Dynamikumfang

Freunde von künstlichen HDR-Looks können aufatmen: Endlich kann man auch bei Canon die dunklen Bereiche deutlich aufhellen, ohne zu starkes Rauschen einzuführen. Nicht auf dem Niveau einer Nikon D750, aber mit Ergebnissen, wie ich sie bislang von Canon nicht kannte.

Canon 80D Testbericht: Dynamikumfang

Canon 80D Testbericht: Dynamikumfang

Anders sieht es  beim ISO-Rauschen aus. Hier enttäuscht (mich) die Canon 80D. Bereits ab ISO 1600 ist starkes Rauschen zu sehen. Natürlich kann man das in Lightroom reduzieren und auch die JPGs aus der Kamera verstecken es noch gut. Dennoch hatte ich mir hier mehr versprochen. Der Crop aus diesem Freihand-Foto von mir zeigts.

Canon-80D-ISO-Rauschen

Canon-80D-ISO-Rauschen

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Autofokus

Die 80D hat sehr viel mehr Fokuspunkte, als die 11 meiner 6D. Und alles Kreuzsensoren. Das klingt erstmal gut. Und in der Tat ist der Autofokus schnell und zuverlässig – übrigens auch im Live-View. Dieser ist inzwischen absolut praxistauglich und vergleichbar mit dem von vielen Systemkameras. Was mich hingegen extrem stört: Die Möglichkeit Autofokuspunkte zu gruppieren. Nutze ich bei der 6D ausschliesslich einen Autofokuspunkt, so macht das bei 45 Fokuspunkten nur noch bedingt Sinn. Man kann, nützlicherweise, mehrere Punkte gruppieren und die Kamera fokussiert dann mit den passenden aus dieser Gruppe. Das klappt in der Praxis sehr gut. Leider kann man diese 9er Gruppe aber nicht frei verschieben. Man kann sie nur links, mitte oder rechts platzieren und oben, mitte, unten. Das passt für mich leider nur selten richtig. Möchte ich die Drittel-Regel anwenden, so hätte ich die 9 Punkte gerne “halblinks” oder “halbrechts”. Bei der Nikon D750 z.B. habe ich eine vergleichbare Gruppierung und kann diese eben frei verschieben. Das mag unwichtig klingen, hat mich aber manches Foto gekostet und es ist mein einziger wirklicher Kritikpunkt an der Canon. Darüber fluche ich bei jeder Benutzung der Kamera!

Der folgende Vogel ist typisch: Ich hätte ihn gerne etwas weiter links, aber weil die Fokuspunkte “unten-mittig” waren…

vogel

Autofokus an der Canon 80D im Review

Autofokus an der Canon 80D im Review

Farben, Kontrast und Co

Farben kann Canon. Die Fotos sehen out of camera immer gut aus. Der Kontrast ist gut, die Farben gefallen (uns). Egal, ob es um Hauttöne oder Herbstlandschaften geht. Ich nutze Canon primär wegen dem tollen Weissabgleich als meine Hauptkamera. Die RAW-Dateien bieten mir dann alle Möglichkeiten, noch den letzten Rest Kontrast rauszukitzeln.

Bergsee am Rande vom Yosemite National Park

Bergsee am Rande vom Yosemite National Park

 

Sonnenuntergang auf der Eureka Düne - Death Valley

Sonnenuntergang auf der Eureka Düne – Death Valley

 

Bedienung

Als ich die Canon 80D das erste Mal in die Hand genommen habe, konnte ich sie bedienen. Blind. Ich weiss genau, welcher Knopf wo ist. Weil ich seit Jahren mit Canon arbeite. Statt wie die Firma S aus J ständig alles umzuwerfen, führt Canon ihre bewährte Linie fort. Hat man sich einmal an die Bedienung gewöhnt, dann fühlt man sich bei allen Canons wohl. Die Buttons und Drehräder haben genau den richtigen Wiederstand. Nicht einmal habe ich Blende oder Verschlusszeit aus Versehen verstellt (was mir bei Sony ständig passiert).

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Der Touch Screen ist sehr gut gelöst. Ich ignoriere ihn, aber Kristina benutzt ihn fleissig. Für mich ist wichtig: Er stört nicht. Die Nasenerkennung klappt super. Was ich hingegen viel nutze ist das Klapp-Display. Da ich sehr viel auf dem Stativ arbeite, schätze ich das Display sehr (meine 6D hat leider keins).

Besondere Funktionen nutzen wir nicht. Wifi z.B. haben wir nicht benutzt, nutze ich an meiner 6D ebenfalls nicht. Einzig die Belichtungsreihe nutzen wir viel.

 

Fazit

Lange war ich mit der 60D unterwegs – auch noch als ich die 6D schon hatte. Lange Zeit habe ich keinen Unterschied in den Bildern feststellen können (bei gleichem Objektiv). Mit der 80D ist viel gegangen bei Canon.  Der Autofokus ist noch mal deutlich besser geworden, Live View funktioniert endlich (auch bei wenig Licht) und endlich endlich haben wir mehr Dynamikumfang in den Fotos.

Haptik, Grösse und das gesamte Handling der Kamera gefallen uns sehr gut. Praktischer Nebeneffekt: Da wir mit den beiden Canons unterwegs sind, können wir Objektive hin und her tauschen und die Bedienung ist identisch. Dadurch kann ich Kristina jederzeit meine Kamera in die Hand drücken und sie kann sie bedienen.

Schlusswort: Preis. Verglichen mit dem, was manche Systemkameras aktuell kosten ist die Canon ein Schnäppchen. Und ich kann Canon Glas anschliessen, ohne einen Adapter nehmen zu müssen, wie viele das mit ihren Sonys machen.

Sonnenuntergang am Meer - Testbericht Canon 80D

Sonnenuntergang am Meer – Testbericht Canon 80D